20/03/2008 09:55
Inhalt war gestern: Die Contentlieferanten
Dieses Wort hat es in sich. Wer den Begriff Contentlieferanten verwendet, degradiert Autoren nicht selten zu bloßen Erfüllungsgehilfen seiner Anzeigenabteilung.
Content? (Bild Keystone)
Irgendwann ... »
Content? (Bild Keystone)
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Diskussion
Sollen wir Lohnforderungen stellen? :-))))
Frage nach Lohnforderung dennoch ganz gut, wenn auch abprallend: Die Redaktoren haben hier eine nicht so kleine Glaubwürdigkeit, weil sie mehr Herzblut ins Projekt stecken als ihnen Geld dafür gezahlt würde...
@ thinkabout: "Die Redaktoren haben hier eine nicht so kleine Glaubwürdigkeit, weil sie mehr Herzblut ins Projekt stecken als ihnen Geld dafür gezahlt würde..."
Das kann ich mir durchaus vorstellen. Darum geht es auch nicht.
Es ist interessant, dass gerade Blogger sich bei der "Citizen Journalism"-Debatte oft auf die rein monetären Aspekte der Diskussion konzentrieren - ist doch Bloggen eine der denkbar unökonomischsten Tätigkeiten im Netz. Mir scheint manchmal, als würden sie annehmen, die Verlage hätten im Geheimen einen Masterplan entwickelt, wie sie mit Citizen Journalism ganz schnell reich werden. Falls jemand diesem Masterplan kennt, soll er ihn mir bitte faxen. In der Zwischenzeit muss jeder für sich selbst entscheiden, welchen Deal er eingeht. Da schliesse ich mich, der hier am Karfreitag kommentiert, mit ein.
was ich sagen wollte: du hast recht, das latente gerede vom geldverdienen mit blogs ist ein jammer. die wenigsten haben ein konzept oder gar aussicht auf genügend leser. die meisten klatschen einfach google ads ins blog, mehr oder weniger penetrant. oder machen bei trigami mit für ein paar franken. und sie schrauben an der seo und hocken in 17 social networks. und sonst? inhalte?
es ist doch so: die meisten blogger (90%?) hatten noch vor wenigen jahren oder monaten null ahnung von der herstellung von content zwecks publikation. geschweige denn von den mechanismen der contentindustrie (journalisten, verlage, werber, autoren, pr-leute etc.).
jetzt kommen da plötzlich einfachst gestrickte publikationstools, die (fast) jeder bedienen kann. klar, dass da viele einfach mal loslassen und das ist auch gut so.
die blogger scheinen aber das gleiche problem zu haben wie die verleger: sie wissen nicht, wie sie mit den neuen distributionstools (für content) umgehen sollen und wie sie das ganze monetarisieren können.
Ich hoffe: das Internet steckt relativ zu anderen ökonomisch erschlossenen Bereichen noch in der Phase der Landnahme, ähnlich zur Eroberung des Wilden Westens der USA. Auch wenn sich hier mancher schon als Veteran sieht: verglichen mit, sagen wir der Medienindustrie, aber auch der Autoindustrie, der Pharmabranche, dem Bankwesen steckt die ökonomische Erschliessung des Internet noch in Babysöckchen. Keine irgendwie angenommene Beschleunigung der Entwicklung durch Technologie kann das wegbedingen, der Mensch ist hier der limitierende Faktor und der bleibt sich selbst treu. Längerfristig werden sich bekannte Mechanismen durchsetzen. Da das Internet vieles mit einem Medium gemein hat wohl das Gesetz, dass das Geld dorthin geht, wo die Aufmerksamkeit (der gewünschten Zielgruppe, Community) ist. Vermutlich, Google macht das jetzt schon offensichtlich, wird sich eine eigentliche Aufmerksamkeitsökonomie etablieren: es wird Aufmerksamkeitsbroker, Gatekeeper, geben, Aufmerksamkeits-Erzeuger, Aufmerksamkeitsdiebe, Aufmerksamkeits-Wegelagerer, organisierte Aufmerksamkeitskriminalität. Das Land, das jetzt genommen werden kann, ist die echte Internet-Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit, die nicht durch eine externe Referenz gestützt werden muss. Blogger gehören zu den ersten Siedlern, Aggregatoren wie FACTS zu den ersten Gatekeepern. Google ist uns allen eine Nasenlänge voraus, als der im Moment fast gottähnliche Gatekeeper, Aufmerksamkeits- und Geldmagnet, Almosengeber. Vieles wird sich da noch ändern, mancher wird von der Aufmerksamkeit, die er generiert oder vermittelt dereinst leben können, mancher nicht und es wird auch viele geben, die schlicht keine Aufmerksamkeit generieren können.
