20/02/2008 12:54
Pornografie ist zur Alltagskultur geworden. Was tun wir uns damit eigentlich an? Vielleicht ist Alice Schwarzer einfach nur die Falsche, um eine Kampagne gegen Pornografie zu starten. Zu sehr überlagert die Aura des verzopften, unsinnlichen Feminismus der Siebziger ihr Anliegen. Doch berechtigt ist es allemal. War es früher schwierig, an Pornografie zu gelangen, ist es heute schwierig, ihr auszuweichen.
von Michael Hirz
von Michael Hirz







Diskussion
Aber mit sanft überredender Bitte
Führen die Frauen den Scepter der Sitte,
Dieses "Szepter der Sitte" wird nun nach der "Emanzipation" von niemandem mehr geführt. Ich stelle fest, dass die Feminisierung der Medienindustrie, diese in keiner Weise sittlicher gemacht hat. Vielmehr wurde es unter der jetzigen Fernsehdirektorin und unter der jetzigen Unterhaltungschefin (beides Frauen) in der Schweiz möglich, dass so unsäglich sexistische Formate wie "Deal or no deal" und von Rohrs Füdli in Grossaufnahme über den Sender gingen. In einem "Magazin"-Artikel schlägt die Autorin Ursula von Arx folgendes vor:
"Denn die meisten Waren verlieren ihre Anziehungskraft, wenn jeder sie haben kann. Sie erzeugen rasch Überdruss - im Fall der Pornografie wohl weniger an der Erotik selbst als an den standardisierten Spielarten, in denen sie öffentlich zu haben ist. Wer also Wert legt auf sexuellen Eigensinn und die Erfüllung tiefer Leidenschaft, wer der Pornoindustrie und all dem fantasielosen, schnellen Schrott, den sie produziert, wahrhaft trotzen möchte, der müsste nicht Zensur fordern, sondern im Gegenteil: noch mehr Öffentlichkeit. Denn heute ist es doch so, dass es zwar viele gibt, die im Internet nach Pornos surfen, aber jeder entdeckt die entsprechenden Seiten für sich allein."
Ich frage mich, ist das nun die Lösung: erst wenn auch die Evangelische Volkspartei mit Grossaufnahmen von kopulierenden Geschlechtsteilen Plakatwerbung macht, wird das Problem "gelöst" sein?
Das Problem ist das brutalisierte und demütigende Bild der Frau, das in Pornos häufig gezeichnet und in den Köpfen der Menschen verankert wird:
"Kennzeichnend ist, dass Mädchen auf ihre sexuelle Nutzbarkeit reduziert werden und Geschlechtsverkehr nur in der brutalisierten Form attraktiv erscheint."
degoutiert von diesen, alles überschwemmenden, Pornowerken abwenden. Ich bin immer noch der Meinung, dass ein Geschenk, toll verpackt, interessanter ist. Immer nur nacktes Fleisch ist ja so langweilig!
Marianne
«EROTIK ist Hinweis - Pornographie ist EIWEIß»
Und ich glaube, dass genau DORT das "Problem" der Pornografie liegt. Beim PorNO sieht man eben alles. Groß. Deutlich. Übersaftig. Kurz. Intensiv - Im Gegensatz dazu die Erotik... sie ist verborgen und langanhaltend... Trotzdem hat alles seine Berechtigung. Machmal ist ein BigMäc eben auch besser & schneller als ein langausgedehntes mehrgängiges Menu - besonders dann, wenn der Hunger besonders groß ist.
Wer Ungerers Eröffnungsrede nachlesen möchte, hier der Link:
http://www.eroticartmuseum.de/museum.htm l
Stimme zu!
Allerdings ist dies ja wohl (um es mit den Worten von Ungerer auszudrücken),
E R O T I K !
Die Missachtung der Würde der Frau in solchem Machwerk ist unbestritten. Aber dass wir Männer nicht darauf kommen, uns in genau gleichem Sinn zu beschweren?
