21/03/2008 09:57
Papst Benedikt XVI lässt eine alte Karfreitagsfürbitte zu, die zur Bekehrung der Juden auffordert. Warum nimmt er ein politisches Desaster in Kauf?
VON PHILIPP GESSLER
VON PHILIPP GESSLER







Diskussion
Nichts neues?
Ich denke durchaus auch, dass die katholische Kirche in den letzten Jahrzehnten ihr Profil verloren hat, ihre Glaubwürdigkeit: indem sie dem Mainstream nachgab, sich öffnete, Liberalismus zuliess, verlor sie tausende Mitglieder.
Was Anderes als ein Machtinstrument ist der Vatikan? Eine Instrumentalisierung eines Glaubens, in welchem es schon längst nicht mehr um den Glaubensinhalt an sich geht, sondern darum, den Mitgliedern religiöse Strukturen zu bieten, in welchen sie sich geborgen fühlen, eine soziale Heimat finden.
Was der jetztige Papst versucht, ist, durch ein Wiederaufnehmen von starren Formen aus der "guten alten Zeit" eine Strenge an den Tag zu legen, den starken Mann zu symbolisieren. Glaubhaft wirken zu wollen.
Ja, er geht dabei weltfremd und Scheuklappenbewehrt vor. Aber ist das nicht der Job, der genau das von ihm erwartet?
Das Papstum hat für mich Nichts mit dem christlichen Glauben zu tun, der individuell in jedem Herzen wohnt und den ich lieber mit einer Art Spiritualiät vergleichen möchte.
Nein, ich bin nicht (mehr) katholisch, ich bin vor über 20 Jahren ausgetreten, weil ich für meinen Glauben keine Institution brauchte, keine Mittler zwischen meinem Gott und mir.
Ich meine, eine etwas differenziertere Kritik hätte der Theologe Ratzinger verdient. Das hier riecht mir doch etwas stark nach Boulevard.
Mit Tibet ist die ganze religiöse Welt in Aufruhr, - und er provoziert eine weitere Glaubenskrise.
Provokation pur, was Ratzinger damit erreichen will ist mir schleierhaft.
Man bedenke, dass die Karfreitagsfürbitte in dieser Form irgenwo "ausgegraben" worden ist. - Für mich völlig unnötig.
Die ganze Welt der Katholiken wird spätestens beim heutigen Ostersegen wieder alles vergessen haben, und irgendwie auch ein wenig stolz auf ihren Papa sein.
Ich bin nicht katholisch, und an Tagen wie heute, auch froh darüber!
Lesetipp: Bibel, 1. Korintherbrief 1,18-31
An Ostern feiern wir übrigens die Auferstehung von Jesus. Alles andere also als die Zelebrierung des Todes. Es ist die Feier des Lebens schlechthin, des versöhnten und ewigen Lebens in Gemeinschaft mit Gott.
zum eigentlichen thema: es ist zu vermuten, dass buddhisten gerade durch ihr konsequentes nicht-missionieren erheblich mehr zum friedlichen zusammenleben beigetragen haben, als all die monotheistischen religionen.
Lesetipp: x-beliebige geschichtsbücher
Der "Erfolg" der Buddhisten wird sich nun im Tibet weisen.
da bin ich auf ihre weiteren erläuterungen angewiesen.
möglicherweise fokusieren wir nicht dasselbe. (?)
Mich erstaunt immer wieder die Schnoddrigkeit mit der sich "Atheisten" über Gläubige lustig machen. Vorallem erstaunt es mich, wie man einen studierten Theologen mit dem Hinweis auf "x-beliebige Geschichtsbücher" glaubt beeindrucken zu können.
Ein paar Fakten: "Gläubige" haben im Schnitt mehr Kinder, im Kanton Baselstadt ist der Islam mittlerweile die grösste Glaubensgemeinschaft an der Primarschule. Es ist also zu befürchten, dass in ihrem Alter irgendwelche "dumme Gläubige" ihnen per Spitex die Mahlzeiten nach Hause bringen werden, sie werden die Steuern zahlen um ihr Altersheim zu finanzieren, ihre AHV etc. Ich weiss nicht ob es – ganz abgesehen von irgendwelcher Metaphysik – einer höheren Lebensklugheit entspricht sich über Menschen lustig zu machen, die sich in der "Feindesliebe" üben wollen.
