„Auf halben Weg ein anständiger Mensch“
Brötchen vor die Säue
Kahneman, der Schreck der Ökonomen
"Gute Lügner sind sympathischer"
Per Anhalter durch die Galaxis
Der gespiegelte Mensch
Diskussion
Antwort: Weil es sie nicht verträgt. Weil der Intellektuelle seine Autorität aus der Opposition zum herrschenden System gewinnt. Wird er gefördert, fällt Widerspruch schwer"
- "Eine Kulturpolitik, welche nicht auf Menge, sondern auf Exzellenz aus ist. "
- "Zum Beispiel einer Kulturförderung, welche ihrerseits Position bezieht, Widerspruch fördert, durch Bevorzugung Zukunft schafft. Eine Kulturförderung, welche grosszügig statt symbolisch unterstützt. Dafür brauchen wir weniger Kommissionen und mehr Spielraum für kluge Köpfe. Doch allein schon das Rekursrecht, dem etwa Entscheide von Pro Helvetia unterliegen, verhindert Akzente. "
Das gute alte Giesskannenprinzip wird endlich offen kritisiert. Dieser extreme Rechtfertigungszwang von Pro Helvetia gegenüber jedem einzelnen kleinen Projekt bindet sehr viele Ressourcen, die genutzt werden könnten, um gezielt und "parteiisch" einige grosse Würfe zu fördern. Damit meine ich nicht alte etablierte Kulturinstitutionen, sondern erstaunliche und schräge, weitdenkende und durchdachte, aufsehenerregende und polarisierende Projekte. Um zu polarisieren, braucht es Mut, und an dem scheint es momentan zu fehlen bei denen, die Pro Helvetia zurückbinden.
Eine Kunstpolitik kann Exzellenz als Kriterium für die Vergabe von Förderungen auswählen. Es ist zwar nicht ganz so einfach, denn wer weiß schon vorher, ob am Ende Exzellenz dabei rauskommt? Oder ist die Förderung eine Belohnung für vergangene Taten? Aber gut, das lasse ich mir noch eingehen.
Wie sieht aber Exzellenz in Sachen Kultur aus? Exzellenz im Laienchor? Nein, nicht wirklich, oder?
Mag sein, dass das Giesskannenprinzip ausgedient hat. Wenn, dann aber nur im Kunstbereich. Im Kulturbereich eher nicht.
Aber vielleicht verstehe ich als jemand, der mit dem Fördersystem der Schweiz nicht so vertraut ist, etwas falsch?
- sehr gut durchdacht und raffiniert umgesetzt ist
- viel auslöst bei der (den) Gruppe(n), die es ansprechen will
- ein aktuelles oder traditionelles Thema auf eine ungekannte Weise aufgreift
- vom künstlerischen Aspekt her brilliert.
Das heißt, die Förderung einer exzellenten KünstlerIn basiert auf den Leistungen der Vergangenheit und ist nichts anderes als eine Option auf die Zukunft. Ob was daraus wird, weiß niemand, auch die Geförderten nicht.
Trotzdem ist es meiner Meinung nach richtig, wenn Exzellenz gefördert wird. Auf der anderen Seite brauche ich aber auch eine kritische Masse, damit Exzellenz überhaupt entstehen kann. Wenn ich nur die Exzellenz fördere und die Masse aushungere, entziehe ich zukünftiger Exzellenz die Grundlagen. Notwendig ist also beides, die Exzellenzförderung und das Gießkannenprinzip, eingebettet in ein Gesamtkonzept.
Und all die Kunst, die da mit der Gießkanne oder einem Exzellenzprogramm gefördert wird, bedarf der Kultur, die das Gefäß darstellt, aus dem heraus sich Kunst entwickeln kann. Das ist der Bereich, in dem die "Tradition" angesiedelt ist mit all den Aktivitäten, die hier immer als "Volkskultur" bezeichnet werden. Auch die muss gefördert werden, denn eine kulturlose Gesellschaft kann keine Kunst hervorbringen.
Da wären wir dann eigentlich schon bei Kulturentwicklungsplänen, um das oben angesprochene Gesamtkonzept zu erarbeiten.
Ich kenne mich mit der Kulturförderung in Österreich überhaupt nicht aus, aber mir ist heute während der Diskussion mit einem Kollegen wieder mal klargeworden, wie nützlich das Schweizer System der Subsidiarität gerade in der Kulturförderung ist bzw. sein könnte: Die Gemeinden und Kantone sollten eher nach dem Giesskannenprinzip fördern, und die Förderstellen des Bundes eher nach dem "Grossen-Wurf-Prinzip". Zum Teil funktioniert das bereits. Das grosse Dilemma ist einfach, dass wir in der Schweiz keinen Kulturminister haben, der diese Akzente sozusagen direkt im Auftrag des Bundes setzen könnte.
http://facts.ch/articles/767303-ruhe-san ft-helvetia
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