16/04/2009 00:00
Jeder ein Philosophenkönig
Wieso Ethikkommissionen nicht über moralische Autorität verfügen. - Noch immer wartet die Nationale Ethikkommission im Bereich Humanmedizin auf die Ernennung eines neuen Präsidenten durch den Bundesrat – eine gute Gelegenheit also, einmal zu fragen, ob es eigentlich so etwas wie einen Experten für Moral geben kann. »







Diskussion
Es ist wichtig zu erkennen, dass die Art und Weise, wie man zu ''guten'', d.h. auf vernünftiger und logischer Argumentation basierenden moralischen Urteilen kommt, eine anspruchsvolle philosophische Disziplin ist. Der Glaube, jeder könne sein eigener Philosoph sein, ist irrig, wenn ein jeder den Anspruch daraus ableitet, seine eigenen moralischen Urteile seien jenen der anderen ebenbürtig. Das ist eben nicht so, und es ist erfreulich, dass die NZZ dieses Thema in diesem Artikel aufnimmt.
Jede Religion hat die Moral gepachtet, jede Religion sagt seinen Gläubigen, wo’s lang geht in Sachen Ethik! So gesehen muss ein laizistischer, selbstbewusster Staat entweder die Religionen zurückbinden (was er im Hinblick auf seine religiös angehauchten Parteien und all den religiös angehauchten Machtzirkeln inkl. Katholischer Kirche niemals kann) oder er kann auf das Feigenblatt Ethikkommission inklusive Präsident verzichten!
Es wär ja einen Versuch wert, die Religionen und ihre mächtigen Vertreter zurückzubinden … aber ich höre schon jetzt, wie von den Kanzeln herab gegiftet wird und wir alle via Bannstrahl in die Hölle gewünscht werden ….. Deshalb hilft auch ein „Ethikexperte mit professoralem Hintergrund“ als Präsident NEK wenig, weil die Quadratur des Kreises weder von Mathematikern noch Philosophen noch andere Ethikexperten durchgeführt werden kann... und ich stelle erstaunt fest, dass ich einmal auf der Linie von Herrn Couchepin argumentiere ….
Ethik ist für mich die Wissenschaft, das eigene und das kollektive Handeln zu reflektieren - die alte Frage nach dem "Was soll ich tun" zu beantworten. Aber eine Ethik kann nicht aus sich selber entstehen, sie ist immer vor einer Folie von Grundsätzen zu entwerfen. Vielleicht ist es der an sich einfach Satz von Kant: "Was du nicht willst, dass man dir tu - das füg auch keinem andren zu". Weiter ist zu beachten, dass eine Ethik nicht nur vor dem Hintergrund von Grundsätzen entworfen wird, sondern immer auch von Zeit und Kultur abhängig ist. Da wir im menschlichen Bereich aber das Absolute nie erreichen können, ist und kann auch die Ethik nie absolut sein.
Der Übergang zur Moral ist m.M. nach dann vorhanden, wenn absolute Grundsätze mit in die Begründung hineingenommen werden - das Absolute kommt selbstverständlich dazu, wenn die Religion mit einbezogen wird.
Mit anderen Worten: Ethik hat nichts mit Religion zu tun, Moral aber sehr wohl. Eine Gesellschaft, die meint, auf Ethik verzichten zu können, wird wohl letztlich in der Anarchie enden.
Danke für die Zeilen. Ich habe das - mit meinen unbeholfenen Worten - ja so ausgedrückt, dass eine Ethik "im luftleeren Raum" gar nicht möglich ist - eine Ethik steht immer vor einem Hintergrund - da Grundsätze aber nie absolut sein können, ist eine Ethik immer von Zeit und Kultur abhängig.
Man tut zwar so empört und will Religion und Glaube draussen haben, aber was die riesige Religion unserer Zeit, die da heisst Markt, Liberalismus, Konsum für Ansprüche stellt, wird offenbar ausgeblendet?
Melden Sie sich an oder loggen Sie sich ein, um an der Diskussion teilzunehmen.