18/04/2008 07:45
Zwischenzeit (4): Ästhetik der Politikverdrossenheit
Generell ist eine Politikverdrossenheit zu beklagen, die insofern sich entrollt, als Menschen das Politische bloss noch beargwöhnen, immerhin vielfach noch als notwendiges Übel bedauern, das man leider, so denn gezwungenermassen, billigen muss, will man des Vorwurfs sich entheben, man sei desinteressiert und egoistisch.
VON DAVID BERGER
Hetzten die jungen Linken früher noch, das Private sei politisch, worauf einige trommelten, alles sei politisch, seufzt man heute bloss noch, das Politische sei privat. Schon die privatwirtschaftliche Ratgeberliteratur ermahnt, man solle doch das Politische nicht ins Geschäftliche mischen. Wohl deswegen, weil Politik polarisiert, schlimmstenfalls Beziehungen beschädigen kann dort, wo die Frage des Geschmacks eine unergründliche und zuweilen emotional aufgeladene ist.
Der soziale Mensch, also der engagierte und nette, ja eigentlich allzumenschliche, der das Soziale der Selbsterhaltung willen bedarf, insofern ein erweiterter Konstruktivismus solcherart Weltanschauung fertigt - allein diese, nunmehr rein zoologische Gattung gebiert Politik. Der hingegen bloss egoistisch veranlagte Mensch, welcher vermittelst der Politik unentwegt sich zu bereichern strebt, ist der Politik unwürdig, ist vielmehr Raubtier statt in Gruppen domestizierter Mensch. Dass solchereiner gegen das politische Etablissement wetzt, dies geradezu fanatisch, verwundert nicht, wiedem, dass er privat doch genau darin balgen möchte, wogegen er öffentlich agitiert.
Politik ist mühsam, fürwahr, und auch ich verzweifle manchmal ob der Polarisierung, die grosse Vereinfachung der Politik, die, so will ich trotz Widerreden beharren, die Politik insgesamt vereinheitliche. Wer ursprünglich politisiert, späht und gräbt nach Nuancen, nach kleinen Abweichungen, Differenzen, nach Unterschiede, die einen im Konsens wieder einigen. Doch die momentane Polarisierung entzweit die Meinungen unüberbrückbar. Obwohl man einander ähnelt, will man sich profilieren, ja nicht als wechselhaft und opportunistisch gescholten, sondern als geradlinig und eisern respektiert werden, auch wenn die Zeit einen irrt und betrügt, auch wenn das eigentliche Bedürfnis sich änderte.
Dies infolge der Polarisierung. So neutralisieren die Parteien einander, so ist tatsächlich zu bedauern, dass statt die Gemeinsamkeiten vertieft und intensiviert, die marginalen Differenzen ausgeweitet und dramatisiert werden.
In meiner letzten Kolumne konstatierte ich, dass deswegen Politik bloss noch eine Frage der Ästhetik, des Stils und endlich des schlechten Geschmacks sei. Eine Politik der Ästhetik banalisiert dieselbe, ist sie doch ästhetisiert. So schwurbelt man plötzlich über Schönheit und Hässlichkeit der Politik, so beäugt und kritisiert man plötzlich die Personen ob der Ästhetik. Die wir auf verlorenem Posten sind, quengeln wegen angeblich kümmerlicher Sachpolitik, jene alte und hierzulande verwachsene politische Tradition, deren Inhalt weder Form war noch welche hatte.
Vielleicht, um mir eine nebenbei eine typisch ästhetische Spekulation zu erlauben, vielleicht wird Widmer-Schlumpf deswegen so parteiübergreifend besungen, weil sie, verzeiht, so unästhetisch, so althergebracht scheint; sie verkörpert den letzten sachlichen Politiker, dürfte man ächzen. Doch auch sie, narren wir uns gefälligst nicht, ist blosse Ästhetik. Und weil dessen gewiss, geriert Widmer-Schlumpf sich als sachlich und konstruktiv, will dadurch sich abgrenzen vor eigentlicher Partei-Ästhetik, welche dekretiert, die «taumelnden Partei-Soldaten» (David Bauer) hätten hemdsärmlig, politisch inkorrekt, und unnett (suche wer ein Akronym von «gut», das politisch korrekt ist) zu poltern, was Sache sei, dürften nichts beschönigen und ritten allesamt unterm Wappen des einzig wahren Volkes.
