18/03/2008 08:56
10 Minuten Mut zu Schreibwut: Grenzen der Gefolgschaft
Schlagzeile: Erfolgreichste Verschwörung seit Brutus; Stichwort: Loyalität.
Die Diskussionen rund um die letzte Bundesratswahl lässt Thinkabout fragen, wie es denn bestellt ist um das Wesen der
LOYALITÄT?
Links zur Aktualität: Erfolgreichste Verschwörung seit Brutus und Widmer-Schlumpf schweigt eisern
Loyalität steht für Verlässlichkeit, Treue, Kameradschaft. Aus Dankbarkeit? Oder als Ausdruck einer souverän selbst bestimmten Gefolgschaft? Wie weit geht Loyalität? Ist sie kritiklos, bedingungslos?
Wer loyal gegenüber jemandem ist, hat für sich entschieden, dass dieser Jemand Kredit verdient. Loyalität honoriert den Support, den man geniesst. Man akzeptiert eine Führung, eine Linie, der man in einer Spur folgt. Den Willen des Chefs, der Partei, des Volkes. Loyale Personen sind solche, die einer Firma dienen, über den reinen Anstellungsvertrag hinaus Verbundenheit beweisen.
Loyalität folgt auf Vertrauen. Werde ich für eine Aufgabe bewusst ausgewählt, so lasse ich mich in die Pflicht nehmen, auch ohne ständige weitere direkte Kontrolle überdurchschnittlichen Einsatz für eine Sache zu leisten, die man mir nicht ständig neu erklären muss. Ich entwickle eine Art Sendungsbewusstsein für ein Ziel.
Loyalität erneuert sich, wenn ich auch immer mal wieder Wertschätzung erfahre, mir bedeutet wird, dass man sieht, was ich leiste, wie ich denke und ich zum Team gehöre. Loyalität lebt nicht allein durch meinen Charakter weiter. Sie muss genährt, auch mal gepflegt werden. Doch meistens wird sie nach einiger Zeit vorausgesetzt. Wenn eine Führung auf ihren Kurs einschwören muss, dann wird aus loyalen Gefolgsleuten eine Soldatentruppe. In ihr wird freiwilliges Engagement durch blinden Eifer ersetzt – oder durch Zwang und Gruppendruck.
Loyalität kann sich auch täuschen und dann verraten fühlen, so dass man selbst zum Abweichler, zur Abtrünnigen wird. Aber auch die gefühlte Loyalität ist kein Garant für die richtige Entscheidung. Sie schliesst Gewissenskonflikte nicht aus. Verantwortlich fühlen kann man sich nach mehreren Seiten. Wo die Illoyalität Schaden anrichtet, ist dieser meist lange zuvor vorbereitet worden, als Vertrauen durch Kontrolle und Druck ersetzt wurde. Eine laute Empörung der Versetzten da, die stille Enttäuschung der illoyal gewordenen Person dort. Und in dieser Stille hat diese Person längst mit sich abgemacht, dass sie in erster Linie sich selbst treu bleiben muss - und nicht bis zur Selbstaufgabe die eigene Kraft an fremd gewordene Ziele verschenken darf. (Thinkabout)
Die Diskussionen rund um die letzte Bundesratswahl lässt Thinkabout fragen, wie es denn bestellt ist um das Wesen der
LOYALITÄT?
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Loyalität steht für Verlässlichkeit, Treue, Kameradschaft. Aus Dankbarkeit? Oder als Ausdruck einer souverän selbst bestimmten Gefolgschaft? Wie weit geht Loyalität? Ist sie kritiklos, bedingungslos?
Wer loyal gegenüber jemandem ist, hat für sich entschieden, dass dieser Jemand Kredit verdient. Loyalität honoriert den Support, den man geniesst. Man akzeptiert eine Führung, eine Linie, der man in einer Spur folgt. Den Willen des Chefs, der Partei, des Volkes. Loyale Personen sind solche, die einer Firma dienen, über den reinen Anstellungsvertrag hinaus Verbundenheit beweisen.
Loyalität folgt auf Vertrauen. Werde ich für eine Aufgabe bewusst ausgewählt, so lasse ich mich in die Pflicht nehmen, auch ohne ständige weitere direkte Kontrolle überdurchschnittlichen Einsatz für eine Sache zu leisten, die man mir nicht ständig neu erklären muss. Ich entwickle eine Art Sendungsbewusstsein für ein Ziel.
Loyalität erneuert sich, wenn ich auch immer mal wieder Wertschätzung erfahre, mir bedeutet wird, dass man sieht, was ich leiste, wie ich denke und ich zum Team gehöre. Loyalität lebt nicht allein durch meinen Charakter weiter. Sie muss genährt, auch mal gepflegt werden. Doch meistens wird sie nach einiger Zeit vorausgesetzt. Wenn eine Führung auf ihren Kurs einschwören muss, dann wird aus loyalen Gefolgsleuten eine Soldatentruppe. In ihr wird freiwilliges Engagement durch blinden Eifer ersetzt – oder durch Zwang und Gruppendruck.
