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Diskussion
Achtung: Das ist ein altes Interview! aus dem Juni 2007! Interessant ist auch der Kommentar eines Deutschen, der sofort die Schuld für die Unruhen in den Banlieus Frankreichs, in der Kolonialgeschichte Frankreichs suchen will: die deutsche Krankheit!
Tut mir leid, aber die Aussage ist, in dieser Form, falsch.
Der Türkei wurde schon vor Jahrzehnten eine Beitrittsperspektive eröffnet. Lange bevor irgend jemand auch nur an Fischer oder Schröder gedacht hat. Allerdings ging es dabei um die wirtschaftliche Integration der Türkei in die Vorgängerorganisationen der EU.
Dies mag alles richtig sein, man denke an das von Deutschland unterstützte Projekt der Bagdad-Bahn. Aber die Frage nach den Grenzen Europas muss gestellt werden, nicht zufällig hat der Deutschtürkische Filmemacher Fatih Akin "Auf der anderen Seite" genannt. Die Franzosen plädieren ja auch nicht für den Beitritt Marokkos in die EU. Mit dem Eintritt der Türkei würde plötzlich die Kurdenfrage zu einem europäischen Problem: das kann definitiv nicht sein.
Wollte ich Ihrer Logik folgen, dann wäre auch der Krieg in Sri-Lanka, ein europäisches Problem. Gerade durch eine Aufnahme der Türkei mit ungelöstem Kurdenproblem, würde diese garantiert nicht mehr gelöst werden. Denn das Kurdenproblem betrifft Irak, Iran und die Türkei.
@MacZürich
Da mögen Sie recht haben, dass den Türken die Mitgliedschaft in der EG als Wirtschaftsgemeinschaft in Aussicht gestellt wurde, ich stelle aber in Frage, das es sinnvoll ist die Türkei in einer "politischen EU" mit gemeinsamen Streitkräften und Aussenpolitik zu haben. Gerade weil, dann Europa auf ganz andere Weise in die Probleme des Mittleren Ostens hineingezogen würde.
Dabei muss man nicht mal komplizierte Migrationsströme oder Kriege nehmen um zu sehen wie die Probleme "dort" uns auch etwas angehen. Denken sie nur an die Klimaerwärmung. Immer mehr von uns sitzen auf der kleinen Kugel Erde.
Wir müssen miteinander auskommen irgendwie. Man kann Multikulturalismus als naiv oder illusiorisch anschauen (und gewisse "zu tolerante" Ansätze waren auch hochgradig naiv) . Und klar ist es mühsam und nervig (auch für mich) sich mit andern auseinanderzusetzen. Aber darum herumkommen werden wir in der Zukunft nicht. Je länger je weniger.
Die EU hat es geschafft aus dem faschistischen Spanien ein Land der ersten Welt zu machen. Ich denke, sie wird auch in der Türkei etwas bewirken können, das ganz nebenbei zum Beispiel das Frauenstimmrecht vor der Schweiz hatte.
Die Religion darf als Argument auch nicht gelten, den schliesslich hat die EU bereits Mitgliedländer wie Tschechien oder Litauen in denen weniger als 20% der Bevölkerung glauben, das es einen Gott gibt.
Ihren Idealismus finde ich ganz toll! Und gegen die Klima-Erwärmung müssen wir dringend alle zusammen etwas machen. Ihr Vertrauen aber in den EU-Beitritt als Generallösung für alles Übel will ich dringend erschüttern. Sie irren sich nämlich, habe in Wikipedia nachgeschaut. Franco starb 1975 und setzte den König als Erben ein, mit dem Auftrag, Spanien zur Demokratie zu führen. Dies geschah auch in der "transicion" einem Übergangsprozess der zu einer Verfassung und demokratischen Wahlen führte. 1980 kam Felipe Gonzales an die Macht (Sozialist), die Generäle versuchten noch 1981 einen Putsch gegen die linke Regierung, scheiterten aber am entschlossenen Widerstand der demokratischen Institutionen und des Königs. Erst dieses Spanien, das aus eigener Kraft und in einem geordneten Prozess zur Demokratie geworden war, wurde im Verlauf der 80er Jahre in die EU und in die NATO aufgenommen.
Mit Rumänien und Bulgarien hat die EU soeben zwei "Sorgenkinder" eigentlich zu früh aufgenommen: Die EU muss zuerst diesen Zuwachs integrieren und eine Verfassung und gemeinsame Aussenpolitik finden.
Sie widersprechen sich selbst wenn sie den Struggle Spaniens zu Demokratie als "geordneten Prozess" beschreiben. "im Verlauf der 80er Jahre" : Spanien wurde bereits 1982 in die NATO aufgenommen, lediglich 1 Jahr nach dem letzten Militärputsch.
Nettes Detail am Rande: Die Türkei ist seit 56 Jahren Mitglied der NATO. Also 30 Jahre länger als Spanien.
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