25/01/2010 16:41
Demoskop-Debakel: Die Grenzen der Prognosen
Die Schweizer Politologen kritisieren, dass Kollege Claude Longchamp seine Methoden nicht transparent macht. Eine Mitschuld am Prognose-Debakel in der Minarettfrage geben sie den Medien. »







Diskussion
Institutionen, welche verdienstmässig vom Auftraggeber abhängig sind.
Das haben wir vor Jahren bei Präsident Bush beobachten können. Der
wollte Krieg und seine Dienste haben ihm die Argumente geliefert. Oder
jetzt bei unserem Gesamtbundesrat: Der wusste gemäss einem
Interview mit BR Merz, dass das Amtshilfeabkommen mit den USA
rechtlich auf wackeligen Füssen stand. Der Bundesrat hat dann zur
eigenen Absicherung Gutachten herstellen lassen. Wen wundert's, dass
deren Ergebnis der Rechtsauffassung des Bundesrates entsprach.
Da entfuhr doch unserem BR Leuenberger kurz nach dem
Bekanntwerden des Resultates der Minarettabstimmung die zornige
Bemerkung, dass unser Staat gefährdet sei, wenn sich die
Regierung nicht mehr auf die Ergebnisse von Meinungsumfragen
stützen könne.
Von einer Regierung direkt oder indirekt veranlasste Meinungsumfragen
tendieren nun mal so durchgeführt zu werden, dass sie ein der
Regierung gefälliges Stimmungsbild liefern. Dies frei nach dem Motto
'ich bin gerne bereit das zu bezeugen, sie müssen mir nur noch sagen
um was es sich handelt'
Wer ebenfalls zu dieser Gilde zugezählt werden müssen, sind die Werber im weitesten Sinne. Denn die machen ja alles, was der Auftraggeber will. Ganz lustig ist auch, wie diese Gilde sich jeweils selbst beweihräuchert – aber da jeder Journi ja irgendwie immer Werbung in eigener Sache macht, rechnet er sich entweder selbst dazu oder dann lässt er diese Gilde jeweils in Ruhe und lässt sich dafür sehr gerne für irgendwelche Anlässe einladen, Hauptsache, es gibt was zu essen und zu trinken ..;-))
Ich hab nix gegen Umfragen und auch nix gegen Werbung, das Mitmachen bzw. das Konsumieren ist ja freiwillig. Aber ernst nehm ich die Brüder und Schwestern erst dann, wenn gleichzeitig zum „Werber des Jahres“ und „bestes Umfrageinstitut“ auch „bester Strichjunge des Jahres“ und „beste Prostituierte des Jahres“ am gleichen Festanlass ernannt und geehrt werden ….
Mit Signifikanzwerten und Fehlerquoten kann man halt keine Schlagzeile produzieren.
Ich weiss, bei uns in der Biologie war dieses geflügelte Wort auch sehr beliebt. Allerdings hat unser aller lieber Claude natürlich recht, wenn man Wikipedia Glauben schenkt...;-)
@ali: Die Methoden der Umfragen generell sind bisweilen sehr problematisch. Wenn ich mich an meine Telefoninterviews und Internetumfragen errinnere, die ich mitgemacht habe, stehen mir heute noch die Haare zu Berge. Bei den meisten ging es um Marktforschung, aber es waren auch politische dabei. Aber ich bin da kein Experte.
Ich finde es allerdings nicht nur schade, sondern auch überheblich, dass sich SF DRS von Longchamps getrennt hat. Meines Erachtens hat die Analyse die Grenzen der angewandten Methoden gezeigt. Das passiert in der Wissenschaft allenthalben. Dann kann man über die Bücher und Verbesserungen diskutieren.
Deshalb den Autor gleich so zu rügen, zeugt nicht nur von wenig Sachverständnis, sondern auch von der beschränkten Sichtweise der Regie des Fernsehens. Die Expertenrollen werden nach gewissen Kriterien ausgesucht und kultiviert (es gibt ja eine Handvoll solcher Expertenrollen bei SF). Es fliesst dabei auch Geld. Stimmt eine Rollenbesetzung nicht mehr, muss sie, wohl aus dramaturgischen Gründen, ersetzt werden. Insofern muss ich Niklaus schon recht geben.
Und keiner der «Macher» ist tatsächlich so «verrückt» seinem Patron zu sagen, dass er dabei ist «Mist» zu bauen.
Hinter dieser einfachen Aussage verbirgt sich eines der Grundprobleme der Menschheit. In hierarchischen Strukturen, sei es in Politik, Militär oder Wirtschaft, wird beim Weiterreichen der Information nach oben meist gefiltert und geschönt. Jeder will doch seinem Chef beweisen,
dass in seinem Rayon alles paletti ist. Mangels negativem Input können dann auch die übergeordneten Regelkreise zur rechtzeitigen Behebung von Missständen nicht oder nicht mehr rechtzeitig greifen.
Militärs waren die ersten, welche diese Gefahr erkannt haben und Gegensteuer gaben. Unter Stalin waren es die berühmt berüchtigten Politkommissare. Die wurden zwar offiziell zwecks Indoktrinierung bei der Truppe platziert, verfügten jedoch über schnelle Kommunikationskanäle zur Stawka (Generalstab), um diesem jederzeit ein ungeschöntes Bild der
Lage vor Ort zu vermitteln. in der Schweiz waren es Generalstabsoffiziere, die den Stäben der jeweiligen Feldeinheiten beigeordnet wurden.
