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Per Anhalter durch die Galaxis
"Gute Lügner sind sympathischer"
Europa in der Krise: Die Schweizer Solidarität
Der gespiegelte Mensch
Burnout, die moderne Lebenskrise
Diskussion
"Überhaupt wage ich zu behaupten: wenn mehr Menschen ihre ehrliche Kritik kundtun würden, gäbe es nicht soviel Künstler, die von ihrer Arbeit (vielleicht zu Recht) nicht leben können. Um es mal an einem unverfänglichen Beispiel zu erläutern: solange Eltern ihre Verantwortung nicht wahrnehmen und ihren Schützlingen nicht offen sagen, was offenkundig ist, dass sie nämlich nicht singen können, solange wird es diese unsäglichen Castingshows geben, die in menschenverachtender Weise mit der fehlenden Selbsteinschätzung der jugendlichen Kandidaten und dem Schüren falscher Hoffnungen spielen."
Er plädiert dafür, dass Spreu möglichst früh vom Weizen getrennt wird, wenn ich das richtig verstehe. Werden junge, hoch motivierte Künstler (/ Blogger / Schreibende) in der Schweiz zu "lieb behandelt"?
Ich schreibe selbst erst seit dreieinhalb Jahren, und das auch nur in einem Blog. Bisher bin ich gar nicht behandelt worden. Sprich: Ich hatte und habe mein nettes Grüppchen an Lesern. Darüber hinaus hat das niemanden interessiert. Das Entscheidende ist aber: Ich hätte weiter gemacht, auch wenn da keine Leser gewesen wären. Und das ist das Essentielle, , glaube ich: Sie schreiben selbst: hochmotivierte (jung bin ich nicht mehr) Blogger / Schreibende - ich glaube, das ist das Kennzeichnende. Ich muss täglich schreiben können. Wo und wie ist (noch) relativ egal.
Wer bloggt, mit dem Ziel, bekannt zu werden, Beachtung zu kriegen, der hat zwei Möglichkeiten: Er kann blogtechnisch schreiben, also auf Traffic schielen - und wird dann vielleicht ein A-Blogger. Aber kaum ein besser Schreibender, weil Blogs, so verstanden, in ihrer Wesensart eine besondere, verknappende Form des Schreibens fordern.
Oder aber er kann das Blog einfach dazu benutzen, sein Schreiben zu üben - und sich auch mal um die Bedürfnisse typischer Blogleser foutieren. Dann findet er sich vieleicht plötzlich im Literaturblog des Tagi wieder oder bekommt sonst eine Plattform. Entscheiden aber wird am Ende der Leser. Zu lieb behandelt werden können Sie in diesem Sinn gar nicht. Zumindest dann nicht, wenn das geschriebene Wort direkt auf den Leser trifft.
Viel mehr zu sagen bleibt mir nicht: thinkabout hat alles (auch für mich passend und zutreffend) schon geschrieben. Ich schreibe aus Leidenschaft, aus Formulierfreude, zum Ausleben all der vielen Personen, die ich auch noch bin (nebst jener, die ich wirklich bin ;-) ).
In dieser Sache stimme ich mit Thinkabout nicht überein, und ich denke auch nicht, dass man "einfach so eines Tages beim Literaturblog landet". Etwas Ambitionen müssen die Personen, die dort landen, schon gehabt haben.
Gerade in der Schweiz mit ihren vielen Vereinen: da gibt es doch Schreibarbeit zu Hauf zu erledigen. Beschlussprotokolle so verfassen, dass sie späteren Generationen noch dienen und – als Zugabe – ein lockerer Bericht vom Vereinsanlass als Eingesandtes für das Lokalblatt. So kann man sich in kleinen Teichen einen Namen machen. Warum nicht einen allgemeinbildenden Vortrag in einer Mehrzweckhalle halten? Warum gleich in den Literaturbetrieb stürmen? Um Preise und Werkjahre buhlen? Ein Brotberuf hat keinem Schreiber geschadet: Max Frisch war Architekt, Friedrich Schiller Militärarzt, Goethe war – ebenso wie Mani Matter – Jurist. Und Matthias Claudius, der uns das wunderbare Gedicht vom Mond geschenkt hat, war – wie Bänz Friedli – Hausmann. Und hier ist meine Kritik: diese Häufung von Schreibschulen und Akademien und Fachhochschulen und Journalistenschulen: sie bringen vielfach nur eitle Gecken hervor, die vom "Schreibstau" zu räsonnieren gelernt haben, aber nie eine kleine Gruppe von Menschen durch Schreiben glücklich gemacht haben.
