04/03/2008 20:14
Anonyme Postings: Sind Blogger gefährlich?
Nach dem Selbstmord eines Werbers ist die Debatte darüber entbrannt, ob ihn womöglich die anomyme Hetze einiger Blogs in den Tod getrieben hat. Derweil trennt sich der Gründer der Wikipedia vo... »







Diskussion
recht. In diesem Fall sollte einem das Ganze zu denken geben!
Hier wird das Virtuelle plötzlich sehr REAL!
http://www.techcrunch.com/2008/03/02/whe n-will-we-have-our-first-valleywag-suici de/
@Demoscoop: Ich kann nicht erkennen, dass dies etwas an der Kritik ändern würde, mal abgesehen davon, dass Besonderheiten im Schreinerei-Gewerbe für die Blogosphäre wahrscheinlich nicht so sexy und unwiderstehlich wären, dass unbedingt darüber berichtet werden will
Genau. Und weil das nicht so sexy gewesen wäre, hätte es nicht so weh getan und wenn es nicht so weh getan hätte, müsste man sich deswegen auch nicht umbringen.
Vielleicht wird das ganze Blog-Ding schwer überschätzt. Mein Schreiner zum Beispiel weiss gar nichts darüber.
A) ATTACKE AUF JEMANDEN
Ja, die Attacke Anonymer auf reale Personen fuehlt sich real an, aber die Atttacke auf eine virtuelle Person ist und bleibt virtuell. Das ist ja das Angenehme an virtuellen Existenzen. Dass man sie schlimmstenfalls von sich weisen kann. Was man beim realen Namen eben nicht kann.
"unkultur ist korrupt."
-- falls wahr, musst Du nur dafuer sorgen, dass Du anonym bleibst
-- falls nicht wahr aber nicht widerlegbar, kannst Du den Schmierern den Mittelfinger zeigen
-- trifft den Stolz
"Hans Muster ist korrupt"
-- falls wahr, fatal
-- falls nicht wahr aber nicht widerlegbar, ebenso fatal
-- trifft Leib und Leben
Auch dass anonym Bloggen und kommentieren es sehr leicht -- leichter denn je -- macht, Leute boeswillig in den Dreck zu ziehen, kann man unmoeglich abstreiten. Eine fiese Hetzkampagne gegen eine real existierende Person aufzuziehen verlangte ehemals das Profil eines Psychopathen (enorm viel Einsatz, sehr wenig Ertrag); zudem kann man den Psychopathen gegebenenfalls juristiisch oder persoenlich zur Verantwortung ziehen.
Heute braucht man nur etwas Verstimmung, ein Keyboard, etwas Computerknowhow und man kann einen Riesenschaden anrichten ohne zur Verantwortung gezogen werden zu muessen.
B) ATTACKE VON JEMANDEM
Wenn man von einem Anonymen attackiert wird, ist das meistens viel unangenehmer, weil man sich nicht wehren kann. Der Anonyme koennte jedermann sein.
"Oliver Reichenstein hat keine Ahnung vom Internet"
- Wenn das ein Schuhmacher sagt, dann ist er schon so gut wie erledigt.
- Wenn das ein Webdesigner sagt, dann schauen wir zuerst mal seine Arbeit an
- Wenn das jemand sagt, der wirklich bessere Arbeit leistet, dann und erst dann wird es schwierig fuer mich, aber auch dann kann man debattieren.
Mit Anonymen ist das schlichtweg unmoeglich.
Nun, man wird ja nicht immer nur zu Unrecht angegriffen: Ich wurde von Guido Mingels fuer einen politischen Kommentar recht zuenftig zurechtgewiesen. Ein Kommentar, der im Nachhinein wohl wirklich daemlich war. Im Feuer des Gefechts und weil ich mir nicht gern reinreden lasse, wollte ich die Uebertretung zuerst nicht einsehen, aber weil eben Guido Mingels nicht irgendein Hobbyjournalist oder irgendein unbestimmter groessenwahnsinniger Fantomas ist, hab ich mir die Sache ganz genau ueberlegen muessen. Haette mir ein Anonymer auf die Finger gehauen, waere die Diskussion wohl unter "Why don't you go and fuck yourself" weitergelaufen.
C) ANONYMITET UND GROESSENWAHN
Was mir auch auffaellt, ist, dass Anonyme oft von einer Art Rumpelstilzchen-Fantomas-Groessenwahn gepackt werden, und sich in eine Persona hineinsteigern, die in keiner Weise ihrem Selbstbild entspricht (ich kann alles, weiss alles, darf alles, ich bin Fantomas). Das geht, da man als anonymer eben ver-antwort-ungs-los ist.
