26/07/2008 17:57
Wieso Facts 2.0 scheitert
Unlängst fragte mich Peer Dittmar, was genau denn schief laufe bei Facts 2.0. Ich war verstummt. Ich weiss nicht recht, wieso Facts 2.0 offenbar scheitert. Vielleicht, weil die Plattform eigentlich... »







Diskussion
Nach einer speziellen Art des Groundings ist Facts wieder da... Mal schauen, wie's weitergeht!
@Christiane Schulzki-Haddouti
Ich schliesse mich der Kritik an.
Noch eine grundsätzliche Frage/Bemerkung: Wie schon mal erwähnt, bin ichi nicht Teil eines Medienkuchens. Ab und zu habe ich das Gefühl, dass auf beiden Seiten sehr empfindlich reagiert wird. Kennen sich da alle und gibt es offene Rechnungen bzw. Animositäten.
Ich möchte nochmals daran erinnern, dass FACTS kein digg.com ist, dessen Inhalte ausschliesslich ein Produkt der Useraktivität sind. FACTS ist per Definition ein HYBRID-Medium und als Aggregator mit seiner DIGEST-Funktion ein Resultat REDAKTIONELLER Leistung, das aber NUR MIT DEN USERN ZUSAMMEN als solches wertvoll ist! Wenn man ein Teil des Ganzen abschneidet, stirbt es. Die User können selber jederzeit ungestört und ungefiltert Artikel schreiben und verlinken, Kommentare abgeben, uns Feedbacks schreiben und konstruktive Vorschläge für die Zukunft machen. Facts ist und wird DANK SEINEN LESERN LEBENDIG bleiben.
So bald wie möglich wird hier einen KUMMERKASTEN eingerichtet, in welchem jeder seine Anliegen deponieren und mit uns diskutieren kann. Wir möchten aber nicht unbedingt, dass solche "Metadiskussionen" die sachliche Diskussion zu verschiedenen Themen verdrängen (was ja die Stärke von FACTS ist). Es besteht die Gefahr, dass wir dadurch die grosse Mehrheit der FACTS-Community, die an thematischen Auseinandersetzungen interessiert ist, langweilen.
"Redaktionsblog" wäre vielleicht schöner, weil offener. Kummerkasten -haben wir den nicht schon? Wir können ja jederzeit private Notizen schreiben.
Achso: Minuspunkt auch, weil Facts nicht scheitern wird. :)
schon im ersten abschnitt wedelt sie wieder mit der verunglimpfungskeule und schwurbelt was von verletzenden angriffen und dass sie tag und nacht für diese plattform arbeiten. beides ist typisch für ihre kommunikation und hier wiedermal lehrbuchmässig vorgeführt. zuerst die plattitüde, dass kritik möglich sei, dann ein pauschalvorwurf an irgendwen und dann noch das wehleidige lied von der überlastung.
der mittlere absatz kommt mir irgendwie vor wie der satz kürzlich von sämi schmid, der an einer pressekonferenz gesagt hat: "Ja, ich bin handlungsfähig. Dies zeigt mir meine allgemeine Kompetenz meiner Arbeit."
sie wissen was ich meine?
der hammer ist der dritte absatz mit dem kummerkasten. das muss man sich im angesicht des gegenwärtigen gschtürms mal auf der zunge zergehen lassen. ku-mmer-ka-sten. ich muss es immer wieder lesen. ku-mmer-ka-sten. meine synapsen oszillieren zwischen belustigung und empörung.
nicht etwa ein blog, nein, ein ku-mmer-ka-sten.
nun, frau redaktorin, wo soll ich anfangen? ihr vorschlag trifft mich ehrlich gesagt etwas unerwartet. strategisch ist so ein kummerkasten natürlich eine ganz neue variante. ein kummerkasten für die metadiskussionen, genau genommen. wo man anliegen deponieren und mit ihrem staff diskutieren kann. das haben sie sich sicher lange überlegt. strategisch und so.
aber ich möchte ihnen eines sagen: das wird schwierig. sie haben es hier nämlich nicht mit durchgeknallten teenis zu tun, die gerne bisserl mit ihrem jugendarbeiter chatten möchten, auch nicht mit debilen senioren, die den kummerkasten noch aus den 60er jahre fabriken kennen. nein, wir sind ganz anders, frau leitende redaktorin. bei blogs wüssten wir nämlich schon, wie das geht. aber kummerkasten? haben die auch rss?
ps: als texter mit spezialgebiet naming empfehle ich übrigens statt "kummerkasten" eine "kummerbox" zu machen. tönt ein hauch frischer. und ist kürzer. sie wissen schon, kompression und so...