ER kann immer, agiert mechanisch, entseelt aber bestimmt zuverlässig. Wir schauen hin und hin und weg, aber das Hirn macht sich schon seine Gedanken. Ich behaupte mal, dass weniges die Sexualität von Männern so verkompliziert wie die nackte Pornographie.
Zum Bild: Mit Uertner und bTINA einverstanden. [Rest gelöscht] > Wäre schön, es würde weiter über den Artikel diskutiert
«Reduktion auf sexuelle Nutzbarkeit» erfüllt, würd ich sagen. Ich weiss ja noch nicht mal, ob die Frau noch lebt? Ich möcht ja nicht wissen, was sich da hinter dem Türrahmen abgespielt hat. Liegt sie womöglich in einer Blutlache? Ist es überhaupt eine Sie? Könnt ja auch ein Ladyboy sein – Überdosis.
Also, da find ich das Bild zum aktuellen Post auf meinem Blog tausendmal elektrisierender.
Darf ich bitten? www.anonymekoeche.net
Da muß ich allerdings vehemend widersprechen!
Genau DAS ist doch EROTIK... es ist dieser Hinweis, diese verhüllte, undeutliche Eindeutigkeit...
Dieses Bild hat Spannung, ist Kunst und zeigt einen wohlgeformten Körper mit einer gewissen Ausstrahlung.
Dabei ist vollkommen sekundär, ob es sich um ein Maskulinum oder ein Femininum handelt.
Aber beim Bild – tut mir leid, ich bleib dabei: Es ist eben keine Kunst, sondern ein Stockbild und somit für meine Begriffe so etwas wie austauschbare Massenware.
Dazu hat es den freudschen Titel «Bizarre Nude». Was das in mir auslöst, habe ich ja bereits beschrieben.
Der wohlgeformte Körper, wie Sie ihn nennen, hat für mich weniger etwas von erotischer Ausstrahlung als vielmehr etwas von hilfloser Entblössung.
Die Spiegelung des Hinterteils ist dann noch so ein voyeuristischer Wink mit dem Zaunpfahl. Alles ein bisschen 90er-Jahre.
Das mit dem Ladyboy war etwas keck von mir – never mind.
Bitte, meine Damen, treibt keinen solchen Schabernack mit Spiegelchen und um die Ecke kruemmen, wenn ihr den Freund oder Gatten "angenehm ueberraschen" wollt. Ausser minutenlang lachen und auslachen gehoert zu eurem erotischen Vorprogramm (auch das gibt's, wie ich von meinen einschlaegigen WG-Erfahrungen mit duennen Zimmerwaenden her weiss)...
Leider gibt es immer weniger Bilder, aber auch Filme, die es schaffen, nicht in die klinisch-langweilige, alles enthüllende Bildsprache abzurutschen. In einem erotischen Film wie "Henry & June", da knistert es noch. Da wird noch mit Verhüllungen und Andeutungen gearbeitet, mit den Augen gesprochen, eine aufgeladene Atmosphäre geschaffen.
Es ist extrem schwierig eine Grenze zu ziehen, weil Bilder eben auf jede Person komplett unterschiedlich wirken – was diese Diskussion hier exemplarisch aufzeigt!
Erotik ist die persönliche Einstellung gegenüber den verschiedensten Reizungen. Dagegen sehe ich die Pornografie als reines Konsumgut an.
Vielleicht ist Pornografie wirklich Scheisse, kann ja durchaus sein. Das Problem, das auch dieser Artikel nicht wegzuleugnen vermag, sind die Abermillionen von Fliegen, die sie genüsslich fressen. Oder, um ein Beispiel aus meinem Umfeld anzuführen, sollen wir tatsächlich glauben, dass nur 2% der Internetnutzer pornografische Inhalte suchen? Meine Erfahrung sagt mir etwas ganz anderes: Willst du Traffic auf deiner Website, dann zeige mindestens ein Paar nackte Brüste und verwende das Wort "Porno" im Text. Wenn es um das Geschlechtliche geht, reagiert der Mensch mit dem Repitiliengehirn, und das kennt weder Ästhetik noch Erotik, von Moral ganz zu schweigen.