Ich werde zum beispiel regelmaessig von einem USB-Stick-Online-Vermarkter angegriffen, der gern nach Japan ausgewandert waere, es aber nicht geschafft hat, mich nun hochtrabend von oben herab ueber Japan und Online-Marketing belehrt und mein Geschaeft und meine Person verhoehnt, weil er meint, ich wisse nicht, wer er ist. Er nimmt dabei die Rolle des grossen Businessmackers ein, der es geschafft hat, der den totalen Durchblick hat und schon zu wichtig ist, um seine wahre Identitaet zu brauchen. Wuesste er, dass er identifiziert ist, kaeme er niemals auf die Idee grossartig Fantomas zu spielen. In neiner Mail meint er sogar, ich haette Angst vor ihm. Wie laecherlich ist das, wenn man das als Person zu kjemandem direkt sagt: "Du hast Angst vor mir? Recht so."
Eine richtig arme kleine Sau ist das. Solange aber nicht identifiziert, koennte das ein Psychopath oder -- wer weiss -- vielleicht wirklich ein deutscher Steve Jobs sein.
Nach bald mal 15 Jahren Batman44 und Pipi45 habe ich wirklich die Schnauze voll von dem Kindergarten. Die Schmerzgrenze ist auch eher erreicht, wenn man einen Blog hat, auf dem man sich taeglich mit 5-6 Fantomassern auseinandersetzen muss, die gruen vor Neid alle Hebel in Bewegung setzen, einen runter zu ziehen, oder einem mindestens die Stimmung zu verderben.
Er hat allerdings vergessen, den Reichenstein auszuklammern: Diese selbsternannte Deus Ex Machina im Brecht'schen Sinne schwebt doch ab und zu zu uns herunter um uns seine umfehlbare Wahrheit zu schenken!
1. Wenn einer jemanden verleumdet, dann kommt er dran. Der Journalist ganz besonders. Als Anonymer aber fliegt man unter dem Radar.
2. Die Masse an Dreck und Schund, die im Internet zirkuliert (60% Spam) ist einzig und allein Anonymitaet zu verdanken. Anonymitaet und Illegalitaet gehen eben Hand in Hand. Das hat nichts mit Brecht und nichts mit Apfelbaeumen zu tun und auch nicht mit Ueberwachung. Es geht um Qualitaet. Ich will auf meinem Blog eine hohe Qualitaet und nicht eine hohe Quantitaet an Kommentaren. Deshalb werd ich bald einen Anonymknopf einfuehren, der alle anonymen Kommentare per default ausblendet. Wer alle Komentare lesen will, darf das. Wohlgemerkt: AUF MEINEM BLOG, nicht auf FACTS ist das geplant (das nur, damit nicht wieder Leute sich kuenstlich aufregen). AUf FACTS ist jemand mit einem Pseudonym auch nicht automatisch mit dem anonymen Blogkommentator gleich zu setzen. Hier gibt's soziale Kontrolle und je laenger man da ist, desto mehr scheint der Charakter durch.
3. Anonyme Blogkommentare sind tendenziel einfach schlechter, duemmer, anmassender. Wer einen gut besuchten Blog hat (Ronnie?), weiss das doch.
4. Die Verteiduger der Anonymitaet sagen ja selber: Was, wenn einer in 20 Jahren rausfindet, dass ich das war, der XYZ gesagt hat. Das deutet doch schon darauf hin, dass man nichts gutes im Schilde fuehrt, dieses Ungute aber herausposaunen will. Alles, was ich hier sage, kann man mir in 20 Jahren vor die Augen halten. Wenn ich's scheisse finde, find ich's scheisse. Basta. In den 20 Jahren, in denen ich bis dato auf dem Internet geschrieben haben werde, wird man genug anderes Material finden, das belegt, wie ich mich entwickelt habe.
Aber ja, es bringt ja alles nichts. Kommen doch wieder nur pauschale Olifoppereien auf diese Argumente...
@mücke: es geht darum, über besorgniserregende Ereignisse zu berichten und nachzudenken, und nicht, um Senstationseffekte zu verstärken.
@oliver: Du darfst sicher als Geschädigter Bände sprechen. Es geht hier aber für mich weniger um virtuelle Identitäten als um eine allgemein zu respektierende Netiquette - oder wie hat man das schon wieder genannt?
