Zwischenzeit (3): Wo Rechts und Links Ästhetik werden

Zwischenzeit (3): Wo Rechts und Links Ästhetik werden
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Wer polarisiert, triumphiert; «grosse Vereinfacher» sind denn gefragt; solche, die die Welt aufs Nötigste reduzieren, soweit, als bloss nottue, wer von unsrem Tellerchen nasche und wen wir zum Feind auserwählten.

VON DAVID BERGER

Doch mir ist die politische Polarisierung verödet, nicht weil allgemein aller Politik verdrossen, sondern weil die beiden ganz extremen Parteien inhaltlich grösstenteils kongruent, also deckungsgleich sind; allein eine Form könnte man, so wolle man, noch differenzieren: allein eine Ästhetik der Politik, und sodann wäre Politik endlich eine Frage des schlechten Geschmacks.

Kurioserweise stellt beispielsweise sowohl die Partei der Arbeit (PDA) wie auch die Partei National Orientierter Schweizer (PNOS) die unselige Systemfrage, ob also der Kapitalismus zu überwinden oder mindestens zu zähmen sei; denn beiden scheint, als dehumanisiere der Kapitalismus die Gesellschaft: den Linken die soziale Solidarität, den Rechten die solidarische Volksgemeinschaft. Ebenso befürworten beide Parteien, dass die Umwelt geschont und geschützt werden müsste, bloss sind wiederum die Motive anders: wohingegen die PNOS die (landwirtschaftliche) Abhängigkeit vom Ausland reduzieren möchte, will die PDA schlicht und einfach die Welt retten.

Der Linke thematisiert immer dasselbe: den bösen Rechten; der Rechte genauso: den netten Linken; symbiotisch scheinen denn sie verwachsen, der eine bedarf des andren der Selbsterhaltung und der öffentlichen Abgrenzung willen; sie neutralisieren sich geradezu dialektisch, doch zur eigentlichen Synthese, Ziel jedweder Dialektik, gelangen sie nie; vielmehr dünken sie «aufgehoben» im zweifachen Sinne. Bedauerlich. Wohl deswegen, weil beide ahnen, dass kaum etwas Existenzielles sie trennt, berufen sich der Form und des Stils, den sie gegenseitig als minderwertig schelten; Politik ist seit den 90er bloss noch eine Debatte der Form, der Ästhetik und des Stils.

Ungleich werden die Rechten und die Linken trotzdem behandelt, besonders von der Öffentlichkeit, die jederzeit giert nach purer Empörung. Obschon beispielsweise die PNOS alternative medizinische Heilmethoden, ein rigides Tierschutzgesetz, den Ausstieg aus der Atomenergie, eine staatliche Einheitskasse fordert, theoretisch die ewigen Klassiker der Linken, ist die Rechte, gleichgültig wann, wo und wieso, immer dämonisiert; spätestens, als allgemeine Argumente mangeln, als nationalsozialistisch diskreditiert, wobei umgekehrt: Ideen, die den Linken «entstammten», seltenst mit stalinistischen parallelisiert werden.

Doch man traut sich kaum die armen Rechten zu bemitleiden, auch wenn die Ungerechtigkeit nicht zu verbergen ist. Ich aber bezichtige die Linken dessen, dass sie das «Böse» alleinig den Rechten gewähren. Das Böse fasziniert und verzaubert denn, also dürften die Linken nicht maulen, insofern den Rechten Aufmerksamkeit zufällt, der sie eigentlich gar nicht würdig wären. Bekanntlich ersehnt hauptsächlich die Öffentlichkeit das «Böse», das Böse erregt denn immer. Und als das Böse zusätzlich tabuisiert ist, dürfen wir nicht entsetzen, vor allem der Linke nicht, falls Jugendliche Hitler salutieren so wie üblich und verboten.
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