Nächster Pokal an Mara für das Bild vom "Wachsen".
Alles andere ist Kokolores. Der darf zwar sein, aber warum sollen wir ihn ernst nehmen oder erinnern?
Der Verweis auf die Vereinsprotokolle ist dann nur noch zynisch bis herablassend.
Mich hätten solche Rüpeleien vor Jahren noch herunter gezogen und dazu geführt, dass ich verkümmert wäre. Gerettet hat mich schliesslich ein sehr altruistisch geführter Blog eines Schriftstellers, der an einen Jungen nur einen Rat hatte, um herauszufinden, ob er Schriftsteller werden könne:
Schreibe täglich. Und wenn Du nicht anders kannst, als jeden Tag zu schreiben, dann bist Du Schriftsteller.
Das kann man jetzt verlachen. Aber der Mann hat Ahnung - und er hat vor allem Respekt vor dem Drang und der Sehnsucht nach Kreativität. Die Worte haben einem Teenager gegolten. Aber bei mir hat es "Click" gemacht, und da wusste ich, dass ich in meinem Brotberuf nicht weiter machen kann als wäre Brot allein ausreichend.
Ich stimme @Quotenrebell zu, genau diese Funktion erfüllt das Blog für mich. Und auch ich danke Mara für das Bild vom Wachsen.
Ich habe noch einen Ansatz:
Es mag sein, dass aus dem persönlichen Schreiben nie eine grosse Sache wird. Aber wenn ich nur einmal für einen Menschen in einem ganz bestimmten Moment die Worte seiner Seele gefunden habe, dann hat sich alle Mühe gelohnt.
Da bin ich unverbesserlich. Naiv. Vermessen vielleicht in manchen Augen. Vor allem aber auch demütig meinem eigenen Sehnen gegenüber. Wir alle sollten die Kreativität in uns nicht zerreden und vorauseilend abstrafen, in der Angst, es könnte es sonst jemand anders, wenn möglich noch öffentlich, tun. Wir sollten den Kampf mit den Wörtern und die Lust an der Herausforderung, einmal genau sagen zu können, was wir fühlen, immer wieder wagen.
Mit dem Schreiben für einen Verein lernt man mit Kritik umgehen. Oder man lernt es nicht.
Seine Herleitung von Eco ist nicht von oben herab. Und eitel, wie er, sind wir alle, die hier etwas publizieren.
Trotz aller Rückmeldungen, trotz allem Schleifen und Feilen am Text: Irgendwann muss man ihn loslassen. Ruth Schweikert hat das so treffend beschrieben in einem ihrer Blogeinträge: Man möchte immer noch besser werden, sieht jeden Text nach ein paar Tagen mit neuen Augen, will ihn ändern, perfektionieren ... wenn man das bis zum Exzess treibt, kann man seinen Text aber auch zutode schreiben. Man muss lernen, in dem Moment loszulassen, in dem man überzeugt ist, nichts mehr verbessern zu können. Dieser Moment tritt irgendwann nach ziemlich vielen Überarbeitungsrunden ein. Nur: Ich habe gerade Druckfahnen zu meinem neuen Buch gelesen und habe - wohl typisch Autorin - an manchen Stellen den Kopf geschüttelt und war stark versucht, ganze Szenen umzuschreiben. Dasselbe passiert mir, wenn ich mich auf Lesungen vorbereite und Textpassagen in schon veröffentlichten Büchern heraussuche: Habe ICH diesen Schrott produziert? Himmel! Und dann möchte ich mich verkriechen. Ich bin aber überzeugt: Könnte ich die Stellen, von denen ich finde, ich hätte es besser gekonnt, ändern, würde ich in ein paar Wochen wieder etwas ändern wollen. Sprich: Schreiben ist ein (Lern)prozess, der nie abgeschlossen ist. Die Druckfahnen sind weg. Ich habe mir einmal mehr vorgenommen, beim nächsten Buch NOCH besser zu werden (obwohl ich bei jedem Buch mein bestes gebe).
Ein Journalist hat diese Möglichkeiten des endlosen Schleifens und Feilens nicht - da sind Abgabetermine, oft sehr kurzfristige. Man muss in kurzer Zeit sein Bestes geben; das ist auch eine Art Übung, aber vor Publikum. Gleiches gilt für den Blogger: Wohl kein Blogger investiert Stunden um Stunden um Stunden für einen Eintrag. Auch das ist eine andere Art des Schreibens. Ich selber schreibe meine Blogeinträge sehr schnell - als Fingerübung. Und geniesse das Schnelllebige als Gegenpunkt zu meinem anderen Schreiben, in dem ich sehr viel hoble, schleife, feile, ändere, umstelle usw.