@demoscoop: das ist wirklich nicht der Punkt, ob das ein Werber ist oder ein Lastwagenfahrer; es geht darum, dass offensichtlich durch gruppendynamische Prozesse im Netz reale Menschen derart angegriffen und denunziert werden (sowohl Prominente als auch normal sterbliche). Weshalb wäre das zu tolerieren??? Ich verstehe nicht, dass man sich einerseits so vulnerabel in Bezug auf allerlei Verletzungen des Datenschutzes und der Privatsphäre zeigt und andererseits derartige Hetze verharmlost. Daher ist hier die "Aufregung", wie sich die Unkultur ausdruckt, richtig und nötig. Selbst wenn sich Jimmy Wales selber im Netz zum Abschuss freigegeben haben sollte...
(als Choleriker mit sehr spitzer Feder konnte der austeilen, dass die Fetzen flogen! - trotzdem hat man ihm nie, nie Feigheit oder Denunziantentum vorgeworfen)
Ich hoffe, diese Beleidigung wird noch akzeptiert.
Es geht mir insbesondere um anonyme Blogkommentatoren, die einen mit aggressivem Muell zuspammen, meist aus Neid, Frustration, Boeswilligkeit. Oft voellig schamlose Brutaloangriffe auf den Blogger oder aber, noch schlimmer, auf einen Dritten, unter dem Schutz der Anonymitaet, die man technisch nur als anonymer Blog-Kommentator mit dynamischer IP erreichen kann. Es geht mir um die grotesk-perverse Niedertracht vieler durch Anonymitaet hysterisch aufgeblasener Blogkommentatoren, und dem menschenfeindlichen kuenstlichen Groessenwahn, einer Haltung auf die man als Mensch vor einem Menschen, Angesicht zu Angesicht erst ueberhaupt nicht kaeme, einer Haltung, die man als Buerger niemals mit dem eigenen Namen in Verbindung bringen will.
Die ganzen willkuerlichen bis soziopathischen Beleidigungen und den daraus resultierenden menschlichen Ekel, den man dabei immer und immer wieder empfindet, das muss man sich als Blogbetreiber doch nicht bieten lassen. Muss ich wirklich auf Leute eingehen, die mich ins Grab wuenschen, die mich auffordern, mich vor ihnen zu fuerchten, die sich freuen, wenn man entsetzt ist ueber so viel Widerlichkeit?
Was soll an dieser meiner ganz natuerlichen Feststellung so irrational sein? Bin ich wahnsinnig, wenn ich sage: Auf meinem Blog will ich in Zukunft keine anonymen Kommentare mehr sehen?
Uebrigens: Ich wuensche mir hier einen Ignorebutton. Dann koennen Leute, die ich nerve, mich ausblenden und umgekehrt.
Zum Werber als Opfer ist zu bemerken, wer die Nerven verliert, verliert den Kampf und wer den Suizid wählt verpasst endgültig die Chance aus einer Niederlage einen Sieg zu machen.
Was Jimmy Wales betrifft, who cares! Lover und Geliebte sind beide geil nach Selbstdarstellung in der Öffentlichkeit (Medien und Öffentlichkeit geben sich angeekelt, sind aber für den Beitrag dankbar). Dies sind auch die Menschen die sich mit aller Energie um einen Auftritt in den vulgären und primitiven Unterhaltungssendungen der Privaten TV Sender bemühen, um dort zum Gelächter der Studiogäste und der TV Zuschauer zu werden. Kostengünstiger kann man vom Publikum gewünschte Sendungen nicht herstellen.
Fazit für mich: Die Story ist Teil eines längst landläufigen Alltags, mit dem wir uns nur beschäftigen, wenn uns nichts Wichtigeres umtreibt.
Nein!
Einmal davon abgesehen, dass man u.U. für die Inhalte anderer verantwortlich gemacht werden kann, ist es meines Erachtens das gute Recht jedes Blogeigentümers, zu bestimmen, WAS er auf SEINEM Blog publizieren möchte.
Frage mich immer wieder, was Leute dazu bewegt, anonym ihre Meinung zu äußern. Entweder steht man zu seinem Geäußerten, dann kann man dies mit seinem Namen kundtun oder aber es ist derart daneben, dass es eben NUR anonym geäußert werden kann. Letzteres gehört für mich in die Kategorie feige.
