22/02/2008 03:57
Hillary schleudert Kopiermaschine
Aber sonst gab's nicht viel Neues. Grundsätzlich wiederholten beide Kandidaten ihre schon bekannten Diskussionspunkte. CNN meinte, man habe die Kandidaten darum bitten müssen, verschiedener Meinung zu sein.
«'It was a very odd debate -- the questioners had to beg them to differ with each other,' said CNN senior political analyst Bill Schneider.» (CNN)
Etwas interessanter wurde es beim Thema Plagiat. Obama meinte, dass die ganze Debate ein Zeichen dafür sei, dass die Politik nun in ihre läppische Phase («silly season») trete, worauf Clinton taktisch scharf und strategisch ungeschickt konterte, dass man Visionen nicht photokopieren könne:
«Obama, asked about recent accusations of plagiarism in his speeches, said it was a sign that politics had entered the 'silly season.' Clinton responded that vision 'cannot be Xeroxed.'» (New York Times)
Hillary teilt gerne aus, die meisten Punchlines wirken aber vorbereitet, was wohl -- abgesehen von dem inhaltlich wirklich laeppischen Vorwurf -- mit dazu beigetragen hat, dass das die Kopiermaschinenzeile beim Publikum nicht besonders gut ankam:
«That line, obviously prepared in advance of tonight's debate, fell flat. The crowd went silent and then a smattering of boos rang out. Obama shook his head and muttered to himself.» (Washington Post)
Obwohl sich Clinton jetzt Mühe gibt, wie eine liebe Tante zu wirken, wirkt sie als Figur weiter berechnend und kalt, und solche Attacken stärken ihr frostiges Image. Obama war denn auch, so scheint es, erkältet... Es bleibt abzuwarten, ob sich die Zeile «Change you can Xerox» dennoch als Anti-Obama-Bazillus durchsetzt, denn die Zeile ist spektakulär getextet.
Dass Hillary die Möglichkeit einer Niederlage ins Auge fasst, kann man auch daran ablesen, dass sie mehrmals der Frage, ob Obama ein fähiger «Commander in Chief» wäre, ausgewichen ist:
«When asked if she was ready to be commander-in-chief on day one, Sen. Clinton said she would be, and then switched topics to talk about health care again.» (Wall Street Journal)
Hillary hatte jedenfalls das letzte Wort, und im Gegensatz zum Photokopiermaschinenvorwurf war es ein weitsichtiges, kluges Wort:
«And then in the final surprise of the night, she reaches over to shake hands with Mr. Obama and says she is honored to be here with him. And the crowd goes wild. It ends on that note.» (New York Times)
Dieser Kontrapunkt ist strategisch stark, weil er--entgegen dem Clinton-Image--sympathisch und respektvoll punktet und zugleich, im Falle eines Obama-Sieges in Texas, die Wogen fuer den Demokratischen Wahlkampf im Herbst vorsichtigerweise etwas glättet.
UPDATE: Dieser vermeintlich starke letzte Spruch erweist sich ironischerweise als Edwards-Zitat...
«'It was a very odd debate -- the questioners had to beg them to differ with each other,' said CNN senior political analyst Bill Schneider.» (CNN)
Etwas interessanter wurde es beim Thema Plagiat. Obama meinte, dass die ganze Debate ein Zeichen dafür sei, dass die Politik nun in ihre läppische Phase («silly season») trete, worauf Clinton taktisch scharf und strategisch ungeschickt konterte, dass man Visionen nicht photokopieren könne:
«Obama, asked about recent accusations of plagiarism in his speeches, said it was a sign that politics had entered the 'silly season.' Clinton responded that vision 'cannot be Xeroxed.'» (New York Times)
Hillary teilt gerne aus, die meisten Punchlines wirken aber vorbereitet, was wohl -- abgesehen von dem inhaltlich wirklich laeppischen Vorwurf -- mit dazu beigetragen hat, dass das die Kopiermaschinenzeile beim Publikum nicht besonders gut ankam:
«That line, obviously prepared in advance of tonight's debate, fell flat. The crowd went silent and then a smattering of boos rang out. Obama shook his head and muttered to himself.» (Washington Post)
Obwohl sich Clinton jetzt Mühe gibt, wie eine liebe Tante zu wirken, wirkt sie als Figur weiter berechnend und kalt, und solche Attacken stärken ihr frostiges Image. Obama war denn auch, so scheint es, erkältet... Es bleibt abzuwarten, ob sich die Zeile «Change you can Xerox» dennoch als Anti-Obama-Bazillus durchsetzt, denn die Zeile ist spektakulär getextet.
Dass Hillary die Möglichkeit einer Niederlage ins Auge fasst, kann man auch daran ablesen, dass sie mehrmals der Frage, ob Obama ein fähiger «Commander in Chief» wäre, ausgewichen ist:
«When asked if she was ready to be commander-in-chief on day one, Sen. Clinton said she would be, and then switched topics to talk about health care again.» (Wall Street Journal)
Hillary hatte jedenfalls das letzte Wort, und im Gegensatz zum Photokopiermaschinenvorwurf war es ein weitsichtiges, kluges Wort:
«And then in the final surprise of the night, she reaches over to shake hands with Mr. Obama and says she is honored to be here with him. And the crowd goes wild. It ends on that note.» (New York Times)
Dieser Kontrapunkt ist strategisch stark, weil er--entgegen dem Clinton-Image--sympathisch und respektvoll punktet und zugleich, im Falle eines Obama-Sieges in Texas, die Wogen fuer den Demokratischen Wahlkampf im Herbst vorsichtigerweise etwas glättet.
UPDATE: Dieser vermeintlich starke letzte Spruch erweist sich ironischerweise als Edwards-Zitat...







Diskussion
Ein schoenes Wochenende noch an alle FACTSer,
Oliver
Und wir hier - wir füllen unsere Gazetten und Blogs damit - tja!
Weswegen eigentlich?
Weil's spannend ist?
Ist doch erst die Vorwahlphase?
Oder sind wir sensationsgierig?
P.S.: Auch ich habe mich in meinem Blog bereits zu zwei thread verleiten lassen... und es werden wohl noch weitere in Richtung Herbst folgen ;-)
@Oliver
Merci für die Videoclips
Gute Frage! Mich beschäftigen im Moment mehr die Kosovo-Frage, die uns in den nächsten Monaten noch auf Trab halten wird, oder die Frage nach der Zukunft der deutschen Gesellschaft (Auswanderung, Steuerhinterziehung, Türken)
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