Ansichten eines Fooligans: Every 1's a Winner

Ansichten eines Fooligans: Every 1
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Der Groß-Comedian Jerry Seinfeld sagte einmal, der schlimmste aller Plätze sei der zweite Platz. Denn der Zweite wäre der erste der Verlierer, der Verlierer Nr.1.
Auch wenn ich in der Schule gelernt habe, dass man Groß-Comedians nicht widersprechen soll – hier liegt Seinfeld falsch. In Wahrheit waren alle Sieger bei diesem Turnier.

Fast jeder kleine Junge (und immer mehr kleine Mädchen) kickt auf dem Schulhof gegen den Ball, ziemlich viele von den Schulhofkickern gehen dann in einen Verein (der Deutsche Fußball-Bund beispielsweise hat sechs Millionen Mitglieder). Dort trainieren sie ihr Ballgefühl, machen Waldläufe, verletzen sich, machen trotzdem weiter, werden gedrillt und haben trotzdem Spaß.


Dann kommt die Pubertät mit ihren Verlockungen in Form von Flatrate-Saufen und Kettenrauchen, das andere Geschlecht kostet Zeit und die allermeisten sehen ein, dass sie nicht den Biss haben, nicht das Talent oder nicht die athletischen Voraussetzungen, um weiter zu kommen im Fußball.
Nur die Diszipliniertesten, ja: Besessensten unter ihnen, die, die von den abermillionen Spielern das meiste Talent haben, werden in die Jugendauswahlen berufen. Von den Nationalspielern aus den Jugendmannschaften wiederum schaffen es nur die allerwenigsten in die höchste Liga. Und nur ein kleiner Teil der Erstligaspieler gelangt in die Nationalmannschaft.
50 Nationalmannschaften haben darum gekämpft, sich zur Europameisterschaft zu qualifizieren – und auch wenn man versucht ist, hochmütig auf die Kicker aus Aserbeidschan, San Marino oder England zu schauen – auch die haben einiges drauf.

Die sechzehn Mannschaften, die sich schließlich qualifiziert haben, hatten alle das Zeug für den finalen Triumph, im Weg stehende Querlatten und Pfosten, Verletzungen und rote Karten, ein unaufmerksamer Moment verhinderten das Fortkommen.
Die Spieler, die schließlich im Finale standen, waren von dutzenden Millionen, die irgendwo in Europa Schulranzen zu Pfosten umfunktionierten, Coladosen kickten und sich Trikots zu Weihnachten wünschten, die zähesten, versiertesten, athletischsten, die glücklichsten Spieler.


Eine Europameisterschaft der Sieger, mit zwei hervorragenden Gastgebern.
Danke Österreich, danke Schweiz.
Und jetzt erkläre mir bitte jemand, warum ich trotzdem einen Verlierer-Kater habe.
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