Heimat ist wie nackt vor Gott zu stehen
Implantate: Für eine stolze Brust
Emanzipation muss pragmatisch sein
Dies Fleisch macht alle satt
Kältewelle rollt über Europa
Jeanne d’Arc statt Tigermutter
Diskussion
Ja, auch ich bin erschüttert von den Ereignissen in Burma. Die
weltweite Solidaritätswelle ist eindrücklich. Aber manchmal bin ich
geneigt, uns alle einer Selektivität in unserer Solidarität aus
Bequemlichkeitsgründen zu beschuldigen. Weshalb ignorieren wir all
die unterdrückten und misshandelten Völker oder Volksgruppen, die in
diesem Moment in unserer Welt leben, und wenden uns einer einzigen zu?
Weil es wenig Denkarbeit erfordert und wir uns mit wenig Aufwand
informieren können, vermutlich. Diesen Fall zeichnet aus:
- Gut und böse lassen sich klar unterscheiden. Die Komplexität im
Fall Burma ist auf ein Minimum reduziert. Unterdrücker und
Unterdrückte, Aggressoren und Angegriffene, David und Goliath sind
klar auszumachen.
- Wir lassen unsere Aufmerksamkeit immer noch unbewusst stärker von
Bildern als von Texten auf sich ziehen. Bilder des menschlichen
Elends haben wir schon zur Genüge gesehen; sie stumpfen ab. Die
wogenden safranroten Roben hingegen sind etwas Neues, so fotogen
wie die Installation "The Gates" von Christo und Jeanne-Claude
damals in New York.
- Sobald Journalisten angegriffen werden, kommt eine neue Dimension
der Empörung hinzu. Die Menschen, welche immer über die Journalisten
schimpfen, sind plötzlich solidarisch. Sogar die Blogger, die sich
oft von dem Berufsstand distanzieren, fühlen sich ihm plötzlich
zugehörig.
- Haben all diese Faktoren mal die öffentliche Aufmerksamkeit
erreicht, kommt das zusammenschweissende Gefühl der Massensolidarität
hinzu. In unserer pragmatischen Zeit jenseits der Blumenkinder ist
es ein euphorisierendes Gefühl, das wir nur selten empfinden können.
Verstärkt wird es mehr denn je durchs Internet, das immer grössere
Massen anspricht.
Egal, was die Solidarität für Motive hat - hoffen wir, dass sie am
Ende irgendetwas bewirkt. Denn häufig scheint mir der Hauptzweck der
Solidarität der Selbsttrost von Menschen, die sich schuldig fühlen,
weil sie nichts tun können. Ich frage mich nur, wie lange es
dauern wird, bis die Fashion Victims vom Palästinensertuch zur
safranroten Robe wechseln.
ich habe vor rund 13 jahren 2 burmesen kennegelernt. mit einem von beiden habe ich sogar eine zeit lang zusammengearbeitet. die geschichten, welche mir die beiden mitte der 90er jahre erzählt haben, gleichen dem, was ich derzeit aus burma höre. hunger, unterdrückung, ungerechtigkeit, folter, krieg etc. wie mir scheint hat sich das land unter dem druck der militärregierung nicht weiter entwickeln können.... die möglichkeiten der bevölkerung - das wurde mir damals bereits geschildert - sich zu befreien beinahe gleich null. inzwischen haben wir mit dem internet eine neue möglichkeit, eventuelle etwas licht ins dunkel dieser neverending story zu bringen. und diesen funken der hoffnung möchte ich nutzen.
dass es andere krisenherde gibt auf dieser welt, das ist mir auch klar. nur habe ich den eindruck, dass bei vielen anderen konflikten machtkämpfe verschiedener interessengruppen im vordergrund stehen. da geht es bereits wieder massiv um politik, um landbesitz, um macht und so weiter. in burma möchten die menschen ja lediglich etwas mehr freiheit, ein hauch von demokratie würde ihnen bereits genügen. keine überwachten telefone, keine verhaftungen bei meinungsäusserung und genug nahrung für die alten und kinder.... denn an geld fehlt es dem land eigentlich nicht. nur ist es falsch verteilt.
aber ich klinge jetzt schon wie ein prediger. will ich gar nicht. ich trage auch keine safranrote robe oder finde richard gere (oder andere promi-buddhisten) gut....
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