24/04/2008 14:03
Rauswurf von Blogger bei Facts 2.0 sorgt für Unmut in Schweizer Weblogs
"Eine "soziale" Newsplattform wie FACTS hat keine Publikationspflicht gegenüber der Community": die Online PC Zeitung hat bei Christoph Lüscher, dem Keeper of the Facts, nachgefragt, was er zu dies... »







Diskussion
die kühne behauptung, es gehe hier nicht um sachliche diskussionen, ist eine ohrfeige an alle user, die hier engagiert mitreden. und wenig kompatibel mit dem wort "sozial", dass ihr euch dauernd auf die fahne schreibt.
Im aufgeklärten 2018 hat eine intensive Auseinandersetzung mit den Meriten des neuen und des alten stattgefunden, die besten, über mehr als hundert Jahre gewachsenen ethischen Grundsätze des Journalismus werden genauso wie die besten der neuen Errungenschaften geachtet. Menschen, die dagegen verstossen, erhalten wenig Aufmerksamkeit oder werden von ihren jeweiligen Communities zurechtgewiesen.
In einem zweiten, dunkleren 2018 regiert der wilde Mob, Faktenprüfung sind genauso wie der Schutz der Persönlichkeitsrechte, die Pflicht zur Wahrhaftigkeit oder zur Wahrung der Menschenwürde ein Ding der Vergangenheit. Die wenigen, noch etwas öffentlichen Medien haben eine absolute Publikationspflicht gegenüber jedem, der sie aufsucht. Nachrichtenauswahl und Gewichtung liegen ausschliesslich in den Händen des Mobs, jedes noch so konstruierte Pseudonym geniesst mehr Vertrauen als die langsam aussterbenden und verhöhnten Redaktoren.
Ich möchte im aufgeklärten 2018 leben.
"ich finde die darstellung von christoph in diesem interview sehr einseitig."
Eigentlich möchte ich mich nicht gross zu dieser Angelegenheit äussern und habe mich bis jetzt auch zurückgehalten, aber eins brennt mir als Journalist wirklich seit gestern früh unter den Nägeln und es hat genau damit zu tun, was du hier ansprichst.
Natürlich ist Christophs Darstellung einseitig, Christioph selber ist ja nur eine Seite und es ist sein gutes Recht, seine Sicht der Dinge darzustellen, wenn er darum gefragt wird. Denn: Auf der anderen Seite geschieht genau dasselbe. Thinkabout schildert seine Sicht der Dinge. Und zahlreiche Blogger übernehmen diese völlig unkritisch als die einzig richtige und nehmen sie zum Ausgangspunkt für wilde Spekulationen.
Wenn ich als Journalist über eine Geschichte schreibe und dabei mich auf nur eine Quelle abstütze (was grundsätzlich schon mal sehr Mid-Risk ist), dann muss ich mir aber ganz genau überlegen, ob diese Person allenfalls bestimmte Interessen verfolgen könnte und wenn ja, welche das sind. Das alles ist gestern nicht passiert (im Ansatz habe ich das bei 1-2 Bloggern gesehen).
Wenn mir der Pressesprecher der Migros steckt, dass bei Coop bewusst Lebensmittel vergiftet werden, dann geh ich ja auch nicht hin und schreibe das sofort ins Netz. Genau weil ich weiss, dass diese Quelle alles andere als neutral ist und gezielt Interessen verfolgen könnte.
Ich will damit überhaupt nicht sagen, dass ich den Unmut nicht zu einem gewissen Grad verstehen kann, aber die Art und Weise, wie damit umgegangen wurde und wird, ist schlicht hochgradig unseriös.
Die hier diskutierten Verwerfungen, soweit ich sie überblicken kann, haben wohl damit zu tun, dass die gegenseitigen Erwartungshaltungen sowohl intern als auch extern unterschiedlich ausgeprägt sind (ich habe seinerzeit ähnliche Diskussionen als Co-Präsident von swissblogpress miterlebt).
Zwei Learnings sind mir aus dieser Zeit geblieben:
Bei einem solchen Projekt ist eine offene und regelmässige Kommunikation gegen innen wie auch gegen aussen genauso wichtig wie die Realisierung der Idee selbst. Ich weiss, man steckt alle Energie ins Projekt und vergisst darüber, die internen und externen Erwartungen abzuholen und abzugleichen.
Zweitens setze ich mich konsequent für faire und transparente Spielregeln in de Blogosphäre ein (vgl. www.fairblogging.ch). Das hat auch etwas damit zu tun, die gegenseitigen Erwartungshaltungen berechenbarer zu machen.
Für Facts ist das eine Zerreißprobe - weil Facts Artikel mischt - bezahlte, woanders erschienene, unbezahlte Blogger-Artikel und unbezahlte eigene Artikel. Und die Gegenleistung hierfür ist der Link auf den Ursprungsartikel. So funktionieren alle Aggregationsdienste. Die verlinkten Schreiber profitieren davon, weil ihnen mehr Aufmerksamkeit zuteil wird.