1. worin besteht die redaktionelle Leistung? Ich bin kein Kenner von Facts, aber werden hier nicht die Inhalte anderer Medien in aggregrierter Form zur Verfügung gestellt?
2. ist die Tatsache, dass jemand "Tag und Nacht" redaktionell für Facts arbeitet ein Grund, nicht kritisiert zu werden?
1. Die eine Antwort ist eine Gegenfrage: Worin besteht die Leistung eines Museums, stellt es doch nur Werke aus, die andere erstellt haben? Die andere Antwort ist einfach: Die redaktionelle Leistung besteht in der Auswahl und Gewichtung der Unmengen an Texten, die hier täglich aggregiert werden. Und im Moderieren der Diskussionen.
2. Nein, das ist kein Grund. Aber es ist vielleicht ein Hauch einer Erklärung, warum bei Facts 2.0 nicht alles so leicht von der Hand gehen kann, wie wenn hier 20 Leute angestellt wären.
@bugsierer
Sie wollen ihre Kritik als sachliche, faire und konstruktive verstanden wissen. In ihrem Blogposting war sie dies durchaus über weite Strecken. Aber dann verstehe ich nicht, warum Sie ein einzelnes Wort, den "Kummerkasten" gleich wieder auf die Goldwage legen, um darin den nächsten Skandal zu sehen.
1. Die Leistung des Museums besteht im Kuratieren einer Ausstellung, d.h. bestimmte Kunstgegenstände werden in einem von einer KuratorIn gewählten inhaltlichen Kontext gezeigt, um neue Fragestellungen oder Zusammenhänge aufzuzeigen. Dieser Anspruch besteht hier nicht, sonst müsste man verschiedene Artikel ja verlinken.
2. Leute, die hier "Tag und Nacht" arbeiten, haben meinen vollen Respekt, was die Arbeitszeit bzw. -leistung angeht. Wenn aber die Länge der Arbeitszeit ein Grund dafür ist, keine inhaltliche Kritik zu üben, dann werden da zwei verschiedene Ebenen durcheinander gebracht. Das heißt, inhaltliche Punkte werden nicht auf der inhaltlichen Ebene diskutiert, sondern auf die moralische Ebene gehoben. Das heißt, wenn ich Kritik übe, dann verhalte ich mich unmoralisch, weil ich plötzlich die Arbeit an sich kritisiere und nicht bestimmte inhaltliche Punkte.
Wenn Sie an konstruktiven Gesprächen mit Ihren UserInnen interessiert sind, sollten Sie, wenn Sie mir diesen Rat erlauben, sehr schnell von einer solchen Argumentation Abstand nehmen. Sie rufen genau das hervor, was Sie eigentlich verhindern wollen.
1. Ich möchte Journalismus gar nicht mit Kunst vergleichen, aber im Prinzip geschieht hier wie anderswo dennoch etwas ähnliches. Der "inhaltliche Kontext" ist die Aktualität und die Redaktion wählt täglich Texte aus, welche zur Aktualität passen oder andere interessante Themen behandeln. Aber wie bereits angedeutet: Es braucht den Vergleich mit dem Museum nicht, um zu erklären, dass hier eine redaktionelle Leistung erbracht wird. Dafür muss man nur ein klein wenig von Journalismus verstehen.
2. Wie gesagt: Es ist kein Grund, nicht kritisiert zu werden.
Eine homogene Gruppe von Benutzern/Beitragenden ohne Ecken und Kanten kann aber aus meiner Sicht keine Lösung sein für ein Newsnetzwerk mit einer breiten thematischen Ausrichtung. Bei Blogs sieht die Sache natürlich anders aus; jedes Blog hat seine Nische und bedient genau die Zielgruppe, die sich dafür interessiert. Bei Newsnetzwerken wie FACTS hingegen macht es Sinn und ist notwendig, dass es innerhalb der Gesamtheit von Benutzern/Beitragenden kleine Gruppen und Nischen gibt, die sich aus Individuen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen und Einstellungen zusammensetzen.
(Liebe Berufspädagogen: Ich entschuldige mich pauschal bei Euch - aber früher, als ich noch zur Schule ging, wars eben viiiiel schlimmer....!)
