Das Lob der Amis tut richtig weh
Von Ralph Grosse-Bley, BLICK-Chefredaktor a.i.
Richtig zufrieden sah Justizministerin Widmer-Schlumpf gestern in der Tagesschau aus: Die Operation Polanski ist gelungen, der weltberühmte Regisseur sitzt in der Falle. Ein 76-jähriger Mann, der vor 32 Jahren in den USA eine 13-Jährige zum Sex verführt hat – endlich hinter Gittern!
«Extrem kooperativ» nennen die Amis die Schweizer Regierung nun – und dieses Lob tut richtig weh. Extrem kooperativ sind Leute, die deutlich mehr tun als sie müssten, weil sie was gutmachen wollen. Weil sie jemanden, den sie verärgert haben, milde stimmen wollen. Wer das bei der Polanski-Affäre bestreiten wollte, macht sich lächerlich.
So lächerlich, wie die Erklärung von Widmer-Schlumpf klingt, die Schweiz sei halt ein Rechtsstaat, dem «grosse Namen» keine Rolle spielten.
Der Bundesrat, der gerade im Fall Gaddafi Schweizer Recht bis zur Unkenntlichkeit gebrochen hat, der Libyern Narrenfreiheit in der Schweiz einräumt. Der die Genfer Justiz blamiert, weil sie auch einem Hannibal Gaddafi Misshandlungen nicht durchgehen liess!
Jetzt sind die Amis stolz auf uns. Auf die Schweiz, die plötzlich so «extrem» spurt. Die Amis werden Polanski einsperren, wenn sie ihn kriegen. Vielleicht für den Rest seines Lebens. Obwohl das Opfer, mit dem er damals (unbestritten verbotenen) Sex hatte, heute will, dass man ihn in Ruhe lässt.
Die Schweiz hat einen Gast in eine böse Falle laufen lassen. Wir sollten uns schämen.






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