Gerade was die Geschichtsbücher betrifft könnte ich ihnen als Historiker einiges erzählen. Fakt ist, dass das Judentum sich als zäheste Glaubensgemeinschaft erwiesen hat, gerade weil das Judentum die Geschichte "erfunden" hat. Wenn sie geschichtlich argumentieren beziehen Sie sich sogleich auf ein theologisches Modell.
Im übrigen frage ich mich: sitzen Sie nicht zu sehr "auf dem Thron der Spötter"?
Wie heisst es doch im ersten Psalm:
Wohl dem Mann,
der nicht folgt dem Rat der Frevler,
der nicht beschritt den Weg der Sünder,
nicht sitzt im Kreis der Spötter,
sondern sich freut an des HERRN Weisung;
bei Tag und bei Nacht nachsinnt über Seine Weisung.
Er ist wie ein Baum, an Wassergräben gepflanzt,
der zur rechten Zeit seine Frucht bringt,
und dessen Blätter nicht welken.
(Übertragung nach Martin Buber)
ohne mich zu einem dummen rundumschlag hinreissen zu lassen, ist es mir nun wirklich nicht möglich sofort alle ihre angesprochenen aspekte zu kommentieren. ich hoffe sie verstehen das.
es wird noch genügend gelegenheiten geben, aus aktuellem anlass auf das eine oder andere thema einzugehen.
ich bleibe gespannt darauf, was genau sie bezüglich des vorliegenden themas, mit ihrem nachstehend nochmals zitierten satz sagen wollten: "Der 'Erfolg' der Buddhisten wird sich nun
im Tibet weisen."
Ganz kurz: Gewaltlosigkeit hat sich in der Geschichte der Menschheit oft dann bewährt, wenn der Angreifer einer christlichen Konfession angehörte. Mahathma Gandhi hatte den Engländern gegenüber Erfolg damit. Die Juden hatten den Nazis gegenüber keinen Erfolg damit. Und ich zweifle daran, dass sich die Chinesen durch "Gewaltlosigkeit" stoppen lassen werden.
der in ihrem letzten satz geäusserten befürchtung muss ich mich leider voll und ganz anschliessen. allerding ersetzen sie mein "nicht-missionieren" mit "gewaltlosigkeit."
in gewisser hinsicht besteht tatsächlich ein zusammenhang: mission wird oft als einmischung, resp. als unlauterer beeinflussungsversuch und damit als provokation empfunden.
unnötig zu sagen, dass ich entsprechendes einfühlungsvermögen von einem papst erwarten würde.
buddistische lehrer entsprechen dieser erwartung, sofern sie nicht gerade einer entarteten sekte angehören.
im übrigen haben "Onegin" und "Mara" nach meinem empfinden zum ursprünglichen thema die treffendsten kommentare abgegeben.
ob sich gewaltlosigkeit gegenüber einem angreifer der einer christlichen konfession angehört bewährt, wage ich zu bezweifeln:
1. warum greifen die mit ihrem vorgegebenen religiösen hintergrund überhaupt an?
2. wie sie selbst erwähnen, hatten die juden gegenüber dem christlichen deutschland keinen
erfolg. details darüber wie sich die täter und der vatikan gegenseitig arangierten dürften ihnen
besser bekann sein als mir.
3. ob die bekanntlich sehr christlichen yankees das interesse an ölfeldern verlieren würden, wenn
die dortige bevökerung gewaltlosigkeit pflegte .... ???
4. hätten die überfallenen völker durch gewaltlosigkeit die christlichen kreuzzüge verhindern
können ..... ???
