06/04/2008 12:49
Hinter den Mädchen bleiben Jungen schulisch deutlich zurück. Sind sie Bildungsversager mit Gewaltneigung? In Kindergärten wie Schulen dominiere ein verhuscht-weibliches Klima, sagt Kinderpsychologe Wolfgang Bergmann im Interview - und sieht Jungs trotzdem im Vorteil.
Das Interview führte Jochen Schönmann
Das Interview führte Jochen Schönmann







Diskussion
"Schauen Sie sich doch mal die moderne Kultur an: Internet, globale Wirtschaft, Börsengeschehen, die ganze digital durchwirkte Gesellschaft - das ist eine reine Männerproduktion. Es gibt bei der Entwicklung des Internets und den digitalen Technologien keine bedeutenden weiblichen Anteile. Unsere Wirklichkeit besteht aus reinen Männerfantasien. Es ist nämlich gerade nicht so, dass die Gesellschaft die Männer an den Rand gedrängt hat, im Gegenteil: Was wir heute erleben, ist die Fortsetzung und Zementierung der Männerkultur mit digitalen Mitteln."
"Für die Bewältigung, das schnelle Reagieren und die Selektierung der heutigen Medien- und Bilderflut, von den Börsen bis in andere digitale Vorgänge, dies alles lernen die kleinen Mädchen nicht. Sie lernen, sich in der Schule anzupassen. Sie erlernen Fähigkeiten, die man in einer Gesellschaft modernen Zuschnitts nicht mehr unbedingt braucht."
http://facts.ch/articles/702013-mannerku ltur-mit-digitalen-mitteln.
Oder gibt es andere Meinungen? Der Mann ist immerhin Kinderpsychologe...
Das Wesen der Selektion von Information ist tatsächlich ein männliches Muster: Jungs haben eine viel aktivere Art, ein Bedürfnis, sich durchzusetzen. Dafür werden die vorhandenen Informationen gecheckt, selektiert und für ein Ziel der Rest ausgeblendet.
Eine Vorgehensweise, wie sie im Internet gefragt ist, meist leider auch in einem Ausmass, in dem das Ganze irreal wird: Wer im Internet, gerade bei 2.0-Formaten, mehr auffällt als andere, vermag besser als andere zu selektieren, zu gewichten und zu pushen - im Sinne von Quantität: Mehr Informationen prüfen, gewichten, auswählen, auf Grund gängiger, machbarer Selektion.
Frauen vermögen mehr in die Tiefe zu prüfen, geben sich und den Inhalten dafür auch mehr Raum und selektieren dann für sich viel eher mit Mut zur Entschlackung. Sie wählen aus, so dass das Resultat so aussieht (im Vergleich):
Weniger Information tiefgehender geprüft mit HIlfe von verweilender Konzentration. Die Welt der Information richtet sich schneller gegen innen, während es männlich ist, die eigene Selektion gegen aussen darzustellen, mit ihr in einen Wettbewerb zu treten.
These:
Die Frau stellt selektierte Inhalte im Netz zur Verfügung (Blog z.B.), um einen Dienst zu leisten
Der Mann tut das gleiche, um sich mit seinem Dienst zu messen an anderen.
Männer werden immer ein anderes Verhältnis zum Wettbewerb haben als Frauen. Egal, ob sie darüber reden oder nicht.
In diesem Sinn ist Wolfgang Bergamann für seine klare Ansprache zu danken.
Ganz schlecht ist das Interview, das nur Fragen zurück lässt: Wenn die heutige Erziehungsarbeit so wenig auf Jungs Rücksicht nimmt und die so darunter leiden, warum schlägt denn das in der Erwachsenenwelt (hier des Internets) so überhaupt nicht durch? So wie die Interview-Blöcke hier stehen, neutralisieren sich die Aussagen, bzw. wird das eingangs laute Klagen durch die Beobachtungen der Erwachsenenwelt total relativiert.
Jemand, der dafür eintritt, den kleinen Buben beizubringen, dass man Konflikte am besten mit Gewalt löst, damit dem Klassen-Bully und dem zartbesaiteten intellektuellen Knaben gleich von Anfang an klar gemacht wird, wo ihr Platz in der gesellschaftlichen Hackordning ist! Und wo der Platz der Mädchen ist, deren "Fähigkeiten" eine "moderne Gesellschaft" nicht brauche!
Ich war in meiner Gymnasialzeit auf einer Mädchenschule. Weil man modern sein wollte, hatte man irgendwann beschlossen, die Nähmaschinen durch Computer zu ersetzen und den Handarbeitsunterricht durch Informatik. Das wurde eins meiner Lieblingsfächer (vor allem weil wir, wenn wir schneller mit den gestellten Aufgaben fertig waren, Tetris spielen durften. :-)).
Auf den Gedanken, als Mädchen Berührungsängste oder Minderwertigkeitsgefühle den digitalen Technologien gegenüber aufzubauen, bin ich deshalb nie gekommen!
