09/02/2010 17:33
Gepflegtes Deutsch und Puuretütsch
Ein intelligenter Schweizer, Aron G. Papp, seit dem 2. Februar dieses Jahres Leiter der Sektion Schweiz der Budapester Industrie- und Handelskammer, wird in Kürze auch Schweizer KMU die Möglichkeit... »







Diskussion
Wenn ich in die Deutsche Schweiz komme, dann ist meist die erste Frage "verstehen Sie Schwyzertütsch" ... und diese schein-freundliche Frage, zeigt mir dann schon, dass mein Gesprächspartner ein verschrobener Simpel ist.
Er fragt mich, ob ich eine Sprache spreche, die es gar nicht gibt. Es gibt Berner-Deutsch, Basler- Deutsch ... aber KEIN schweizerdeutsch. Bzw. das "Schweizerdeutsch", ist das augenblicklich gesprochene Kauderwelsch, aus verschiedenen Dialekten.
Kein Franzose würde mich fragen, ob ich das Patois der Region spreche. Er würde auch in keinem Falle versuchen, einen überregionalen Dialekt zu fabrizieren.
Kriminell wird es, wenn Deutschschweizer, Flüchtlingen, ihren Dialekt aufdrängen.
Komisch, man will Flüchtlinge eigentlich nicht aufnehmen, aber man bringt ihnen geradewegs, zwangsweise, irgend einen lokalen Dialekt bei. Sind Schweizer so dämlich, dass die nicht begreifen, dass nur Schriftdeutsch, für diese Flüchtlinge einen Wert hat? Mit Schriftdeutsch, kann man selbst in Albanien einen besseren Job finden. Aber Nein, die Deutsch-Schweizer, wollen den Leuten ihren blödsinnigen Dialekt aufdrängen. Das ist irgendwie durchgeknallt: man bringt Menschen, die man möglichst bald wieder nach Hause schicken möchte, etwas bei, was die bei sich zu Hause so gut brauchen können, wie ein Fisch einen Dosenöffner
Man kann auch besonderst einfältige Deutsche Bundesbürger an ihrer Sprache "taxieren", wenn die sich bemühen, Schweizerdeutsch zu reden (mit einem fast immer gräulichem Akzent! ... zum Kranklachen ... echte Schweizer erwecken schon durch ihren Dialekt den Eindruck, von "etwas Rückständig", aber Deutsche, die sich da, in "Schweizerdeutsch" versuchen, die machen einen lächerlichen, ungebildeten Eindruck. Man kann sofort sehen, dass diese Leute sich irgendwie einschleimen wollen. Auf mich wirken solche Leute, wie eine abgefackelte Hure, die sich verkaufen will.
Es ist auch ganz schlimm, wenn Schweizer ihre Mundart in das Schriftdeutsche einbringen wollen. In der letzten Kassensturz Sendung, erzählte ein Sprecher etwas von Ski-Wachs. Er redete ständig (in Schriftdeutsch) von "DER" Wachs ... ein Journalist der nicht weiss, dass "Sachen" in der deutschen Schriftsprache den sächlichen Artikel bekommen, der sollte sich einen Job als "Knecht" oder "Putzfrau" suchen gehen!
Das scheint dich stark zu bewegen. Aber du sprichts natürlich etwas Wichtiges an.
Wundern muss man sich aber nicht. Bspw. geben irgendwelche Experten in der Tagesschau oder im 10 vor 10 Auskunft in Dialekt. Es kommt sogar vor, dass der Moderator die Sprache wechselt - vom Hochdeutschen in Dialekt. Ein Affront gegenüber jedem fremdsprachigen Zuschauer, der sich die Mühe gibt eine Nachrichtensendung seines Lebensraums anzuschauen. Das muss einem doch ablöschen. Oder die Wettersendung auf dem lässigen Dach (das ist eine andere Geschichte): Dialekt. Gehts eigentlich noch!
Das Thema beschäftigt mich schon seit meiner Kindheit: meine Mutter war eine Dialektgegnerin. Sie hatte schon als Kind etwas gelernt, was nur sehr wenige Leute begreifen: jedes Lebewesen hat nur einen begrenzten "Speicherplatz".
Wenn man diesen Speicherplatz mit "Mist" vollstopft, dann hat es keinen Platz mehr für sinnvolles.
Man kann zum Beispiel nur eine begrenzte Anzahl von Sprachen lernen .... wenn man dann einem Baby, den Verstand mit Babysprache und lokalen Dialekten zumüllt, dann versaut man den Speicher-Platz, der für sinnvolles nötig ist.