Schon Christoph Lüscher spürte, Politik sei nunmehr eine Casting-Show, eine der Mediokrität, ergänze ich. Politiker müssen demzufolge menschlich, fehlbar und verletzlich sein. So ist ein Politiker, der abermals in Italien triumphierte, deswegen wählbar und so beliebt, weil er das personifiziert, was der kleine Mann in Italien selber ist oder selber gerne wäre: ein Betrüger, Bereicherer, der sich Hab und Gut, Frau und Kind erschleicht; ein Hochstapler, dessen Bekenntnisse die Kirche abnimmt. Übermensch ist er deswegen nicht, auch wenn er sich künstlich verbessert, seine Lebensdauer verlängert und seine Potenz verjüngt.
Übermensch ist der Politiker sowieso nie, kann er auch nicht, vielmehr wird der Politiker ein Schauspieler, ein Gaukler, der bloss lächeln muss, währenddessen die eigentliche Politik und die Basis davon galoppiert, entweder sich entfremdet oder veräppelt fühlt. Diese Entwicklung ist nicht mehr kehren, sie endet darin, dass die Politik Spektakel wird, aber ein laues und schwaches, ein berechenbares, und doch ein befriedigendes, das die Klatschreporter säugt. Alsdann ist Politik endlich «Brot und Spiele», keine Machtpolitik mehr, machtvoll eigentlich ist bloss die Wirtschaft, die dann und wann politisch interveniert, falls der Markt versagt. Hiervon ist die Politik die Kulisse, das Ambiente.
VON DAVID BERGER
Hetzten die jungen Linken früher noch, das Private sei politisch, worauf einige trommelten, alles sei politisch, seufzt man heute bloss noch, das Politische sei privat. Schon die privatwirtschaftliche Ratgeberliteratur ermahnt, man solle doch das Politische nicht ins Geschäftliche mischen. Wohl deswegen, weil Politik polarisiert, schlimmstenfalls Beziehungen beschädigen kann dort, wo die Frage des Geschmacks eine unergründliche und zuweilen emotional aufgeladene ist.
Der soziale Mensch, also der engagierte und nette, ja eigentlich allzumenschliche, der das Soziale der Selbsterhaltung willen bedarf, insofern ein erweiterter Konstruktivismus solcherart Weltanschauung fertigt - allein diese, nunmehr rein zoologische Gattung gebiert Politik. Der hingegen bloss egoistisch veranlagte Mensch, welcher vermittelst der Politik unentwegt sich zu bereichern strebt, ist der Politik unwürdig, ist vielmehr Raubtier statt in Gruppen domestizierter Mensch. Dass solchereiner gegen das politische Etablissement wetzt, dies geradezu fanatisch, verwundert nicht, wiedem, dass er privat doch genau darin balgen möchte, wogegen er öffentlich agitiert.
Politik ist mühsam, fürwahr, und auch ich verzweifle manchmal ob der Polarisierung, die grosse Vereinfachung der Politik, die, so will ich trotz Widerreden beharren, die Politik insgesamt vereinheitliche. Wer ursprünglich politisiert, späht und gräbt nach Nuancen, nach kleinen Abweichungen, Differenzen, nach Unterschiede, die einen im Konsens wieder einigen. Doch die momentane Polarisierung entzweit die Meinungen unüberbrückbar. Obwohl man einander ähnelt, will man sich profilieren, ja nicht als wechselhaft und opportunistisch gescholten, sondern als geradlinig und eisern respektiert werden, auch wenn die Zeit einen irrt und betrügt, auch wenn das eigentliche Bedürfnis sich änderte.
Dies infolge der Polarisierung. So neutralisieren die Parteien einander, so ist tatsächlich zu bedauern, dass statt die Gemeinsamkeiten vertieft und intensiviert, die marginalen Differenzen ausgeweitet und dramatisiert werden.
In meiner letzten Kolumne konstatierte ich, dass deswegen Politik bloss noch eine Frage der Ästhetik, des Stils und endlich des schlechten Geschmacks sei. Eine Politik der Ästhetik banalisiert dieselbe, ist sie doch ästhetisiert. So schwurbelt man plötzlich über Schönheit und Hässlichkeit der Politik, so beäugt und kritisiert man plötzlich die Personen ob der Ästhetik. Die wir auf verlorenem Posten sind, quengeln wegen angeblich kümmerlicher Sachpolitik, jene alte und hierzulande verwachsene politische Tradition, deren Inhalt weder Form war noch welche hatte.
