30/06/2008 17:19
Facts-EM-Rückblick: Eure Highlights
Es gab Überraschungen und Entdeckungen bei diesem Turnier, Mannschaften und Spieler, mit denen vorher niemand gerechnet hatte. Manch andere, mit denen man gerechnet hatte, haben eher enttäuscht, wichtige Spieler haben sich unglücklich verletzt, Bälle sind zur falschen Zeit in die falschen Tore gefallen, und die Wasserschlacht zu Basel wird wohl in die Fussballgeschichtsbücher eingehen.
Und trotz allem haben die Schweizer (und auch die Österreicher) ein tolles Turnier perfekt organisiert. Danke an alle, die daran mitgearbeitet haben!
Ich habe mich als Teil des Facts-2.0-Teams bemüht, euch über die wichtigsten Infos zu den Spielen auf dem Laufenden zu halten. Mir hat die Arbeit hier grossen Spass gemacht. Danke an euch alle, die ihr so fleissig mitgetippt und kompetent kommentiert habt!
Ob ihr die Spiele in den Fan-Zonen gesehen habt, in eurer Lieblingsbeiz oder lieber in eurer Private Viewing Area formerly known as Wohnzimmer, oder ihr vielleicht sogar das Glück hattet, ein Spiel live im Stadion miterleben zu können - jeder und jede von euch hat sicher ganz persönliche Erlebnisse und Highlights, an die er oder sie sich erinnert.
Wie sieht euer persönliches WM-Resümee aus?
Beste Mannschaft:
Bester Trainer:
Beste(r) Spieler:
Bester Torhüter:
Bester Newcomer:
Bester Experte:
Nervigster Kommentator:
Schönstes Stadion:
Schönste Fan-Zone:
Schönstes EM-Lied:
Tendenz der EM:
Grösste Überraschung:
Grösste Enttäuschung:
Schönste persönliche EM-Erinnerung:
(Nein, ihr müsst die Fragen nicht alle beantworten, sie sollen nur als kleine Anregung dienen.)






Diskussion
Der Offensivfußball erfreute sich größter Beliebtheit. Nicht nur bei den Fans, sondern auch bei den Trainern und ihren Mannschaften. Nachdem die EM 2004 in Griechenland und die WM 2006 in Deutschland ja nicht gerade für ihren Angriffsfußball bekannt waren, ist diese Entwicklung vielleicht ein wenig überraschend gekommen. Aber sehr, sehr, sehr zu begrüßen! Hoffe, dass es in dieser Tonart weitergeht. Auch auf Vereinsebene.
Es gab wunderbarste Fußballspiele zu sehen, die an Spielfreude oder Dramatik nicht zu überbieten waren. Allen voran natürlich die Niederländer, die Italien und Frankreich regelrecht an die Wand spielten. Allen voran die Russen, die Schweden und die Niederlande regelrecht an die Wand spielten. Und die Spanier spielten sowieso zumeist Katz und Maus mit ihren Gegnern. Die Türken sorgten vier Mal für eine Dramatik der besonderen Art. Beim vierten Mal schlug das Pendel aber den Ball in ihr Tor, statt in jenes, des Gegners. Und genau deshalb, darf man kein Spiel versäumen. Weil, wer das nicht "livehaftig" gesehen hat, er würde es heute nicht glauben.
Abgedroschene Fußballerregeln feierten fröhliche Urständ:
Dass die Deutschen eine Turniermannschaft seien, die sich mit jedem Spiel steigern können, hörte man im Vorfeld immer wieder. Und es bewahrheitete sich.
Dass ein Fußballspiel 90 Minuten dauert und am Ende die Deutschen gewinnen, soll Gary Lineker gesagt haben. Hätte die Löw-Truppe auch noch das Finale gewonnen, man müsste Gary Lineker mit dem “goldenen Nostradamus” auszeichnen.
Portugal, um Christiano Ronaldo Superstar, wird gerne als Primaballerina bezeichnet. Das Viertelfinale gegen Deutschland bestätigte es eindrücklichst: “wenn die Gegner so nah stehen, dann kriegen wir Migräne”.
Dass die Österreicher einfach nicht gewinnen können, hat sich leider auch bewahrheitet.
Wo ein Hiddink ist, da wartet zumindest ein Achtel- oder Viertelfinale. Stimmt. Nach Australien und Südkorea, waren es die Russen, die er sogar ins Halbfinale führte. Respekt.
Ein Spiel ist erst dann aus, wenn der Schiedsrichter abpfeift, heißt es. Die Türken haben es auf eine unfassbare Art und Weise bestätigt. Die Deutschen freilich auch (und noch jetzt will man es nicht so recht glauben, dass die Türken in vier aufeinanderfolgenden Spielen ihre Tore in den Schlussminuten machten).
