16/03/2008 17:31
Flüeli Valzeina: Enger als im Gefängnis
Der Verein „Miteinander Valzeina“ kritisiert die menschenunwürdigen Verhältnisse im Ausreise- und Minimalzentrum Flüeli Valzeina und hat mehrere Protestbriefe beim Kanton Graubünden deponiert. Seit Dezember 2007 wohnen dort abgewiesene Asylbewerber. „Das sind abgewiesene Asylbewerber, diese Personen halten sich illegal in der Schweiz auf. Wir müssen dafür sorgen, dass das Flüeli ein möglichst ökonomischer Betrieb ist“, so die Antwort von Beda Egger, Abteilungsleiter für Asyl und Massnahmenvollzug.
Von Clau Dermont
Der Verein Miteinander Valzeina (VMV) wurde kurz vor dem Eintreffen der ersten "Gäste" im Flüeli gegründet. Der Verein setzt sich dafür ein, dass die im Asylheim Flüeli untergebrachten Asylsuchenden die ihrer Situation und Lage entsprechende Hilfe finden, auch damit das Zusammenleben in Valzeina garantiert sei. Bereits von Anfang an, als der Kanton Graubünden angekündigt hat, das Flüeli als Asylheim zu benützen, hat sich die Gemeinde Valzeina und deren Arbeitsgruppe mit den Problemen der Menschlichkeit befasst. Aus der Arbeitsgruppe resultierte danach der Verein. Eine Lichterkette mit den Buchstaben "SOS" wurde so installiert, dass sie im Bündner Rheintal gut sichtbar leuchtete. Damit sollte darauf aufmerksam gemacht werden, dass die Bewohner des Flüeli faktisch isoliert werden. Valzeina liegt auf über 1100 Meter über Meer und hat 140 Einwohner, ohne Auto ist die Gemeinde nur per Post erreichbar. Dies zeigt der eindrückliche Kurzfilm "Hello Refugee" (YouTube-Link).
Jetzt sei ein kritischer Punkt in der Frage der Menschlichkeit erreicht und deshalb macht der Verein mobil. Leserbriefe mit Titeln wie "Der Umgang im Flüeli ist nicht akzeptabel" und "Flüeli Valzeina: Enger als im Gefängnis" kritisieren die Verhältnisse im Flüeli. Das kann Guido Stirnimann, der im Vorstand des VMV ist, bestätigen: "Die Situation wird in den Leserbriefen noch untertrieben dargestellt". Es wird kritisiert, dass vier Personen sich ein Zimmer teilen müssen, das für zwei Personen geplant wurde. In diesem Zimmer müssen die Bewohner nicht nur schlafen, sondern auch ihr ganzes Gepäck unterbringen, sowie Kühlschrank für ihr Essen und ihren Fernseher. Das kleine Zimmer bietet pro Person nur 3.5 m2 Raum, Kajüttenbett inklusive. Ein Aufenthaltsraum steht den abgewiesenen Asylbewerbern nicht zur Verfügung. Das Nothilfegeld wird nicht ausbezahlt, lediglich zwei Mal in der Woche werden Nahrungsmittel im Wert von 8 Franken pro Tag abgegeben. Den Bewohnern ist es streng untersagt, Geld zu verdienen.
