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Diskussion
1. Nur Auslaender beklagen das Verschwinden alter Japanischer Aesthetik. Das ist etwa, wie wenn man in der Schweiz sich beklagen wuerde, dass in Zuerich keine Chalets mehr gebaut, keine Seidenbaender mehr gewebt, keine Oergelimusik mehr gespielt werden. Immerhin tragen die Japaner noch ihre Trachten (Kimonos) zu Spezialanlaessen, was bei uns ja nur noch ein Paar nostalgische Spinner tun (sorry, Spinner, aber ab einer gewissen Raritaet wird man Spinner oder Exzentriker).
2. Die alten Haeuser sind schweisskalt im Winter, haben verschimmelte Badezimmer und fressen das ganze Jahr tonnenweise Energie. Selbst Haeuser, die in den Achtziger Jahren gebaut wurden, haben keine gescheite Isolation und keine Heizung. Neue Bauten sind dringend noetig.
3. Wohnen ist fuer Japaner nicht prioritaer. Wichtiger sind Kleidung, Auto, Ausgang. Das hat damit zu tun, dass man sich schoener Wohnen aufgrund der niedrigen Loehne schlichtweg nicht leisten kann.
4. Moderne Japanische Aesthetik ist genauso eine elitaere Randerscheinung und fuer den gemeinen Mann und die gemeine Frau unerreichbar wie Herzog und Demeuron.
5. Witzig aber zu nahe am Klischee ist die Suchertheorie, also, dass Japaner alles, durch einen Sucher sehen. Korrekt waere "Perspektive". Zum Beispiel: Alle Laengs-Strassen im alten Edo (Tokio) waren auf den Fuji ausgerichtet.
6. Das Perspektivische erklaert dann auch, warum die Japanische Innenarchitektur in oeffentlichen und halboeffentlichen Innen-Bereichen die Westliche Innenarchitektur hinwegfegt, und das obwohl das Japanische Strassenbild nichts anderes als eine architektonische Katastrophe ist. Ich wage zu behaupten, dass jedes Tokioter Restaurant, in den man 60 Franken pro Kopf bezahlt, jedes Zuericher Restaurant in Sachen Aesthetik um Laengen schlaegt (kulinarisch sowieso). Gleichzeitig hat jedes Zuericher Restaurant in der 60-Franken-Klasse eine schoenere Fassade als jedes Japanische Restaurant. Japaner bezahlen fuer eine schoene Perspektive und erwarten ein dementsprechendes Spektakel. Wie das Restaurant von aussen aussieht ist sekundaer.
7. Gleichzeitig sind die Wohnungen von Leuten mit demselben Berufsstand in Japan bzw der Schweiz wie Tag und Nacht. Die Wohnung eines Friseurs im mittleren Preisbereich ist mikroklein, und ueberfuellt mit geschmacklosem unnuetzen Geruempel (in der Schweiz wohnen nicht mal die Aermsten so), die Wohnung eines Schweizer Friseurs sieht dagegen wie die Wohnung eines Japanischen CEOs aus. Im Frisierladeninnenarchitekturwettbeerb haetten die Schweizer wiederum keine Chance.
8. Japaner sind agoraphobisch und haben Angst ausgesetzt zu werden. Die brauchen Tartanbahnen und Getraenkeautomaten auf ihren Berghuetten, damit sie sich nicht allein, verlassen und ausgesetzt fuehlen.
9. Dass man Hanezawa Gardens abreisst und durch einen 0815 Wohnblock ersetzt, ist natuerlich unverzeihlich. Das sieht auch der Japaner so, begegnet dem Skandal aber mit typischerweise mit "souganai" (da kann man nichts tun, c'est la vie).
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