23/01/2009 14:01
Der weitaus größere Teil der Bevölkerung gehört einer Glaubensgemeinschaft an. Und für nahezu 15 Millionen ist Religiosität der bestimmende Faktor im persönlichen Alltag. Die These, wonach eine moderner werdende Gesellschaft stets weniger religiös wird, vertritt kaum noch jemand.
VON MARTIN RIEGER
VON MARTIN RIEGER







Diskussion
Die Prevalenz von Religiosität suggeriert jedoch etwas anderes. Ist Religion etwa ein emergentes gesellschaftliches Phänomen, das unter bestimmten Bedingungen entsteht oder sogar eine genetisch angelegte abrufbare Funktion des menschlichen Gehirns? Übernimmt diese Funktion andere Bereiche menschlichen Seins? Was wird zum Ersatzsubstrat, wenn zunehmend auf die christliche Lehre verzichtet wird?
Und: Schon innerhalb des Christentums trifft – zumindest global gedacht – die These vom Verschwinden der Religion nicht zu. Man denke z. B. ans Erstarken von evangelikalen Gruppierungen in Südamerika und Afrika oder an die Kompatibilität von Modernität und Religion in den USA. Ähnliche Tendenzen, also dass Religion und Modernisierungsprozesse sich nicht ausschliessen, sondern ergänzen, erkennen wir in urbanen Zentren in Indien, Iran und in der Türkei.
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