Vielleicht, um mir eine nebenbei eine typisch ästhetische Spekulation zu erlauben, vielleicht wird Widmer-Schlumpf deswegen so parteiübergreifend besungen, weil sie, verzeiht, so unästhetisch, so althergebracht scheint; sie verkörpert den letzten sachlichen Politiker, dürfte man ächzen. Doch auch sie, narren wir uns gefälligst nicht, ist blosse Ästhetik. Und weil dessen gewiss, geriert Widmer-Schlumpf sich als sachlich und konstruktiv, will dadurch sich abgrenzen vor eigentlicher Partei-Ästhetik, welche dekretiert, die «taumelnden Partei-Soldaten» (David Bauer) hätten hemdsärmlig, politisch inkorrekt, und unnett (suche wer ein Akronym von «gut», das politisch korrekt ist) zu poltern, was Sache sei, dürften nichts beschönigen und ritten allesamt unterm Wappen des einzig wahren Volkes.
Schon Christoph Lüscher spürte, Politik sei nunmehr eine Casting-Show, eine der Mediokrität, ergänze ich. Politiker müssen demzufolge menschlich, fehlbar und verletzlich sein. So ist ein Politiker, der abermals in Italien triumphierte, deswegen wählbar und so beliebt, weil er das personifiziert, was der kleine Mann in Italien selber ist oder selber gerne wäre: ein Betrüger, Bereicherer, der sich Hab und Gut, Frau und Kind erschleicht; ein Hochstapler, dessen Bekenntnisse die Kirche abnimmt. Übermensch ist er deswegen nicht, auch wenn er sich künstlich verbessert, seine Lebensdauer verlängert und seine Potenz verjüngt.
Übermensch ist der Politiker sowieso nie, kann er auch nicht, vielmehr wird der Politiker ein Schauspieler, ein Gaukler, der bloss lächeln muss, währenddessen die eigentliche Politik und die Basis davon galoppiert, entweder sich entfremdet oder veräppelt fühlt. Diese Entwicklung ist nicht mehr kehren, sie endet darin, dass die Politik Spektakel wird, aber ein laues und schwaches, ein berechenbares, und doch ein befriedigendes, das die Klatschreporter säugt. Alsdann ist Politik endlich «Brot und Spiele», keine Machtpolitik mehr, machtvoll eigentlich ist bloss die Wirtschaft, die dann und wann politisch interveniert, falls der Markt versagt. Hiervon ist die Politik die Kulisse, das Ambiente.







Diskussion
Hammeraussage, alle Achtung.
Muss mich leider Diana anschliessen, obwohl in die Kolumne vollständig gelesen habe. Zweimal.
Was, wie ich denke, ein ernstes Problem für uns alle geworden ist: Der Politiker mag schon immer einer wie wir gewesen sein (im besten Falle). Aber früher haben wir es nur geahnt, war es manchmal vielleicht fast eine Erlösung, sich vorzustellen, dass er genau gleich lächerlich aussieht wie wir, wenn er auf der Klobrille sitzt.
Was vielen Gesellschaften früher ein Trost war, gerade weil es eine Respektlosigkeit darstellte, ist heute nur noch ein müdes Lächeln wert: Respekt für den Politiker grenzt an Utopie, und was nachkommen mag, wird nicht besser sein. Ist der Politiker tatsächlich höchstens einer von uns, so wird er der erste sein, der uns ins Gesicht lacht, so wenig braucht er sich zu verstellen.
Spürt der Politiker im Volk keine bindenden Erwartungen, definiert er Leistung erst recht nach eigenem Gutdünken. In den seltensten Fällen kommt das für eine Gemeinschaft gut. Auch ausserhalb von Regierungen nicht.
Dass diese unser aller Dekadenz uns wieder in die Nähe der Klobrille führt, lässt mich dann doch an einer Formulierung mich gesund stossen, mag ich auch bis hierhin noch nicht sicher sein, dass ich das Obige richtig heraus gefiltert habe:
Die Politik wird am Ende wieder Spektakel,
aber ein laues und schwaches, ein berechenbares, und doch ein befriedigendes, das die Klatschreporter säugt..
Herrlich. Solche Mütter wünsche ich diesen Blutegeln.
Das ist schade. Ich würde es gern verstehen. Ich glaube nämlich, dass du etwas Wichtiges zu sagen hast.
