Den Begriff „Warteliste“ assoziierte ich bisher mit armen Ländern, wo man zum Teil auch auf grundlegende ärztliche Hilfe warten muss.

Nun fällt mir auf, dass es auch bei uns haufenweise Wartelisten gibt. Geht es mit uns also bergab? Im Gegenteil: Wir sind Teil einer verwöhnten Gesellschaft. Denn die Wartelisten, die ich meine, sind Lifestyle-Wartelisten. Und zwar nicht etwa Wartelisten für ein Essen im besten Restaurant oder eine Frisur beim besten Coiffeur, sondern für rudimentäre Familienangelegenheiten. Die Warteliste erwartet bereits die werdende Familie und bleibt zeitlebens ihr treuester Begleiter.

Um vom renommiertesten Frauenarzt und der besten Hebamme durch die Schwangerschaft begleitet zu werden, lässt man sich auf eine Warteliste setzen. Dasselbe gilt auch für die Reservation einer Wochenbettsuite in der besten Privatklinik, Kaiserschnitt inklusive. Es folgt die Warteliste für den besten Kinderarzt, Osteopathen und Cranio Sacral Therapeuten sowie für Babymassage, Babyschwimmen und PKIP-Kurs. Danach erfolgt der Eintrag auf die Wartelisten von Kinderkrippe, - garten und –hort und sicherheitshalber auch auf diejenige für sonderpädagogische Massnahmen. Ist das einmal geschafft, kann man relativ getrost in die Zukunft blicken, im Wissen, dass nun alles seinen geordneten und vor allem besten Lauf nehmen wird.

Naiven Menschen wie mir, die – wenn überhaupt - zuunterst auf den Wartelisten resultieren, bleibt nichts anderes übrig, als auch auf diesen Zug aufzuspringen, wollen sie nicht endgültig auf der Strecke bleiben.

So überlege ich mir, ob ich meine Buben bereits auf die Warteliste für den Fussballnachwuchs, die Gymi-Vorbereitungskurse und parallel dazu – sollte das Leben eine üble Wendung nehmen – für die RAV und die IV setzen lassen soll. Diejenige für eine Wohnung, einen Altersheim- und Friedhofplatz können sie ja dann selber ausfüllen.

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