Es ist nicht die Frage, wie Aggression verhindert werden kann - sondern, wie man ihr "am besten" begegnet. Es wird immer Nachbarn geben, die nicht wollen, dass Sie in Frieden leben. Wie Sie dem begegnen wollen, ist so etwas wie die letzte Entscheidung, die Sie treffen können. Gewaltlosigkeit bedeutete dann einen Apell an einen scheinbar verschütteten Kern von Respekt für das Menschliche beim Gegner und den Willen, selbst Mensch bleiben zu wollen. Ob Sie Erfolg haben, wird dann woh daran liegen, wie reif der Baum der verstockten Güte / Einsicht schon ist, an dem Sie rütteln - mit welchen Mitteln auch immer. Nachbarstreitigkeiten ziehen sich allerdings in aller Regel sehr lange hin... So oder so. Da die finale Zerstörung allerdings vorläufig in keiner Seite Interesse liegt, kann am Ende nur ein Frieden ein Ende bringen.
da bin ich völlig mit ihnen einverstanden.
doch nochmals, zur erinnerung, der satz aus dem untertitel: "Warum nimmt er (der Papst) ein politisches Desaster in Kauf"?
meine psychologischen kenntnisse reichen leider nicht aus, um zu ergründen warum sich die meisten kommentare um dieses kernthema herumquälen.
Vielleicht nimmt Ratzinger das politische Desaster in Kauf, weil es zu seinem Rollenverständnis von Anfang an gehört haben dürfte, dass er wieder ein Kirchen- und kein politischer Führer sein will. Ratzinger ist gelehrter Theologe, und ich bin sehr sicher, dass - wenn er einer Aussage bei sich selbst die theologisch-religiöse Richtigkeit zugebilligt hat, er die auch öffentlich macht. Abgrenzung und Kontur schaffen für Gläubige, nicht für politische Völker, versteht er als Aufgabe.
..... durch was unterscheidet er sich dann noch von den in unserem "kulturkreis" ständig in der kritik stehenden islamischen religionsführern?
schade, dass sich die diversen religionen nicht in erster linie dem stiften von frieden verpflichtet fühlen!
wenn ich in der aktuellen situation den dalai lama als leuchtende ausnahme erwähne, nehme ich den spott bewusst in kauf. erfolg in unserem sinn hat er im moment wirklich nicht.
an meiner grossen hochachtung ändert das aber gar nichts!
"durch was unterscheidet er sich dann noch von den in unserem "kulturkreis" ständig in der kritik stehenden islamischen religionsführern?"
Ich denke durch wenig bis nichts. Sowohl ein Islamischer als auch ein christlicher als auch ein jüdischer Religionsführer hält seinen Gott für den richtigen. Die ersten beiden sind auch aktiv dazu aufgefordert von ihrer Religion, dieses Gut (den Glauben an ihren einzigen Gott) unter die Menschen zu verbreiten. In einer etwas anderen Situation ist der jüdische Rabbi, weil man Jude nur durch Geburt von einer jüdischen Mutter werden kann (man korregiere mich, wenn ich irre). Insofern ist Ratzinger nur logisch: wenn die Frohbotschaft für alle Menschen bestimmt ist, wäre es eine Diskriminierung der Juden, sie davon ausschliessen zu wollen. Dies ist auf der ebene der nackten "Glaubenslogik", eine andere Frage ist es, wie die historische katholische Kirche mit ihrem durchaus nicht unproblematischen Erbe was die Zeit der Judenvernichtung angeht umgeht: hier scheinen mir kritische Worte durchaus am Platz.
trauriges fazit: religionsführer fühlen sich in erster linie einer obskuren "glaubenslogik" verpflichtet. von frieden kann man ja dann immer noch ein bischen plaudern.
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so ihr guten, bis zu meinem nächsten aufenthalt in der ch.
morgen verreise ich bereits wieder richtung andamansee, wo meine crew und ich, windgetrieben, zufrieden mit "gott und der welt" ;-) durch's warme wasser gleiten werden.
merci pour le bataille!
Erfolg, dies zu Ihrem Support, crossfire, wird der Dalai Lama wahrscheinlich ganz anders definieren, als wir es verstehen, und würde er uns diesen Einblick gewähren, so würde hier wohl einen Moment Stille im Karton herrschen.
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