18/11/2009 18:07
"Ich sass hin eine Nacht lang"
Christoph Blocher positioniert sich als Schatten-Armeeminister. Das SVP-Papier zur Landesverteidigung stammt aus seiner Feder. Damit zwingt er den eigenen Bundesrat zum Sparen. Als Vorbild für die Schweizer Armee sieht er den Vietcong. »







Diskussion
http://facts.ch/articles/3217908-im-krie g-hat-nur-das-einfache-erfolg
Für mich als Laie ist auch der wichtige Hinweis Naumanns ..“ die eigene Informationsüberlegenheit zu erhalten“ sehr interessant. Erinnert man sich an das Softwaredesaster der Swiss Army, kommen einem da starke Zweifel - die beste aller Armeen kann also schon in den friedlichsten Friedenszeiten nicht einmal in der Kernkompetenz Softwarebeschaffung/Softwareapplikation reüssieren …. Dafür ist natürlich der Blochersche Hinweis auf den Vietcong ernst zu nehmen – hat doch dieser jahrelang seine Versorgung in den Süden mit Velos (!!) über den Ho-Chi-Min-Pfad bewerkstelligt, was den Radfahrermajor Ueli ganz sicher freuen tut!
Die Frage ist nun, wie sich eine wehrhafte Schweiz MIT Armee mittelfristig vor Leuten wie Blocher und Maurer schützen kann ….
Sonst hat Blocher ein wenig gar einfach gestrickte Vorstellungen. Echt. Der Vietcong hatte neben den überall vertreuten Kleinsteinheiten auch reguläre Truppen. Ausserdem wurde er nach der Tet Offensive so dezimiert und demoralisiert, dass die Niederlage drohte. Sie verlor einen zweisteligen Prozentsatz ihrer Leute innert weniger Monate. Diese Art von totalen Krieg führt heute keine Widerstandsarmee mehr. Hinzu kommen völlig andere geographische Gelgenheiten und die Kalte-Krieg-Konstellation.
Ja und dann die Milizsache. Ich bin nicht gerade ein Freund einer reinen Berufsarmee. Aber Herr Blocher sollte es selber am besten Wissen. Er wurde in den Luftschutztruppen gross - heute Rettungstruppen. Bis zu dem grossen Erdbeben in Armenien 1989 und die drohende GSOA Abstimmung wurde der Luftschutz mehr oder weniger als Grümpelkammer für altes Material benutzt. Ausserdem wurde der Zusammensetzung der Truppe keine Aufmerksamkeit gewidmet. Eben, ab 1989 wurden dann die Truppe nach und nach in eine Vorzeige-Propaganda-Truppe umgewandelt. Was den Militärdienst übrigens interssanter machte. Aber zurück zu Blocher. Er war ja Regimentskommandant und leistete den meisten Dienst vor 1989. Und sorry, diese Miliztruppe wäre nie und nimmer schnell einsatzbereit gewesen. Klar, für ein singuläres Ereignis wie ein Waldbrand oder so schon. Aber nicht üfr eine komplexe Bedrohungslage. Und auch wenn man alles gegeben hätte - das Material war zu 75% scheisse.
Aber was rege ich mich auf. Er weicht ja schon bei der Frage aus, ob es nicht sinnvoll wäre wieder einmal eine ernsthafte Lagebeurteilung zu machen um daraus zu folger was es braucht. Natürlich kann man nie genau sagen, was auf einem zukommt. Aber sich quasi auf alles Vorbereiten geht nun wirklich nicht.
Was kann ich denn erwarten von der selbsternannten Expertengruppe? Nichts. Die Zusammensetzung zeigt, dass es sich schlicht und einfach um eine politische Sache handelt. Das ist pure Parteistrategie im Tanz um politische Macht. Die Sache ist sekundär. In einem halben Jahr sitzen die Jungs wieder zusammen und sind dann über Nacht Experten in Kriminalitätsfragen.
Am schönsten war aber: Herr Blocher weilt in Nordkorea und zuhause angekommen trifft er ein Puff an. Dann kommt er vom Himmel hoch herab und regelt die Sache. Das Erinnert mich an Gerhard Polt (Bad Hausen), als Stoiber vom Himmelhoch herunter kam und eine neue Benzinpumpe dem Bürgermeister oder so brachte, welcher eine Panne hatte. Hat er in Nordkorea nichts gelernt. Dort zeigt sich der Chef monatelang nicht und es läuft.
Meine Beurteilung der Armee erschöpft sich allerdings auch in Erinnerungen. Zu lange ist meine aktive Zeit als AdA her. Damals schon hatte ich etwas Mühe. Als Kampfsau hatte ich den grössten Spass, wenn wir unser Tötungshandwerk verrichten konnten. Das verschaffte immerhin die Gewissheit sich wehren zu können, das archaische, kollektive Erlebnis unter Männern zu fördern und eine latente Aggression zu kanalisieren. Es machte irgendwie Sinn, sich von Beruf und Familie zu trennen, um dem Vaterland zu dienen.
Der Armeealltag war aber leider zum allergrössten Teil von Leerlauf beherrscht. Ganze WKs lang einem Senn die Alp von Steinen räumen. Drei Wochen lang Trockenübungen, weil Munition und Betriebsstoffe rationiert waren. Wochenlang während Manövern beim Bauern im Heu liegen und Kirsch hinter die Binde kippen. Dazu noch tagelang untaugliches Material testen, das von Tätern der Gruppe für Rüstungsdienste am Schreibtisch ausgebrühtet worden war.
Wir machten daraus noch das Beste. Mit den Akademikern konnten wir auf Wachdienst bei -20 Grad philosophische Gespräche führen. Mit den Flachmalern stundenlang in der Beiz jassen und dabei Kaffi Halbhalb vertilgen. Aber wo blieb dabei der Sinn?
Eine solche Armee würde ich heute, ohne mit der Wimper zu zucken, abschaffen. Welcher gleichaltrige Dienstleitende möchte mir da widersprechen?
Leider kenne ich den heutigen Alltag der Armee nicht. Ich kann also nicht mitreden. Ich hoffe aber sehr, dass die Armee 21 Fortschritte gemacht hat. Immerhin: ein befreundeter Sechzehnjähriger möchte voller Begeisterung zu den Grenadieren. Vielleicht kann ich mir mit ihm demnächst ein besseres Bild machen...
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