Allerdings ist es (zum Beispiel hier) wie überall: Wo nur noch Kotze rumliegt, geht man nicht mehr hin.
Die Kultur eines Aufenthaltsorts prägt man nicht mit knallharten Gesetzen. (Anonym oder offen, z.B). Sonst würden wir alle nach Singapur übersiedeln.
Ein Stil muss sich durchsetzen. Ausreisser sind erlaubt und machen die Kultur, die man verteidigt umso spürbarer.
Das ist keine Frage von Web 2.0, sondern der menschlichen Gesellschaft, die sich dann auch mit Web 3.0 auseinandersetzen wird. Whatever this will be, it will be man-made.
de.wikipedia.org/wiki/Nathanael_West
Miss Lonelyhearts", 1933, dt."Schreiben Sie Miss Lonelyhearts"
Um nochmals zum Titel zurückzukehren, ob Blogger gefährlich sind. Ich bin dafür, dass Blogger gefährlich sind. Wie ich dafür bin, dass Journalismus gefährlich ist. Jedoch nur, wenn es gerechtfertigt ist. Ob es das ist, ist natürlich immer Gegenstand einer Debatte. So schlecht ich es finde, wenn jemand ungerechtfertigt mit Häme überzogen wird, so gut finde ich es, wenn jemand gerechtfertigt mit Häme überzogen wird. Mir ist dabei recht egal, ob das von anonymer Seite kommt oder nicht. Was mich aber stört, ist diese Doppelmoral, Angreifer aufzuteilen in die korrekten Journalisten und die inkorrekten Blogger. So einfach ist es nicht.
Klar sind Blogger was wert, so wie alle anderen Medienschaffenden auch. Neue Möglichkeiten öffnen nun mal auch neue Arten von Berichterstattung - wir können nicht wissen, zu was etablierte Medien bereit wären, denn die wissen oft nicht, was Chatprotokolle überhaupt sind. Wir werden ja sehen, was die Zukunft alles bringt - ich rechne mit noch komplett unabsehbaren Formen von Transparenz. Ich weiss noch nicht, was ich davon halten werden im Einzelnen, aber grundsätzlich sind mir diese Formen jetzt schon sympathischer als eine scheinheilige Selbstzensur. Klar ist: Was möglich ist, wird auch gemacht. Jemand findet sich immer.
Dass die Frage auftaucht, ist ein typisches Zeichen dafür, dass die Leute keine Zeitungen mehr in die Hand nehmen.
Trotz online etc. kaufe ich mir regelmässig für x-Euro am Kiosk den Guardian, die Times, die Süddeutsche, die FAZ, den Spiegel. Nur so kann man diese Institutionen erfassen und die Beiträge darin werten.
Ich finde es problematisch, wenn irgendein gutgemachter Blog automatisch auf vermeintlich gleiche Augenhöhe wie solche Medien gebracht wird.
Du kennst meine Meinung, aber ich sage es hier auch nochmal für die anderen: Nein, bist Du nicht. Bevor wir das Internet hatten, gab es so etwas wie anonyme Kommentare ja auch nicht, und ich wüsste von den hier anwesenden Befürwortern wirklich gerne was sich in der Welt gebessert haben soll, seit es so einfach ist anoym seine Duftmarken zu hinterlassen.
Arthur sagte dazu: So sehr er mich anekelt: ich finde den anonymen Müll in Blogs wichtig. Er repräsentiert die Wahrheit von Gefühlen, die im kontrollierten Kommunikationswesen nicht vorkommen (dürfen).
"Die Wahrheit von Gefühlen”, die nur dann zu Tage gefördert werden können wenn man sich sicher sein kann nicht identifiziert zu werden. Ist ja interessant, und was erlebst Du so im wahren Leben, da wo sich keiner Verstecken kann? Was ist eine Aussage wert die niemand unterschreiben will und die keiner von sich gegeben haben will wenn man danach fragt?
quotenrebell sagte: Also mich überrascht nicht, dass Oliver dauernd geschädigt und geschändet wird, besonders von anonymen Denunzianten und Trollen; eben deswegen, weil er Pseudonyme kategorisch entwertet und Boshaftigkeit unterstellt, und obendrein Realität und Virtualität zu trennen sich anmasst, im Sinne von «Was hier real und virtuell ist, bestimme immer noch ich!»
