29/03/2008 12:39
Zur Lage der Nation: Wir haben die falschen Vorbilder
70 Tage vor dem Eröffnungsspiel der Fussball-EM 2008.
Wir haben ein Identitätsproblem. Nun müssen wir uns ganz öffentlich mit den Deutschen vergleichen, mit denen wir sonst nie verglichen werden wollen. Deutsche Niederlagen haben uns immer froh gestimmt – ausgerechnet eine solche soll uns jetzt Mut machen, nachdem die Teutonen uns gerade ganz aktuell in den Boden gestampft haben. Auch Deutschland ging vor zwei Jahren in Italien 1-4 unter und spielte danach eine grosse WM.
Dabei ist unser Umgang mit Niederlagen ganz anders, was wir schon damit beweisen, dass Köbi Kuhn nur für die eifrig aufgeputschten Blickleser und andere Trittbrettfahrer wirklich zum Problem geworden ist, trotz vier Niederlagen in Folge und einer - als besondere Knacknuss - auch noch sinkenden Formkurve.
Wir schienen die Verlautbarungen von Trainer und Spielern verinnerlicht zu haben und wollten fröhlich Europameister werden, obwohl das 15 andere auch wollen, wie Köbi nun listig nachschiebt. Noch kann man ein Stadion mit Menschen füllen, die verträumt von Toren per Fallrückzieher aus 16m träumen, während uns der Gegner zum dritten Mal enteilt ist und Benaglio noch die Hand schütteln kann, bevor er einschiebt.
Es ist höchste Zeit für unsere neue Selbstfindung.
Wir sind keine Brasilianer, noch nicht mal deutschsprachige Brasilianer und auch nicht Schweizer Dialekt sprechende Deutsche. Aufwachen! Das Wesen von uns Schweizern ist doch der Geist von Winkelried, die Schlacht bei Marignano und damit ein Spielverhalten, mit dem schon die Griechen vor vier Jahren Europameister geworden sind: hinten schmucklos wie Beton, aber genau so hart, das Spielsystem durch Handwerker zementiert und verinnerlicht, für die eigene Mannschaft einfach zu spielen, für den Gegner aber schwer zu knacken. Und vorne hilft der liebe Gott oder allenfalls der Schiedsrichter oder vielleicht Alex Frei. EIN solcher Moment pro Spiel könnte dann genügen.
Oder wollen wir das tatsächlich nicht? Wollen wir den Fussballzauber und machen wir Stimmung wie Alpenbrasilianer, die auch dann noch jubeln, wenn wir 0:3 hinten liegen, nur weil Gelson Fernandes ein Absatztrick am eigenen Sechzehner gelungen ist? Sind wir tatsächlich so herrlich aufs Spiel versessen und unbeschwert, dass wir uns die Party durch nichts verderben lassen? Und was ist allenfalls der Grund? Hassen wir unsere Urangst vor den früheren ehrenvollen Niederlagen, dass wir lieber freiwillig solche wählen, die schön anzusehen sind?
Dieses grauenhafte WM-Achtelfinale 2006 gegen die Ukraine steckt uns noch immer in den Knochen. Es war schon ohne Elfmeterschiessen eine Zumutung und bescherte den Zuschauern die längsten 120 Minuten, die je dem Publikum an einer WM zugemutet wurden. Obwohl auf dem Resultatblatt einer der grössten Erfolge des Schweizer Fussballs, wollen wir genau das ganz sicher nicht nochmals haben.
Also müssen wir uns entscheiden. Jetzt. Für die bedingungslose Fête vor, während und nach dem Spiel, egal was passiert, welches Wetter herrscht etc. Fatalisten würden angesichts unserer Chancen zu Zynikern werden. Doch mit denen will keiner ein Fest feiern. Wir sind gefordert. Denn eines ist klar: Wir können uns nicht darauf verlassen, dass der Funke von der Mannschaft auf uns überspringt. Die Jungs haben genug mit sich selbst zu tun. WIR müssen den Funken auf den Platz tragen. Egal wie. Dann kann immer und jederzeit ein Feuerwerk ausgelöst werden. (Thinkabout)
Thinkabout wird sich bis zum Start der EM in unregelmässigen Abständen immer mal wieder "zur Lage der Nation" äussern - was böte sich dazu mehr an als die "wichtigste Nebensache der Welt?"
Wir haben ein Identitätsproblem. Nun müssen wir uns ganz öffentlich mit den Deutschen vergleichen, mit denen wir sonst nie verglichen werden wollen. Deutsche Niederlagen haben uns immer froh gestimmt – ausgerechnet eine solche soll uns jetzt Mut machen, nachdem die Teutonen uns gerade ganz aktuell in den Boden gestampft haben. Auch Deutschland ging vor zwei Jahren in Italien 1-4 unter und spielte danach eine grosse WM.
Dabei ist unser Umgang mit Niederlagen ganz anders, was wir schon damit beweisen, dass Köbi Kuhn nur für die eifrig aufgeputschten Blickleser und andere Trittbrettfahrer wirklich zum Problem geworden ist, trotz vier Niederlagen in Folge und einer - als besondere Knacknuss - auch noch sinkenden Formkurve.
Wir schienen die Verlautbarungen von Trainer und Spielern verinnerlicht zu haben und wollten fröhlich Europameister werden, obwohl das 15 andere auch wollen, wie Köbi nun listig nachschiebt. Noch kann man ein Stadion mit Menschen füllen, die verträumt von Toren per Fallrückzieher aus 16m träumen, während uns der Gegner zum dritten Mal enteilt ist und Benaglio noch die Hand schütteln kann, bevor er einschiebt.