Letzte Woche hatte die Gemeinde Valzeina ein Gespräch mit Vertretern des Kantons Graubünden. Dieses Gespräch war eine Bedingung in der Baubewilligung, um die aktuelle Situation analysieren zu können und Schlüsse für die Zukunft zu ziehen. Wie Mona El Baradie, Mitglied des Vorstands der Gemeinde Valzeina und Mitglied des VMV sagt, hätten sie die Vertreter des Kantons auf mehrere Kritikpunkte aufmerksam gemacht. Auch die Zimmerzuteilung: „Für mich ist einfach nicht nachvollziehbar, wieso vier Personen sich ein Zimmer teilen müssen, wenn 14 weitere Zimmer frei stehen“, sagt sie. Es habe auch nicht genügend Platz für das Gepäck in den Zimmern, deshalb wird gewünscht, dass den Bewohner des Flüeli die (momentan leeren) Schränke auf den Gängen zur Verfügung gestellt werden. Für die Gemeinde sei jedoch klar: Solange das Flüeli nicht mehr als 37 Bewohner habe, hat die Gemeinde keinerlei rechtliche Möglichkeiten einzugreifen. „Aber es wäre menschlicher, wenn die Kajüttenbetten durch normale Betten ersetzt würden und wenn die Bewohner mehr Platz zur Verfügung hätten.“ Sogar bei der Tierhaltung sei vorgeschrieben, wie viel Platz vorhanden sein muss. Bei Menschen nicht. „Deshalb appellieren wir an die Verantwortung des Kantons Graubünden.“
Beim Gespräch mit Vertretern des Departements für Justiz, Sicherheit und Gesundheit war auch Beda Egger, Abteilungsleiter für Asyl und Massnahmenvollzug anwesend. Für ihn ist klar, dass diese Vorwürfe nicht stimmen: „Die Bewohner des Flüeli haben selber gesagt, dass die Zimmerzuteilung kein Problem sei und dass die Zimmer auch gross genug seien. Sie bekommen genug Nahrungsmittel“, sagt er. Natürlich wäre es möglich, jedem Bewohner des Flüeli ein Einzelzimmer zu bieten, sowie Fünf-Sterne-Qualität. „Aber das sind abgewiesene Asylbewerber, diese Personen halten sich illegal in der Schweiz auf. Wir müssen dafür sorgen, dass das Flüeli ein möglichst ökonomischer Betrieb ist.“ Der Kanton habe kein Geld zu verprassen. Sie hätten die Vorwürfe und Sorgen der Valzeiner zur Kenntnis genommen und werden diese klären. Die Gemeinde Valzeina bekomme dann eine Antwort. „Die Gemeinde Valzeina hat auch festgestellt, dass sie keinerlei Probleme oder Störungen mit den abgewiesenen Asylbewerbern hatten.“ Die Valzeiner, insbesondere der Verein Miteinander Valzeina, würden jedoch alles Mögliche kritisieren. Gemäss Beda Egger sehen diese alle Schritte des Kantons als böse Absicht. „Wir haben nichts manipuliert, das ist nicht korrekt, was die Valzeiner uns vorwerfen.“
Von Clau Dermont
Der Verein Miteinander Valzeina (VMV) wurde kurz vor dem Eintreffen der ersten "Gäste" im Flüeli gegründet. Der Verein setzt sich dafür ein, dass die im Asylheim Flüeli untergebrachten Asylsuchenden die ihrer Situation und Lage entsprechende Hilfe finden, auch damit das Zusammenleben in Valzeina garantiert sei. Bereits von Anfang an, als der Kanton Graubünden angekündigt hat, das Flüeli als Asylheim zu benützen, hat sich die Gemeinde Valzeina und deren Arbeitsgruppe mit den Problemen der Menschlichkeit befasst. Aus der Arbeitsgruppe resultierte danach der Verein. Eine Lichterkette mit den Buchstaben "SOS" wurde so installiert, dass sie im Bündner Rheintal gut sichtbar leuchtete. Damit sollte darauf aufmerksam gemacht werden, dass die Bewohner des Flüeli faktisch isoliert werden. Valzeina liegt auf über 1100 Meter über Meer und hat 140 Einwohner, ohne Auto ist die Gemeinde nur per Post erreichbar. Dies zeigt der eindrückliche Kurzfilm "Hello Refugee" (YouTube-Link).
Jetzt sei ein kritischer Punkt in der Frage der Menschlichkeit erreicht und deshalb macht der Verein mobil. Leserbriefe mit Titeln wie "Der Umgang im Flüeli ist nicht akzeptabel" und "Flüeli Valzeina: Enger als im Gefängnis" kritisieren die Verhältnisse im Flüeli. Das kann Guido Stirnimann, der im Vorstand des VMV ist, bestätigen: "Die Situation wird in den Leserbriefen noch untertrieben dargestellt". Es wird kritisiert, dass vier Personen sich ein Zimmer teilen müssen, das für zwei Personen geplant wurde. In diesem Zimmer müssen die Bewohner nicht nur schlafen, sondern auch ihr ganzes Gepäck unterbringen, sowie Kühlschrank für ihr Essen und ihren Fernseher. Das kleine Zimmer bietet pro Person nur 3.5 m2 Raum, Kajüttenbett inklusive. Ein Aufenthaltsraum steht den abgewiesenen Asylbewerbern nicht zur Verfügung. Das Nothilfegeld wird nicht ausbezahlt, lediglich zwei Mal in der Woche werden Nahrungsmittel im Wert von 8 Franken pro Tag abgegeben. Den Bewohnern ist es streng untersagt, Geld zu verdienen.
