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Diskussion
Zu 1) kann ich auch nicht helfen: Neocons, Wirtschafts-Raider und Russenmafia sind vielleicht Stichworte… Zu 2) ist zu bemerken, dass jeweils ehemalige Generäle und/oder ehemalige Geheimdienstchefs so ihre Spuren hinterlassen in der Geschichte, und die sind meist nicht toll für alle Nachbarn…
Zum „ehemaligen“ kalten Krieg ist anzumerken, dass tatsächlich ein labiles Gleichgewicht eine fragile Ruhe erzeugte, wobei die Dimension der Kubakrise etwa erst viel später genau erfasst werden konnte - Vergleiche zu Georgien drängen sich jedoch nicht auf, da (wie im Artikel erwähnt) Europa „nur wirtschaftlich“ wahrgenommen wird und die NATO zuerst wieder Zahntransplantate benötigen würde, um glaubhaft knurren zu können…. Es handelt sich somit um eine überfällige Korrektur von Einflussgebieten, die sehr viel und direkt mit den baltischen Staaten zu tun haben.
Interessant wird’s spätestens dann, wenn sich die USA tatsächlich und mittelfristig aus dem Irak zurückziehen sollte: Dann nämlich sind den Russen noch ein paar Staaten im Wege, die ein recht enges Verhältnis zu Europa und den USA pflegen (und dies sicher aus Eigeninteresse verstärken wollen). Spätestens dann sollte man sich das vom kalten Krieg nochmals überlegen….
übrigens: DAS ist die Kernkompetenz von Facts 2.0! -
- wenn was gutes gefunden wird -> rein damit! Die Blogger- und Leserschaft wirds danken...
Ist also die EU daran schuld? Nein, es kommt auf die politische Führung in den jeweiligen Ländern an und in welcher Form sie eine multi-vektorale Politik verfolgen und ob überhaupt. Dummerweise haben wir es in Georgien mit einem Präsidenten zu tun, der voll auf die Karte USA setzte. Das ist der Punkt! Armenien und Azerbaidschan haben auch z.T. dauernde Präsenz von Nato/US-"Ausbildern" in ihren Staaten, aber sie haben es immer verstanden (für Az. nicht immer eifnach!) ein gutes Verhältnis zu beiden Grossmächten zu pflegen, auch mit Russland. Wie Armenien ist Georgien eigentlich im grossen Masse von Russland abhängig. Grosse Teile der Bevölkerung wissen das und stehen dazu: Energie (ist klar), Tourismus (mio von Russen würden gerne dort Ferien machen, viele wären mit dem manchmal bescheidenen Service dort zufrieden, beide Seiten profitieren), Export von Wein und landwirtschaftlichen Produkten, Nord-Südachse nach Armenien, etc.
Die Vorteile von einem guten Verhältnis zu Russland wären schnell und nachhaltig bei grossen Teilen der Bevölkerung spürbar - aber nein, Saakashvili steht lieber auf die amerikanischen Geldtöpfe, militärische Aufrüstung, amerikanische Berater etc. wieso? Dadurch gibt es Zugang zum grossen Geld, die es ermöglichen grössere Teile seines "Clans" zu versorgen und damit seine Machtbasis stärken - der Rest des Landes hat nicht sehr viel davon.
Durch gute Beziehungen zu Russland, wären aber sogar die Gegensätze zu den abtrünnigen Gebieten auch nicht mehr sooo schlimm, da beide Gebiete vom zunehmenden Handel/Transfer/Tourismus (Abchasien) hätten profitieren können ... aber leider Gottes ist diese Option solange Saakashwili an der Macht ist wohl zu vergessen.
Wohlgemerkt, ich seh das ganze sehr pragmatisch - ob es für die Demokratie und die Meinungsfreiheit förderlich wäre sich wieder stärker an Russland anzulehnen, das wage ich zu bezweifeln (siehe Azerbaidschan und Armenien), aber die Leute wollen zuerst einmal Frieden, Essen und dann kommt vielleicht einmal die Politik ...(das hat jemand auch schon mal pointierter formuliert) und immerhin leben in Russland mind. 2 Mio Georgier. Die sind direkt davon betroffen, wenn zwischen beiden Staaten Eiszeit herrsc
War vor 4 Jahren in einem dreiwöchigen Kurs, bei dem viele Slawen, Kaukasier, Russen, Balten, Skandinavier und wenige Mitteleuropäer zusammen waren. Abgesehen davon, dass es lange brauchte, bis sich alle in einem (neutral-schwedischen) Umfeld öffnen konnten, ergaben sich doch schon Gruppierungen, die symptomatisch waren: Der Norden der Halbkugel ist beherrscht von den „Wodka-Nationen“. Der Süden (zu dem ich mich als Schweizer, sowie alle Österreicher, alle aus dem Balkan inklusive natürlich I, GR, SP etc. zählen) hat sich sofort zur „Weinfraktion“ erklärt und eine geschlossene Front gegen die „Wodka-Fraktion“ gemacht. Interessant waren die Reaktionen der Georgier und der Armenier, die sinngemäss sagten, sie seien im Herzen Weintrinker, aber die Realität habe sie Wodkasaufen gelehrt... So spassig sich das anhört, so ernst ist der Hintergrund: Alle mittleren bis höheren Kaderleute haben an russischen Unis studiert, alle Reglemente, Verordnungen etc. sind teilweise heute noch (!) auf Russisch und existieren (immer noch) nicht in der Landessprache. Daneben sind natürlich alle Militärschläge gegen jedwede Autonomiebemühung und all die gescheiterten „Frühlingen“, die alle mit russischen Panzern niedergerollt wurden, unvergessen und tief innen verankert (...Permafrost...!). Im Kaukasus verstärkt sich das Problem auf spezielle Weise, da nach dem Zusammenbruch alle hofften, mit eigener Kraft den früheren russischen Standart nicht nur in kürzester Zeit wieder zu erreichen, sondern ihn zu überholen und nun alles besser zu machen – genau das Gegenteil ist Realität geworden. Auch haben Vetternwirtschaft, Korruption und Kriminalität die noch schlimmeren Zuwachsraten gehabt, als befürchtet – diese Mix von Frustration, Misstrauen und nicht zuletzt das Eingeständnis, es nicht besser gemacht zu haben, führt zu dieser realen, explosiven Mischung im Kaukasus – und wenn alles stagniert, schleicht sich auch auf Ebene Regierungsspitze Wunschdenken ein und verdrängt die Realität.
So gesehen war die russische Reaktion eigentlich brillant: Allen andern im Kaukasus sofort einen Schuss vor den Bug und dann kann man getrost die „Isolation“ aussitzen – Erdgas brauchen die Europäer spätestens im nächsten Winter wieder enorm und die Amis werden noch lange mit sich selber beschäftigt sein ...
Und das vom kalten Krieg können wir getrost vergessen: Oder glaubt jemand, irgend eine Europäischer Regierung könne langfristig überleben, wenn sie z.B. Soldaten nach Afghanistan reinpumpt und Särge zurück erhält? Wäre das bei einem kaukasischen Konfliktgebiet denn anders?
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