Allerdings ist dieser Ansatz nicht kompatibel mit der Idee, eine Community aufzbauen. Der Journalist als Gatekeeper folgt einem hierarchischen Prinzip, die Community benötigt genau die gegenteilige Struktur. Konkret: Facts muss sich entrscheiden, was es sein will, beides kann man nicht haben
@ ZyNick: Nur blöd, wenn man andere wegen ihres Verhaltens kritisiert und eigentlich genau das gleiche Verhalten an den Tag legt. :-)
@ Sabine: die Frage ist immer, welche Ziele ich mit oder in dieser Gruppe erreichen möchte. Will ich keinen Streit, ist eine homogene Gruppe vielleicht eine Zeit lang ganz nett. Soll sich die Gruppe weiter entwickeln, ist Heterogenität gefragt. Prof. Peter Kruse sagt, homogene Systeme sind dumme Systeme, d.h. wir brauchen die Instabilität.
Diese Instabilität muss man allerdings aushalten. Auf Facts bezogen heißt das: nur wenn die Kritiker ernst genommen werden, ist ein Erfolg möglich. Schließt man sie aus, wird das irgendwann mal ein nette, aber belanglose Gruppe.
Übrigens gilt das auch für Blogs. Wenn alle einer Meinung sind, wird sich daraus nie ein Dialog entwickeln und sich das Blog nicht weiter entwickeln können. Homogenität ist nie eine Voraussetzung für Weiterentwicklung, Innovation, etc.
Ich glaube nicht, dass die beiden Ansätze grundsätzlich inkompatibel sind, sie sind einfach eine grosse Herausforderung, die regelmässiges Auf-die-Nase-fallen inklusive hat. Für mich ist es sogar eine Art Idealvorstellung eines Medienangebots, das kollaborativ zwischen Redaktion und Nutzerschaft ausgehandelt wird (so habe ich das in meiner Masterarbeit, die ich gerade über Facts 2.0 schreibe, festgehalten). Bloss ist Handeln immer eine diffizile Sache, weil teilweise unterschiedliche Vorstellungen aufeinander treffen.
Facts 2.0 wurde und wir nach wie vor oft missverstanden als ein Schweizer Digg.com oder just another feedreader. Das ist es eben nicht, das Angebot wird nicht von der Community alleine gesteuert, was m.E. ein positiver Aspekt ist. Journalisten sind schliesslich dazu da, eine gewisse Filterfunktion zu übernehmen, sie sind nicht bloss Dienstleister ihrer Nutzerschaft, die all das präsentieren, was vom Publikum gewünscht wird (eine Haltung, die, nebenbei, im Boulevard stark verbreitet ist und immer wieder kritisiert wird).
Darum: Aushandeln ist für beide Seiten bisweilen anstrengend (jeder will "sein" Facts 2.0), für das Endprodukt kann das aber nur positiv sein.
@ Sabine: Dieser Gedanke kam mir gestern auch: Homogenität geht gar nicht. Gerade bei Facts, das im Prinzip die komplette Medienlandschaft abbilden will. Das macht natürlich das Management schwierig, weil man immer wieder Reizthemen aufnehmen muss, bei denen man schon ahnen kann, dass es wieder knallt. Aber bei Leuten, die seit Monaten dabei sind, sollte ein gewisses Maß an Vertrauen entstanden sein, so dass sich solche Konflikte beilegen lassen sollten. Eingreifen ist dabei nciht immer die beste Lösung. Technische Entlastungsfunktionen können hilfreich sein. #AlteLeier
@ Fotoredaktion: Das Bild ist wieder großartig. Danke.
Eigene Inhalte in Form von Artikeln erstellt Facts 2.0 nur sehr selten (kein Wunder, bei der Personalsituation).
Die zweite redaktionelle Leistung - ich würde sie durchaus redaktionell nennen - besteht im Moderieren von Diskussionen, wozu durchaus gehören kann, dass Redaktionsmitglieder selber eine pointierte, persönliche Meinung beisteuern.
Oder verstehe ich Ihre Frage einfach falsch?
Wenn ich Sie richtig verstanden habe, dann funktioniert es hier nach persönlichen Vorlieben und ansonsten nach Prinzipien, die nicht bekannt sind. Nehmen wir mal an, es gibt sie und das System der Vorauswahl durch die RedakteurInnen soll funktionieren, dann müsste es doch möglich sein, einzelnen RedakteurInnen zu folgen, da ich deren Auswahl vertraue und mich darauf verlasse, dass sie Inhalte auswählen, die mir "gefallen".
Mag sein, dass es diese Möglichkeit gibt, aber gefunden habe ich sie noch nicht. Wenn das der Kerngedanke der redaktionellen Arbeit ist, dann müsste doch aber genau diese Möglichkeit der Auswahl ganz prominent irgendwo platziert sein. Wenn aber die Auswahl der RedakteurInnen bunt gemischt auf der Titelseite erscheint, dann verpufft dies Gatekeeperfunktion wirkungslos, denn dass alle RedakteurInnen meinen Geschmack treffen, ist eine Illusion. Das heißt, dieser Ansatz, dass jemand hier Artikel vorauswählt, verpufft.