- Es mit dem Staerksten der Klasse aufnehmen obwohl man weiss, dass man nicht gewinnen kann -- und dadurch seinen Respekt und den Respekt der Klasse gewinnen.
- Es mit einem aufnehmen, der staerker wirkt und gewinnen.
- Es mit einem aufnehmen, der schwaecher wirkt und verlieren.
- Fairness im Kampf. Nicht "wie ein Maedchen" kaempfen (beissen, kratzen, Tiefschlaege).
- Die eigene Schmerzgrenze ermitteln.
- Kampfregeln lernen und einhalten und weitergeben.
Ein fairer Kampf zwischen Buben ist etwas Wunderschoenes.
Das hier z.Bsp kommt mir sehr bekannt vor: "Jungs müssen heute in der Schule Dinge tun, die sie überhaupt nicht können: alles, was ganz gleichmäßig und regelmäßig verläuft. "
Ich finde es zum Teil sogar recht frech, wie ihr behauptet, dass wir Maenner verblendet sind, wenn wir zu unserer Bubenhaftigkeit stehen. Was soll das? Woher wollt ihr wissen, wie sich Buben fuehlen? Ich geh ja auch nicht, und sag Euch, dass Maedchen "in Wahrheit" nicht so sind, wie sie meinen. Bubenhaftigkeit ist real und alles andere als falsch. Und wer sie bewahrt hat -- ganz entgegen Eurer Schublaedliphilosophie -- etwas ganz Kostbares bewahrt.
Wie steht es eigentlich mit der Maedchenhaftigkeit? Gibt es die, oder ist das bloss wieder ein Schublaedli von Machotrotteln? Also ich fuer meinen Teil liebe die Maedchenhaftigkeit meiner Frau, und kann nichts Verlogenes Verbledetes Verdummtes oder Unterdruecktes darin erkennen. Im Gegenteil.
Und das die Mädchen in der schule weniger "auffallen" spricht ja wohl wirklich für die Jungs. Den Kadavergehorsam gehört ins Militär bzw in die Mottenkiste.
"Ein fairer Kampf zwischen Buben ist etwas Wunderschoenes." - OR
Zumindest schöner als die Art und Weise, wie Mädchen ihr Konflkte austragen. Mädchen lästern übereinander und mobben in der Gruppe auf perfideste Weise. Da hat das Opfer keine Chance sich zu wehren.
Ich war selbst in einer Sekundarklasse mit 5 Jungs und etwa 15 Mädchen. Das war furchtbar all die Ränkespiele und der Mist. Im Gymnasium warens dann 4 Mädchen und gut 18 Jungs. Ich empfand es als äusserst friedlich.
Aber die letzten 2 Abschnitte widerspiegeln lediglich meine persönliche Ansicht und Erfahrungen. Ich hab auch keine Ahnung, wieviel % unseres Charakter je vom Geschlecht, von der Kultur und von den Genen abhängt.
PS: Es gibt wirklich spannendere Themen zu diskutieren auf Facts.ch als diese ewigen immer gleichen Geschlechterdiskussionen. Aber manchmal kann ich auch der Versuchung nicht widerstehen meinen Senf dazuzugeben.
Aber mal konkret zu Bergmann: Erstens, in praktisch allen Erziehungssysteme der Welt wachsen Kinder (beiderlei Geschlechts) erstmal mit ganz viel Frauen um sich herum auf und mit zuwenig Männern. Zweitens, in der technisierten Welt können Kinder wenig Prozesse praktischer Erzeugung verfolgen. Drittens, Kinder müssen mit ihrer Körperlichkeit umgehen lernen, wozu Kuscheln gehört, aber auch Abgrenzung. Viertens, sie müssen soziale Kompetenz erwerben, wozu auch gehört, dass es Statusdifferenzen gibt und man irgendwie umgehen muss. Fünftens, Jungs gehen mit all diesen Dingen mit etwas anderen Tendenzen um als Mädchen. Sechstens, wo Pädagogik diese Differenzen ausblendet, macht sie etwas falsch.
An diesen Dingen setzt Bergmann richtig an. Dass er sie mit Schwarz-Weiss-Bildern überspitzt, hat seinem Portemonnaie, den Zugriffszahlen von spiegel.de und hier der Diskussion genützt, aber natürlich nicht gerade der Wahrheitsfindung. Auch Mädchen brauchen Männer als Orientierungspersonen, praktische Erfahrungen, schon vor der ausgeprägten Sprachlichkeit die Fähigkeit zur Abgrenzung, und einen offenen Umgang mit Statusdifferenzen. Und mein Eindruck von der gegenwärtigen akademischen Pädagogik ist nicht der, dass Geschlechterunterschiede ausgeblendet würden. Aber in der schulischen und vorschulischen Realität in Niedersachsen und anderswo wird das sicher an vielen Stellen der Fall sein.
PS: Bergmann publiziert ausser bei Weltbild und Patmos auch im nationalkonservativen Mut-Verlag.
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