23/11/2007 09:37
Privatsphäre: Die Fallstricke des sozialen Netzes
Der Erfolg der großen sozialen Netzwerke beruht nicht zuletzt darauf, dass deren Nutzer mit Begeisterung Privates preisgeben. In einer aktuellen Studie warnt die European Network and Information Se... »







Diskussion
"Als vom feministischen Diskurs der 80er und 90er Jahre geschädigter Mann hat mich die Frage immer umgetrieben, wie Männer und Frauen im Staat miteinander kommunizieren können. Ich finde den inszenierten Selbstmord Melancholias am Rande des guten Geschmacks. Aber "The keeper of Facts" hat ihn gepostet, da müssen wir nun durch: Melancholia war für mich die erste "Cyberseele", die mich hier begrüsst hat, sie hat sich selbstlos für "facts.ch" engagiert und ist dabei gestorben. Soziologisch ist das ein idealer Moment des Community-Buildings: die Trauergemeinde. Wenn Melancholia als "Dramaqueen" diesen pathetischen Ausgang gewählt hat, dann bitte zu Ende. [...] Es ist der dramaturgische Moment, an dem die User in die Trauerpflicht genommen werden müssen, in die Pflicht der Reflexion".
"The keeper of facts" ist wohl eine der wenigen bezahlten Masken hier in der Community. Als moderner "Eidgenosse" erregt er sich über die "Mannschaftsmatratze", sehr feministisch korrekt, aber hier geht es um den Umgang mit dem Cybertod. Wenn sich der "Keeper" hier nicht als "Keeper" outet, dann gute Nacht "Keeper". Jeder Barkeeper dem eine Kundin an der Bar verstirbt muss dafür geradestehen. Nicht so dieser "Keeper" hier: wir sind eine Community. Aber wer setzt die Themen prominent? "The keeper". Er lenkt die Aufmerksamkeit. Vielleicht hat er nicht nur den politisch-korrekten Feinsinn, sondern auch die Eier hier noch was zu sagen zur Leiche der Melancholia. Die Rollenverteilung ist hier unter Gleichstellungsbedingungen wieder voll verschissen. Christoph-Lüscher lässt sich von Tamedia bezahlen, ein Schwarm von unbezahlten Frauen (Euridike, Evangelina, Melancholia selig) hält die Community bei Laune. Aber das interessiert den Keeper nicht. Ich war als Student einmal Nachtportier. Die Leute kamen weil farbige Frauen sich hier in dem Schuppen entblössten (wohlgemerkt die wurden bezahlt für ihren Strip). Mir kommt das hier so ähnlich vor: nur noch perverser.
Der Zufall will es, dass ich von Montag bis Mittwoch einen Kurs zum Thema "Feature" absolviere. Ich werd's mir überlegen. Das Thema wäre jedenfalls hochspannend, gerade auch im Zusammenhang mit der (Cyber-)Identitätsdiskussion, die hier auch vor kurzem stattgefunden hat.
Tja, und wieder geht es um Konkurrenz, um Ruhm und Ehre und wer ist vorne dabei ... ein Mann. Bin gespannt auf den Text, nun warten wir nur, bis "The Keeper" hier noch das Preisgeld bekannt gibt. Im übrigen gäbe "Melancholias Cybertod" auch ein grossartiges Hörspiel. Hallo DramaturgInnen!!! (Radio DRS bezahlt für ein Hörspiel ca. 5000 Franken, Angabe ohne Gewähr). Die Nilpe, die unbedingt eine Gedenktafel für Meienberg will, soll sich doch hier engagieren.
Die Frauen sterben, die Männer schreiben. Wir sind ein Land mit 200 vollbezahlten Gleichstellungsbeamtinnen, aber die "comedie humaine" nimmt ihren Lauf, wie bei den Alten Griechen. Nur ist jetzt alles Cyber und in Echtzeit.
How an Evil Clown, a Haitian Trickster Spirit, Two Wizards, and a
Cast of Dozens Turned a Database Into a Society
ftp://ftp.lambda.moo.mud.org/pub/MOO/papers/VillageVoice.txt
Für viele galt dieser Text als Kristallisationspunkt des Begriffes von Online-Community überhaupt.
Es ehrt die Teilnehmer an dieser Diskussion, dass die Geschichte hier eine hochintelligente Wendung nimmt.
"Bezahlt" ist auch in meinem Fall ein sehr, sehr relativer Begriff. Deshalb kann ich als Preisgeld für einen "wohlrecherchierten, in einfühlsamer, klarer Sprache, reflektierten" Artikel gerade 'mal etwas von meiner unbezahlten Restzeit und vielleicht ein paar Gläser nicht virtuellen Weines anbieten. Vielleicht noch einen Früchtekorb?
Dem rattenkoenig möchte ich sagen, dass Schweizer Jugendliche zum Glück heute sehr überlebensstark sind. Nur deshalb die angeblich so hohe Suizidrate, es fehlen einfach relevante andere Todesursachen. Noch werden Kinder und Jugendliche ausreichend geimpft, noch können wir uns ein tolles Gesundheitswesen leisten!
Es geht um einen Text von Michele Roten, in dessen Dikussion eine Moderatorin mit Nick "Melancholia" so verletzt wurde, dass sie den "Keeper of Facts" dazu brachte eine Todesanzeige zu publizieren. Es ging um den Artikel http://facts.ch/articles/167768
Lesen Sie mal alles durch Ronja. Mir schêinen drei Fragen wichtig:
1. Darf, soll frau in einer Publikumszeitschrift so schreiben, wie Michele Roten schreibt.
2. Ist es für eine hier erzogene Frau anstössig, wenn sie in einem Thread Männer liest, die sich über den Hinterteil von Frau Roten unterhalten.
3. Ist es geschickt eine Todesanzeige ins Netz zu setzen nach so einer Debatte und das Profil zu löschen?
Interessant wäre in der Frage auch der Artikel "Kein Salz auf unserer Haut", den ich mit Melancholia zusammen zur Diskussion gestellt habe. Alles unklar?
In Kuerze: Das Internet ist eine Verbindung von Leuten durch verbundene Daten durch verbundene Computer. Es gibt keine Anonymitaet mehr, denn ob uns das passt oder nicht: Personen und deren Verbindungen sind wesentlicher Teil dessen, was wir Internet nennen.
Ausserdem: Die Sprache allein ist ein Fingerabdruck. Schon mit minimalen linguistischen Kenntnissen und einer IP-Adresse kann man die Leute auch hinter Pseudonymen festmachen, wenn man wirklich will.
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