05/04/2008 13:20
handmade homepages
Vorgestern abend saß ich nach alter Väter Sitte mit Mo von Ntropie und Basti von den Popnutten in einer Kneipe beisammen und ich warf den Satz "Die Kreativität ist raus aus dem Netz" in den Raum, ... »







Diskussion
Was die Form betrifft, stimmt diese Aussage ohne Zweifel: Die einzelnen Seiten einer Website und die Gesichter von Internet-Auftritten überhaupt sind durch die CMS "stromlinienförmiger" geworden. Das wirkt sich positiv auf "handgebastelte Scheusslichkeiten" und negativ auf die Kreativität aus. Aber dass Inhalte unkreativer geworden wären, weil sie in ein CMS gefüllt werden, kann ja wohl nicht sein. Da müssen wir schon andere Gründe suchen.
Ausserdem stimmt es auch nicht, dass CMS dermassen einschränken. Wordpress, wahrscheinlich eines der einfacheren CMS, bietet ausgesprochen viele Möglichkeiten, punkto Design Akzente zu setzen.
Das Argument mit den Inhalten ist wohl einfach noch so rangepappt, um die Aussage ein wenig globaler und gewichtiger zu machen. Ist aber definitiv grundfalsch.
Also mir machts inzwischen sogar Spass und .....
ich schliess mich David Bauer an
Als Leser findet man sich aufgrund der durch Zweckmäßigkeit bestimmten Konformität in fremden Blogs schnell zurecht. Für Kreativität und Individualität sehe ich dennoch genügend Raum und viele Beispiele.
Und wer seine Seite durchaus ganz per Hand erstellen will, dem bleibt das ja unbenommen. :-)
Zudem hat auch @luftlinie recht. Mit CSS lässt sich sovieles machen, losgelöst vom Inhalt.
In den Kommentaren auf meiner Seite wird die Diskussion ja auch schon geführt und ich hab mich ja dort auch schon ein bischen wieder zurück, wieder ins Fenster hinein - gelehnt. Deshalb meine Aktualisierte Meinung jetzt auch hier.
Also als Erstes:
@David Bauer, "Wenn ich Kunst sehen will, gehe ich ins Museum.": Ganz genau das war einmal anders: http://hyperfiction.ch/
Ich weiß, dass die Netzliteratur schon lange vor den großen CMSen gestorben ist und ich weiß, dass es auch gute Gründe für ihren Tod gab. Vermissen tue ich sie trotzdem. Und sie war v.a. mehr als nur sie selber. Ich kann für mich nicht beanspruchen, je Netzliteratur gemacht zu haben, aber die Art und Weise; der grundlegende Herangeehensweise ans Netz war bei den Netzliteraten und "uns" die gleiche.
Zweitens:
Also unbesehen, dass man mit Wordpress viel machen kann (und mit Drupal erst). Und geschenkt, dass man mit CSS und gutem HTML heute weit weit mächtigere Werkzeuge hat. Alleine hält das die meisten Leute nicht davon ab, uniforme Seite zu bauen und uniforme Text zu schreiben. Ich will nicht behaupten, dass es keine kreativen Designs mehr gibt. Und ich will auch nicht behaupten, dass es keine kreativen Texte mehr gibt. Aber ich für meinen Teil stoße einfach viel viel viel seltener auf solche Seiten. Und ich glaube, das liegt an einer gewissen Massenträgheit digitaler Systeme. Klar kann man mit Wordpress abgedrehte Sachen machen, aber WEIL es Blogsystem ist Bloggen die allermeisten damit.
Drittens:
Was auf Microebene (Homepages /Blogs) gilt, gilt eigentlich nochmehr für die Makro-Ebene, die Portal und Startup-Eben. Ich kann mich kaum erinnern, was die letzten Ideen im Netz waren, bei denen mir die Spucke weggeblieben ist. Das letzte war Dries Präsentation über Drupal 7 als Semantic Webanwendung.
http://video.google.com/videoplay?docid= 8487255297768440860
Das finde ich schon bezeichnend.
So und jetzt den großen Versöhnungabspann: Ich will auch nicht aussschließen, dass ich da von meiner Wahrnehmung auf's ganze Netz geschlossen habe: Als Blogger sehe ich ständig Blog und immer mehr Blogs. Als Drupal-Entwickler sehe ich ständig Drupal-Seiten und immer mehr Drupal-Seiten. Und als Online Blattmacher, sehe ich ständig online Zeitungen und immer mehr online Zeitungen. Da kommt einem das Netz mit unter schon recht uniform vor.