Dialekte sind auch "unpräzise". Das führt dann dazu, dass die Menschen irgend etwas nicht richtig verstehen.
Dialekte grenzen auch ab: wenn man nicht den gleichen Dialekt spricht, wird man als "Ausländer" ausgegrenzt, im deutschen Sprachraum werden sogar Menschen ausgegrenzt, die keinen Dialekt sprechen. In der Schweiz hat man das soweit getrieben, dass man sogar einen künstlichen, überregionalen Dialekt erfunden hat. (In Deutschland sprechen die Leute Schriftdeutsch und vieleicht einen Dialekt, in der Schweiz sprechen die Leute einen Dialekt, das überregionale "synthetische" Schweizerdeutsch und, meist schlecht, "Schriftdeutsch").
Ich spreche ein sehr komplexes Schriftdeutsch und ich habe es auch gelernt eine Schweizer Mundart korrekt zu sprechen. Aber ich habe das nur auf Theaterbühnen genutzt. Aber dadurch, dass ich gelernt habe, wie die "richtigen" Diaekte "klingen" erkenne ich jeden "Sau-Schwob", an seinem Akzent.
In dem Artikel von diesem Threat wird gesagt, dass die Menschen früher "Schriftdeutsch", als eine Art Elitensprache verwendet haben. Im deutschen Sprachraum wird "Dialekt" auch oft als eine Art von "Bauernsprache" angesehen (in vielen Filmen sprechen die "gescheiten" Preussen "schriftdeutsch" und die groben, dummen Bauernlümmel, bayrisch). Vielleicht hat mich auch dieses "Vorbild" etwas geprägt.
Es wird kolportiert, dass der ehemalige BR Minder seinerzeit in Berlin eine Rede gehalten hat. Auf die Bitte doch Hochdeutsch zu sprechen, sagte er: "Ich kann nicht höcher".
Ich selbst spreche vier Hochsprachen fliessend und zwei Dialekte. Zudem liebe ich, Filme in Originalsprache zu sehen. Ich schwärme quasi für alle Sprachen, auch lustige, wie Finnisch und Japanisch.
Das mit dem Speicherplatz ist ein Ammenmärchen. Am besten hängst du dir auf's Klo einen Zettel mit: "Die Grenzen des eigenen Verstandes sind nicht die Grenzen der Welt"...;-)
Seit tausenden von Jahren versucht der Mensch sich mittels einer Sprache zu artikulieren. Und schon seit tausenden von Jahren tritt der Mensch von einem Sprachraum in den andern. Meist hat er dabei etwas im Sinn (er will was verkaufen, etwas erwerben, auswandern, eine Frau finden, Krieg führen oder was auch immer ….) und dazu ist die Sprache ein Werkzeug. Wie er es anwendet, ist seine Sache und meist wird er sich der Situation anpassen (schon vor Jahrzehnten konnten etwa tunesische Gewürz- und Teppichhändler das Wort „Chuchichäschtli“ akzentfrei aussprechen). Wen stört das? Mich nicht.
Bezüglich deiner Speicherplatte oder Festplatte kann ich dich komplett beruhigen: Ich hab da einen Bekannten mit zwei Pässen, der irgendwo weit weg in der Provinz lebt und in elf Sprachen fluchen kann (ähhh zwölf, wenn man „Schweizerdeutsch“ dazu zählen täte…) der macht mir, trotz seines Alters, einen ausserordentlich vifen Eindruck und ich werde mit ihm nur noch Schach spielen, wenn er schon bei Spielbeginn besoffen ist – also ganz offensichtlich ist seine Speicherplatte nicht voll ….!
Weiter hab ich Freunde im Elsass, die mitten im Satz die Sprache wechseln (ohne es zu bemerken) und automatisch in derjenigen Sprache antworten, in der sie angesprochen werden. Ich glaube, die leben recht glücklich und machen sich nicht allzu viele Gedanken darüber.
Ich bin innerhalb und ausserhalb der Schweiz herumgekommen und jede verlassene Region versichert mir lautstark, dass ich ihren Dialekt nicht mehr beherrsche – und, du ahnst es vielleicht, das ist mir komplett egal! Viele meiner deutschen Freunde bitten mich, „auf Mundart“ zu sprechen, was ich zwar gern täte, aber jedes Mal nach 1, 2 Sätzen in die Hochdeutsche Sprache zu fallen – auch das ist mir komplett egal.
Ich würde dir deshalb ans Herz legen, mindestens ein halber Jahr in ein Land zu gehen, dessen Sprache für dich neu wäre, das hätte eine ausserordentlich positive Wirkung auf deine sprachlichen Gedankengänge ….