Die von Ihnen angesprochene zweite redaktionelle Leistung ist zwar unter Umständen eine Leistung, aber keine redaktionelle. Diese Aufgabe sollte eigentlich ein Community-Manager übernehmen, der mit der Auswahl der Beiträge nichts zu tun hat.
Der Vorteil: der Community-Manager fühlt sich nicht persönlich angegriffen, wenn ein ausgewählter Artikel von der Community kritisiert wird. Er ist nur dafür zuständig, dass die Regeln eingehalten werden und ist nicht inhaltlich involviert. Das wäre eine wesentlich saubere Lösung und würde dazu führen, dass sich die beteiligten RedakteurInnen nicht mehr ständig persönlich angegriffen fühlen.
Sie haben mich falsch verstanden. Ich habe nicht gesagt, dass hier die Auswahl nach persönlichen Vorlieben geschieht. Ich habe gesagt, dass persönliche Vorlieben die Auswahl immer beeinflussen und dass es kaum möglich ist, nach vordefinierten objektiven Kriterien eine Auswahl zu treffen. Das ist hier so, das ist bei der NZZ so, das ist überall so.
Wenn Sie einen Gatekeeper wollen, der genau nach Ihrem Geschmack eine Auswahl trifft, dann kommen Sie wohl nicht umhin, selber Gatekeeper zu spielen. Sie können auf Facts 2.0 beliebig viele Quellen abonnieren und sich dort jeweils das rauspicken, was Sie interessiert.
Was meinen Sie mit "human factors"? Ziemlich sicher haben Sie die Nutzerbefragung gesehen, die hier aufgeschaltet war Anfang Juli. Dies ist die Basis meiner Arbeit. Der Titel der Arbeit lautet: Die Mediennutzer als Konsumenten, Produzenten und soziale Wesen: Nutzungsmotive und
Nutzungsstrukturen des Newsnetzwerks Facts 2.0.
Womit wir wieder beim Thema Homogenität und Heterogenität wären...
Was meinen denn Sie mit: Medienutzer, Konsumenten, Produzenten, soziale Wesen?
Ehrlich gesagt, ich habe mich schon länger gefragt warum da nicht mehr "Studenten" schon längst gemerkt haben, dass da Fleisch am Knochen ist. Die Ausbeute an interessantem Material ist doch schon seit Beginn weg ersichtlich (go or no go facts 2.0).
darüber hinaus finde ich es eine sehr schlechte idee, diesem ding "kummerkasten" zu sagen. immerhin befinden wir uns hier auf einem zweinulligen portal mit dem anspruch, hochstehende diskussionen zu führen. ein angestaubter begriff wie "kummerkasten" passt hier also wie die faust aufs auge und verrät wenig gespür für das publikum, das sich hier tummelt. – ich behaupte mal, dass das ein schnellschuss aus der hüfte war statt resultat strategischer überlegungen.
Er impliziert, dass es auf der einen Seite Menschen gibt, die ihren Kummer loswerden wollen, während auf der anderen Seite jemand sitzt, der mir meinen Kummer abnimmt. Das Web2.0 möchte aber diese Unterschiede zwischen "oben" und "unten" gerade aufheben.
Statt Kummerkasten wäre also ein Dialog im Sinne des ganzen Projektes die angemessene Idee. Ein Blog ist dafür, da gebe ich bugsierer Recht, ein ganz brauchbares Instrument.
vermutlich war es heute einfach zu schwül.
Hm, wie wär's mit "Entmilitarisierte Zone"? ;-) Nein, im Ernst, vielleicht wäre "Labor für Dialog" eine passende Bezeichnung.
Kummerkasten: ich will nicht von der Reaktion mit meinem Kümmerchen auf den Schoss gehoben und kopfgetätschelt werden.
Und wer garantiert, dass man in dieser "Kummerkasten"-Ecke der lieben Kummertastentante auch wirklich seine aufrichtige Meinung sagen darf?
@ sabine gysi: auch wenn ihr vorschlag "labor für dialog" nicht wirklich der kracher ist, sie machen sich wenigstens gedanken darüber, das ist schon mal positiv. und offensichtlich scheinen sie sich mit der grundsätzlichen notwendigkeit eines solchen kanals abgefunden zu haben. das ist gut so.
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