Laut Wikipedia dagegen bezeichnet Ästhetik in der Wissenschaft die gesamte Palette von Eigenschaften, die darüber entscheiden, wie Menschen Gegenstände wahrnehmen.
Insofern sehe ich den Ausdruck durchaus dem subjektiven Empfinden zugerechnet, doch niemals der Abwertung.
So muss man * Aesthetik manchmal mit Schönheit, manchmal mit Schöner Schein, manchmal mit Oberflächenwirkung, manchmal sogar mit Anti-Aesthetik übersetzen. Dann klappts... Man könnte auch sagen: es ist nicht überall Yin drin, wo Yang drauf steht.
Die Subversion * liegt in der Umdeutung von Aesthetik zu einem Kampfbegriff - so wie etwa andere den Begriff Intellektuelle zu einem Schimpfwort umfunktioniert haben.
*) bei Berger - (nachträglich ergänzt - dies für die hist-krit.GA ;-)
Die sprachliche Sperrigkeit (und die Wendung gegen naive Aesthetik) richtet sich bei Adorno&Co jedoch gerade GEGEN die marktwirtschaftliche Tendenz, explosives Gedankengut in Slogans zu packen und zu verfrachten. Wie freiwillig oder unfreiwillig zynisch ist es, Adornos Sprache als Schlagwort-Jargon einzusetzen?
„Demnach wäre der Charakter des Jargons überaus formal: er sorgt dafür, dass, was er möchte, in weitem Maße ohne Rücksicht auf den Inhalt der Worte gespürt und akzeptiert wird allein durch ihren Vortrag.“ (Adorno, Jargon der Eigentlichkeit)
Das kann ja nicht die Absicht unseres jungen Adorno sein. Denn ganz offensichtlich kommt er mit dem Jargon bisher nicht besonders gut an -- und freut sich ueber den Widerstand.
Ich kann mich nach dem ersten Ärger über Berger nun köstlich amüsieren. Wenn er z.B. ein Zitat so einleitet: "schon Lüscher spürte" - das beweist Klasse. Und auch, dass er eben der Denker ist ;-)
Ob Sprachakorbatik in Form von gestelzter Sperrigkeit (bin mit D. Bauer einig) auf die Dauer für eine Kolumne reicht? Ich wage es zu bewzeifeln.
Die angerissenen Themen wären interessant - wenn man sie denn im Sprachnebel finden und verstehen würde.
Schade. Thema verschenkt, Gelegenheit verpasst.
„Was einmal den Philosophen Leben hieß, ist zur Sphäre des Privaten und dann bloß noch des Konsums geworden, die als Anhang des materiellen Produktionsprozesses, ohne Autonomie und ohne eigene Substanz, mitgeschleift wird. Wer die Wahrheit übers unmittelbare Leben erfahren will, muss dessen entfremdeter Gestalt nachforschen, den objektiven Mächten, die die individuelle Existenz bis ins Verborgenste bestimmen.“
Das ist auch schwer verstaendlich, aber stimmig. Dem Berger kann man trotz Begriffscharlatanerei oder -jugendlichkeit immerhin zugute halten, dass er keine Angst vor dem Kollektiv und ihrem selbstgenügsamen Zorn hat.
Bruder Bernhard ist wohl etwas zu guetig, wenn er Bergers Aspiration vernebelt. Ein Paar Anhaltspunkte zu Adorno fuer die Nicht-Philosophiestudiumverdorbenen:
«In seiner "Philosophie des Nicht-Identischen", die er unter dem Buchtitel "Negative Dialektik" bündelte, beabsichtigte er, "über den Begriff durch den Begriff hinauszugelangen". Unbeirrbar zog er gegen konservative Genießerei zu Felde. "Wahr sind nur die Gedanken, die sich selbst nicht verstehen", sagte er. Oder: "Nur das Äußerste hat die Chance, dem Brei der etablierten Meinung zu entgehen. Das steht als Maxime hinter jedem Satz, den ich schreibe."» (mehr hier)
Mit Adornos Trickkiste kann man ein fröhliches Publikum relativ leicht ins Boxhorn jagen. Ich mag den Anspruch, aber begrifflich haelt der Text bei aller Immitationskunst und zynischen Kreativitaet einer genauen Betrachtung leider nicht ganz stand. Per aspera ad astra. Bevor man schreibt wie Adorno, muss man sich wohl in Klarheit ueben. Ich bin relativ sicher, dass wir da vom jungen Berger nicht enttaeuscht werden. Oder, wie mein Philosophielehrer (ein grosser Adornofan, wenn man so sagen darf) am Gym einst zu mir sagte: "Versuchen Sie doch mal, etwas Objektives zu schreiben!"