Loyalität kann sich auch täuschen und dann verraten fühlen, so dass man selbst zum Abweichler, zur Abtrünnigen wird. Aber auch die gefühlte Loyalität ist kein Garant für die richtige Entscheidung. Sie schliesst Gewissenskonflikte nicht aus. Verantwortlich fühlen kann man sich nach mehreren Seiten. Wo die Illoyalität Schaden anrichtet, ist dieser meist lange zuvor vorbereitet worden, als Vertrauen durch Kontrolle und Druck ersetzt wurde. Eine laute Empörung der Versetzten da, die stille Enttäuschung der illoyal gewordenen Person dort. Und in dieser Stille hat diese Person längst mit sich abgemacht, dass sie in erster Linie sich selbst treu bleiben muss - und nicht bis zur Selbstaufgabe die eigene Kraft an fremd gewordene Ziele verschenken darf. (Thinkabout)







Diskussion
Und weiss sich im stillen Einvernehmen getragen.
Gerät diese Balance in Gefahr droht ein Ende in Zynismus ...
Mal versuchen: also, Loyalität wird stillschweigend geleistet und weiss sich getragen durch Achtung und Respekt.
Durch welche Umstände auch immer kann diese Loayalität zu einer Vorraussetzung werden. Kann ausgenutzt werden. Instrumentalisiert werden.
Geht der Respekt, auch nur der stillschweigende, verloren, ist der Weg zur Enttäuschung nicht mehr weit, wenn nicht das Gespräch gesucht wird. Und dann ist auch der Weg zum Zynismus nicht mehr weit.
Wobei es auf allen diesen Wegen natürlich zahlreiche Haltestationen gibt, an denen man aussteigen kann - und sollte.
Denn sonst ginge meine Fähigkeit zu Loaylität verloren, und das wäre es mir nicht wert.
@Caro Nadler @ Mara
Ihr gebt (Sie oder Du?) meinen eigenen Gedanken eine weitere intuitive Komponente mit.
Und @Maras feine Assoziation zur Solidarität finde ich grossartig!
Desweiteren steht da: "Loyalität ist immer freiwillig."
Kann also im Gegensatz zum Gehorsam nicht erzwungen werden.
Loyalität setzt eine freiwillige Identifikation mit dem gemeinsamen Ziel voraus. Von beiden Seiten.
Wahrlich behutsame Worte hast du gefunden. Habe mir den Abend aufgespart um auch etwas dazu zu posten. Der Hinweis auf den Zynismus scheint mir wichtg und wir sind eine zynische Gesellschaft geworden. Was mich umtreibt, ist das unsichtbare Netz von Loyalitäten, das unser Staatswesen zusammenhält, hier laufen Fäden durch Männerherzen und Frauenherzen und dieses feine Gespinst kann auch reissen. Ein Beispiel: der Christoph Meili, der Wachmann, der die Bücher der UBS der jüdischen Cultusgemeinde übergeben hat. Er verhielt sich loyal zum höchsten Wert der im damaligen Diskurs zirkulierte: die Wiedergutmachung an den Juden.
Ich habe die Meili-Geschichte nicht mehr im Detail präsent. Aber mir scheint weniger, dass es sich bei ihm um eine Loayalität den Juden gegenüber ging - steht Loyalität nicht eher für ein lange gepflegtes Verhältnis? Wenn auch nur im ideologischen Sinne? Und da weiss ich nicht, ob dies bei Meili zutraf.
Ich denke vielmehr, dass es sich in diesem Fall um Loyalität der Gerechtigkeit gegenüber ging: Meili entdeckte, dass Akten vernichtet werden sollten und handelte nach seinem Herzen, welches der Gerechtigkeit gegenüber loyal war.
Andere Frage: in welcher Beziehung zueinander stehen Loyalität und Gewissen?
Die Antwort findet sich wohl auch im Titel: Die Grenzen der Gefolgschaft. So kann gerade das Gewissen eine Loyalität wohl beenden.
Da gebe ich Ihnen Recht: Meili erwies sich der Idee der Gerechtigkeit gegenüber loyal. Allerdings hätte die Eidgenossenschaft ihn nicht in die USA ziehen lassen dürfen. Ich habe viele nachdenkliche Menschen gehört, denen dies ein Stich ins patriotische Herz gab. Und hier ist wohl die Reihenfolge der Nennung der Worte "treu Gott und dem Vaterland" wichtig. So ist für den Pfadfinder die Treue zu Gott wichtiger als die zum Vaterland, weshalb das Vaterland sich bemühen muss, die Treue zu Gott zu halten, will es "Pfadfinder" in seinem Dienst wissen.