Sagt das jetzt nicht meinem Chef, wenn ich ihn wäre, würde ich in kürzeren Zyklen denken.
@ christoph: kluge analyse. vor allem der begriff "organisierte aufmerksamkeitskriminalität" hats mir angetan.
Zum Zweiten bemühe ich mich als gelernte Germanistin ín meinen Rückmeldungen zu den Artikeln und Kommentaren gelegentlich ein bisschen um Textkritik. Damit Journalismus nicht zum Meinungsmarketing verkommt.
Wie man es anstellt, hier selber einen Artikel zu posten, hab ich noch nicht ganz raus ...
Die Vielfalt der Medien und der Meinungen (ja, auch der kontroversen), die hier gelesen, geschrieben und diskutiert werden, ist für mich der größte Pluspunkt bei Facts.
Und was ihr mit uns macht? Das müsstest wohl du uns erzählen. :-)
Im Gegenzug zu den "Facts" die ich daraus ziehen kann für meine eigenen Projekte beteilige ich mich mit Inputs.
Ist ein schönes Studienobjekt.
Wo mich Simon Chen gepackt hat: Suchtverhalten. Wie und wo setze ich mein Schreiben ein (auf Bestellung / ungefragt / nonstop / gezielt / (zu) breit gestreut ...), wie halte ich meine Internetsucht im Zaum.
"Medienlese" hat ein paar grundsätzliche Fragen für mich aufgeworfen. Ich stelle die für mich wichtigste in den Raum und muss dazu ausholen: Wir Autorinnen und Autoren arbeiten daran, für unsere Dienste bezahlt zu werden. Das gilt vor allem für Lesungen, wo wir uns dafür einsetzen, angemessen entlöhnt zu werden. Wenn ich diesen Gedanken ins Netz hinein weiterdenke, stolpere ich schnell einmal über ähnliche Fragen. Es ist eine Sache, wenn ich als Autorin meine zwei Blogs fülle und mich darin mitteile (was ich übrigens auf werbefreien Blogs und für ein recht kleines Publikum tue, ohne mich für die Anzahl Blogbesucher zu interessieren). Es ist eine andere Sache, dies auf einer kommerziellen Plattform zu tun. Für mich stellt sich also die Frage: Zurück zu meinen beiden Blogs und zum lustvollen Kommentieren in anderen, nicht kommerziellen Blogs?
Was Ihr mit uns macht? Da schliesse ich mich flashfrog an. Das müsst Ihr uns erzählen.
Und nun meine Antwort auf die Frage, was wir mit euch hier machen: wir haben die kühne Absicht, mit euch allen zusammen das ultimative Web 2.0-Medium aufzubauen (falls das unschweizerisch unbescheiden klingen sollte, bitte ich im voraus um Enschuldigung). Daher herzlichen Dank für eure treue Teilnahme.
Ich sage es hier ganz provokativ und unfair: Im Grunde genommen, habt ihr von uns wilden Bloggern eine Heidenangst, weil ihr uns nicht immer in eure Schuhschachteln packen könnt: Die meisten von uns sind weder krankhafte Selbstdarsteller noch Prediger neuer Philosophien und/oder neuer Religionen. Und auf eurer Seite ist eben die Beziehung Werbung – Journalismus keine Symbiose, wie man dies gerne hätte. Mir fallen zum Begriff Werbung relativ rasch andere Begriffe wie Prostitution und Frustration ein (und hoffe, dass ich da falsch liege), aber ich kann mir schon etwa ausmalen, wie das sein muss, wenn eine berühmte Werbeträgerin für Waschmaschinen das Waschpulver mit einem andern weissen Pulver verwechselt und man nicht darüber schreiben darf....
Was heisst denn hier: nicht darüber schreiben dürfen? Der Fall Hingis war in allen Zeitungen der Schweiz, in den meisten nicht als kleine Randnotiz. Eine Suche nach "Martina Hingis" und "Kokain" liefert in der Schweizer Mediendatenbank 1570 Treffer.
Ansonsten geht es mir wie Evelina. Ich verstehe nicht, was dein Punkt ist.
Bitte kommt mir jetzt nicht mit „Ausgewogenheit“ und „Freiheit der Kolumnisten“, das glaubt ihr ja selbst nicht mehr. Und wenn in einem Wochenmagazin das aufmüpfigste und provokativste noch die Verwendung von „four letter words“ in der deutschen Sprache sind, dann erweist sich der Begriff Schwanzlutscher(in) als Bumerang, der mehr als nur ein junge Journalistin umhaut. In diesem Kontext sehe ich die Freiheit des Bloggers, der sich ebenfalls einen Dreck drum kümmern muss, was später im Blog draus wird...