Wie auch immer, einen positiven Effekt hat das Insistieren von David Berger: Werde nun nachträglich doch noch Guy Debord lesen. Diesen hielt ich früher einfach für verzworgelt (zu Unrecht?), aber nun fühl ich mich reif dafür.
Ich komme noch nicht dahinter, ob uns umtreiben soll, was David Berger umtreibt, oder ob unsere Aufregung erst seiner inneren Resignation die Taubheit nehmen soll.
Und Ihr kleiner Zwick darauf, dass der kollektive Zorn dann auch selbstgenügsam wäre, bereitet ihm ganz bestimmt Vergnügen.
Mir hat die Diskussion hier es nun erleichtert, den spontanen Kommentar, den ich schon um zehn Uhr morgens geben wollte, nun auch frei zu geben:
Was sich mir hier entrollt und sich an mir wetzt, anästhetisiert in der Ästhetik der indirekt verdrehten Rede, ist ein kumuliert akzentuiert prognostizierter Superschwurbel, der in Kommentaren erst sich so verflacht, dass ich am Ende die erlösende klare Antwort finde:
Verarschen kann ich mich selber.
Was wohl, wenn wir einfach umblättern könnten? Unsere eigene intellektuelle Bildung nicht dazu führte, dass wir doch mindestens über die spontane Reaktion hinaus prüfen müssten, was da mehr dahinter stecken könnte?
Ich halte nun den Mund und empfehle Hape Kerkeling den Besuch hier. Er ist mir als Kammersänger (Hurtz!) unvergesslich, als er ein erlesenes Schafspublikum mit seiner verzworgelten (danke, Bruder Bernhard, das Wort hat mir noch gefehlt) Rede und ebensolchem "Gesang" in dessen "Kulturbeflissenheit" ad absurdum führte.
Es gibt spannendere Dinge im Leben als über Texte zu diskuiteren, die man nicht versteht, weil sich ihr Verfasser in Lautmalereien verstiegen hat, die zwar irgendwie intelligent klingen, aber schlussendlich inhaltslos sind.
Ich schliesse mich Thinkabout und seiner erlösend klaren Antwort an und suche die Inhalte anderswo.
Wenn nun allerdings der Eindruck entstanden ist, Berger werde zum Genie empor stilisiert, wäre ich doch etwas perplex. Eigentlich sollte gerade das Gegenteil der Fall sein.
Vielleicht noch einmal kann der Berger-Effekt zum Tragen kommen, dann wird wohl die Luft draussen sein.
PS: weiss nicht ob jemand das mitgekriegt hat: ganz am Anfang hat David Berger sich selber unter "mag ihn nicht" eingetragen. Frage mich, wie er sich wieder austragen konnte. Geht das wirklich?
Von wegen Genie: Berger ist 22. Mit 22 hab ich sentimental-duestere Gedichte und grauenhafte Proseminararbeiten geschrieben, die zum Glueck (oder hoffentlich!) alle im Muell verschwunden sind. Deshalb schrei ich hier (ausnahmsweise) lieber nicht zu laut. Es koennte ja ploetzlich eines dieser Wannabe-Kierkegaard-Jugendtexte von mir hier auftauchen...
(Wehe, Moritz!)
Warum schreibt David Berger so? Bitte ankreuzen:
1. Weil das nicht seine Muttersprache ist (vgl. mit der hier Schreibenden)
2.Weil er vom Deutschunterricht in der Schule dispensiert wurde
3. Weil er das im Sinne einer Performance-Kunst macht (ich stelle mich dar, also bin ich)
4. weil er ein Dadaist ist, darf ins Cabaret Voltaire aber nicht hinein
5. weil er die strenge Architektonik der Deutschen Sprache apriori nicht ausstehen kann
6. weil er aus Überzeugung nie etwas mit Nebensätzen-Bau anfangen konnte
7. Weil er heimlich die klassische deutsche Philosophie verachtet und ausser Nietzsche nur noch französische Autoren liest
8. anderes (bitte hier frei aufschreiben).
Danke für die Teilnahme!
Et: CTRL+A ... CTRL+C...-->Word-->Ctrl+V --->F7. He's english, or?
