04/02/2008 17:48
Great Firewall of China Faces Online Rebels
The Chinese government’s censorship of Web sites with no discernible political content has fostered a backlash.
»The Chinese government’s censorship of Web sites with no discernible political content has fostered a backlash.
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Diskussion
Ich hoffe doch sehr, dass sich Facts 2.0 nicht noch mehr Richtung Gutmenschen-Seklehrer-Stil mit protestantisch/zwinglianischem Background hin entwickelt (..das alte Tagi-Magi ist auch in neuer Form dieser Gefahr akut ausgesetzt).
Über China zu diskutieren, wäre hier sehr opportun: Die Anzahl Deutsch sprechender chinesischer Studenten könnte überraschend hoch sein.
Vielleicht führen die verschlungenen Wege des net's sogar hinter den "New Great Firewall"??
Just made my day ;) Danke.
Das China-Thema fällt bei mir auf fruchtbaren Boden, ich habe Sinologie studiert und war lange dort, wollte ursprünglich nach China auswandern. Allerdings ist Gutmenschen-Seklehrer-Stil in diesem Fall genau das, was Ihr hier andeutet: bei jeder Erwähnung von China gleich Menschenrechte! Diktatur! Die ersäufen ihre Kinder! schreien.
Sicherlich, die Retourkutsche von wegen Gutmenschen-Stil trifft ebenfalls zu - nur, ist denn Schweigen und Appeasement der bessere Weg?!?
Aber ich nehme doch an, dass China etwas mehr an Zwischentönen verdient - und auch etwas mehr Aufmerksamkeit!
Der Wintereinbruch und die Folgen (eine Millionenstadt seit über 14 Tg. ohne Strom... Millionen von blockierten Chinesen, die einmal (!) im Jahr ihre Verwandte besuchen wollen) wird hier im Westen kaum thematisiert. Was humanitäre Katastrophen anbelangt, klammern wir China irgendwie aus - wieso?
China ist ein Konstrukt mit historischen, geographischen, politischen Dimensionen, die wir uns gar nicht richtig vorstellen können. So einen Koloss in die Moderne zu führen, ohne dass er auseinanderbricht, ist eine herkuleische Aufgabe. Die Chinesische Regierung macht dabei viele Fehler, kann aber auch absolut faszinierende Errungenschaften vorweisen. Es mag blauäugig klingen, aber im Machtapparat, der China zur Zeit beherrscht, ist nebst viel Vetternwirtschaft, Korrpution und vor allem Angst um den Machterhalt auch eine beachtliche Menge an Willen zu finden, die Dinge richtig hinzukriegen. Und weil das in China an sich eine "Mission impossible" ist, führt der Weg manchmal über unpopuläre Entscheide. Ich denke da an die Ein-Kind-Politik, in unseren Augen unethisch, aber ein mutiger Schritt zur Eindämmung einer unkontrollierbaren Bevölkerungsentwicklung. An den Jangtse-Staudamm: eine tragbare Alternative zu 30 Atomkraftwerken? Oder an das faktische Verbot von Benzinmotorrädern in Shanghai. In manchen Bereichen sind die Rechte und Möglichkeiten des Invididuums in China in den letzten Jahren geradezu explodiert, in anderen Bereichen wurden sie brutal eingeschränkt. Nicht immer waren diese Einschränkungen aber so indiskutabel, wie sie aus unserem Blickwinkel erscheinen, denn Demokratie und individuelle Freiheit kommen in einem Reich, das fast 200 mal mehr Einwohner hat als die Schweiz und über keinerlei entsprechende Tradition verfügt nicht mit einem Fingerschnippen.
SF hat gestern z.B auch über eine bissige Konsumentenschutz-Sendung à là Kassensturz berichtet, die demnächst in Beijing ausgestrahlt wird. So etwas wäre vor 10 Jahren noch völlig undenkbar gewesen - wie viele Jahrzehnte haben sich die Leute in der Schweiz mit unseriös getesteten Industrieprodukten vergiftet, bis es endlich einen Konsumentenschutz gab?
Marianne
Ich kann all diese Fragen nicht beantworten und ich zweifle daran, dass die Chinesische Regierung die richtigen Antworten kennt, oder den Willen hat, sie umzusetzen. Ich habe aber sehr viel Respekt vor dem Jahrtausend-Unterfangen, mit dem sich China konfrontiert sieht und bin überzeugt, dass es mehr als ein paar wohlfeile "Demokratie, und dann ist alles OK" oder "Free Tibet"-Sprüche brauchen wird, um China heil in die Zukunft zu bringen. Einige der Lösungsansätze werden auf jeden Fall sehr unpopulär sein und wenig mit unseren Vorstellungen von Friede, Freude, Eierkuchen zu tun haben.
Aber Andersdenkende mit Zwang in die Psychiatrie einzuweisen, protestierende Studenten zu erschiessen oder Individuen wegen irgendwelchen olympischen Spielen zu enteignen - das darf nicht toleriert werden. In China genauso wenig wie in der "kleinen, satten Schweiz" oder irgendwo sonst auf der Welt.
Erschreckende Parallelen zwischen den Leiden der Chinesischen Bauern und den gleich danach gezeigten Zuständen im armen Amerika übrigens.
Diese Fehlentwicklungen - Du hast übrigens recht - zeigen für mich jedoch noch etwas anderes auf: Verantwortlich für die Ökonomisierung aller Lebensbereiche ist primär nicht "der Kapitalismus", sondern wie so-oft der Staat bzw. die Politik. Neoliberalismus ist Ausdruck des Etatismus. Aber gut - das ist ein ganz anderes Thema...
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