22/04/2009 04:31
Womöglich ist es nur eine üble Laune der Geschichte, dass der Holocaustleugner Mahmud Ahmadinedjad just an Adolf Hitlers Geburtstag – der dieses Jahr mit dem Shoa-Gedenktag in Israel zusammenfällt – auf einer Uno-Konferenz gegen Rassismus eine mit neuerlichen Tiraden gegen den jüdischen Staat gespickte Rede gehalten hat. Andererseits könnte nichts den vollkommen grotesken Charakter der Veranstaltung der Vereinten Nationen in Genf deutlicher und anschaulicher machen als genau diese Koinzidenz.







Diskussion
Das Argumente mit der Stimmenmehrheit, die sowieso gegeben sein soll erscheint mir seltsam, da sie genau dem Nationalstaatengedanken entspringt, den sie zu kritisieren versucht (man will nicht einer Abstimmung ausgesetzt werden in der man überstimmt werden kann). Nur weil das System nicht die Resultate in der Abstimmung liefert die man will, ist das System falsch? Geht mir hier normalerweise mehrmals im Jahr so.
Hier stellt sich wiederum die Frage der Alternative: Will man Stimmgewichtung? Das Veto-Recht im Sicherheitsrat wäre sowas, aber das wird auch immer kritisiert. Ich vermute mal die einzige akzeptable Gewichtung für die Kritiker wäre die, die die Resultate produziert die sie haben wollen. Eine sehr demokratische Logik.
(Anmerkung: Weder heisse ich Ahmadinejads Tiraden noch seine Politik gut im Gegenteil. Ich bin der Meinung die arabischen Staaten sind mit ihren Attacken auf Israel heuchlerisch. Diese Heuchelei findet man aber auch auf der Seite der Nationen die boykottieren, dies wird allzu gerne vergessen).
In der Durbaner-Erklärung (DDPA) wird auf 62 Seiten und in 219 Paragrafen etwa alles erwähnt, was irgendwie mit Verletzung der Menschenrechte zu tun hat, aufgezählt. Vom Holocaust über Neonazismus, von den Sinti und Roma über Afrika, Apartheid, Kolonialiamus, Benachteiligung der Frauen, der besondere Schutz von Kindern, Flüchtlingen, Vertriebenen, Migranten etc. etc. wird praktisch alles erwähnt, verlangt oder gewünscht.
Der umstrittene, ach so verurteilungswürdige Artikel lautet wie folgt:
63. „We are concerned about the plight of the Palestinian people under foreign
occupation. We recognize the inalienable right of the Palestinian people to self-determination
and to the establishment of an independent State and we recognize the right to security for all
States in the region, including Israel, and call upon all States to support the peace process and
bring it to an early conclusion“
Irgendwie lustig ist doch, dass dies ziemlich genau dem Forderungskatalog von Präsident Obama ab April 2009 entspricht ….
In der neuen Genfer Erklärung, welche auf diese DDPA abstützt, wird auf Teufel komm raus „reiterated“ (also bereits gemachte Kernaussagen wiederholt) und immerhin auch etwa die Diskriminierung von HIV+ Menschen erwähnt und verurteilt. Neben Roma, Sinti und Zigeuner sind jetzt noch „Travellers“ miterwähnt und offensichtlich sind alle Religionen zum Vornherein tabu, da in einem Satz „
Islamophobia, anti-Semitism, Christianophobia and anti-Arabism“ alle zusammen erwähnt werden. - Dazu benötigten die Teilnehmer immer noch 143 Paragrafen auf 16 Seiten - Israel oder Zionismus wird nirgends erwähnt.
Es bleibt also festzuhalten, dass diese Erklärung „erstaunlich viel Fleisch am Knochen hat“, denn aufgrund der Teilnehmerliste waren weit mehr Böcke als Gärtner anwesend Ob diesen Konferenzen und den Dokumenten ein hoher Stellenwert zukommen wird, ist unwahrscheinlich, aber das wird die Zukunft weisen..Gemessen am Text dieser Erklärungen schätze ich, dass etwa 95 % aller vertretenen Staaten an dieser Konferenz in schwerer Form gegen diese verabschiedete Erklärung verstossen (!!!).
Und wie ali schon festgehalten hat, ist ein UNO-Bashing etwas, was auf uns alle zurückfällt, auf irgendeine Art. Einfach darum, weil es bis auf weiteres keine Alternative dazu gibt.
Melden Sie sich an oder loggen Sie sich ein, um an der Diskussion teilzunehmen.