Nur wie sieht die Gegenleistung für die unbezahlten Artikel aus, der auf der Aggregationsplattform erscheint? Wenn man mit der Währung Aufmerksamkeit bezahlen wollte, müsste man einen eigenen Track, einen eigenen Bereich einrichten bzw. die Artikel besonders markieren. Bisher wurden ausgesuchte Artikel prominent auf der Startseite platziert und mit Bild versehen. Das erscheint den Schreibern angemessen. Weil dies im besagten Artikel von Thinkabout nicht statt gefunden hat, fühlte sich Thinkabout unfair behandelt. Hier ist anzumerken, dass eine Redaktion wirklich nicht jeden Artikel hochwertig oder auch nur gleichwertig behandeln kann und sich das Recht der Auswahl und Gewichtung vorbehalten darf und muss. Bei Facts gibt es aber auch die Nutzer, die bewerten und gewichten können. Und hier versuchte Thinkabout ja dann auch anzusetzen - und geriet in das Facts-Dilemma: Die Austarierung von Redaktionsgewichtung und Nutzergewichtung. Die ist, wie jetzt allerorts kritisiert wird, tatsächlich nicht wirklich transparent - anders als bei Zoomer, wo man sofort erkennen kann, wie die Gewichtung erfolgt ist. Zoomer zeigt, dass man sehr wohl redaktionell gewichten kann, man sollte nur transparent dabei vorgehen. Hier finde ich, sollte Facts aus seinem Selbstverständnisheraus als Aggregationsplattform, die Nutzern Bewertungsrechte zugesteht, nachbessern.
Vielleicht hätte das Hickhack gestern vermieden werden können, wenn es eine eigenen Seite für eigene Artikel geben würde - oder eine eigene Spalte - oder sonst irgendein Unterscheidungsmerkmal, das die Artikel besonders hervorhebt.
Ebenso fehlt eine Bewertung von Nutzerkommentaren ähnlich wie bei Slashdot (unpassendes, schlechtes wird über ein Nutzervoting mit Aufmerksamkeitsentzug bestraft). Das hätte vielleicht die hier über Tage sich hinziehen Eskalation vermeiden können. Vielleicht.
Grundsätzlich ist das mit den auf der Plattform geschriebenen Artikeln ein wirkliches Problem, das man wohl am ehesten über eine Form der Bezahlung regeln müsste - weil das immer noch die anerkannte Form der Gegenleistung ist. Entweder über Pauschalen oder über ein Beteiligung an den Werbeeinnahmen plus Vernetzung/Verlinkung. Wie auch immer. Aufmerksamkeit allein scheint zu wenig zu sein. Die erhält ein Blogger nämlich am besten über sein Blog.
Bezahlung:Ich weiss aus eigener Erfahrung, dass es hier im Moment nicht darum gehen kann, Geld einzufordern. Neuen Medien ist eines gemeinsam: Am Anfang sind sie sehr offen, weil es an Inhalten mangelt. In dieser Zeit ist vieles möglich, und viele können davon profitieren, so sie denn etwas zu sagen haben. Das ist Bezahlung genug, denn zu einem späteren Zeitpunkt, wenn die Sache konsolidiert ist, können sie sich verkaufen, wenn sie das wollen. Ich war beim Aufbau der Lokalradios dabei und hatte zu gewissen Zeiten Sendungen auf 5! Stationen gleichzeitig mit der allerschrägsten Musik, die man sich nur vorstellen kann. .. Hätte ich da Geld gefordert, wäre ich einfach nur blöd gewesen.
Die Redaktion: Es schleckt keine Geiss weg, dass Christoph und Evelina aus Fleisch und Blut sind... Ich kann damit leben.
2018: Gibts Facts nicht mehr - oder es ist ein Riesending, und die, welche die Sache ausgeheckt hatten, haben ausgesorgt. Wo ist das Problem? Sie hatten die Idee, stecken offensichtlich alles rein, was sie haben: So funktioniert nun mal Kapitalismus! Mir wäre auch eine geile OpenSourcePlattform (nicht technisch gemeint) lieber - wer macht sie, wo ist sie? Das schöne hier ist ja, dass die Benutzer von überall her kommen. Was ich überhaupt nicht ausstehen kann, sind diese Plattformen, wo man sich gegenseitig beweihräuchert. Nach dem Prinzip: Einer sagt "19" - schallendes Gelächter; sagt ein anderer: "und erst 55" - brüllendes Gelächter; und so weiter
Zur Zeit sind wir leider darauf angewiesen, für unser Portal Autoren zu gewinnen, die freiwillig bereit sind, ohne Bezahlung für FACTS Artikel (Kolumnen) zu schreiben. Der Blogger Thinkabout kam selber zu uns mit seinem Text-Angebot, worauf wir uns gemeinsam mit ihm entschlossen haben, daraus eine Kolumne zu machen. Die Mitarbeit der unbezahlten MitarbeiterInnen ist freiwillig.
