17/01/2008 21:11
Federer und der Videobeweis
Roger ist Mr. Goodguy, und dies zu Recht. Denn er nimmt seine öffentlichen Pflichten ernst und ist freundlich zu den Journalisten. „Es ist nett, wichtig zu sein, aber viel wichtiger, nett zu sein“, wer hat diesen seinen Leitspruch noch nie gehört?
Federer ist aber auch viel konsequenter als alle anderen auf seinen Erfolg ausgerichtet und ordnet sein Umfeld, aber auch sich selbst immer kompromisslos auf das maximale Ziel aus. Er hat nicht die meisten Muskeln im Tennis-Zirkus, aber vielleicht die schnellsten. Und er arbeitet hart dafür.
Er wird dafür geachtet, dass er die Regeln respektiert und die Leistungen der Konkurrenten würdigt. Federer wäre aber nicht Federer, wenn er diese Regeln nicht auch selbst alle ausschöpfen würde.
Ein gutes Beispiel war im 2.-Runden-Match am Australian Open gegen Fabrice Santoro zu beobachten: Beim Spielstand von 6:1, 6:2 und 4:0 für Federer spielt Santoro einen Lob, dem Federer nur hinterher schauen kann. Der Ball wird gut gegeben, es ist wohl Ermessenssache. Roger verlangt die Video-Prüfung –und bekommt Recht. Der Ball ist ganz knapp out.
Das Spiel war eigentlich längst entschieden, und doch setzte Federer dieses Mittel ein, um den Punkt zu gewinnen – auch aus Kalkül, auf die Möglichkeit zum Punkt spekulierend, total auf den Erfolg, den wirklichen und endgültigen fokussiert. Er hat sich mehrfach dezidiert und entschieden gegen dieses Konstrukt Videobeweis ausgesprochen – wenn er denn aber weiter zu den Regeln gehört, setzt er dieses Mittel auch ein.
Man könnte jetzt die Nase rümpfen und fragen: Hat er das nötig?
Stattdessen bewundern wir wohl eher den Marsch entlang dem Grat, auf dem Du maximal erfolgreich innerhalb der Regeln sein kannst, ohne je Dein Gesicht zu verlieren. Wir mögen anständige Menschen. Aber gewinnen sollten sie am Ende auch. Schön, wenn beides gelingt.






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