18/03/2008 00:00
Frauenpower: Alpha statt Emma
Nicht gegen die Männer, sondern mit ihnen: Eine junge Frauen-Generation ruft einen neuen Feminismus aus und distanziert sich von Alice Schwarzer. Eine Bestandsaufnahme von Mareen Linnartz »







Diskussion
Habe Mara privat geantwortet: es fällt mir nichts ein, was öffentlich zu diesem Artikel (gerade als Mann) zu äussern wäre, ohne unnötigen Aufruhr zu verursachen. Aber ich bin gespannt auf das, was anderen usern dazu einfällt.
Anstatt, dass diese tollen Damen sich über Alice Schwazer auslassen würden, sollten die sich ihr eigenes Feld des Feminismuses oder was auch immer erkämpfen, mit ein paar witzigen, netten Büchern ist das noch lange nicht gemacht, da braucht es mehr dazu!
Weiter finde ich es eigenartig, wenn der Mainstream plötzlich auch diese tollen Frauen erreicht hat und diese noch meinen sie würden ein eigenes Ding durchziehen, dabei sind sie die Serviererinnen einer Generation von Frauen, die meint auf der faulen Haut zu sitzen, in den Spiegel zu gucken und ab und zu die Kloschüssell würgetechnisch von der nähe zu betrachten wären die wirklich wahren Werte einer freien starken Frau!
Meine Hoffnung sind die Generation Frauen nach Dorn, Roche und co., denn da findet sich so manche, die ihr ganz eigenes Süppchen kocht und pfeifft auf die Drohfinger ihrer Geschlechtsgenossinnen!
Schade eigentlich, denn was die Frau zu sagen hat, nachdem sie erst einmal eine ganze Gruppe von Frauen verbal niedergemäht hat, kann ich eigentlich nur unterschreiben. Es geht nur gemeinsam, wenn wir neue Modelle des Zusammen- und Familienlebens entwickeln wollen.
Dazu fällt mir noch ein: "Aber bitte auch nicht gegen die Frauen."
Denn das ist meiner Meinung nach das viel grössere Problem als die ganze Geschlechterdiskussion: Frauen, die sich andauernd, immer und überall gegegseitig in den Rücken fallen oder angiften: "Alte" Emanzen gegen neue Feministinen / Hausfrauen gegen Berufstätige / Berufstätige gegen Hausfrauen / Gestylte Frauen gegen ungestylte Frauen und umgekehrt usw. Jede Einzele verteidigt mit Zähnen und Klauen ihre Lebensweise als wäre es die alleine seligmachende. Das artet zum Teil in verbale Kriege aus, vor denen mir graust. Wenn ich es ganz bösartig sagen darf: Uns machen nicht die Männer fertig. Wir erledigen das selbst. Ganz allein.
@ Mara: Das spielt eine sehr, sehr grosse Rolle. Bei einem Mann hätte man gesagt: Ach je, der versteht nun wirklich nicht, worum es geht, so ein Depp. Bei einer Frau sehen sich Heerscharen von Männern (und leider nicht wenige Frauen) bestätigt. Sie können die Schultern zucken, sagen "Hab ich's ja gewusst, nicht einmal Frauen können mit der Schwarzer was anfangen / die finden die genau so eine Schreckschraube wie ich / also: alles in Ordnung, wir können ruhig weitermachen wie bisher, diese Emanzen / Feministinnen mit ihren kruden Ideen haben alle einen Sprung in der Schüssel"; dürfen noch hämisch grinsen, die Sache nicht ernst nehmen (Frau tut es ja auch nicht) und müssen den Artikel gar nicht fertig lesen. Wozu auch? Vorurteile bestätigt nach zwei Absätzen. Weiter blättern. Und ein wenig kichern über die Zickenhaftigkeit der Autorin.
Ich versteige mich sogar zu der These, dass die Einleitung dieses Textes sich genau bei den Männern anbiedert, von denen wir nachher Gleichberechtigung einfordern wollen. Nur geht das dann nicht mehr, weil wir uns ja verbal total von "den Emanzen" distanziert haben. Wo ist hier die Glaubwürdigkeit?
Das ist schade, sehr, sehr schade, denn auch ich mag die Analyse und die Schlussfolgerungen im Artikel. Eigentlich fasst die Frau mehr oder weniger zusammen, was ich auch denke. Gerade deshalb ärgere ich mich ja so über den Schreibstil!