Zum Geld verdienen: Als Autor weiss ich von vorneherein, dass ich mir einen Beruf aussuche, von dem ich zu 98% Wahrscheinlichkeit nicht leben kann. Ich will darüber nicht jammern. Es ist verlorene Energie (weil ich es sowieso nicht ändern kann). Zudem übe ich meinen "Brotberuf" (ja Sabine, das ist in der Tat ein blöder Begriff, vor allem, wenn man sich dann fragt, was das Schreiben ist) sehr gerne aus - es ist einer, der mir viel Freiheit lässt in Bezug auf die Einteilung meiner Schreibstunden.
Was mir in der Diskussion immer noch fehlt: Haben wir unsere Künstler zu lieb? Und - obwohl ich den Wert von (guten!) Schreibschulen durchaus sehe - stelle auch ich die Frage in den Raum, ob wir da nicht Illusionen wecken. Von eitlen Gecken möchte ich nicht sprechen (das ist wieder einmal alles und alle in den gleichen Topf geworfen). Wenn es damals (=als ich jung war) eine solche Schreibschule schon gegeben hätte, hätte ich mich vielleicht d.h. ziemlich wahrscheinlich beworben. Hätte das Schreiben ernsthaft lernen wollen.
@ Demascoop: Ja, ich glaube auch, dass wir alle, die wir uns in Blogs und Internetforen öffentlich äussern, etwas eitel sind. Wir wollen nicht für die Schublade schreiben (auch das kann eine erfüllende Tätigkeit sein), sondern gelesen werden.
Wichtig scheint mir vor allem auch zu sein: Wie gehen Künstler, oder Kunsthandwerker, mit einander um? Die Art, wie Du, Zappadong, z.B. auf andere einzugehen bereit bist, das hat Qualität, zeugt von Respekt und weckt nicht Hoffnung, aber es kann anleiten.
Was ist falsch daran, Kreativität nicht einfach abwürgen zu wollen?
Mir gefällt auch, wie sich die Kunst - mindestens in meiner Wahrnehmung - in den letzten Jahren mit einer ziemlichen Selbstverständlichkeit in den Alltag verwoben hat.
Trotzdem gilt es meiner Meinung nach, realistisch zu bleiben. Erstens in Bezug auf seine Chancen, selbst wenn man sehr, sehr kreativ und wirklich gut in seinem Bereich ist: Sich zu hinterfragen, warum man sich künstlerisch betätigt, was und wen man damit erreichen möchte, ob man davon leben möchte oder nicht, welchen Platz die Kunst oder kreative Beschäftigung im eigenen Leben haben soll. Ich verstehe Menschen, die mir sagen: Ich will Schriftstellerin sein, sonst nichts. Aber ich sehe (wohl infolge meines Alters und der Lebenserfahrung, die dieses Alter mit sich bringt), wie schwierig es ist, wie klein diese Chancen sind (wenn man davon leben will). Ich versuche dann, andere Wege aufzuzeigen; zum Beispiel erst einmal einen Beruf zu erlernen, nebenher zu schreiben, das Schreiben langsam aufzubauen. Wenn es klappt mit dem Veröffentlichen: Wunderbar. Wenn jemand davon sogar leben kann: Noch viel, viel besser. Aber nur auf diese Karte zu setzen, nur diesen einzigen Traum zu träumen, das scheint sogar einer heimlichen Traumtänzerin wie mir etwas zu optimistisch. Kurz: Wenn meine Tochter mir morgen sagen würde: Ich werde Schriftstellerin / Bildhauerin / Malerin / Sängerin ... dann würde ich sehr ernsthafte Gespräche mit ihr führen und sie zu überzeugen versuchen, erst einmal "etwas Ordentliches" zu lernen (auch wenn ich dann wirke wie die Moraltante aus dem Mittelalter).
