27/01/2008 13:12
Der Punkt
Djokovic schlägt auf, Return nicht ganz an die Grundlinie. Auch Djokovic hat Druck. Er spielt einen Stoppball, der etwas zu lang und vor allem zu hoch gerät. Rückt nach ans Netz, es bleibt nichts anderes übrig. Tsonga hat die Absicht früh erkannt, ist schnell da, steht optimal zum Ball. Ganz seitlich am Netz, Djokovic verkürzt so gut wie möglich den Winkel. Tsonga kann den Ball über der Netzkante treffen. In einem solchen Fall musst Du durchziehen, den Ball praktisch durch den Gegner hindurch spielen, ohne Gnade.
Doch Tsonga ist ein höflicher Mann. Grundanständig sei er, heisst es, äusserst bescheiden. Und so spielt er den Ball longline. Dort ist das Netz etwas höher, der Ball muss angehoben werden und kann nicht so scharf gespielt werden. Und Djokovic ist zur Stelle, reagiert glänzend, spielt einen Return-Volley und macht den Punkt, den er schon verloren hatte.
Die Chance ist weg.
Wenig später ist das Spiel zu Ende. Der 20-jährige Serbe ist Grand-Slam-Sieger. Jo-Wilfried Tsonga gehören die Sympathien. Sieger sind irgendwie beide. Doch nur einer wird dafür einen Pokal bekommen.
Anständige Menschen bekommen Achtung geschenkt, Winnertypen wollen mehr - oder auch weniger.
An einem solchen Turnier lernt man scheinbar bekannte Spieler besser kennen und staunt über neue Gesichter. Und lernt in den Menschen, zu denen die Gesichter gehören, auch sich selbst vielleicht ein bisschen besser kennen.
Wem gehören meine Sympathien? Wie hätte ich selbst diesen Ball gespielt (angenommen, ich hätte die technischen Fähigkeiten dazu)? Auch ich kann mich immer besser kennen lernen. Wie wichtig ist mir selbst Erfolg?
Sport als Metapher von Lebenssituationen auf des Messers Schneide. Zu hoch gegriffen? Auf jeden Fall ist das ein wichiger Teil der Faszination.






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