2 bis 5 : guter Witz
wenn ich in meiner Fremdsprache schreibe, dann vermeide ich Wörter und Satzbauten die mir nicht 100% geläufig sind. Und jage alles durch die Rechtschreibeprüfung ... Ja ich bin ein kleiner Feigling. Ja, und ich habe beim Lesen schon vermutet dass er ein englisches oder US-Mann ist
PS: hier arbeit ich nicht, ich entspanne mich
PPS: Sie sind zu beneiden mit Ihrem Russisch
PS: Sie sind zu beneiden mit Ihrem Französisch.
@Oliver Reichenstein: ... hahaha ein Esel sagt dem anderen Langohr (meine Mutter)- oder: Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche (F.K.Waechter ..?) ah, hier: Bernstein...
@David Bauer: ich hatte von der Melodie her tatsächlich so ein englisch radebrechendes Tourist steht vor mir Gefühl. Hier: "Der soziale Mensch, also der engagierte und nette, ja eigentlich allzumenschliche, der das Soziale der Selbsterhaltung willen bedarf, insofern ein erweiterter Konstruktivismus solcherart Weltanschauung fertigt - allein diese, nunmehr rein zoologische Gattung gebiert Politik." And so on. Bin natürlich kein Linguist. Sind die Wetten offen?
Ich weiss natürlich nicht, wie es für einen Englisch-Muttersprachler ist, Deutsch zu sprechen/schreiben. Ich weiss aber, dass das Englische in vielerlei Hinsicht einfacher ist als das Deutsche und dass lange, verschränkte Sätze kaum vorkommen. Akademische Literatur im Englischen ist viel mehr auf Verständlichkeit ausgerichtet als wir das hier kennen, wo es geradezu als erstrebenswert gilt, möglich umständlich und kompliziert zu schreiben. Darum würde ich mich sehr wundern, wenn jemand dann plötzlich Babushka-mässige Monstersätze baut, wenn er deutsch schreibt, und dabei ein Vokabular verwendet, das doch eher anachronistisch ist.
Ich denke, diese Feststellung kann man auf alle kreativen Tätigkeiten ausweiten...
Verzeiht mir meine Abwesenheit. Nun bin ich ja heimgekehrt, wenn auch erschöpft und ermüdet, so dennoch willens, mich zu rechtfertigen. Doch seid gewiss, diese Rechtfertigung ist allein persönlich und privat.
Zunächst: Ich bin kein Genie, ich sage mir bloss: ich bin ein niemand, weil ich ein jemand bin (und umgekehrt). Dies kränkt mich zuweilen. Ist ja verständlich, niemand möchte nur «Masse» sein.
Zur Sprache: Ich bin kein Journalist. Gedanken sind bloss solange rein, als sie nicht ausgedrückt werden. Für mich ist eine Sache geklärt, als gedacht, aber nicht als niedergeschrieben, dann nämlich verkompliziert. In diesem Sinne bin ich, man verzeihe mir, «Egoist».
Ja tatsächlich, dass über die Form statt über den Inhalt hierin diskutiert wird, ist frappant, war ja gerade das, was ich (politisch) tadeln möchte.
Gewiss, meine Form ist streitbar, auch mir selber missbehagt sie öfters. Ich bin ja selber noch suchend und forschend, eine eventuelle Selbstsicherheit ist bloss eine getäuschte und inszenierte.
Ich gelobe mir Besserung. Zumindest hierin. Mehr Punkte. Mehr Klarheit. Weniger Geschwurbel. Ansonsten waren «uertners» Bemühungen vergebens, den meinen Syntax zu kritisieren.
"Die meisten Kritiker der Hasen
können kaum noch einigermaßen? / über den Rasen? / grasen? / rasen? / tuten und blasen? / in Ekstasen?"
Zur Erlaeuterung meines Streberkommentars: Hat natürlich gar nichts mit Ihnen zu tun. Was ich meinte: Wenn man (als Schueler) im Aufsatz gute Noten machen will, darf man keineswegs versuchen, irgendwas Interessantes zu schreiben. Der Trick: Man braucht einzig Woerter, die man 100%ig buchstabieren kann, Saetze, deren Interpunktion man durchschaut, Gedanken, die man fertig gedacht hat. Am besten versucht man, zu erraten, was der Lehrer hoeren will. Wenn man dem Lehrer genau zuhoert, ist das nicht sehr schwierig. Dabei kommt zwar kaum etwas Lebendiges raus, der Deutschlehrer hat das aber schnell korrigiert, ist schoen zufrieden und schreibt eine runde 6 (oder eine 5,5, wenn er nichts findet und den Schueler trotzdem hasst) oben aufs Blatt. Strebertrick.
