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„Auf halben Weg ein anständiger Mensch“
Brötchen vor die Säue
"Gute Lügner sind sympathischer"
Kahneman, der Schreck der Ökonomen
Der gespiegelte Mensch
Diskussion
Damit sei nichts gegen das persönlich erlebte phänomenale Glück in Schreibseminaren gesagt.
Ich habe einfach eine andere Erwartung an Gesprächspartner der ZEIT. Auch alte. Helmut Schmidt ist ein Beispiel.
"Die Kunst arbeitet von Haus aus damit – und schließt nie aus, dass etwas Drittes und Viertes nicht weniger wahr sein könnte. In der moralischen Welt wirkt eine solche Freiheit subversiv, für die Politik ist sie nicht praktikabel, weil unpopulär: Sie hat es lieber schwarz oder weiß. Aber die Realität treibt es immer bunt: Darum ist die Kunst realistischer als jede sogenannte Weltanschauung, und bedarf der Schutzbehauptung, sie sei eine Fiktion. "
Das hat mich heute etwas laenger als eine Zigarette lang interessiert. Namentlich die Frage, ob jede Kunst jedes Urteil vermeide.
Leider habe ich keine Zeit, unsere offenbar sehr unterschiedliche Wahrnehmung des gleichen Inhalts durchzudebattieren. (Für Muschg hätte ich den Raum nicht aufgemacht, für Dich schon.)
So viel muss aber zu diesem Zitat sein:
Erstens beantwortet er die interessante Frage überhaupt nicht. Zweitens finde ich es ziemlich dicke Post, dass er gleich für die ganze Kunst antwortet. (Bzw. damit impliziert, seine Produkte seien solche.) Drittens verstehe ich, trotz Matur, mehreren Fremdsprachen und vier Kindern den letzten Satz schlicht nicht: Warum bedarf eine Sache, die realistischer sein soll als jede Weltanschauung, einer Schutzbehauptung?
Das ist doch einfach Nebel. Und hier schliesst sich der Kreis zu Blocher.
"die Realität treibt es immer bunt
[die Realitaet ist immer vielseitiger als wir sehen und denken, denn nicht bloss die Auslegung sondern schon die Wahrnehmung der Wirklichkeit ist an eine geistige Projektion gebunden]:
Darum ist die Kunst realistischer
[der Wirklichkeit naeher, da die Kunst nicht auslegt, sondern versucht, nur Wahrnehmung widerzugeben, und folglich einen Filter weniger einsetzt]
als jede sogenannte Weltanschauung
[die sich oft gar gegen die Wahrnehmung wehrt, um die eigene Botschaft zu retten],
und bedarf der Schutzbehauptung, sie sei eine Fiktion.
[um nicht von der Weltanschauung oder der Politik missbraucht werden zu koennen]."
Sorry fuer diese komplizierte Erklaerung. Einfacher ausgedrueckt: Man kann Obama in der Huffington Post oder bei Fox News kennen lernen, oder man kann versuchen, ihn, wie ein Kuenstler (bzw. wie der Kuenstler in Muschgs Welt) moeglichst ohne Weltanschauungsfilter zu betrachten. So vielleicht.
Ob Muschg fuer jede Kunst sprechen darf oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Ich denke jeder darf fuer die Kunst als ganze wie auch sonst ueber alles sprechen. Solange er niemandem Unrecht antut.
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