01/09/2009 21:04
The greatest show on earth
Gleichermassen beklagen sich Medienschaffende über professorale Arroganz und fehlende Bereitschaft, komplexes Wissen auf volksverständliches Niveau zu brechen. Die Perzeption von Wissenschaft in der Gesellschaft reicht entprechend von fatalistischer Gleichgültigkeit bis zu offenem Hass.
Mittlerweile gehört es fast zur guten Kinderstube öffentlich nichts von Mathematik oder Physik zu verstehen. Vom Banker zum Politiker und quer durch die sozialen Schichten wird das gerne als aufheiternder running gag beim small talk zelebriert. Höchstens Einstein wird zeitweilig noch als skurriles Genie erwähnt, ohne dass nur ein Quäntchen der Relativitätstheorie begriffen wurde.
Da haben es die Phil-einser schon etwas einfacher. Sprache, Literatur, Kunst, Psychologie, Pädagogik. Damit ist die Gesellschaft sichtbar durchtränkt, jeder ist irgendwo Experte und es bedarf zu keiner Zeit irgendeiner Rechtfertigung. Umso übler wird es einem Physiker, Chemiker, Biologen genommen, wenn er in Gesellschaft nicht sofort Shakespeare, Bach oder die Bibel zitieren kann.
Kunst und Wissenschaft hingegen hatten schon immer ein Faible füreinander. "Die Wahrheit der Kunst verhindert, dass die Wissenschaft unmenschlich wird, und die Wahrheit der Wissenschaften verhindert, dass die Kunst sich lächerlich macht." sagte Raymond Chandler. Malerei, Bildhauerei und Literatur waren wohl die fruchtbarsten Verquickungen der Disziplinen. Wahrscheinlich reichen die gemeinsamen Wurzeln weiter zurück als die Renaissance und in der Antike war Kunst und Wissenschaft wohl dasselbe. Erst die kulturelle Evolution brachte die Verästelungen und die feine Radiation der heutigen Fachgebiete zum Vorschein. Allenthalben findet sich ganz unerwartet ein Nexus, in dem Kunst und Wissenschaft wieder auf überraschende Weise aufeinander treffen und ein interessantes Experiment wagen.
So berichtete Times Online kürzlich von Richard Dawkins und dem Musiker Brian Eno. Der bekannte Biologe stellt sein neustes Buch über Evolution vor, während der Mitbegründer von Roxy Music Klänge und Bilder einer evolutiven Selektion unterstellte und 77 Millionen Bilder kreierte. Beides ist an und für sich spannend. Um das ganze zu toppen treffen sich die beiden zum öffentlichen Gespräch in Oxford. Für schnell entschlossene, die nichts bestimmtes vor haben und demnächst in der Nähe weilen: es gibt noch Tickets. Alle anderen können sich auf das bald erscheinende Buch freuen.






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