Und dann kommt noch das von Simon Chen angesprochene Thema: Man kann auch leidenschaftlich kreativ sein - ohne Talent zu haben. Um niemandem auf die Füsse zu treten, nehme ich mich als Beispiel: Ich wäre am allerliebsten Rocksängerin. Das ist mein Traumberuf. Ich singe leidenschaftlich gerne. ABER: Ich bin eine grottenschlechte Sängerin. Das ist nun einmal eine Tatsache. Und so wäre es total falsch, wenn mich irgendjemand ermuntern würde, aus meinem Singen mehr als ein Hobby zu machen. Ich sehe meine Grenzen und singe Karaoke mit meiner Tochter, singe im Auto, wenn ich allein zu Hause bin, sogar beim Inline-Skaten. Und bin froh, dass mich niemand "sooooo lieb hat", dass er mich ermuntern würde, eine Sangeskarriere anzustreben.
Nein, man soll Kreativität NICHT abwürgen, auf keinen Fall. Aber man sollte seine Grenzen kennenlernen, ein Umfeld haben, das einen unterstützt, aber nicht auf hoffungslose Gedanken bringt (aus zu viel Liebe) - und dann seine Kreativität voll ausleben, in diesem Rahmen, in dem man sich wohl fühlt.
Mmmm ... es fällt mir gerade etwas schwer zu sagen, was ich meine. Versteht ihr mich?
Hätten Sie Vorschläge für Ansätze? Kennen Sie Ansätze, die Sie überzeugt haben und die Sie hier etwas ausführlicher erläutern könnten?
Wenn ich jemanden um ein Urteil bitte, sagen wir mal zu einem Text, und er meint: "Sehr schön", dann ist er entweder ein Experte, der mir nicht sagen will, dass er den Text schlecht findet, oder aber er ist nicht die richtige Person, um den Text zu lesen. Ich möchte gern, dass die Schwächen hervorgehoben werden! - Wenn man aber jemanden einfach ermuntert, "kreativ" zu sein, dann geht das genau in die Richtung "schöööön... kreativ.... wir haben uns alle lieb!".
Unbedingt. Wenn das Kreative zum Beruf gemacht wird, muss man wissen: Auch das Kreative ist Handwerk, an dem man arbeiten kann und muss. Und ja, es braucht Experten, die ihre ehrliche Meinung äussern, die den Finger auf die Schwachpunkte legen, die mit konstruktiver Kritik aufzeigen können, wie man dieses Handwerk verbessern kann. Das kann unter anderem ein Literaturinstitut sein, eine Schule, die Journalisten ausbildet usw.
Auch ich brauche diese Menschen, die mir sagen, was gut ist an meinen Texten und noch viel mehr: was ich besser machen kann. Ich bin auf solche Kritiker angewiesen. Die kommen lange vor der Buchveröffentlichung ins Spiel (Testleserinnen, Lektorat) und am liebsten sind mir die, die gnadenlos durch meine Texte gehen, sie zerpflücken, hinterfragen, mir aufzeigen, wo es harzt, unstimmig ist. Wie Sabine misstraue ich einem "sehr schön" eines Experten aufs Tiefste. Denn wie schon geschrieben: Den perfekten Text gibt es nicht.
@ Sabine: Auch Sie verstehe ich, und diese Zielrichtung muss auch erst gefunden werden - bis dahin aber darf es auch einfach schlichtes Üben sein.
Zum Thema Broterwerb hier nur noch den Hinweis auf die wirklichen Puristen, die sagen, dass ein echter Künstler nicht wirklich einen anderen Beruf daneben ausführen kann.
Es gibt die Geschichten von jenen, die, wenn schon, einen Schimmel-Beruf in irgend einer Amtsstube verrichteten, als schlichter Gegensatz zum Denken, um die Energie auf das Eine konzentrieren zu können.
Ich habe alle Kommentare gelesen, mir dröhnt der Kopf und ich möchte nur folgendes, als meine Synthese, Bestätigung, Erläuterung dazu sagen:
Man soll alle und jede(n) möglichst früh zu kreativer, künstlerischer Betätigung ermutigen und dies fördern, sei es Schreiben, Singen oder sonst was. Kunst und Kultur ist die Identität einer Gesellschaft.
Wenn aber offensichtlich ist, dass einer ein gewisses Talent, nein, ich müsste sagen, eine gewisse Fähigkeit nicht hat (das kanns geben, ist nicht weiter schlimm, so hat es eben die Natur eingerichtet), sollte man dem Betreffenden klarmachen, dass er seine Umwelt, aber vor allem sich selbst sich damit mittelfristig nur unglücklich macht. Allerdings ist das beim Singen wohl schneller zu erkennen als beim Schreiben. Ich denke, bei der Schreibförderung sollte man besonders lange dran bleiben, denn Schreiben, also der freie, kreative, gekonnte Umgang mit Sprache, ganz egal ob man vom Schreiben leben will/kann oder nicht, bringt in jedem Fall und auf jedem Niveau eine Menge, denn Sprache ist das halbe Leben und ich würde meinen, auch eine Tür zu „guten Brotjobs“..
