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Diskussion
Meine subjektive Einschätzung nährt sich allerdings nicht aus Angst oder Fremdenhass. Ich gewichte den Aufenthalt an einem Fussballspiel, einer Anti-WTO-Demo oder an der zürcher Langstrasse als gefährlicher, als im Kleinbasel zu wohnen und zu arbeiten. Aus diesen Gründen war für mich diese Abstimmung der völlig falsche Weg, um eine - sicher nötige - Debatte über den Islam zu führen. Eine Abfuhr war für mich deshalb schon im Vorfeld klar - wie auch für andere Stadtbasler und Bewohner der Vorortgemeinden, wie die Resultate zeigen.
Andererseits muss ich feststellen, dass 29% SVP-Wählerschaft nicht genügen, um dieses Ergebnis zu erklären. Sind die Christen - und vergessen wir nicht die anderen Religionen - in diesem Land doch weniger der Nächstenliebe zugeneigt, als sie zugeben würden? Ist es am Ende vielleicht doch ein Religionskonflikt und kein politischer oder kultureller? Kann es sein, dass sich der gemeine Schweizer durch diffuse Ängste beunruhigen lässt und mit der Faust im Sack ein "Ja" auf den Stimmzettel schreibt? Jedenfalls hat die SVP wieder einmal ein gutes Näschen bewiesen für die Befindlichkeiten der Stammtischwähler. Das ist traurig genug, auch deshalb weil die anderen Parteien seit Jahrzehnten in Letargie verfallen und sich in Grabenkämpfen gegen die SVP erschöpfen.
Immerhin: ein Zeichen ist gesetzt. Die Schweiz reiht sich ein mit den Niederlanden und Dänemark. Sie steht also keineswegs alleine da. Die seit langem nötige Debatte kann jetzt geführt werden. Wie glaubhaft ist der säkulare Staat? Muss Religionsfreiheit neu definiert werden? Ist also doch ein Gotteswahn Ursache vieler Konflikte? Welche Abstriche müssen Muslime und andere Religionen machen, wenn sie hier leben wollen? Würden Sanktionen von muslimischen Ländern gegenüber der Schweiz nicht genau die Befürchtungen der Ja-Wähler bestätigen?
Es bleibt spannend...
Wir sitzen einfach auf sehr hohem Ross, aber das lässt sich sogar durch einen andauernden Religionsfrieden und durch Nicht-Beteiligung an Kriegen sogar zu Recht begründen. Nur ist der Blick des Schweizers in Religionsangelegenheiten alles andere als neutral! Oder käme etwa jemand auf die Idee, Rückkehrer der päpstlichen Garde zu Verhaften, weil die luschen Verträge mit dem Vatikan nur unzureichend verschleiern, dass die Gardisten de facto in einem fremden Heer gedient haben? … eben. Die ganze Diskussion über ein Minarettverbot hat auch gezeigt, dass die Trennung von Kirche und Staat gar nie richtig vollzogen wurde. So gesehen ist es auch eine Herausforderung für die Schweiz, ihre Befindlichkeiten zu allen Religionen zu hinterfragen und für die (sehr uneinheitliche) Gemeinschaft der Schweizer Muslime die Aufgabe, herauszufinden, wieso die meisten Schweizer beim Islam sofort an Gaddafi, Burka, Steinigungen, Talibanen, Krieg und Bomben denken ….
Jeder halbwegs vernünftige Mitteleuropäer hat eigentlich seinen Frieden gemacht mit Türken,Kurden etc...muslimischen Glaubens oder nicht.
Meine Lieblingspizza lasse ich mir beispielsweise von Kurden frisch zubereiten und backen,dabei ist mir deren Religionszugehörigkeit völlig Wurscht,obwohl ich dort immer einige Gags über diese Leute loslasse,nimmt´s mir keiner übel..oder vermutet etwa,daß ich Rassist o.ä.bin.
Man kennt sich im Viertel und weiß,was man voneinander zu halten hat.
Sicherlich würde mir ein Muezzin natürlich gegen den Strich gehen,aber die katholische Kirche in meiner Nähe,mit ihrem lauten,harten Gebimmel,Sonntag früh nervt mich auch..
Es ist wahrscheinlich ein Aufstand gegen die Political Correctness,welche uns vor Jahren von den Parteien aller Couleur einfach mit ihrem Multi-Kulti-Wahn ´reingewürgt wurde..und das europaweit und weniger die Angst vor " Überfremdung " (was für ein blöder Begriff ).