Es ist höchste Zeit für unsere neue Selbstfindung.
Wir sind keine Brasilianer, noch nicht mal deutschsprachige Brasilianer und auch nicht Schweizer Dialekt sprechende Deutsche. Aufwachen! Das Wesen von uns Schweizern ist doch der Geist von Winkelried, die Schlacht bei Marignano und damit ein Spielverhalten, mit dem schon die Griechen vor vier Jahren Europameister geworden sind: hinten schmucklos wie Beton, aber genau so hart, das Spielsystem durch Handwerker zementiert und verinnerlicht, für die eigene Mannschaft einfach zu spielen, für den Gegner aber schwer zu knacken. Und vorne hilft der liebe Gott oder allenfalls der Schiedsrichter oder vielleicht Alex Frei. EIN solcher Moment pro Spiel könnte dann genügen.
Oder wollen wir das tatsächlich nicht? Wollen wir den Fussballzauber und machen wir Stimmung wie Alpenbrasilianer, die auch dann noch jubeln, wenn wir 0:3 hinten liegen, nur weil Gelson Fernandes ein Absatztrick am eigenen Sechzehner gelungen ist? Sind wir tatsächlich so herrlich aufs Spiel versessen und unbeschwert, dass wir uns die Party durch nichts verderben lassen? Und was ist allenfalls der Grund? Hassen wir unsere Urangst vor den früheren ehrenvollen Niederlagen, dass wir lieber freiwillig solche wählen, die schön anzusehen sind?
Dieses grauenhafte WM-Achtelfinale 2006 gegen die Ukraine steckt uns noch immer in den Knochen. Es war schon ohne Elfmeterschiessen eine Zumutung und bescherte den Zuschauern die längsten 120 Minuten, die je dem Publikum an einer WM zugemutet wurden. Obwohl auf dem Resultatblatt einer der grössten Erfolge des Schweizer Fussballs, wollen wir genau das ganz sicher nicht nochmals haben.
Also müssen wir uns entscheiden. Jetzt. Für die bedingungslose Fête vor, während und nach dem Spiel, egal was passiert, welches Wetter herrscht etc. Fatalisten würden angesichts unserer Chancen zu Zynikern werden. Doch mit denen will keiner ein Fest feiern. Wir sind gefordert. Denn eines ist klar: Wir können uns nicht darauf verlassen, dass der Funke von der Mannschaft auf uns überspringt. Die Jungs haben genug mit sich selbst zu tun. WIR müssen den Funken auf den Platz tragen. Egal wie. Dann kann immer und jederzeit ein Feuerwerk ausgelöst werden. (Thinkabout)
Thinkabout wird sich bis zum Start der EM in unregelmässigen Abständen immer mal wieder "zur Lage der Nation" äussern - was böte sich dazu mehr an als die "wichtigste Nebensache der Welt?"







Diskussion
Die heutige Generation wird schon mal gar im Ausland als "goldene Generation" bezeichnet (ZDF-Experte Klopp am Mittwoch, VOR dem Spiel). Nach Eigendiagnose verfügen wir über ein Team, das technisch gut ist, aber körperlich höchstens genügend. Quintessenz: Wir müssen spielerisch überzeugen.
Das ist neu - und am Mittwoch exemplarisch schief gegangen.
Die Griechen 2.0 - das gefällt mir. Müsste auf die Schweiz übertragen aber heissen: Eine Taktik, die optimale Organisation garantiert. Ein System, das durchgezogen wird, wie in allen Auswahlmannschaften sonst auch. Das 4-4-2, aber nicht im Rhombus. Einfach so, wie es schon gespielt wurde und wie es den Stärken z.B. von Barnetta entspricht - und der Notwendigkeit, Frei einen zweiten Stürmer zur Seite stellen zu können.
Das scheint mir die einzige Lösung!
Wir bringen die Emotionen und feuern die Schweizer Nati zum Sieg an.
Glücklich für uns ist, dass z.B. die Tschechen auch schon ein besseres Team gehabt haben.
Schlecht für uns, dass alle anderen Gruppenkonkurrenten wahre Kämpferteams sind.
Zur "goldenen Generation" zwei Punkte.
1. Die meisten, die im Ausland mit guten Leistungen auf sich aufmerksam machen, sind Defensivleute: Senderos, Eggimann, Djourou, Inler, Fernandes, Magnin, Lichtsteiner. Daraus müsste man also keinesfalls schliessen, dass wir als Ballzauberer in die Europameisterschaft steigen sollten.
2. Wirklich auszahlen wird sich dieser neue Trend zum frühen Wechsel ins Ausland erst in 4-6 Jahren. Dann nämlich haben diese allesamt doch sehr jungen Spieler sich tatsächlich im Ausland etabliert und mehrere Jahre auf höchsten Niveau Fussball gespielt. Gepaart mit den dann 19- und 20-jährigen Talenten dürfte das eine Mannschaft geben, die stärker ist als die jetzige.
@Grant
Kämpferteams? Ich würde meinen, dass man sowohl die Tschechen als auch die Portugiesen mit einer Spielweise nach griechischem Vorbild zur Verzweiflung treiben kann. Griechenland hat vor vier Jahren gegen Portugal zweimal, gegen Tschechien einmal gezeigt, dass es geht.
unser Konzept ist bereits von meiner Wenigkeit dargelegt worden
Und zwar hier
Sorry, ich weiss, Eigenwerbung stinkt, aber es darf nicht so geheim bleiben, dass nicht mal die davon erfahren, die mein Konzept umsetzen sollen
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