In den ex-sozialistischen Ländern nannte man die Zeitungen "Parteiorgane", weil sie die Reden der Politbüro-Mitglieder (oft ohne Kürzungen) 1:1 abgedruckt haben. Eine solche Tageszeitung bestand bestenfalls aus 6 Seiten, Werbung gab es natürlich keine, denn so was existierte auch sonst nicht. Auf der letzten Seite blieben 1/5 frei für Sport und die Wetterprognose, auch für das Fernsehprogramm (bestehend aus 2 Kanälen). Es gab endlose Reihen von Themen, die Tabu waren (z.B. die Romas oder soziale Ungleicheit.) Diese wurden nirgends aufgelistet und dennoch wusste man als Journalist ganz genau, dass dies oder jenes nicht zugelassen gewesen wäre.
Die Medien in den westlichen Gesellschaften als Diener höherer Interessen mit einem Schlag abzutun ist viel zu einfach. Und die Blogger als die gute Seite des Ganzen hochzustilisieren bringt nichts, denn da vergleicht mal nicht Früchte mit Früchten, sondern bestenfalls Schmetterlinge mit Vögeln. Abhängigkeiten gab es und wird es immer geben, simple Verallgemeinerungen bringen uns aber nicht weiter. Sobald man Dir für einen Artikel ein Honorar zahlt, schreibst Du anders als in Deinem Blog, aber warum muss das erste zwingend unfrei sein? Wirtschaftsfaktoren hin oder her, Selbstzensur ist mehr ein unbewusster Prozess und als solcher nicht ausschliesslich durch ausbleibende Werbeeinnahmen oder fristlose Entlassungen steuerbar.
Ich finde deine Sicht auf die Blogger reichlich verklärt, genauso wie deine Sicht auf professionelle Journalisten und Medien viel zu verallgemeinernd ist, als dass sie noch eine substanzielle Aussage machen könnte (das hat Evelina schon erklärt).
Es gibt auf beiden Seiten, Journalisten wie Bloggern unzählige verschiedene Typen und schon gar nicht gibt es DIE Journalisten und DIE Blogger (ich beispielsweise bin beides und fühle mich nicht gespalten in meiner Persönlichkeit).
Ich sehe immer wieder von Blogs eine geradezu stossend naive Haltung gegenüber PR und Werbung, die keineswegs dem entspricht, was du Bloggern an Ehrenhaftigkeit zusprichst. Die Nicht-Professionalität hat eben zwei Seiten: Einerseits ist man niemandem ausser sich selbst verpflichtet oder hat jedenfalls dieses Gefühl der Unabhängigkeit, andererseits ist man mit gewissen Mechanismen, wie beispielsweise das Wechselspiel von PR, Werbung und Journalismus, nicht vertraut.
Letzlich ist auch klar, dass ein Blogger, der keine Kosten hat, kein Massenpublikum und damit keine Anspruchsgruppen hat und keine Miete mit seiner Arbeit bezahlen muss, sich anders verhalten kann als ein Medienhaus, das als AG an der Börse ist. Das an sich ist aber noch kein Erkenntnisgewinn und begründet keine höhere Integrität der einen Seite.
Der Respekt gegenüber der Wirkung des geschriebenen Wortes - und parallel dazu zum geistigen Eigentum, das darin liegt: DAS reicht schon fast als Kriterium, um das eigene Schreiben und damit auch dieses Portal weiter zu entwickeln.
Habe Eure Kommentare seit Gründonnerstag mit Interesse gelesen und verfolgt. Erstaunlich, wie krass bzgl. CONTENT zwischen Herzblut-Journalisten und den typischen Bloggern unterschieden wird.
Als wirkliche (auch mit Herz + Blut) Journalistin muß ich zuweilen schmunzeln, da ich (auch) seit 2005 blogge. Bin der Überzeugung, dass sich je länger je mehr, Blogs etablieren werden, die wir alle schätzen werden.
Zu Facts 2.0 möchte ich gerne anmerken, dass mir nicht nur auffällt, dass man dort (wie es Thinkabout ausdrückt) "Sorgfalt, sprich Aufmerksamkeit gegenüber dem geschriebenen Wort" entgegenbringt.
Was ich ebenso wichtig finde, ist die Tatsache, dass sich die beteiligten Kommentarverfasser bei Facts 2.0 mit großem Respekt begegnen! Erinnere mich beispielsweise auch gerne daran zurück, wie freundlich ich hier begrüßt und aufgenommen wurde - das wollte ich einfach einmal loswerden. Großen Dank an die Redaktion! Schließen möchte ich hier passend mit Friedrich Dürrenmatts Worten:
«Die Arbeit an der Sprache ist Arbeit am Gedanken».
Man kann dieses Zitat zwar permanent in der NZZ lesen, doch sollten gerade wir Medienschaffende dies stets auf Händen tragen.
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