WER DENKT SCHAFFT CHAOS, VOR ALLEM AM ANFANG
Wer versucht, selber zu denken, schafft Chaos, vor allem in jungen Jahren. Dieses Chaos kann zu einem guten Boden werden fuer spaeteres Saatgut. Dieses Chaos (und in meinen Augen nicht viel mehr) kann man Berger zu Gute halten. Gleichzeitig wird er hier wohl nicht drum rum kommen, sich in Zukunft etwas klarer auszudrücken. Dabei darf er meinetwegen ruhig ein Paar unfreiwillige Fallfehler machen und freiwillig die Standartsyntax etwas stressen.
Ich habe erst jenseits der 30 (also definitiv nach dem Studium) gelernt, mit Begriffen umzugehen, d.h. komplizierte Dinge einfach zu sagen (und bin ganz offensichtlich noch immer weit davon entfernt, dies annaehrend so gut zu tun, wie ich es gerne moechte).
PHILOSOPHIE IST NICHTS "RICHTIGES"
Philosophie in der Selbstlektuere ist fuer junge Geister ein echtes Gift. Die Geistesdisziplin, die das Philosophiestudium einem jungen Menschen abfordert, zahlt sich aber meiner Erfahrung nach aus. Man muss freilich aushalten, dass man nach der ganzen Begriffsakrobatik nichts "Richtiges" in den Haenden haelt. Man ist Jurist nach dem Jurastudium, Physiker, nach dem Physikstudium, Germanist nach dem Studium der Deutschen Sprache, man ist aber noch lange kein Philosoph nach dem Studium der Philosophie. Die Abschaetzung derer, die nicht Philosophie studiert haben, macht das nicht leichter.
Einem Passagier wuerde es nie in den Sinn kommen, ein Flugzeug zu steuern, wenn es aber um die Handhabung von Begriffen geht, ist sich jeder selbst der groesste Philosoph. "Wozu Kant? Wozu Platon? Wozu Adorno? Ich kann selber denken!" Und nicht nur das. Der junge Mensch, der sich in Begriffen uebt, wir zu allem Uebel noch als Dummkopf, Trauemer und Phantast bezeichnet. Wer je Kant gelesen hat weiss: Philosophie ist alles andere als Traum und Schaum. Nochmal: Es gibt wenig Haerteres fuer einen jungen Kopf, als Begriffe ordnen.
Auf die Gefahr hin goennerhaft oder sentimental zu wirken: Ich kann aus eigener Erfahrung einen jungen Menschen, der das Wagnis der Philosophie eingeht, nicht oeffentlich niederknueppeln. Auch und gerade nicht, wenn er so offensichtlich scheitert.
REDAKTIONELLES
Dass es (wie zum Teil schon angedeutet) inkompetent, dumm oder gar "gefaehrlich" ist, David hier eine Plattform zu geben, wag ich zu bezweifeln. Ob hier nun mit duennen Http://-Vitaminen gefuettert oder nicht, ein irrelevanter Internet-Beitrag hat zwei Flugbahnen: Er steigt auf wie ein geiler Zeppelin, faengt Feuer und sackt ab, oder er verschwindet sofort und fuer immer, wie ein Stein, der ins Meer plumpst.
Man darf die Moeglichkeit, auf FACTS freiwillig Kolumnen zu schreiben ja auch nicht ueberbewerten. Jeder FACTS-User kann hier seine Kolumne schreiben. Dass die freiwilligen Schreiber etwas mehr Aufmerksamkeit kriegen ist ja wohl das Mindeste! -- Ich wuensche mir nicht weniger, ich wuensche mir mehr FACTS-Kolumnistinnen und -Kolumnisten! (vielleicht auch etwas mehr Humor).
Um weiteren Missverstaendnissen vorzubeugen: Ein Kolumnist ist kein Redaktor. Und weil's so schoen war, nochmal:
"Die meisten Kritiker der Hasen
können kaum noch einigermaßen? / über den Rasen? / grasen? / rasen? / tuten und blasen? / in Ekstasen?"
@Oliver: Den "redaktionellen" Teil in Deinem Kommentar möchte ich auch unterschreiben.
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