Oliver wird eben gerade weil er seine Meinung frei kund tut und dies mit seinem Namen unterschreibt häufig angegriffen. Er liefert die “Revancheoption” gleich mit, was nur fair ist (die bei den Anonymen Kaspern fehlt). Ich finde diese Art von Meinungsäusserung, auch wenn er falsch liegen kann, in unserer Anonymitäts-verfickten Grossstadts Welt, unglaublich erfrischend. Weil sie Hand und Fuss hat, im wahrsten Sinne des Wortes (oder wie man sagt). Denn derjenige, der sich nur anonym traut etwas möglicherweise kontroverses von sich zu geben, hat irgendein Problem mit sich. Das muss nicht gleich Klapsmühle bedeuten, aber koscher ist das nicht.
Sollen die anonym bleiben die es wollen, sollen sie machen was sie für clever halten, aber auf meinen Seiten haben die auch nicht zu suchen. Oder zu wollen.
Die Frage ist dann aber auch warum eben solche Kommentare überhaupt auf Oliver’s Seite oder auf meinen möglich sind. Warum nicht einfach Registrierungszwang einschalten (so wie hier)? Dann hat man durch die Email-Aktivierung schon mal ein bisschen Anonymität ausgeräumt. Und wem das zu viel ist, der schreibt halt bei wem woanders was rein. “Kann wohl nicht so wichtig gewesen sein…”
Grundsätzlich bin ich Deiner/Eurer Meinung. Was keinen identifizierbaren Absender hat, ist eigentlich keine Botschaft. Nur: das ist gar nicht durchzuhalten. Viele wichtige (und leider noch viel mehr unwichtige) Botschaften würden so gar nie abgesendet.
Persönlich muss ich sagen: Ich habe mich nach einiger Zeit identitätsmässig offener Äusserungen in diesem und anderen Foren gegoogelt und festgestellt, dass ich bis zur Seite 17 nur noch aus Blog-Beiträgen bestehe. Alles was ich als Berufsmann darstelle (und was weit mehr Tragweite hat als z.B. dieser Kommentar) findet gar nicht mehr statt.
So bin ich anonym geworden. Obwohl ich zu jedem Buchstaben von jedem meiner Posts stehen kann, auch physisch, falls jetzt jemand an der Tür klingelt.
Das ist eben das, was dem Oliver in Japan nicht passieren kann. Der hat leicht reden.
Auf die alberne Anonymität zu verzichten muss ja nicht heissen, dass Du die Privatperson Arthur nicht von dem Business Mensch Arthur trennen kannst. Ich trenne gerade meinen Blog von allem was mich auf professionellem Niveau interessiert, weil ich auch das befürchte, was Du gerade beschrieben hast.
Kommentiere ich also in Zukunft bei boing boing etwas bezüglich “Transatlantik Kabel wahrscheinlich von Yrr gekappt”, dann mache ich das als “Manuel Martensen”. Bei iA und anderen Seiten, die ich nicht aus Langeweile besuche, werde ich wohl als “Manuel von Æstheticrew” posten. Oder auch nicht. Wer meine Ansichten zur Yrr nicht bei boing boing lesen möchte, weil er ja Headhunter ist und jetzt gerade keine Zeit für Blödsinn hat, dann soll er mich halt nicht “googeln” als ob er bei Myspace frühstückt, sondern einfach anrufen oder den Link auf ManuelMartensen.com zu meiner “Business“-Seite klicken. Wenn er nicht so clever ist, dann soll er halt wen anderes nehmen der besser in sein Programm passt, macht ja auch mehr Sinn im Endeffekt.
Ja ja, ist noch nicht so weit mit der Trenung, nicht gleich losziehen und diesen Button suchen ;)
Mal nebenbei, was ist denn hier für ein Markup möglich, ist das irgendwo einsehbar? Meine Blockquotes sind nicht so gut rüber gekommen fürchte ich, musste da mit em’s und br’s spielen.
Ich habe einen Job. Ich mache als Pilot heikle und schwierige Flüge. Davon lebe ich und dahinter noch vier Kinder. Meine Klienten interessieren sich einen Scheiss um meine Meinung bezüglich direkter Demokratie, Pornografie, Liechtenstein, Blick, etc. und finden mit recht, ich sollte um diese Zeit im Bett sein, wenn ich sie morgen früh durch ziemlich unruhige Wolken schiebe.
@ronniegrob und Martensen
Wenn Ihr mir das bezahlt, mache ich einen Blog und höre mit dem fliegen auf.
Erst wird entschieden anonym zu kommentieren, der Sicherheit halber, dann wird gesagt dass es die Klienten eh nicht interessiert was du privat denkst. Ja was denn nun?