Nur, sie verspielt sich mit ihrem Einstieg so ziemlich alles. Wer nicht ernst genommen wird, dem hört man nicht zu.
Aber eben dieses Missverständnis gewisser Frauen, macht wohl das Salz in der Suppe;-)
Ich habe nur erwähnt, dass die tollen Damen, wie Thea Dorn, Charlotte Roche, alten Wein in neuen Schläuchen uns verkaufen wollen und eben nichts neues aufs Tapet bringen und ich darum das Alice Schwarzer "bashing" ermüdend finde!
Ich hätte Dir da noch einen Buchtipp: "Weissbuch Frauen, Schwarzbuch Männer" von Sibylle Hamann
Dort liesst man so schöne Sätze wie:"Das wichtige ist, dass man die Männer in der Rolle als Kümmerer und Erzieher endlich ernst nimmt, Das ist das Gegenstück dazu, dass Frauen in der Arbeitswelt ernst genommen werden", ach eine Wohltat!
Alice Schwarzer macht mir keine Angst. Das war mal. Zu Anfang habe ich die Frau gehasst wie ein Bulle das rote Tuch. Aber damals hatte ich eher nur Fussball im Kopf als so Erhebendes wie eine Geschlechterdiskussion, verstand mich aber dennoch als Frauenversteher, selbstverständlich, schliesslich war ich willkommener Tröster jeder unglücklich verliebten weiblichen Seele in meinem Umfeld.
Mit der Zeit begriff ich, welche Schwierigkeiten das Leben für Frauen sonst noch so bereit hält, und mit meinem Verstehen änderte sich auch der Ton von Frau Schwarzer. Mit anderen Worten: Wir haben uns beide entwickelt, und ich finde, dass Alice Schwarzer sehr wohl andere Tonlagen und Themenschwerpunkte zu setzen vermag als vor zwanzig Jahren, sie also nicht verneint, was Mann dazu gelernt hat.
Natürlich finde auch ich, dass es Not tut, dass sich dreissigjährige Frauen nicht unbedingt von einer 60-jährigen vertreten fühlen müssen, ohne sogleich neue eigene Ängste zu entwickeln. Hingegen wird mir ziemlich übel, wenn ein solches Weib allen Ernstes behaupten kann, Pornos wären zu begrüssen, weil darin ein Mann lernen kann, wie man eine Frau befriedigt...
Eigentlich möchte ich darauf gar nicht antworten. Für mich weiss ich es besser. Und doch muss ich noch etwas dazu los werden, denn unsere Kinder hören da noch ganz anders hin:
Die hier angedachte Praxishilfe führt entschieden nicht dazu, dass unsere Kinder heute bei der Erfahrung von Sexualität besser mit sich selbst und ihren Freunden umzugehen wissen. Wir Älteren ja auch nicht.
Wenn ich mir das richtig überlege, so ist diese unglaubliche Aussage im Grunde eine sexistische Anti-Mann-Aussage erster Güte. Chauvi pfui. Disqualifikation.
hahaha: Stutenbissige Pute - das klingt aber nach einem ungleichen Kampf, erinnert mich an den Witz von den Ameisen und dem Elefanten: 'würgne, Hugo, würgne' ....
Aber doch noch im Ernst, und jetzt ist halt hier der Anlass: Dieses Wort von der Stutenbissigkeit find ich schon lange irgendwie [Kraftausdrücke, mehrere]. Und obersexistisch im schlechten Sinn. Man muss es nur mal umdrehen. Die Männer als Hengste. Im Büro, in der Sitzung. Was sind dann die, wenn sie aneinander geraten? Und warum wird das nie nie nie geschrieben?
@thinkabout: es geht heute wahrscheinlich vergessen, dass Alice Schwarzer mit ihrem ersten Buch 'Der kleine Unterschied' nicht nur die Benachteiligung der Frau in Wirtschaft und Gesellschaft, sondern auch in der Sexualität thematisiert hat. Es war damals, in den frühen 70ern, ziemlich revolutionär, für die Frau Sexualität einzufordern und auf die durch die Ehe sanktionierte Vergewaltigung aufmerksam zu machen.