Die Diagnose ist m.E. einfach falsch gestellt. Sie stellen eine gewisse Uniformität von Designs und Inhalten fest und führen das (primär? einzig?) auf den verlorenen Zwang zum Code-Basteln zurück.
Nehmen wir mal an, CMS würden per sofort verboten. Was würde geschehen? Ein Grossteil der spannenden Seiten würden aus dem Netz verschwinden. Die Leute wären damit beschäftigt Codezeilen zu schreiben anstatt über Inhalte nachzudenken. Und viele würden mehr schlecht als recht irgendwelche HTML-Seiten basteln und in Netz stellen, die dann alle unterschiedlich wären - unterschiedlich schlecht.
Die Uniformität in der Gastaltung, die Sie feststellen und bedauern, hat wesentlich auch damit zu tun, dass Websites alle einem bestimmten Zweck dienen und im Idealfall so gestaltet sind, dass sie diesen Zweck erfüllen. Da liegt es doch nahe, dass Websites mit demselben oder ähnlichen Zweck (Medienwebsites, Autowebsites, Reisebürowebsites, etc.) ähnlich aufgebaut sind. Eben weil es nicht darum geht, die eigene Kreativität auszuleben, sondern dem Nutzer die Information so aufzubereiten, dass er findet, was er sucht (darum mein Hinweis, dass ich Kunst im Museum sehen will).
So gesehen würden die Websites auch ohne CMS sich angleichen, bloss dass Sie dann nur ein Bruchteil aller Leute bedienen und mit Inhalten füllen könnte. Stellen sie sich den Zeitungsredaktor vor, der kurz vor Redaktionsschluss mit html-codes kämpft anstatt nochmals ein Telefon zu machen um seinen Artikel zu verbessern.
Darum werde ich das Gefühl nicht los, dass Sie Ihren Text eben doch aus einem nostalgischen Ach-früher-war-alles-besser- Gefühl heraus geschrieben haben, auch wenn Sie das explizit verneinen.
Ich glaube auch hier tut es gut von Zeit zu Zeit über den Hag zu fressen und zu schauen was denn "im Museum" so läuft siehe: http://www.xcult.org/ oder http://www.iplugin.org/ueber-uns/mission / oder hier eine ganze Liste von Institutionen und Leute die was auf dem Kasten haben http://www.iplugin.org/ueber-uns/partner /
Dann mach ich wieder weiter als Dienstleisterin und hol das Beste raus, dass das uniforme auch noch ein kleines Augenzwinkern zulässt.
Und sie haben völlig recht: viele, viele Seiten sind schlicht und schlicht zweckmäßig und aus diesem Grunde uniform. Das Internet ist nicht mehr so ganz jener "anthill built by ants on LSD." http://www.useit.com/alertbox/20040913.h tml
Und das ist mit Sicherheit auch gut so
Und zurück haben will ich den LSD-Ameinsenhaufen auch nicht. Mir fehlen nur die kreativen Ideen im Netz und ein CMS bei dem es ebenso leicht ist, einen Artikle vollständig anders aussehen zu lassen, wie ihn ganz genauso wie alle Artikel aussehen zu lassen. Und ich habe sogar ein bischen das Gefühl, dass sich die Kreativen aus dem Netz (als Gegenstand, als Material) gezogen haben. Nicht zufällig geht in den USA Hacken und Häkeln gerade Hand in Hand.
Schau mal hier:
http://www.literatur-und-strom.de/
Aber es gibt doch auch Websites von Fotografen, Künstlern, Therapeuten - wie arm wären solche Seiten dran, wenn die Kreativität in deren Entstehungsprozess auf der Strecke bliebe!
Ich liebe es übrigens, meine Websites mit Papier und Bleistift zu entwerfen.
Von negativen Punkte hier hätte ich besimmt schlechte Träume bekommen.
Ja, und das soll jede Seite. Auch die von Fotografen. Wieso muss ich bei jedem Fotograf erst ein Puzzlespiel loesen, bevor ich seine Fotos sehen kann? Beim Fotografen soll die Fotografie im Vordergrund stehen nicht das Navigationsquiz. Diese sogannent "kreativen" Webseiten, die niemand brauchen kann und niemand braucht, sind nichts als Duubeleien.
Nichts gegens Rumduubeln. Ich duuble auch gern rum mit der e-Gitarre meiner Frau. Wuerde das aber nicht unbedingt kreativ nennen sondern - eben - duublen.
Ich kann mir nun beim besten Willen nicht vorstellen, dass dem so ist.
Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ein Fotograf seine Bilder NICHT in den Mittelpunkt zu stellen weiss - so ehrgeizig ist diese Zunft mit Sicherheit. Gute Bilder verdienen es, ästhetisch und nun mal auch etwas anspruchsvoll präsentiert zu werden. Die Information eines Fotografen ist sein Bild, und das braucht nun mal eine andere Präsentationsform, wie beispielsweise Daten bestimmter Artikel. Eine Artikelliste o.ä. wirst Du - je nach Ordentlichkeit ;-) - sicher im Büro in einen Ablagekorb legen. Für ein Bild dagegen wirst Du wohl eher einen schönen Rahmen und einen passenden Platz in Deiner Wohnung suchen.
Oder hast Du gar keine Bilder hängen? ;-)
funktioneiren auch nicht gaaaanz eiwandfrei.
http://anmutunddemut.de/projekte/pavilli on/pavillion.html
http://anmutunddemut.de/projekte/meine-d inge/frame1.html
http://anmutunddemut.de/projekte/drumnba ssdrone/index.html
Ich will weder behaupten, dass das Kunst war, noch dass das übermäßig toll war (grausiger Blocksatz urrgh), aber ich finde schon, dass die Seiten deutlich un-uniformer waren, mehr Freude am Herumspielen und Ausprobieren waren irgendwie ...
Da lacht doch das Herz und das Auge gleich mit.
Tut mir leid. Das sind genau die Websites, die ich nach 2 Sekunden wieder verlasse. Weil sie sich selber genügen anstatt nutzerfreundlich zu sein.
Aber selbst wenn sie mir gefallen würden: Online-Spielereien, von mir aus auch Netzkunst, sind einfach nicht zu vergleichen mit grossen Websites, die viel Information in komplexer Struktur darstellen müssen. CMS sind in diesen Fällen ein unverzichtbares technisches Hilfsmittel. Wenn die Seiten dann langweilig aussehen, dann liegt das nicht am CMS, sondern daran, dass ein schlechter Designer am Werke war.
Solche "Netzkunst-Seiten" sind doch um ihrer selbst willen da, wollen gefallen und sind keine Info-Seiten für Occasion-Reifen. Das sind zwei völlig verschiedene Anforderungen an eine Website.
Wer sie nicht checkt braucht die Seiten nicht und clickt sich weg, so what?
Oliver: im Vergleich zu Deinem Gitarrenspiel gefallen solche Seiten aber ;-)
Ich würd mir ja mal eine Kommentar Runde wünschen in der nur Schwyzerdütsch getippt wird, ich flipp jedesmal aus wenn auf 3sat die Nachrichten auf Schwyzerdütsch gesendet werden.
Entschuldigt bitte mein Abseitsspiel, aber gibt es irgendetwas zum downloaden auf Schwyzerdütsch?
http://hucky.org/mamboo/content/view/6/2 2/
E Löl, e blöde Siech...
E Löu, e blöde Siech, e Glünggi und e Sürmu,
hei einisch zäme Krach gha, es rise grosses Gschtürm,
wüu der Glünggi het zum Löu gseit, är sig e blöde Siech,
und dä isch sofort zum Sürmu, was jo o nid jede miech.
Und er het im das verzellt und gseit, der Glünggi sig e Sürmu,
und der Sürmu hets am Glünggi gseit u dä macht drus es Gschtürm
u verzellts am blöde Siech, u wo dä dervo het ghört,
het dä gseit zum Löu är sig e Löu und das het dise gschtört.
Und er hout em blöde Siech eis um d'Ohre das es blüetet,
u der Glünggi louft der zue, u grift jetz ou no i und wüetet.
U der Sürmu u der Glünggi u der Löu und der blöd Siech,
hei die ganzi Nacht lang gschleglet bis am andere morge früech.
Unübersetzbar.
Ein Löli, ein blöder Siech, ein Glünggi und ein Sürmel
haben mal zusammen Krach gehabt, ein risen grosses Geschtürm
wiel der Glünggi zum Löli gesagt hat er sei ein blöder Siech,
und der lief sofort zum Sürmel, was ja auch nicht jeder miech.
Und er hat ihm davon erzählt und gesagt, der Glünggi sei ein Sürmel,
und der Glünggi...
forget about it. Was ein Glünggi, ein Löli und ein bloeder Siech ist wär eine Doktorarbeit für sich.
Ich will mal vermittelnd die Botschaft rübertragen, die bugsierer schon hatte und die wahrscheinlich auch der (angeblich) Fussball-bezahlte Bauer hätte, wenn er denn Fachmann ist: Halt den Ball flacher; es geht nur darum, dass er im vollen Umfang hinter die Linie kommt.
Von weit oben ist zu schwierig. Obwohl künstlerisch natürlich wertvoll.
Melden Sie sich an oder loggen Sie sich ein, um an der Diskussion teilzunehmen.