Könnt Ihr Euch vorstellen, dass es intelligente Menschen gibt, die ein "öffentliches" Leben haben, welches gar nicht zulässt unter Klarnamen zu posten?
Sollen die jetzt gefälligst die Fresse halten, Parole 2.0?
Oder sind sie sowieso selber schuld?
Hier ist wohl Grundlagenforschung angesagt.
Ich könnte Staatsanwalt sein. Oder Ombudsman. Oder Gatte einer Regierungsrätin.
Dürfte ich dann auch so frech meine Meinung äussern wie Du?
Bin ich frech? Oder bin ich direkt? Das ist vielleicht Interpretationssache.
Das Problem ist wahrscheinlich: Ich bin namentlich bekannt und sehe das als Hindernis. Du bist namentlich unbekannt und würdest das allenfalls gern ändern.
Glaubt man den Kommentatoren hier drin, dann allerdings gibt es mehr wichtige Maenner und Frauen, die sich zu brisanten Themen aeussern wollen als unwichtige, unerfahrene, phantasielose wie Manuel und Oliver.
Mein Schulfreund XY hat mir in der Sek auf dem Nachhauseweg gebeichtet, dass er Angst habe, dass jemand herausfinden wuerde, dass er in Lausen Sexheftli kauft.
- "Warum?" wollte ich wissen
- "Was, wenn ich mal Politiker werde, und dann finden die das raus?"
- "Nein, ich meine: warum Lausen?"
- "In Sissach wissen alle schon wer ich bin. Das kommt dann garantiert in die Zeitungen, wenn ich Politiker bin. XY liest Sexheftli. Stell Dir vor!"
Ich dachte damals, dass er einen wichtigen Punkt anspricht. Die Diskussion hier erinnert mich an XY.
Die Definition von "sehr wichtiger Mann" hat sich eben auch dadurch geandert, dass man kein "sehr wichtger Mann" mehr sein muss um in der Oeffentlichkeit zu stehen. Wenn jeder in der Oeffentlichkeit steht und sagt, was er denkt, dann wird alles ganz anders und was der Herr Anwalt oder der Herr Doktor denkt, ist nicht mehr so verdammt wichtig.
Das ist meiner Meinung nach der entscheidende gesellschaftliche Unterschied zwischen vor und nach dem Internet. Wenn ihr denkt, dass ich mich da taeusche, und dass eigentlich alles noch immer beim Alten ist, dann taeusch ich mich wohl in einem ganz entscheidenden Punkt. Fuer mich ist das Internet keine Karnevalsdimension zum realen Leben. Das Internet ist weder die Matrix noch umgekehrt.
Hafenkäse!
Soll ich Euch etwa sagen, ich sei ein ganz prominenter und eminenter Mensch?
Die Vorstellung, dass Gatten von Politikerinnen sich wie Diplomaten verhalten muessen: Bullocks. Frau Schwarzenegger unterstuetzt Obama und das staerkt den Terminator nur.
Die Vorstellung, dass ein oeffentlicher Track Record schlecht sei wenn man eine oeffentliche Person ist: Ist es nicht gut fuer die Zukunft, dass man die Clintons, McCains, Romenys, Obamas, Blochers auf Youtube hat? Ist es nicht auch gut fuer sie selber, dass sie wissen, dass alles, was sie jetzt sagen, jedem auf unbestimmte Zeit zugaenglich und abrufbar sein wird?
Selbstverstaendlich funktioniert das alles nur, wenn man redlich bleibt und zwischen privater und oeffentlicher Meinung trennen kann.
Jeder Nutzer kann doch frei entscheiden, was er lesen möchte und wer will, ignoriert alle Beiträge, die unter Pseudonym verfasst werden. Beiträge von Nutzern die mir wiederholt mit einer klein karierten Sichtweise und anmassender Überheblichkeit auffallen, ignoriere ich doch auch, egal vom Nutzernamen. Ich tummle mich doch nicht auf Facts-2 aus Langeweile und um lächerliche Egospielchen zu betreiben.