Hallo Houston, wir haben ein Problem.
Man sieht es an der Zahl der posts hier, jedes Mal. Bei Michele Roten-Debatten ist es ja auch so.
Da darf man schon nochmal zitieren, was diese Frau geantwortet hat, als sie vom BLICK auf Sex als Thema angesprochen wurde:
"Jetzt mal im Ernst, es würde mich sehr beelenden, wenn mir jemand sagen würde, dass ihn das nicht beschäftigt. Ich sehe einfach nicht ein, warum man nicht über Sex schreiben sollte, weil es doch ein wahnsinnig wichtiger Teil von hoffentlich jedem Leben ist.»
Darum ist für mich nicht der Porno das Problem, sondern das Dogma dahinter. Wenn wir Sex auf Penismechanik reduzieren, verpassen wir das Eigentliche.
Was wir brauchen sind Antworten auf die Frage, warum Menschen Sex haben. Hier eine Auswahl zum weiterdiskutieren:
- Weil sie Ihre Gene weitergeben wollen.
- Weil sie mit jemandem ein Geheimnis teilen wollen.
- Weil sie sich angenommen fühlen wollen.
- Weil sie sich öffnen wollen.
- Weil sie Zuneigung ausdrücken wollen.
- Weil sie sich einen Vorteil erhoffen.
- Weil sie mitreden wollen.
- Weil sie besitzen wollen.
- Weil sie nicht immer nur zusammen Kaffee trinken wollen.
- Weil sie den Kopf voll haben.
- Weil sie den Kopf leer haben.
- Weil sie sich nach dem Vollkommenen sehnen.
- Weil sie etwas nur ganz für sich haben wollen.
- Weil sie ihren Eltern ungehorsam sein wollen.
- Weil sie einen Pornofilm gesehen haben.
- Weil sie geheiratet haben.
- Weil sie beherrschen wollen.
- Weil sie beherrscht werden wollen.
- Weil gerade der Strom ausgefallen ist.
"Sex ist eine Turnübung - und die Pornoindustrie illustriert konsequent dieses Dogma."
Genau. Nur dass nicht nur die Pornoindustrie dieses Dogma verbreitet, sondern viel zu viele, denn "Sex sells".
In der heutigen Gesellschaft, Emanzipation hin oder her, werden Frauen und ihre Körper noch viel mehr instrumentalisiert. Und dadurch geht, meiner Meinung nach, der Reiz am Sex verloren. Nervig ist nicht nur, dass diese Instrumentalisierung des weiblichen Körpers geschieht. Sondern auch, dass viele (weibliche) Teenies genau auf diesen Zug raufspringen und sich sozusagen "prostituieren".
Und zwar nicht, "Weil sie Zuneigung ausdrücken wollen", sondern "Weil sie mitreden wollen".
Ich denke, dass wir an den Schwierigkeiten unserer Jungen, mit ihrem erwachenden Körper ins Reine zu kommen, erst die Rechnung präsentiert kriegen, was wir angerichtet haben. Wir vererben immer.
DAS sollte mal ins Bewusstsein unseres Handelns dringen, und zwar grundlegend.
" - die degenerierte Form von ihr, die heute so populär ist und die im Wesentlichen daraus besteht, dass es schon reicht, sich nicht zu sehr auf die Nerven zu gehen, um sich Liebende zu nennen. Die Form der Liebe, deren Bild sich zusammensetzt aus der Palmers-Werbekampagne, roten Rosen und einem Kuss im Mondlicht. Die Form der Liebe, die sprachlich verroht und nur noch ein Klischee ist, abgenutzt, von Millionen ungewaschener Finger und Millionen schlecht gewählter und hässlicher Adjektive. Die Liebe als Massenware, die keine Verpflichtungen und keinen Respekt mehr kennt, die Art Liebe also, für die es Geschenktgutscheine von Douglas gibt."
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