06/11/2008 08:11
Virtuell am Pranger
Wer am virtueller Pranger steht, muss ein dickes Fell haben. Juristen streiten, was in den Bewertungsportalen für Lehrer, Professoren, Ärzte und Handwerker erlaubt sein soll. Wann ist die Grenze zur Persönlichkeitsverletzung überschritten? »







Diskussion
Die Gegenwart im Internet kennt keine Zeit - aber sein Gedächtnis bliebt bestehen.
Zu Obama und Verleumdung im net muss noch nachgetragen werden, dass er sowohl den Charakter dazu hat, solches abzuschmettern, aber auch das nötige Team und das nötige Geld!!! Diesen Nachtrag will ich keineswegs negativ verstanden wissen. Es zeigt nur, wie gefährlich „Bewertungen“ im net sein können, wenn man eben nicht über die nötigen Verteidigungslinien verfügt und „über 10 Runden gehen kann“.
Übrigens auch eine Thematik, die beim Bloggen sehr stark einfährt….!
Aber weiss man erst, wer's ist (im Notfall greift man halt auch mal zur linguistischen Brechstange), dann entlarvt sich die anonyme (meistens moralisch scheinbar immakulate) Attacke nicht selten als die pure persoenliche oder berufliche Verzweiflung.
Den Ausbund an Laecherlichkeit erreichen die hühnerbrüstigen Journi- und Pommes-Chips-Kompüterlihelden, die sich hinterm Keyboard in eine Hannibal Lecter Rolle hineinfantasieren, und meinen, die ganze Welt zittere vor ihrem superben unbesiegbaren Intellekt.
Google kann zum Problem werden, wenn man sonst wenig unter dem eigenen Namen schreibt, aber anonyme Blogs haben oft viel weniger Traffic als man meint (auf Relevanz ueberpruefen kann man die landesueblichen anonymen wordpressblogs hier, Blogger.com hier). Aber klar, das alles schafft den Schock und die persoenliche Betroffenheit, die man bei Schmierattacken, egal woher, leider immer empfindet, nicht aus der Welt.
Generell müssen für den Daten/ Persönlichkeitsschutz im Netz endlich mal speziell ausgearbeite Gesetze und Normen her.
Als Frau und ehemaliges Stalkingopfer möchte ich noch dasThema Stalking einbringen. Am allerschlimmsten für Betroffene ist ein anonymer Stalker. Jeder kann sich nun überlegen wie schlecht ein Opfer zur Zeit geschützt ist und wie einfach es den Stalkern im Moment gemacht wird.
@Oliver: Ich pflichte dir bei, dass bei anonymen Einzelattacken, die meist einen ganz persönlichen Hintergrund haben, sich der Urheber früher oder später evaluieren und unschädlich machen lässt. Die wirklichen Probleme sehe ich aber, wenn Profis aus kriminellen, wirtschaftlichen oder politischen Motiven heraus die Möglichkeiten des Internet nutzen, um Widersacher unschädlich zu machen und Vorteil daraus zu gewinnen. Dazu gehören fiese Tricks wie z.B. das Einrichten von Profilen in sozialen Netzen unter dem Namen des Opfers oder das gezielte streuen von Fehlinformationen wie es etwa bei Produktereviews und Hotelreviews bei ebay oder Travelocity vorkommt. Ein Profi werden ist nämlich ganz einfach. Tut man das mittels Vortäuschung einer anderen Identität oder der professionellen Verschleierung der eigenen (anonym surfen etwa, false email headers, du weisst ja sicher, was ich meine) bleibt der Täter praktisch unantastbar. Existenzen können dadurch schnell und effizient kaputtgemacht werden. Das geht dann über blosse Unnanehmlichkeiten für das Opfer weit hinaus.. doch die Lösung von alldem ist? Ich weiss es ehrlich gesagt auch nicht.
Seit 9/11 ist die Welt halt nicht mehr wie vorher. Jeder Geheimdienstler, jeder Sicherheitsbeamte nimmt jede Information die er kriegen kann und er WIRD diese Verwenden… Es läuft etwa wie mit den „Nacktscannern“ an den Flughäfen: Dies ist eigentlich ein schwerwiegender Eingriff in die Privatsphäre, aber wenn ich einen Anschlussflug will und die Wahl habe, zwischen Anstehen an der langen Kolonne und in kürzester Zeit durch beim „Nacktscan“ , werde ich zähneknirschend dort durch gehen…. Im Net wird es ähnlich verlaufen: Wer weiterhin googelt, skypt, bei Wiki vorbeigeht, bloggt und bei Facebook & Co. dabei ist, läuft sinngemäss nackt durch den virtuellen Raum.
Oder umgekehrt ausgedrückt: Hey Leute, die haben uns jetzt schon in der Hand!
Man muss auch sehen, dass das Recht, WO man im Internet was ver-oeffentlich-t, nicht auf einer absoluten Meinungsfreiheit sondern auf einem spezifischen Publikationsrecht beruht. Jeder hat ein Publikationsrecht auf seiner Plattform, seinem Blog, seinem Wasweissich, aber man kann kein Publikationsrecht auf einer Webseite einfordern, die einem nicht gehoert.
Das scheint aber nicht jeder und jedem ganz so klar zu sein...
Nun, ich habe heute mal einen neuen Antimacho-Schritt (gegen mich selber) getan, aus dem Blauen heraus den Hoerer abgenommen und zwei Leute angerufen, die mich oeffentlich sehr direkt angegriffen haben. Der eine war gerade unterwegs (er will mich zurueckrufen); das Gespraech mit dem anderen bestaetigte, trotz monatelangem bitterem Streit, zu meinem Erstaunen, die Goldene Regel.
Mal schauen, obs wirklich was bringt. Falls ja, mach ich locker noch 5-6 Antimacho-Anrufe (gegen den Macho in mir), wenn man damit wirklich was bewirken kann.
Nachtrag: Zur Klarstellung, "(Gegen mich selber)" und "(Gegen den Macho in mir)" eingefuegt, da moeglicherweise missverstaendlich: "Macho", also "Krieger", bezieht sich auf die Verhaertung beider Parteien in einem Onlinegrabenstreit, die daraus hinauslaeuft, dass man nicht ueber die Sache, sondern nur noch darueber streitet, wer der Staerkere ist. Mit Antimacho meinte ich also NICHT die Zerstoerung des anderen Kriegers, sondern des eigenen Kriegers. Dass man die Ruestung ablegt und anruft. Dass man sich statt den anderen ueberwindet.
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