Mir persönlich geht Alice Schwarzer auch auf den Wecker, und ihre Dominanz in einer Befreiungsbewegung sollte stutzig machen. Da stimmt einfach etwas nicht. Kann es sein, dass sie die Frauen zu Objekten macht? Objekte ihrer Selbstverwirklichung, z.B. ? Und man das eben nicht goutiert?
Die wunderbare Margarete Mitscherlich (90-jährige Psychoanalytikerin) hat mal auf die Frage:
"Der grösste Feind der Frau ist die Frau?" geantwortet: Ganz klar. Und das muss anders werden."
Weiter konnte man im Interview in "das Magazin" lesen:
"...Und die Kränkungen für den Mann nehmen kein Ende. Die Mädchen sind in der Entwicklung schneller, Knaben bleiben länger naiv, unreif, tumb. Frauen haben die höhere Lebenserwartung. Frauen an sich sind das starkte Geschlecht, und das nehmen Männer ihnen übel"
http://dasmagazin.ch/index.php/margarete -mitscherlich-teil-4/
2. Das ändert aber nichts an ihren Verdiensten: Sie hat sicherlich wichtige Diskussionen angestoßen, neue Sichtweisen in die Öffentlichkeit getragen und vielen Frauen der älteren Generation zu einem Selbstbewusstsein verholfen, das sie ohne Frau Schwarzers Vorbild nicht gewagt hätten.
3. muss man aber der neuen Generation von Feministinnen -- und emanzipierten Männern -- zubilligen, sich kritisch mit der Mütter-Generation auseinanderzusetzen, eine Bestandsaufnahme zu machen, welche Ziele erreicht wurden, welche noch zu erreichen sind, welche eventuell auch historisch bedingten Fehleinschätzungen entsprangen.
>> Trotzdem stellt genau diese Generation junger Frauen jetzt ernüchtert fest: Sie ist nur formal gleichberechtigt, die alten Strukturen bestehen unterschwellig weiter.
Diskutieren wir also weiter, experimentieren wir weiter, suchen wir gemeinsam mit der neuen Generation von Männern nach Antworten auf die beruflichen und familiären Herausforderungen des 21. Jahrhunderts.
Eva Herman lässt grüssen;-))
Man(n) wird doch nicht zur Frau, wenn man plötzlich Dinge tut, die früher "nur" von Frauen erledigt wurden oder umgekehrt?!
2. und 3. kann ich voll unterzeichnen, obwohl ich bei Punkt 3. erwähnen möchte, dass die angebliche neue Generation von Feministinnen leider doch eher alten Wein in neuen Schläuchen uns verkaufen wollen und eben nicht neues aufs Tapet bringen.
Zu 1. Da hast Du wohl was missverstanden, Alice Schwarzer hat nicht für die CDU Werbung gemacht, sondern für die erste Frau als Kanzlerin und da ja von keiner andere Partei eine Frau dafür aufgestellt worden war, hat sie halt geweigelt für die CDU Frau A. Merkel. Und für Bild hat sie einen Tag lang Redakteurin spielen dürfen, um Werbung für ihre Anliegen und die der EMMA zu machen, also das finde ich nicht schlimm, wenn man bedenkt, dass in Deutschland viele diese schreckliche Bild lesen, so war das aus reinem Marketingkalkül wohl ein guter Coup! Auch Femistinnen sind halt manchmal Kapitalistinnen und spielen mit im Spiel von "Brot und Spiele"!
Und dass Frau Schwarzer sich von der Bild-Zeitung, die sie Jahrzehnte bekämpft hat, zu Werbezwecken einspannen ließ, sollte nicht ihre vergangenen Verdienste schmälern, kratzt aber an ihrer heutigen Glaubwürdigkeit.
Also solche Aussagen amüsieren mich mehr, anstatt das man(n) sie ernstnehmen kann, sorry;-)
rattenkoenig, Klischees sind da, um diese abzubauen, es wäre schön, wenn endlich damit von gewissen Männern damit angefangen wird!
Ein Tipp, die Domina "Silvia Blocher" kommt Dir sicherlich die Hemden bügeln, wenn Du Sie ganz, ganz liebbbb fragst;-)
Ich lebe lieber in meinem Hier und Jetzt und da gehören Wörter, wie "Patriarchentum", "kulturellen Wert" nicht dazu, die sind mir zu schwamming und undifferenziert!
Domatische Grundsätze habe ich schon immer verabscheut!