Ob Du es wahr haben willst, oder nicht: Der dümmliche "überschweizerische" Dialekt nerft!
Selbst Doris Leuthard müht sich redlich, wie ein Schauspieler, ihren komischen, erfundenen Dialekt, an den Mann zu bringen. Sie klingt, wie eine "Sauschwäbin", die, "Schwitzertutsch", in einem Abendkurs gelernt hat, anstatt was Gescheites zu lernen.
In der Fernsehwerbung ist das ganz peinlich ... da gibt es zur Zeit eine Werbung, für ein Reinigungsmittel ... das fängt mit "zum täglichen Pfurzen nehme ich ..." an und in einer Version, sagt die Dame, dass Sie es früher, mit dem "Zahnbürschteli" "getrieben" hat ....
Ungewollte Peinlichkeit ist auch peinlich! Und ich bin sogar gar nicht davon überzeugt, dass diese etwas "unsaubere" Aussprache, des Wortes "Putze", nicht sogar gewollt ist.
Wenn man "Schweizerdeutsch", dann auch noch Albaniern und anderen Flüchtlingen beibringt, dann wird es geradezu kriminell: die können, den Schwachsinn, den Sie da lernen, später nirgendwo mehr verwenden!. Und das Ganze ist auch irgendwie "komisch": man will die Leute angeblich doch möglichst wieder nach Hause schicken ... WAS sollen, die da zuhause, mit einem Lölli-Dialekt?
Auch unseren Kindern versaut man die Zukunft, indem man ihnen diesen Quatsch beibringt: die lernen 3 deutsche Sprachen .. lokalen Dialekt, überregionalen Dialekt und Schriftdeutsch. Statt Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch ... womit sie bestimmt viel mehr hermachen würden, als mit eienem Bauerndialekt!
Als ich als Kind, in Basel, in die Schule gegangen bin, konnte fast jede Klofrau Dialekt, Schriftdeutsch, Französich und Italienisch. Jetzt sprechen die Türkisch, "tschumpel-Dialekt", "SMS" und Schriftdeutsch-Kauderwellch" .. auch das sind genau 4 Sprachen, mit denen der Verstand eines "Normalbürgers" gerade noch fertig wird.
Hannes Keller hat einmal gesagt, dass ein Mörder seinem Opfer x-Jahre von seiner Zeit stiehlt. Dafür bestraft ihn unsere Gesellschaft, dann mit x-Jahren Gefängnis. Folgerichtigerweise, ist Mord im Grunde genommen, eine Art von Zeitdiebstahl: der Mörder stiehlt dem Opfer seine Zeit. Auch wenn ich diese Ansicht etwas übertrieben finde, ist es doch so, dass man den Leuten ihre Zeit "tötet", wenn man ihnen etwas Unsinniges beibringt. Im Falle von Dialekten, führt das zudem meist zu einem fürchterlichen, peinlichen "Ergebnis". Jemand, der da stolz seinen scheusslichen "Sauschwoben-Schwitzertuttut-Dialekt" presentiert, der zeigt nur dass er versucht sich einzuschleimen. Schon "Emil" zeigte das in seinem Film "die Schweizermacher".
Auch wenn es Leute gibt, die 11 oder mehr Sprachen sprechen (wie gut, das muss man, im Einzelfall, auch noch hinterfragen), dann ist das keineswegs ein Zeichen dafür, dass dies jeder Mensch kann. Im Gegenteil: jeder hat, in jedem Lebensstadium, eine gewisse Aufnahme- und Lernfähigkeit. Wenn man das mit Sinnvollem ausfüllt, ist das ohne jeden Zweifel, besser, wie wenn man das mit Unfug ausfüllt.
So wie jeder von uns seine Effizienz massif steigern könnte, wenn er alles weglässt, was unsinnig ist , so kann man auch viel mehr lernen, wenn man wichtiges zuerst lernt. Es gibt schon seit Jahrzehnten Studien über den Grundwortschatz ... wenn man nur diesen Grundwortschatz von jeder Sprache lernt, dann könnte man jederzeit 40 und mehr Sprachen "radebrechen" .. und zwar sogar ganz ordentlich.
Und noch etwas: wenn Dich, Deine Freunde bitten, in Mundart zu sprechen .... dann ist das keineswegs, weil ihnen das "gescheid" vorkommt, sondern, die freuen sich darüber, dass Du Dich selbst zum "Tschumpel" machst! Merke: ein Preusse mit einem akzentfreien Schriftdeutsch ist 10 x weniger zum Lachen als einer, der Schriftdeutsch mit einem möglichst peinlichen Dialekt-Akzent spricht.
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