Hier kann man ebenfalls votieren..das Ergebnis wäre in DE ca. 78 % gegen Minarett-Bau
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0, 1518,664104,00.html
Der Mörgeli gab es gestern zu. Kein Problem wird mit dieser Abstimmung gelöst. Indirekt gab er zu, dass da einfach ein wenig mit Zutaten aller Art eine Suppe angerührt wurde. Er erwähnte in einem Atemzug der Amokpsychiater der US-Army und die Problematik der Verschleierung. Die Zutaten für die Suppe sind fast unendlich gross: Frauenrechte, Terrorismus, Identitätsverlust, Religion, etc. etc. etc. Überall hat es immer ein mehr oder weniger grosses Körnchen an Wahrheit und es beschäftigt viele Leute zurecht. Das legitimiert eine solch sinnloses Volksbegehren noch lange nicht. Es ist Betrug an vielen aus irgendwelchen Gründen verunsicherten Ja-Stimmern und es ist eine Verschleuderung von Steuergeldern. Eben, Wahlkampf mit einer Initiative. Eine Unsitte, die immer mehr um sich greift.
Es wird sich zeigen, was Strassburg dazu sagen wird, ist es dann einmal soweit. Und im Ausland kann man fast deutlich die Erleichterung spüren, dass in diesen Ländern über ein solches Anliegen auf Verfassungsebene nicht abgestimmt werden kann.
Um auf meinen Ausgangspunkt zurückzukommen. Niemand hat die Initiative frontal angegriffen und sie als Sinnlosigkeit sondergleichen entlarvt.
Aus Gesprächen mit Freunden und Kollegen habe ich immer wieder gehört, dass die ein Verbot kein einziges der anstehenden Probleme löst. Soweit haben das ja gestern sogar Exponenten der SVP zugegeben. Auch ich sehe das so. Was ich von der Mitte-Links-Politik jetzt erwarte, sind klare Bekenntnisse zur Schweiz und ihren Werten. Und zwar nicht nur Versprechungen, wie sie im Vorfeld der Abstimmung wiederholt geäussert wurden. Denn Versprechungen von Politikern (von links bis rechts) traue ich nicht (mehr). Sondern klare Gesetze, die auch vor Gericht ohne Wenn und Aber umgesetzt werden können.
Als Beispiel nehme ich den Fall der gebürtigen Irakerin, die mit Kopftuch Basketball spielen will. Laut Verband ist das verboten. Nun setzt sich Herr Vischer dafür ein, dass die junge Frau trotzdem mit Kopfbedeckung spielen darf. Das kann es nicht sein! Ich weiss, es hat absolut nichts mit Minaretten zu tun, aber dieser beschriebene Fall war bei mir ein weiteres Puzzle-Teil, dass schlussendlich zu meinem Ja an der Urne geführt hat. Und scheinbar war ich nicht der einzige.
Was ich anfügen möchte: ich wohne friedlich zusammen mit Leuten muslimischen Glaubens unter einem Dach und habe es gut mit Ihnen. Ich bin für die Glaubensfreiheit und dass jeder hier in der Schweiz seinem Glauben nachgehen kann. Falls sich die Politik nun glaubwürdig den anstehenden Problemen annimmt, gibt's zumindest von mir bei ähnlich gelagerten Initiativen aus dem rechten Lager kein Ja mehr. Ich denke, ich stehe bei weitem nicht alleine da mit dieser Ansicht. Aber der "Gingg" ans Schienbein war wohl einfach nötig, damit die Politiker wieder etwas geerdet werden...
In Sachen Wahlen und Abstimmungen, tue ich, was in meiner Macht steht. Leider aber bin ich nicht immer auf der Gewinnerseite. Nun hat eine - zugegebenermassen - ziemlich sinnlose Initiative für eine allgemeine Unzufriedenheit mit der Schweizer Politik herhalten müssen. So ist unsere Demokratie, und das ist zu respektieren. Meiner Meinung nach sind nun die von mir noch immer bevorzugten Mitte-Parteien gefragt. Die haben jetzt die Chance, mit Vernunft die anstehenden Probleme anzugehen, sprich weder Kuschelkurs noch totale Abschottung von allem "Fremden". Denn soviel ist klar: auch nach der gestrigen Abstimmung dürfen die Muslime ihrem Glauben nachgehen, und das soll in der Schweiz auch so bleiben!
