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Der gespiegelte Mensch
Burnout, die moderne Lebenskrise
Diskussion
Dieser Blog-Eintrag passt übrigens nicht schlecht zum Thema Öko-Egoismus.
Es gibt eine weitere Komponente, die die Analyse von Misanthrop etwas ausser Acht lässt. Obwohl wir im digitalen Zeitalter mit Einsen und Nullen zu tun haben, sind Altruismus und Empathie immer noch natürliche und folglich analoge Modalitäten. Es gibt nicht nur schwarz und weiss. Es gibt eine bunte Palette von Nuancen in den Verhaltensweisen.
Jeder gesunde Mensch ist zur Empathie fähig [Ausnahmen sind zulässig] und kann sie auch entwickeln oder gänzlich verlieren. Jeder hat aber auch, obwohl vielleicht im gleichen Wertesystem verwurzelt [kulturelle Hintergründe], eine andere Reizschwelle, bei der seine Empathie einsetzt. Und bei der Wahl der Verhaltensweisen sind viele Zwischentöne möglich. Sicher auch beeinflusst von Faktoren wie Verwandschaftgrad, Katastrophengrösse oder Religiosität. Auch die Subjekte, die Empathie auslösen können, sind vielfältig. Die Komplexität und die Variabilität der Verhaltensweisen sind viel grösser, als der Artikel mit seiner Radikalität zulässt.
Allerdings hat er damit Recht, dass jede Verordnung von aussen nicht funktionieren kann. Jene Reaktion, ob Altruismus oder Empathie, kann nur Schuldgefühle und deren Kompensation verursachen.
Es ist etwa wie mit der schönen christlichen Lehre, die andere Wange hinzuhalten wenn man geschlagen wird; oder die katholische Schwanzbeisser-Logik, es brauche keine Kondome, weil Sex vor der Ehe sowieso nicht erlaubt sei. So was tönt schön, ist aber schlichtweg unbrauchbar. Über Helfen im Allgemeinen und über Entwicklungshilfe im speziellen zu diskutieren ist wichtig und richtig - es darf aber nicht ausser acht gelassen werden, dass es zwei überlappende Regelsysteme sind: der Helfer und der Hilfeempfänger. Somit sind auch alle Reaktionen in beiden Systemen denkbar (die Hilfe verpufft wirkungslos auf Seiten des Empfängers, der Helfer hat ohne jede Absicht geholfen als Extreme) .
In der Praxis ist’s dann noch wesentlich schwieriger: Kommt die Hilfe dort an, wo sie beabsichtigt ist? Wird sie genau nach den Vorgaben des Helfenden umgesetzt? Was bewirkt die zeitliche Verzögerung? usw. usw.
Kurzum: Jede Art von Hilfe ist ein Gang durch ein unsichtbares Minenfeld - genau dies wird aber allzu gerne ausgeblendet.
Was der Misanthrop aber m.E. wirklich beschreibt, ist ein radikalisiertes Modell des homo oeconomicus; nämlich die Idee, dass die vom homo oeconomicus verfolgte Nutzenmaximierung auch im "guten Gefühl" oder "guten Gewissen" liegen kann, das sich bei selbstlosem oder eben altruistischem Handeln einstellt: Jeder wählt immer diejenige Alternative, mit welcher er "besser" leben kann. Selbstverstänlich ist das subjektiv - und im Ende eine Binsenwahrheit.
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