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Diskussion
Und siehe da: Ja, der Anteil Ausländer ist sehr hoch. Aber: Die Nationalität an sich ist nicht das Problem. Jugendliche mit Migrationshintergrund (vor allem aus dem ehemaligen Jugoslawien) leben in wirtschaftlich unterpriviligierten Schichten und bildungsfernen Familien. Es mangelt also an Integration -.-
Jugendgewalt ist ein Schichtenproblem. Das zeigt auch die Statistik, aufgeschlüsselt nach Ländern: Ein Schweizer Jugendlicher hat die kleinere Wahrscheinlichkeit gewalttätig zu werden, als ein Jugendlicher mit Migrationshintergrund aus Osteuropa. Ein Schweizer Jugendlicher hat aber die grössere Wahrscheinlichkeit gewalttätig zu werden, als ein Jugendlicher mit Migrationshintergrund aus Westeuropa.
www.eka-cfe.ch/d/Doku/jugendgewalt_web.p df
Das ist ja eigentlich alles bekannt, wird aber die Clubbetreiber selbst nicht interessieren. Wenns hauptsächlich Probleme gibt mit Ausländern, dann lässt man die einfach nicht mehr rein.
Das ist natürlich Sippenhaft und alles andere als fair, aber, wie Pascal Witzig meinte, trotzdem verständlich. So einem Clubbetreiber gehts ja nicht um gesamtgesellschaftliche Fairness, sondern darum, mit seinem Club Erfolg zu haben.
Es kommt nämlich doch auch folgende Überlegung dazu: Der Imageverlust für einen Club ist grösser, wenn es in den Medien heisst "vor dem Club XY lieferten sich Personen aus dem Balkan eine Schlägerei" als "vor dem Club XY lieferten sich Schweizer eine Schlägerei". Das ist doch einfach nunmal so.
Was bezeichnest du als "relativ seltenes Ereignis"? Falls du damit Schlägereien in und vor Clubs meinst: Ich erlebe praktisch jedes Wochenende eine. Selten würde ich das nicht nennen.
Mit Ausdrücken wie "aus dem Balkan" oder "ehemaliges Jugoslawien" habe ich Mühe, weil sie in meinen Augen nichts Reales beschreiben. Zumindest habe ich auf meiner letzten 6000Km-Reise durch diese Region nichts gesehen, das man ethnisch irgendwie als "den Balkan" oder "ehemaliges Jugoslawien" bezeichnen könnte.
Ich bin notabene weit davon entfernt, die Probleme mit gewalttätigen Jugendlichen ausländischer Herkunft abzustreiten. Nur müsste man tauglichere Massnahmen dagegen anwenden als eine auf einer stichprobenweiser Ausweiskontrolle basierende "Bronco"-Sicherheit. Das Ziel eines Clubs sollte ja sein, gewalttätige Gäste auszuschliessen und nicht Ausländer. Frage: wie kontrollieren die Clubs im Schmelztiegel New York die Qualität ihres Publikums? Ich vermute, nicht per Ausweiskontrolle.
Aber nochmals zum Quasimodo-Club: Man kann dessen krasse Massnahme ja einfach auch als Indiz für einen Missstand werten. Weil eben: Einfach nur so hat der Club jene Massnahme wohl kaum ergriffen. Dann gehts wieder um Gewalt und wie man diese stoppen kann. Und ja, daran scheiden sich ja bekanntlich die Geister.
Und jetzt wirds wohl schwierig hier noch weiter zu diskutieren...
Die Grundthematik, die ich eigentlich herrausstreichen wollte ist das Unterschichtenproblem und nicht das Alter.
Laut Statistiken sind Gewalttaten ja in städtischen Gebieten zunehmender (beispielsweise Zürich - Bündner Oberland). Die gesellschaftlichen Unterschiede Stadt-Land sind in dieser Hinsicht frappant. In städtischen Regionen werden Ghettoisierung in ganz anderer Weise "gefördert" (siehe z.B. Berlin Kreuzberg). Gesellschaftliche Unterschiede treten ganz anders zu Tage, es entstehen nämlich Quartiere mit tiefem Einkommen (billige Wohnungen, Mehrfamilienhäuser, Hochhäuser) wo sich diese wirtschaftlich unterpriviligierten Schichten treffen. Diese lernen keine verbale Streitkultur - oft auch durch kulturelle Unterschiede der Familie (andere Gewaltlegitimation, Vater ist der stärkste und wendet auch Gewalt an), die Faust ist also das einzige Mittel dass sie kennenlernen, um Konflikte zu bewältigen. Dadurch dass diese Familien oft Bildungsdefizite aufweisen haben auch Kinder in diesem Umfeld es schwieriger, eine gute Bildung zu erhalten - fehlt doch gänzlich die gesellschaftliche und die familiäre Unterstützung und Anforderung.
Aus diesem Milieu ist es nicht leicht, herauszukommen. Eben, deshalb: Egal, ob 14 oder 19, das Problem ist derselbe, nur dass 19jährige öfters auch stärker sind.
Jeder Entscheid eines Türstehers ist potentiell inkorrekt. Intuition heisst nämlich auch, das Äussere zu beurteilen. So bleibt der Friedlichste draussen, weil er eine Narbe hat. Und jener, der im richtigen Moment ein gewinnendes Lächeln aufsetzen kann, kommt rein und macht wieder Ärger.
Besser und effizienter wären Ausweiskontrollen in Zusammenarbeit mit den Clubs und mit der Polizei. Aber da sind wir wieder bei Stasi 2.0.
Trotzdem bin ich der Meinung, dass jemand, der einen Club betreibt, selber bestimmen soll, wen er reinlässt.
Bei Clubs spielen diese Mechanismen naturgemäss eine zentrale Rolle; der Club basiert ja auf dem binären Code der In- und Exklusion. Dass dies an einer nationalen oder ethnischen Identität gehandhabt wird, ist eine unschöne Entwicklung, eine Kollektivausgrenzung. Intelligenter wäre es, nicht Kollektive, sondern Individuen zu strafen – zum Beispiel alle, die Normen nicht einhalten (das könnten z. B. exemplarisch hohe Strafen für alle sein, die eine Waffe auf sich tragen). Aber dafür wäre, wie Ronnie Grob es richtig sagt, das staatliche Gewaltmonopol zuständig.
Und die New Yorker Türsteher kennen bestimmt subtilere Methoden der Eintrittspolitik, z. B. Kleidercodes, Alter, Membercards, Geschlechterverhältnis (also Eintritt nur mit Frauen) etc.
TA und BLICK sagen: zwei.
Aber egal. Keine erfolgversprechende Selektion (positiv oder negativ) kann auf Pässe abstellen. Zu unterschiedlich die Kriterien, nach denen sie erworben werden. Weltweit.
Ich tendiere dazu, Tschagrun zuzustimmen, dass die Gewalt in erster LInie ein Problem bestimmter sozialer Schichten zu sein scheint.
Die Club-Debatte scheint mir eine größere und allgemeinere Angst zu spiegeln: Was tun mit denen, die vor der Schweizer Tür stehen und rein wollen?
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