Meine Energie investiere ich ins richtige Leben, am Ende des Tages muss nämlich die Kasse stimmen. Bei Selbständigen füllt sich die Kasse nicht, wenn sie Energie in no win Diskussionen investieren. Anstatt als von Relax zu schreiben, könnte ich auch als z. B. Peter Müller auftreten und ausser den Facts Administratoren könnte dies niemand feststellen. Würden so meine Beiträge, ohne Content Wertung, an Akzeptanz gewinnen! Ich besuche auch andere Meinungsplattformen in der EU und dabei ist mir noch nie eine solche moralinsauere Kreuzzugdiskussion aufgefallen. Wobei ich es selbstverständlich jedem Blog und jeder Plattform überlasse, sich für mehr oder weniger Meinungsvielfalt zu entscheiden.
Ich habe lieber die Werke von Jeremias Gotthelf, als einen strikten Namensfetischismus.
Meine Erfahrung mit Identitaet hat viele Grautoene. Man will sie hier nur einfach nicht hoeren:
0) Hitman: Maskierte IP
- Durchschnittliches Kommentarniveau: Arschoch
- Sehr gefaehrlich, boesartig, mit oft soziopathischen Zuegen
A) Anonym: Zufaelliger Name, Dynamische IP, einmaliges Pseudonym, nicht identifizierbar
- Durchschnittliches Kommentarniveau: Kacke
- Kann gefaehrlich fuer den Betreibenden, fuer Drittpersonen und fuer den Anonymen selber werden (wehe, du wirst erwischt)
B) Halbanonym: Viele Spielarten und Grade von Indentifizierbaren oder nicht identifizierbaren Email, IP, Nickname
- Durchschnittliches Kommentarniveau: sosolala
- Meistens gutmuetig, oft fluechtig, kann sich in ein falsches Selbstbild hineinsteigern und manisch werden
C) Kuenstliche Identitaet: Fixe Position in einem sozialen Netz, Nickname, ev. anonymer Blog
- durchschnittliches Kommentarniveau: hoch
- Ist ungefaehrlich, j.n.d. sogar recht witzig (Fake Steve Jobs), aber tendenziell etwas aengstlich
D) Identifiziert: Realer Name
- Durchschnittliches Kommentarniveau: hoch
- Ist mutig, eine Herausforderung fuer den Betreibenden und befreiend fuer den, der schreibt
Dazu dies: Statistisch ist erwiesen, dass es im letzten Wagen eines Zuges bei einem Unfall am meisten Tote und Verletzte gibt. Massnahme: den letzten Wagen abhängen.
So kommt mir die Aufstellung vor.
Das Problem an dieser Diskussion ist nicht nur, dass die Positionen längst bezogen und verhärtet sind, sondern auch, dass manche Diskussionsteilnehmer täglich selber Erfahrungen machen mit anonymen Kommentatoren auf ihrer Website und andere nicht. Wer eine Website betreibt mit dem Ziel, Diskurse anzuregen und ehrliche, offene Kommunikation zu betreiben, erlebt die destruktive Wirkung von anonymen Kommentaramoks.
Obwohl… Bücher unter einem Pseudonym und unter den damals vorherrschenden Umständen zu veröffentlichen, kann ich z.Zt. ganz schwer mit anonymen Kommentaren auf Weblogs vergleichen.
Und es geht hier weiss Gott nicht um Namensfetischismus, Frau uertner. Die Namen an sich sind mir so was von egal. Ich dachte so viel sei klar! Aber bei Reichenstein, Bauer und Bühler-Ilieva fällt es mir leicher die Person ernst zu nehmen. Leicher als bei jemandem der etwas verstecken möchte. Denn es geht hier ja nicht um das “verstecken müssen”, es ist doch letztich Ihre Entscheidung etwas zu verstecken, und diese Entscheidung steht Ihnen frei. Hier jedenfalls. Bei mir bekommt keiner einen Kaffee ohne Handschlag. Das steht mir frei.
Bitte entschuldigen sie meine herrausfordernde und möglicherweise beleidigende Zunge, ich weiss mich nicht anders auszudrücken.
War ja auch nur ein Witz, ich dachte uertner wär irgend ein schwiizerdütsches Wort oder so, und sie hätten das als anonymen Spitznamen gewählt.
Aber es geht ja auch nicht um Sie, es geht ja um anonym im generellen.
Ich glaube übrigens, dass es hier ganz gut und weitesgehend ohne Müll funktioniert. Wenn ich ab und zu etwas härter angefasst werde, kann ich mich wehren.
http://groups.google.com/group/de.soc.ne tzkultur.umgangsformen?lnk=gschg
Dort wird um AnonymPseudonymKlarname seit mindestens 7 Jahren von den immer Gleichen das immer Gleiche ausgetauscht. Eine Zeit lang habe ich dort zur Unterhaltung mitgelesen - es ist unglaublich, die sind immer noch dran!