Du kannst Dich ja glücklich schätzen, dass Du "nur" noch zweimal schlafen musst, bevor Dein konservatives Guru-Blättchen errscheint;-)
Nein, absolut nicht. Wir sind nicht zu Frauensolidarität gezwungen. Um Himmels Willen! Aber zu Respekt verpflichtet - auch jenen gegenüber, die andere Ansichten vertreten. Und diesen Respekt vermisse ich in der giftgrünen Schreibe der Verfasserin.
Ich bin jederzeit gerne für eine harte Auseinandersetzung zu haben. Aber bitte direkt und offen und nicht mit versteckten Anspielungen und Herablassungen.
Und ersetzt man bei den Aussagen Feministin durch „Mensch“, ist plötzlich gar nichts mehr sensationell an diesen Artikel… denn die Theorie der Alpha/Beta/Gamma-Tiere ist nur wirklich sehr alt und sieht nicht jünger aus, wenn man „Tier“ durch „Mädchen“ ersetzt.
Ich erlebe ihn so zwiespältig wie Mara. Bezüglich Alice Schwarzer bin ich aber trotzdem der Meinung, dass sie für gesellschaftliche Fortschritte nach wie vor ein positiver "big brand" ist. Einfach an anderer Stelle im ganzen Emanzipations-System. Ich mochte die Tante schon immer.
Ein wesentlicher Unterschied bei den aktuellen Prozessen zu früher ist, dass viel weniger konfrontativ läuft. Bzw. dass man jetzt die Unterschiede auch unter den Frauen suchen kann. (Allerdings auch unter den Männern, die Hausmann waren, uertner und ich zum Beispiel...)
Offensichtlich prallen hier bei Facts 2.0 immer noch häufig Menschen aus Emanzipation 1.0 aufeinander. So quasi Christine Goll gegen Udo Jürgens.
Emanzipation 2.0 ist Integration. Und das ist per se eine Zwei-Weg-Nummer.
*in dem Sinne, dass sie absolute Gleichberechtigung verlangen, darum aber nur Aufhebens machen, wenn es nötig ist.
Vorbild-Funktion? - Ich möchte fast Frau Widmer-Schlumpf zitieren "Darauf erwarten Sie wohl kaum eine Antwort", aber der Ausführlichkeit halber:
Nein, die von Ihnen beschriebenen Frauen, die ungefähr in meinem Alter sind, haben selbstverständlich KEINE Vorbildfunktion für mich. Einige davon können gut schreiben und das bewundere ich auch, aber ihre Einstellungen könnten sie gerne für sich behalten.
..hat weniger mit Selbstzensur zu tun als mit der Tatsache, dass ihr entweder vor lauter Bäumen den Wald nicht seht oder ihr steht halt DOCH zusammen mit mir auf einer Wiese….
Flashback zu den alten Griechen: Sisyphos (ohne Zweifel ein Mann!) muss ja als gerechte Strafe - wegen ein paar Morden und Betrügereien und schwerster Verstösse im Gender-Sektor - im Hades (und ohne Pause) seinen Stein den Berg hinaufrollen. Dort wird er ja zur Winterzeit von Persephone (ohne Zweifel eine Frau!) beaufsichtigt. Wieso rollt aber Sisyphos seinen Stein auch dann, wenn Persephone auf der Erde für Fruchtbarkeit sorgt? - Das sind immerhin etwa 8 Monate des Jahres… Wenn also vor über 5'000 Jahren die Macht der Frau so gross war, dass ein Mann ohne Aufsicht 8 Monate einer Frau gehorchte, was um Gottes Willen ist dann später schiefgegangen?
Zum Sisyphos: Weil die heutigen Männer Sisyphos für seine durch Persephone verursachten Leiden entschädigen wollen. Die Patriarchat-Zeiten sind die späte Rache der Männer für die vergangenen Matriarchat-Zeiten. Nun im ernst: ich wehre mich hier entschieden gegen diese - zuum 1000 Mal! - VERGENDERTE Deutung der Geschichte. Persephone hat den Sisyphos zusammen mit Hades beaufsichtigt, beide taten das als Herrscher der Unterwelt. Dass Persephone eine Frau war, spielt hier eine untergeordnete Rolle. Und schliesslich war ihr Status (Oberwelt-Unterwelt) ohnehin nicht ganz klar.
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