In der Wirtschaft wurden z.T. mit einem erheblichen Schulungsaufwand ausgeklügelte Rapportsysteme implementiert, welche früher oder später meist versandeten. Zum einen wurden die schriftlichen Angaben zur Zeitersparnis durch unvollständiges Ausfüllen oder zeitsparendem Einsetzen von stereotypen Wendungen verfälscht. Da eine Konzentration der Information nach oben
mangels zusätzlicher Arbeitskräften nicht stattfand (wir wollen alles wissen, doch es darf nichts kosten), erreichte eine so grosse Informationsmenge die oberen Hierarchiestufen, dass
diese des schieren Zeitbedarfs wegen nicht mehr gelesen und nur noch abgelegt wurde.
Der ’nichts negatives nach oben melden Effekt’ führt ausserdem häufig zu Selbstüberschatzung von Vorgesetzten. Da nur höchst selten negative Informationen vorliegen, ist die Gefahr gross, dass viele Vorgesetzte sich zu überschätzen beginnen. Was das dann wiederum zur Folge hat, kann sich jeder selbst ausdenken.
Wie sich dieser 'nichts negatives nach oben melden' Effekt auf technischem Gebiet auswirkt, hat der amerikanische Ingénieur Roger L. Harmon präzise und desillusioniert so formuliert:
The unfortunate truth is that engineers in almost any field encounter the same symptomatic problem throughout their careers: management in general is made up of highly optimistic, aggressive individuals who hear only what they want to hear. If an engineer presents obstacles in the form of educated experienced opinions, THAT ENGINEER WILL BE LABELED CYNIC, PESSIMIST, MISANTHROPE, MISOGYNIST, OR JUST PLAIN UNCOOPERATIVE TROUBLEMAKER.
Leider gilt das immer noch und wird sich auch nicht so schnell ändern...
vielen Dank für die optimale Uebersetzung und gleichzeitige Konzentrierung der Aussage.
@Asozialer
es war etwas früh heute morgen, als ich meinen Diskussionsbeitrag verfasste. Ich konnte plötzlich nicht mehr und hab das Ueberstzen deshalb weggelassen. Soll aber nicht wieder vorkommen.
Musste heut morgen 'Basler Kiigeli' einwerfen, da ich gestern zu lange vor dem Bildschirm sass.
Ich wollte einen Artikel einige Merkwürdigkeiten im Zusammenhang mit dem Bankenskandal
darstellen, verzagte jedoch zuletzt, weil ein Artikel, welcher nur Vermutungen und Fragen jedoch keine neuen Fakten enthält, der Ernsthaftigkeit des Problems zu wenig Rechnung trägt...
INTERVIEWFRAGE: 'Hans Hirter, wieso kommt es vor, dass die Befragten bei Meinungsumfragen nicht die Wahrheit sagen?'
ANTWORT: 'Einführend ist zu sagen, dass es nie eine Mehrheit ist, die lügt. Im aktuellen Beispiel war es vielleicht eine von zehn Personen, die nicht zuverlässig war'.
Da gibt es also Typen, welche den Leuten deren geistiges Eigentum absaugen, daraus Kohle machen und die Dreistigkeit besitzen sich über die mangelnde Zuverlässigkeit der auf diese Weise Abgemolkenen auszulassen.
Anderst ausgedrückt, wenn Du eine Meinungsumfrage machen musst, dann erkundigst Du Dich zuerst bei Deinem Vorgesetzten, was der so an Ergebnissen erwartet. Dann hast Du zwei Möglichkeiten:
1 Deine Umfrage hat das Ergebnis, welches Dein Vorgesetzter erwartet hat ,,, dann ist der "Happy", und freut sich über Deine "Fähigkeiten" und dass SEINE Voraussagen so perfekt sind....
2 Deine Umfrage hat ein anderes Ergebnis .. Das würde ja dann bedeuten, dass Dein Vorgesetzter/Auftraggeber sich nicht auskennt, aber das kommt natürlich nicht vor!!! ...Also hast DU Trottel, da falsche Ergebnisse erziehlt!
Wie wir alle wissen, wird, in unserer Gesellschaftsordnung, die Version 1 dazu führen, dass der Meinungsforscher eine grosse Zukunft vor sich hat! "Idioten", die andere Ergebnisse, als erwartet, erziehlen, sind doch einfach unmöglich, mit solchen Aussenseitern, kann man doch nicht zusammenarbeiten ...
Ja, Einbildung ist alles; die Kultur, auf die wir so stolz sind, ist nur eine hauchdünne Tünche über den uralten Strukturen. Die Vermutung betreffs Gutachten, welche ich weiter oben geäussert habe, ist in der Zwischenzeit bereits zur Realität geworden:
http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/stan dard/Bund-haelt-kritisches-Gutachten-zum -UBSDeal-unter-Verschluss/story/22740346
Die ungünstigen Gutachten werden einfach totgeschwiegen. Wie war jetzt das mit der transparenten Verwaltung? ´Ach wissen sie, es handelt sich hier nicht um ein eigentliches Gutachten sondern nur um ein internes Arbeitspapier´. So wäre die Ausrede, wenn man die Damen oder Herren festnageln könnte.
Eine Spezialvariante des Gutachtentricks wird häufig in Gerichtsverfahren benutzt, in denen es um viel Geld geht, um sehr viel Geld. Man beauftragt dann blitzschnell jeden der drei renommiertesten Fachgutachter des Landes mit der Anfertigung eines Gutachtens. Wenn sich ungünsig ausgefallene darunter befinden sollten, werden diese in bewährter Manier nicht veröffentlicht. Soviel ist bekannt. Jetzt kommt aber noch der ganz der spezielle Vorteil dieser Methode zum tragen: die Gegenpartei hat keine 'Erstklassgutachter' mehr zur Verfügung, die stehen
im gleichen Verfahren für die Gegenpartei nicht mehr zur Verfügung, selbst wenn ihre Gutachten für die Gegenpartei günstig lauten würden...
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