26/01/2008 12:58
Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht ein Autor einer Tageszeitung die sich rasant entwickelnde Medienlandschaft beklagt. Dabei wäre es wichtig, die sich verändernden infrastrukturellen Bedingungen der Medienlandschaft möglichst genau zu benennen. Denn nur das kann die Voraussetzung dafür sein, zukunftsfähige Medienprodukte zu entwickeln
von Christiane Schulzki-Haddouti
von Christiane Schulzki-Haddouti







Diskussion
Die vier Thesen
- Erosion des Gatekeeping
- Zunehmende Fragmentierung von Öffentlichkeit
- Neue Chancen mit Lückenbesetzen und Vernetzen
- Die (Wieder-) Entdeckung authentischer Inhalte
- Nutzung der Marke für verwandte Wertschöpfungsketten
gelten nicht nur für Medien, sondern auch für das Marketing allgemein. Fragmentierung der Zielgruppen, Nischen, Authentizität, Markenbewusstsein und eine "Erosion" der traditionellen eindimensionalen Kommunikation vom Produzenten zum Kunden verfolgen auch uns ;)
Bedeutet die Erosion der eindimensionalen Kommunikation und die zunehmende Notwendigkeit, sich auf Netzwerkeffekte zu verlassen dereinst das Ende des planbaren Massenprodukts (Authentizität und Masse widersprechen sich ja oft) und damit, als Untergruppe, auch das Ende des planbaren Massenmediums?
Spannend ist das in Hinsicht auf mobile Kommunikation - das ist ein weiterer Fragmentierungstreiber :) Nicht umsonst kommen etliche der theoretischen Ansätze auch aus dieser Ecke.
Der Trend bewegt sich m.E. klar weg vom "one size fits all" Massenprodukt, welches ein Kind des Taylorismus und der Industrialisierung allgemein ist. Vielleicht erleben wir demnächst eine "Entindustrialisierung" in weiten Teilen der Konsumgüterproduktion - und der Medien? Denn dazu braucht es weder User Generated Irgendwas, Wikinomics oder sonstiges Geschwurbel, sondern einfach Kunden und Hersteller, die sich im Markt treffen, um "Sonderwünsche" zu befriedigen.
@wortgefecht: an sich eine schöne Entwicklung, die dem einzelnen mehr Raum für die individuelle Lebensgestaltung geben dürfte. Gleichzeitig bewegt sich die Industrie in fast allen Sparten hin zu immer mehr Grösse. Enstehen da Dinosaurier, die dereinst verenden werden, wenn die Menschen sich auf ältere, kleinere Formen der Vernetzung und des Konsums besinnen, oder wird die Industrie selber Wege finden, ihre Produkte - vielleicht zum Schein - zu individualisieren? Für mich sind all' die Produktlinien z. B. im Coop, von Prix Garantie bis Slow Food, ein Zeichen dafür: man geht eben doch nicht mehr zum Italiener, wenn man sich etwas Spezielles gönnen will, sondern kauft eine Slow Food-Salami, komplett mit Bild vom glücklichen Schwein, der Uerte, der es gehört hat und handgeknüpfter Bastschnur drumherum. Notabene teurer als beim Italiener. Befriedigt eine solche Pseudo-Authentizität bereits unser ebenfalls von der Werbewelt dominiertes Bedürftnis nach individuellem Bedientwerden, oder werden wir mehr fordern und auch die Chance haben, das durchzusetzen?
Apple ist nur teils ein Gegenbeispiel für planbares Hype-Marketing. Sicher, einzelne Apple-Produkte haben durch teils geplante Netzwerkeffekte zu sagenhafter Verbreitung gefunden. Apple hat aber auch eine beachtliche Zahl von kompletten Flopps in der Produktpalette.
Natürlich bedienen die von Dir angesprochenen Marken nur eine Pseudo-Individualität. Das haben aber Marketing & Werbung nur sehr marginal verbrochen. "Schuld" ist vielmehr unser angeblich ach so individualistisches Zeitalter. Mehr dazu habe ich übrigens hier mal verfasst: http://zine.paxx.tv/?p=7
Noch ein Wort zu den Flops von Apple: Aus Marketing-Sicht sind an Flops natürlich immer die Entwickler schuld - hätten sie auf's Marketing gehört... ;)
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