Das grosse Missverständnis dieser Diskussion bleibt, dass aufgrund der Tatsache, dass sie hier geführt wird, darauf geschlossen wird, dass sie sich auf facts.ch bezieht. Das ist nicht der Fall. Die Diskussionen hier sind grossmehrheitlich auf einem hohen Niveau, bestimmt auch deshalb, weil keine komplett anonymen Kommentatoren mitschreiben können, nur solche, die sich via Profil ein Pseudonym geben. Wer sich ein Bild machen möchte, wie blödsinnig enthemmend die Anonymität sein kann, darf sich gerne mal ein wenig durch meinen Blog www.78s.ch klicken.
„Wir lieben die Menschen, die frisch heraus sagen, was sie denken - falls sie das gleiche denken wie wir.“
Mark Twain
Was ich in diesem Thread gelernt habe:
1. Der FACTS-Karneval hat durchaus seinen Reiz (Uertner's Powerargument). Ich bin immer wieder erstaunt, was fuer Kaliber hier z.T. unterwegs sind. Im Hintergrund fuehre ich Gespraeche mit Koepfen, denen ich sonst wohl nie begegnen wuerde. Wenn die Maske faellt, dann mach ich manchmal recht grosse Augen. Das Pseudonym erleichtert public figures den Einstieg in FACTS. Ganz zweifellos. Ich glaube, Uertner's Argument ist so real und darum stark, dass sogar die naechste FACTS-Werbekampagne darauf aufbauen koennte. Ich bleibe aber dabei, dass, wenn diese Leute unter ihrem richtigen Namen schreiben wuerden (s. Regula Staempfli), hier der sprichwoertliche Teufel los waere. Es waere viel besser fuer FACTS.
2. Es gibt eine private und eine oeffentliche Meinung (aus der Diskussion). Die private soll privat bleiben.
3. Wer seine private Meinung per Pseudonym oeffentlich macht, ist ein Schmutzfink: Es geht einfach nicht an, dass man Leute in der Oeffentlichkeit beleidigt. Anonym oder nicht (Luescher). Ich muss mich da z.T. auch selber etwas an den Haaren nehmen, weil ich im ersten Diskussionsstrang viel zu privat argumentiert habe. Die oeffentliche Meinung ist nicht (wie manchmal suggeriert) eine andere oder falsche oder geheuchelte, es ist ein und dieselbe, einfach respektvoll formuliert.
Hier aber muss jedes Wort für sich überzeugen.
@Bruder Bernhards Bemerkung ist recht passend: Die Diskussion wird noch lange immer wieder aufkommen, überall dort, wo sich Blogger bespiegeln in ihrem Tun. Und nicht nur die.
Wenn wir das mit Aufrichtigkeit und Ernsthaftigkeit tun, dann leisten wir Anonymen und Realen einen Beitrag zur seriösen Bedeutung von Blogs, wenn nicht, wirkt das eher wie Selbstbefriedigung und führt dazu, dass sich Blogger in die Bedeutungslosigkeit verdiskutieren.
Danke für die Blumen ("Power-Argument")
Als uertner muss ich aber dem wohlabgewogenen demokratischen Wort die Stange halten. An der Uerte von Dallenwill wollte man mich ja zuerst nicht dabei haben, weil ein heikles Traktandum anstand. Und die Uertner kennen sich ja seit Jahrhunderten, was da einer sagt wird in den Zusammenhang einer ganzen Familiengeschichte gestellt, wird im Dorf die Runde machen etc. Und es geht ja in der Uerte um das Gemeinwohl, ein hohes Gut. Darum wägt der Eidgenoss seine Worte bedächtig, bevor er ein "Votum macht".
"Ich bleibe aber dabei, dass, wenn diese Leute unter ihrem richtigen Namen schreiben wuerden (s. Regula Staempfli), hier der sprichwoertliche Teufel los waere. Es waere viel besser fuer FACTS."
Da bin ich mir nicht sicher, ob dies für "facts.ch" besser wäre: denn dann würde es eine Art ständige "Arena" und würde sogleich den Zorn vieler auf sich lenken.
Ich verstehe warum es manche aus Konsequenz tun müssen, ich verstehe aber nicht warum manchen der Preis dafür gering erscheint. Oder wird das gar nicht mehr abgewogen von den meisten, weil es allgemeingültig keinen grossen Wert mehr hat?
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