20/10/2007 12:43
Der Schweizer Wahlkampf erinnerte in den letzten Wochen an amerikanische Patriotenfilme. Gruppen von Soldaten im Einheitstenue trotten über den Übungsplatz und singen. Der Korpsleiter singt Parolen vor, die Soldatenmenge echot im Chor. Im Wahlkampf heissen die Korpsleiter Blocher, Mörgeli oder Fehr, die Soldaten haben einen Presseausweis. Die Medien haben sich als treue Parteisoldaten erwiesen. Aber keine, die stramm und stolz mitmarschieren. Sie sind den tonangebenden Politikern nachgetaumelt, weil ihnen die Orientierung fehlte.
Das Prinzip des Wahlkampfs aus Sicht der Parteien ist simpel: Themen setzen und Aufmerksamkeit gewinnen. Die Themen im Wahlkampf hat vorwiegend die SVP gesetzt. Schwarze Schafe! Geheimplan! Blocher! Und die Medien? Sie haben sich die Themen vorsetzen lassen. Die Linke und die Mitteparteien haben reagiert, empört bis entrüstet. Und die Medien? Sie haben mitreagiert. Das Säbelrasseln der Politikern fand ungefiltert seinen medialen Widerhall. Bestes Beispiel dafür war die Affäre Roschacher-Blocher. Im Akkord haben Politiker aller Couleur ihre Meinung kund getan, die Journalisten haben fleissig mitgeschrieben und sich auf die eine oder andere Seite geschlagen.
Nun ist auch das Ausland auf die Schweizer Politik aufmerksam geworden. Kritik wurde laut von namhaften Medien aus den USA und aus Deutschland. Die Schweiz wird von einer rechtsextremen Partei regiert, das ehrenvolle Schweizerkreuz mutiert zum Hakenkreuz, so der Tenor. Und was machen die Schweizer Medien? Dasselbe wie die Schweizer Politiker. Die einen nehmen den Steilpass aus dem Ausland freudig auf, sehen darin den Beweis dafür, dass die SVP das Image der Schweiz zu Grunde richtet. Die anderen sehen die SVP einmal mehr zu Unrecht attackiert.
Die Medien haben es verpasst, im diesem Wahlkampf selber Akzente zu setzen. Die Politik herauszufordern und zu hinterfragen. Themen zu bestimmen, die wirklich wichtig sind. Anstatt einen Schritt zurück zu machen und sich einen Überblick zu verschaffen, sind sie mit Tunnelblick den vorauseilenden Parolengebern nachgetrottet. Im Wissen, dass die Stichwortgeber zuverlässige Partner sind. Und mit der Bequemlichkeit derer, die nicht nachdenken, sondern lieber nachplappern.
So haben die Medien nicht nur der stärksten Themengeberin, der SVP, einen Dienst erwiesen und sich zu Komplizen in einem teilweise menschenverachtenden Wahlkampf gemacht. Sie haben auch ihre demokratische Funktion verraten. Die Medien als vierte Ohnmacht.
Das Prinzip des Wahlkampfs aus Sicht der Parteien ist simpel: Themen setzen und Aufmerksamkeit gewinnen. Die Themen im Wahlkampf hat vorwiegend die SVP gesetzt. Schwarze Schafe! Geheimplan! Blocher! Und die Medien? Sie haben sich die Themen vorsetzen lassen. Die Linke und die Mitteparteien haben reagiert, empört bis entrüstet. Und die Medien? Sie haben mitreagiert. Das Säbelrasseln der Politikern fand ungefiltert seinen medialen Widerhall. Bestes Beispiel dafür war die Affäre Roschacher-Blocher. Im Akkord haben Politiker aller Couleur ihre Meinung kund getan, die Journalisten haben fleissig mitgeschrieben und sich auf die eine oder andere Seite geschlagen.
Nun ist auch das Ausland auf die Schweizer Politik aufmerksam geworden. Kritik wurde laut von namhaften Medien aus den USA und aus Deutschland. Die Schweiz wird von einer rechtsextremen Partei regiert, das ehrenvolle Schweizerkreuz mutiert zum Hakenkreuz, so der Tenor. Und was machen die Schweizer Medien? Dasselbe wie die Schweizer Politiker. Die einen nehmen den Steilpass aus dem Ausland freudig auf, sehen darin den Beweis dafür, dass die SVP das Image der Schweiz zu Grunde richtet. Die anderen sehen die SVP einmal mehr zu Unrecht attackiert.
Die Medien haben es verpasst, im diesem Wahlkampf selber Akzente zu setzen. Die Politik herauszufordern und zu hinterfragen. Themen zu bestimmen, die wirklich wichtig sind. Anstatt einen Schritt zurück zu machen und sich einen Überblick zu verschaffen, sind sie mit Tunnelblick den vorauseilenden Parolengebern nachgetrottet. Im Wissen, dass die Stichwortgeber zuverlässige Partner sind. Und mit der Bequemlichkeit derer, die nicht nachdenken, sondern lieber nachplappern.
So haben die Medien nicht nur der stärksten Themengeberin, der SVP, einen Dienst erwiesen und sich zu Komplizen in einem teilweise menschenverachtenden Wahlkampf gemacht. Sie haben auch ihre demokratische Funktion verraten. Die Medien als vierte Ohnmacht.







Diskussion
Ohnmacht der Gesellschaft? Mag sein, wobei ich da meine Zweifel habe. Das darf aber in keinem Fall als Begründung für die Ohnmacht, bzw. Lethargie der Medien hinhalten.
Die Medien haben vielleicht ihre 'demokratische Funktion', in der Hitze des Gefechts, vernachlässigt, aber nicht verraten.
Einige Titel hatten bestimmt das gleiche Dilemma wie du: Anstatt endlich dieses Thema ruhen zu lassen wurde es nochmals und nochmals und nochmals aufgewärmt. Auch deine Zusammenfassung transportiert ein weiteres Mal Fragmente dieser Inhalte.
Trotzdem: Danke für die leicht überspitzte, aber herrliche Zusammenfassung der letzten 2 Monate.
@David Bauer: Es gibt eben einfach nicht viel zu kritisieren an Deinem Beitrag. Und die SonntagsZeitung von heute macht’s gleich nochmals vor.
Ich finde Du hast sehr wohl recht mit der Ohnmacht der Medien, weniger weil sie diese Macht nicht hätten, sondern weil sie sie, wohl aufgrund dramatischer Verschiebungen bis Erdbeben in der Branche, nicht wahrnehmen; Sie übernehmen unter diesem Druck vermehrt einerseits die “gratis” zur Verfügung gestellten “Informationen” von Parteien, staatlichen Stellen und des Marketings und setzen andererseits auf süffige, unkritische und emotionalisierte Inhalte. (@Depp) Unter dem Gesichtspunkt der demokratischen Meinungsfindung vernachlässigen sie damit eine ihrer wichtigsten Funktionen überhaupt; Die des kritischen Nach- und Hinterfragens.
Sucht man nach anderen Mächten in Ohmacht, seh ich zwei Betrachtungswinkel: Im Vierklang “Legislative, Exekutive, Judikative und Medien” scheint mir in der Schweiz vor allem die Judikative in eine gefährliche Ohmacht abzudriften. Im Vierklang “Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien” scheint mir die Wirtschaft so ziemlich alle anderen Prinzipien aushebeln zu wollen.
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