Letzte Woche hatte die Gemeinde Valzeina ein Gespräch mit Vertretern des Kantons Graubünden. Dieses Gespräch war eine Bedingung in der Baubewilligung, um die aktuelle Situation analysieren zu können und Schlüsse für die Zukunft zu ziehen. Wie Mona El Baradie, Mitglied des Vorstands der Gemeinde Valzeina und Mitglied des VMV sagt, hätten sie die Vertreter des Kantons auf mehrere Kritikpunkte aufmerksam gemacht. Auch die Zimmerzuteilung: „Für mich ist einfach nicht nachvollziehbar, wieso vier Personen sich ein Zimmer teilen müssen, wenn 14 weitere Zimmer frei stehen“, sagt sie. Es habe auch nicht genügend Platz für das Gepäck in den Zimmern, deshalb wird gewünscht, dass den Bewohner des Flüeli die (momentan leeren) Schränke auf den Gängen zur Verfügung gestellt werden. Für die Gemeinde sei jedoch klar: Solange das Flüeli nicht mehr als 37 Bewohner habe, hat die Gemeinde keinerlei rechtliche Möglichkeiten einzugreifen. „Aber es wäre menschlicher, wenn die Kajüttenbetten durch normale Betten ersetzt würden und wenn die Bewohner mehr Platz zur Verfügung hätten.“ Sogar bei der Tierhaltung sei vorgeschrieben, wie viel Platz vorhanden sein muss. Bei Menschen nicht. „Deshalb appellieren wir an die Verantwortung des Kantons Graubünden.“
Beim Gespräch mit Vertretern des Departements für Justiz, Sicherheit und Gesundheit war auch Beda Egger, Abteilungsleiter für Asyl und Massnahmenvollzug anwesend. Für ihn ist klar, dass diese Vorwürfe nicht stimmen: „Die Bewohner des Flüeli haben selber gesagt, dass die Zimmerzuteilung kein Problem sei und dass die Zimmer auch gross genug seien. Sie bekommen genug Nahrungsmittel“, sagt er. Natürlich wäre es möglich, jedem Bewohner des Flüeli ein Einzelzimmer zu bieten, sowie Fünf-Sterne-Qualität. „Aber das sind abgewiesene Asylbewerber, diese Personen halten sich illegal in der Schweiz auf. Wir müssen dafür sorgen, dass das Flüeli ein möglichst ökonomischer Betrieb ist.“ Der Kanton habe kein Geld zu verprassen. Sie hätten die Vorwürfe und Sorgen der Valzeiner zur Kenntnis genommen und werden diese klären. Die Gemeinde Valzeina bekomme dann eine Antwort. „Die Gemeinde Valzeina hat auch festgestellt, dass sie keinerlei Probleme oder Störungen mit den abgewiesenen Asylbewerbern hatten.“ Die Valzeiner, insbesondere der Verein Miteinander Valzeina, würden jedoch alles Mögliche kritisieren. Gemäss Beda Egger sehen diese alle Schritte des Kantons als böse Absicht. „Wir haben nichts manipuliert, das ist nicht korrekt, was die Valzeiner uns vorwerfen.“







Diskussion
Wenn es ihnen nicht gefällt, dürfen sie unser Land gerne verlassen. Ich denke, niemand wird sie daran hindern.
Tatsache ist, dass der Kanton Graubünden letztes Jahr aus dem Asylwesen sogar Einnahmen hatte – weil er die Gelder so sparsam eingesetzt hat. Das Flüeli in Valzeina dient lediglich dazu, abgewiesene Asylbewerber zu zermürben und dazu zu bringen, in die Illegalität unterzutauchen.
Ein grosses Fragezeichen beim Flüeli ist die Menschlichkeit. Die kann man nicht erkaufen, auch nicht mit genügend Steuergelder. Da geht es um Augenmass, gesunder Menschenverstand. Und vor allem die Frage nach der Nützlichkeit und Notwendigkeit: Müssen diese abgewiesenen Asylbewerber wirklich alle auf engstem Raum zusammenge"pfercht" werden, obwohl genug Platz vorhanden ist? Ist es sinnvoll den Bewohnern jegliche Beschäftigung zu verbieten?
@Asprey: Colt im Halfter stecken lassen - hilft niemandem!
Die andere Variante ist, dass er "legal" wird...
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