Die Tore, die man nicht schießt, bekommt man! Dieses “ungeschriebene Gesetz” des Fußballs schmeckt den Wenigsten. Weil damit versucht wird, eine grobe Ungerechtigkeit zu erklären. Am eindrücklichsten sah man es bei Österreicher gegen Polen. Lassen 3 todsichere Chancen aus und kassieren wenig später ein Abseitstor. Oder die Schweizer, die zu dritt auf den türkischen Torhüter laufen, den Ball nicht an diesem vorbeibringen und im Gegenstoß das Tor bekommen und ihre Niederlage besiegeln. Oder die Tschechen, die locker ein drittes Tor hätten machen können. Gegen die Türken. Haben sie aber nicht. Was folgte? Die Strafe auf dem Fuß.
Auffällig: die Sieger aus der Gruppenphase (Portugal, Kroatien, Holland, Spanien), deren Stammspieler sich beim letzten Spiel ausruhen konnten (weil sie schon sicher im Viertelfinale waren und die Trainer natürlich ihre “B-Mannschaft” spielen ließ), versagten allesamt. Nur Spanien rettete sich durch ein Elfmeterschießen. Scheinbar tut es den Spielern nicht gut, wenn man den Spielrhythmus unterbricht (das sagte schon anno 78 der österreichische Teamtrainer Senekowitsch). Vielleicht war es aber auch eine ungesunde Portion Überheblichkeit und Selbstüberschätzung. Die Gruppensieger, die ihre Gegner in der Gruppenphase vollkommen beherrschten, dachten nicht im Traum daran, dass ihnen ein Zweitplatzierter gefährlich werden könnte. Anders gesagt: sie erwarteten sich vom Gegner keine besondere Gegenwehr. Am auffälligsten sah man es, als die Deutschen auf die ersatzgeschwächten “ich stell den dritten torhüter als stürmer auf”-Türken getroffen sind. Die Löw-Truppe, noch völlig berauscht von ihrem Kantersieg gegen die als EM-Favorit geltenden Portugiesen, wusste nicht, wie ihnen geschah: die Türken zeigten sich in keiner Weise eingeschüchtert, ja, mehr noch, sie spielten das Spiel ihres Lebens, während die Deutschen eine mäßige Figur machten.
Der Wetter- und der Fussball-Gott haben den Schweizern nicht das erhoffte Füllhorn für eine saftige Glückssträhne hingehalten, weshalb Schwung und Überschwang in der Startphase fehlten und die unumkehrbare Eigendynamik nicht ins Rollen kam. Trotzdem es war ein herrlicher Anlass mit je nach Fansichtweise unterschiedlich wahrgenommen tollen Sport- und Erlebnis-Momenten. Die Organisation hat geklappt wie ein Schweizer Uhrwerk. Super geklappt und dafür ein grosses Lob, hat auch die Fussball EM Moderation und Berichterstattung auf Facts. Danke und gerne weitere engagierte und stimmungsaktive Bericht von kommenden Grossereignissen.
- Hollands EM Titel 1988 muss ein Zufall gewesen sein. Die Oranjes gewinnen in der Regel Schönheitspreise aber keinen Blumetopf.
- Die Deutschen wissen, wann sie gut spielen müssen. Warum sie das im Final vergessen haben, bleibt mir ein Rätsel.
- Bald werden erste Studie kommen und gross und breit darlegen ob, bzw. wenn nicht, warum volkswirtschaftlicher Nutzen entstanden ist. Fakt ist: Es kostet vor allem den Steuerzahler etwas. Fakt ist aber auch: Das gibts alle 50 Jahre und mann kann das Geld blöder ausgeben.
- Die EM war toll organisiert.
- Promis uns andere eingeladene Gäste die sich nicht für Fussball interessieren und trotzdem hingehen, sollten sich ein bisschen schämen.
- Die Bergtourfotos der Deutschen sind lächerlich.
- Hakan Jakin in der Schweizer Illustrierten ist noch lächerlicher.
- Platini scheint noch nicht aus dem Winterschlaf gefunden zu haben, so wie der dreinschaut.
etc. etc.
Meiner Meinung nach haben die Deutschen genau ein gutes Spiel abgeliefert, das war gegen Portugal. Gegen Kroatien, die Türkei und Spanien waren sie schlecht bis hilflos. Polen und Österreich sind keine echten Gradmesser, wobei sie auch gegen Österreich bis zu Ballacks Hammer nicht überzeugt haben.
"Fakt ist: Es kostet vor allem den Steuerzahler etwas. Fakt ist aber auch: Das gibts alle 50 Jahre und mann kann das Geld blöder ausgeben." - Das gefällt mir.
Um unseren Kolumnisten Malte Welding zu zitieren: "Der Fussball ist der Angstgegner der Prognose." :-)
Melden Sie sich an oder loggen Sie sich ein, um an der Diskussion teilzunehmen.