22/09/2007 09:51
Die Rückkehr der Ungelesenen III
Web 2.0 ist nicht mehr (allerdings auch nicht weniger) als die Demokratisierung der Medien. Weil die Mittel zur Medienerzeugung für viele heute erschwinglich sind, können nun alle Medien machen. Aber es ist und bleibt eine Möglichkeit. Längst nicht alle haben das Bedürfnis dazu und von denen, die das Bedürfnis dazu haben, haben noch längst nicht alle das Talent dazu.
Das Entscheidende ist doch aber, dass jeder und jede die Möglichkeit hat, Medien zu machen. Wer Internetzugang hat, der hat eine Stimme irgendwo auf der Welt. Und er kann sie zum Klingen bringen lassen. Ungestört. Genau so wie er will. Ohne "Gatekeeper", "Berater", "Manager", "Staff", "Produzenten", "Verleger". Vielleicht kommt das "schlecht" raus, aber na und, muss ja niemand gucken. Was "gut" ist hingegen, pflanzt sich natürlich fort, ohne Werbekampagnen, ohne strategische Pläne, ohne Geheimpläne. So wie ein vom Wind davongetragener Same, nein, sagen wir, wie wie ein immer neuer Brief, der eine wachsende Anzahl Leser findet.
Sicher wird "Vertigo" auch heute kaum ohne Geldgeber und Menschen im Hitchcock-Format entstehen können. Muss man deswegen aber tatsächlich der bisherigen Film- und Musikindustrie nachweinen? Gerade letztere hat meines Erachtens viele Ideen verunmöglicht, Karrieren manipuliert, Potentiale zerstört.
Es ist sehr vermessen, zu glauben, es gäbe für Inhalte nach dem Tod der etablierten Medienindustrien (an dem sie durch ihre störrische Art zurzeit selbst emsig werkeln) keine alternativen Finanzierungsmodelle. Klar, in der Übergangszeit der nächsten Jahre wird das vermutlich ungeordnet sein, vielleicht chaotisch, die Geldflüsse werden umgebogen und fliessen kaum immer kontinuierlich. Aber ist das wirklich so schlimm?
Weil Web 2.0 den Nutzern endlich das gibt, was sie wollen, ist das Resultat zwingend eine Gleichschaltung? Nein, denn offene Geister sind gestern aus Denkmustern ausgebrochen und sie tun das noch heute. Menschen, die nie denken, die haben das auch vor Web 2.0 nicht gemacht.






Diskussion
http://www.wortgefecht.net/netzkultur/we b-20-kollektivismus/
Der Tod der Kunst und der Adorno&Co Elite war bezeichnenderweise vor dem Internet eingetreten. Das Internet ist eher eine Reaktion auf die aussterbende klassische Autorität als die Ursache. Dass es nun als Katalysator wirkt ist in meinen Augen nur gut.
Noch steckt das Web 2.0 vorallem in unseren Breitengraden in den Kinderschuhen. (Amerika zeigt jedoch, wohin es gehen kann.) In Zukunft wird es jedoch eine grosse Konkurrenz zu den bisherigen Medien darstellen und diese sollten sich besser heute als morgen darauf vorbereiten.
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