Nun hat es bis 2005 gedauert, bis der unsägliche und falsche Artikel aus der Bundesverfassung genommen werden konnte.
Also liebe Freunde anderen Glaubens: Etwa so um 2104 herum dürfte das Minarettverbot wieder gestrichen sein. Da alle Gläubige (gleich welcher Religion) mit der Ewigkeit operieren, sollte das eigentlich gar nicht so ein Problem sein ……..
Es ist auch eine Schande, dass man mit desen religiösen Wahnideen verdrängt, dass das Waffenexportverbot nicht angenommen wurde: die Leute, die Waffen herstellen und vertreiben, brauchen scheinbar Minarette um ihr dreckiges Gewissen zu verdrängen ?
Im übertragenen Sinne ist diese Geschichte doch sehr nahe beim Minarett ….
Und wenn man den Absinth schon bekämpft, dann muss man auch Klosterfraumelissengeist, la Chartreuse, Klosterbier und ähnliche, von Gottesfürchtigen fabrizierte "Aufmunterer" verbieten ... das würde dann auch aber wenigstens dazu führen, dass einige Leute die Türmelili's und XL-Gartenzwerge nicht auch noch doppelt sehen!
Das Türmelili-Problem gehört nicht in die Verfassung, sondern in's Baurecht. Und in's Baurecht gehört auch eine Bestimmung darüber, dass generell jede Art von Bauten, die einen grossen Symbolcharakter aufweisen, sehr streng beurteilt werden müssen. Sonst kommt noch ein Potenzmittel-Fabrikant auf die Idee, dass er einen 1000 m hohen Turm, in Form eines Sex-Symbols, bauen muss ....
Ich frage mich auch ob diese Abstimmung zum Minaretverbot nicht, von einem bauernschlauen Mitbürger, extra zusammen, mit der Abstimmung zum Waffenexportverbot gelegt wurde. Auf diese Art und Weise, konnte man, die wesendlich schweinigere Entscheidung, gegen das Waffenexportverbot, so schön mit den Protesten von den ewig verschrobenen religiösen Fanatikern überdecken.
Und die nächsten Wahlen stinken mir jetzt schon. Es wird neben den Muslims über die Ausländer generell gehen. Ich weiss, in jedem Land geht es immer wieder einmal um die Ausländer. Andernorten werden sie kurzerhand vertrieben und ihres Besitzes beraubt. Im guten Fall. Kehle durchschneiden ist ja auch nciht gerade selten. Trotzdem ödet mich dieses Thema so was von an. Dann regen sich Leute über Asylanten auf, die ihr ganzes Leben lang noch nie einen gesehen haben ausser auf einem SVP Plakat. Dann werden Forderungen nach Sippenhaft gestellt wird ein Ausländer kriminell - ein Relikt aus der biblischen Mottenkiste. Und mit all solchem Zeugs schlägt man sich herum. OK, ich bin vom Thema abgekommen.
Und herumschlagen damit müssen wir uns: Wenn einfach gestrickte Propagandarezepte so billig und so schnell zum (Abstimmungs-)Erfolg führen wie gerade passiert, so werden diese Rezepte wiederholt. Die Pralaaggeripartei ist ja schon dabei, ihre weissen Schafe auf eine neue Polemik einzustimmen - „Familie“ als neues Allerwelts-Propaganda-Mittel wurde ja soeben portiert! Da müssen wir uns alle noch warm anziehen, in den nächsten Monaten. Keine Sau wird die schlechten Leistungen der Mandatsträger hinterfragen (man denke da etwa an das „verluderte“ Departement VBS, das komischerweise seit Jahrzehnten in SVP-Hand ist) – denn Fehler machen nur die andern…. Und überhaupt sind die ja alle andern für Multikulti, für Minarette, für Soziahilfebetrüger und natürlich gegen die Urschweizerische Familie!!! Somit sind die übernächsten Abstimmungen (und natürlich die nächsten Wahlen) praktisch schon gewonnen – niemand „von der Regierung und von den Meinungsmachern“ kann es sich leisten, „gegen die Familie“ zu sein…bin deshalb schon jetzt gespannt, welche Werbeagentur sich erneut prostituiert und ein lusches Plakat so knapp am Anstand und an den Menschenrechten vorbei „kreieren“ wird ….
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