Die andere Frage: sind wir zu lieb zu unseren Künstlern? Ich denke schon, und das liegt schon auch im Wesen des zurückhaltenden Schweizers; offene Kritik kommt uns nur zögerlich über die Lippen, und ich nehme mich hier nicht aus. Man gratuliert den Schauspielern nur höflich zu einer bestandenen Theaterpremiere, auch wenn mans grauslich fand. Man zollt dem Schriftsteller nur Respekt vor seiner Arbeit, auch wenn man das Buch nicht zu Ende gelesen hat. Ich hab mich aber auch schon gewundert, wozu Verrisse gut sind. Wenn ein Kritiker ein Buch oder eine Produktion wirklich in den Boden stampfen und damit allen davon abraten möchte, warum schreibt er dann darüber, auch ein Veriss ist Werbung und zieht bekanntlich nur noch mehr Leute an? Ignorieren, mit Nichtbeachtung strafen, nicht darüber schreiben, fänd ich in diesem Falle angemessener. Klingt hart, aber da Kritik eh höchst subjektiv ist (man vergisst immer, dass da nur ein einzelner Zuschauer schreibt, man sollte Kritiken also nicht allzu ernst nehmen), darf sich der Kritiker diese Freiheit auch nehmen.
Aber was man mit der Kritik macht, wie ernst man sie nimmt, ob man zur Erlangung regelmässiger Bewertung sich in ein Literaturinstitut einschreibt oder sich lieber von nicht professionellen, dafür unverbildeten Freunden beurteilen lässt, das ist wieder eine andere Frage, die von Persönlichkeit, Lebens- und Arbeitserfahrung des Autoren abhängt und ihm überlassen sei. Manchmal ist es sogar gut, Kritiken ganz zu ignorieren.
Zappadong schreibt, dass er seine Tochter, wenn sie Ambitionen zu einem brotlosen Künstlerberuf zeigen sollte, ihr davon abraten würde. Dem kann ich nur beipflichten. Ich hab zwar momentan das grosse, ja eigentlich unverdiente Glück, von meiner Tätigkeit als Schreiber&Auftreter leben zu können, aber zu empfehlen ist ein künstlerischer Werdegang auf keinen Fall. Mein Rat also an alle Eltern: dem Kind erstmal abraten. Denn 1. gibt es meiner Meinung nach schon genügend, wenn nicht zuviele Künstler (die davon leben wollen), gemessen an der Zahl der Zuschauer, Zuhörer, Leser. Und 2. wenn sich das Kind das trotz klar dargelegter düsterer Berufsperspektiven (und nicht nur aus Protest) dennoch nicht davon abbringen lässt, dann will es das wohl wirklich und wird auch die Schwierigkeiten seiner Beruf(ungs)wahl auf sich nehmen. Und dann ist es auch gut so.
Mir graust vor jenen Momenten, in denen ein guter Freund mich bittet, einen seiner Texte zu beurteilen... Und hüte mich davor, gleiches zu tun...
Den Hinweis, dass sich beim Schreiben wohl besonders viel durch Entwicklung verändern kann, finde ich sehr bedenkenswert. Papier ist ja auch geduldiger als das menschliche Ohr, die Schrift weniger aufdringlich als die Stimme...
Eine beherzte Förderung der Jugendlichen, WENN ein Talent objektiv vorhanden ist, darf man heute aber vielleicht auch unbeschwerter wagen, weil es immer weniger stromlinienförmige Berufslaufbahnen gibt. War es vor 20 Jahren noch ein Hindernis, zwischen 20 und 30 auch nur zwei Mal die Stelle gewechselt zu haben, so deutet man das heute ganz anders: Die Person ist flexibel, experimentierfreudig, hat verschiedene Erfahrungen gemacht, etc. Das Gleiche gilt für Zweit- und Drittbildungswege. Heute sieht man das positiv und erkennt die Motivation, die zu diesem Energieschub auch dazu gehört.
Man darf also vielleicht umgekehrt heute einem Kind, das einen kreativen Beruf wählen will, etwas mehr und schneller Luft geben, dies auch auszuprobieren, als früher.
Das sage ich allerdings, ohne Vater zu sein...
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