@flashfrog
Diese Form der Loyalität ist in der Schweiz sogar sehr verbreitet, unter Männern, die sich schätzen vom Militärdienst her und unter Angehörigen derselben Pfarrei ist ein erbauliche Ermahnung sehr wohl am Platz und wird auch gemacht. Allerdings werden Sie wenig Glück haben solche Ermahnungen von Deutschland über Internetplattformen an Eidgenossen zu richten: da spielt dann ein "Reflex" gegen den grossen Nachbarn. Und auf welche Werte gegründet wollen Sie als Deutsche eine "erbauliche Ermahnungsrede" an die Eidgenossen richten, die ihren Bund "im Namen Gottes des Allmächtigen" geschlossen haben nicht zuletzt gegen Einmischung von Aussenstehenden?
Loyalität, die sich einer Sache verpflichtet fühlt - noch so ein Aspekt, der dann hier zum Tragen kommen kann und ein weiteres Synonym, oder eine Ausgestaltung von Loyalität seinen Prinzipien gegenüber, zu Tage fördert: Zivilcourage, weil der Verrat der eigenen Überzeugung manchmal schon mit Schweigen beginnt.
@Thinkabout: sollte nicht vielmehr das Gewissen bereits beratend zur Seite stehen, bevor ein loyales Verhätlnis gegenüber einer Sache, einer Person eingegangen wird? Oder ist Loyalität nicht vielmehr nur eine bequeme Gewohnheit, ein stillschweigendes Weitertreten, jenseits moralischer Fragen - bis denn irgendwann gewisse Entwicklungen an die Grenzen dieser Moral stossen und mein Gewissen aufmupft?
Dein Fragen, @Batja, ist ja so freundlich, die Antwort gleich mit zu liefern.
Übrigens ist , so fährt es mir gerade durch die Glieder, auch die Loyalität so eine an sich positive Fähigkeit, die in der Gruppe, die zur Masse wird, allzu leicht pervertiert...
Gewiss "Gott" ist ein altes Wort, man kann es auch durch "Gerechtigkeit" ersetzen.
@flashfrog
Wenn dies hier ja eine "Republik des Geistes" sein soll, wie "uertner" mal sagte und was Sie ja inspirierte: wem soll dann die Loyalität gelten? Es muss doch ein "etwas" sein, denn die "Loyalität zur Toleranz" scheint mir ein Weg in den Untergang.
@thinkabout: Loyalität ist in der Tat eine durchwegs positive Eigenschaft.
Wie sieht es dann mit der Pervertion des Begriffes aus, wenn sich ein Killer loyal seiner Mafia-Familie gegenüber verhält?
--> Wertschätzung?
--> Respekt?
Besten Dank für den gelungenen Artikel und die guten Kommentare.
Mir fehlt im Beruflichen wie auch Privaten teilsweise die Wertschätzung oder der Respekt.
Ich bin gewilligt meinen Einsatz zu geben. Ich möchte dafür keine Auszeichnung oder tiefe Dankbarkeit.
Jedoch sehne ich mich oft nach einem schlichten: "DANKE" oder "Das hast du gut gemacht"
danach habe ich jeweils dreimal soviel Energie.
Toleranz und gegenseitiger Respekt sind gute Grundlagen für eine Republik des Geistes, in der man nicht das eigene Weltbild für das einzig Wahre hält und alle anderen für verblendete Idioten.
Helmut Schmidt, der ehemalige deutsche Bundeskanzler und ein sehr kluger Mann (immer noch!), hat in seiner Weltethos-Rede, die er auf Einladung von Hans Küng letztes Jahr in Tübingen hielt, viele interessante Dinge zum Thema Verantwortung, Gewissen und ethische Werte in einer globalisierten Welt gesagt. Die Rede ist lang, lohnt sich aber zu lesen. Sie gehört zu dem Klügsten, was ich je über das Thema gehört habe:
http://www.weltethos.org/00--home/helmut -schmidt-rede.htm
Nun zu unserem Problem: Hans Küng ist ein wackerer Eidgenoss, ohne den Geist der "uerte" wäre sein "Weltethos" nicht denkbar. Das Denken Küngs wurzelt also in einer "community", die ihren Bürgern sogar die Waffe ins Haus gibt, der Eidgenossenschaft, und Helmut Schmidt, den ich auch sehr bewundere, nun Helmut Schmidt lernte seine Lektionen fürs Leben als junger Leutnant auf dem Russland-Feldzug. Seine Frage an neueintretende Journalisten in der "Zeit" war stets: "haben sie gedient?". Darum: sehr einverstanden mit dem Eidgenossen Küng, sehr einverstanden mit dem Veteran des Russland-Feldzugs Helmut Schmidt: nur die beiden sind doch nun schon kurz vor der Himmelstür: wo sehen Sie Nachwuchs? Ich sehe keinen.
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