Zur Frage der Bezahlung möchte ich gerne Bruder Bernhards Statements vollumfänglich unterschreiben.
Und wie bei jedem Hybrid ist sein Gestalt ohne feste Konturen und weist funktionelle Unzulänglichkeiten auf. Genau diese Eigenschaft stellt in der Tat eine einmalige HERAUSFORDERUNG dar, der wir uns unerschrocken exponieren - trotz heftiger Winde. Und die Vision nicht aufgeben, zusammen mit unseren geschätzten Usern ein modernes Medium aufzubauen.
(Verweis hiermit auf Charlene Lis und J. Bernoffs Buch "Groundswell", das gerade vor mir liegt).
@ Christiane Schulzki-Haddouti25/04 09:39
@ bruder bernhard25/04 10:44
Alle 3 Beiträge sind ernsthafte Versuche von Users einen Beitrag zur Versachlichung und Entspannung der "entglittenen" Konfliktsituation zu leisten. Wie sehr das Gelingen von Facts von User-Seite gewünscht wird, zeigt für mich der mit Sachkenntnis und Zeitaufwand verfasste Beitrag von Christiane Schulzki-Haddouti, welcher auch für mich als Medien- und Blogger- Laie äusserst interessant war. Dieser Beitrag enthält eine Substanz, für die man bei einem Unternehmensberater schnell viel Geld liegen lassen würde. Wenn Facts Autoren und Kolumnisten sucht bzw. deren Einsatz zu prüfen bereit ist, wäre doch in der Fussleiste ein Button gut, wo alle Interessierten die Facts Voraussetzungen und Bedingungen nachlesen könnten. Mit definierten und öffentlichen Spielregeln wäre viel gewonnen. Der gegenwärtige Aufruhr kommt nämlich auch vom Eindruck her, dass es keine Spielregeln gibt bzw. Spielregeln nachträglich geändert werden (können), je nach Tagessicht.
Jetzt möchte ich wie die oben erwähnten Kommentatoren, dass Ruhe einkehrt und Facts die Spur zum Erfolg sucht und findet. Trotzdem muss ich hier einen Punkt anfügen, über den ich nach User Hinweisen gestolpert bin. Es gibt einen User mit Nick Angel, der so anonym ist, dass entgegen allen Spielregeln nicht einmal "Erfundenes" angezeigt wird und der auch nicht mit den üblichen Mechanismen kontaktiert werden kann, bzw. nicht kontaktiert werden darf. Ich will den Angel nicht kontaktieren, habe ich doch genügend Angels die ich sogar anfassen darf.
Aber liebe Facts Macher, mit so kleinen Dingen wird die Diskussion angeheizt, dass bei Facts keine Transparenz herrscht und es einfach willkürlich Ausnahmen gibt.
Zu erreichen ist das unter "Mein Profil" -"Profil bearbeiten" - "Wer darf mein Profil sehen" - auf "Nur meine bestätigten Kontakte" klicken.
Das ist die ganze Hexerei, lieber von Relax. Im RL existieren keine Hüte, welche die Menschen unsichtbar machen. In der virtuellen Realität schon.
Stichwort: FACTS-Regeln schreiben und veröffentlichen: wir sind daran und halten das ebenfalls für etwas Unentbehrliches. Allerdings gibt es dazu Netiquette-Normen, Etiquette-Normen und moralische Normen, die nicht restlos schriftlich festgehalten sind und dennoch von den Gesellschaftsmitgliedern eingehalten werden, damit das Zusammenleben funktioniert. Im Internet "darf" es nicht anders sein, obwohl man Hüte hat, die einem unsichtbar machen. Und wenn nicht, dann wissen Sie selber was dann passiert. Polizei haben wir auf FACTS keine (siehe hier :-)
http://facts.ch/articles/761972-schweiz- basel-wegweisungen-bis-zu-einem-monat), möchten auch keine und verlassen uns deshalb auf die soziale Kontrolle. Nicht so einfach, wie ich in den letzten Tagen feststellen musste.
Danke Evelina für die Erklärung, welche sicher User bei einer besseren Sichtweise hilft. Facts ist für den Community Gebrauch mit Power Features ausgestattet, welche sich oft erst durch mutiges Klicken und "herumspielen" erschliessen. Dies ist einerseits ein Kompliment und andererseits wie mit PN mehr als einmal kommuniziert, erschliessen sich die Click Tools nicht allen Users so intuitiv, wie es von den Machern angedacht ist.
Also, nicht über meine vorausgegangenen Frage ärgern, die Antwort sorgt für gewünschte Aufklärung bei Users, welche das erste Mal über diese Variante gestolpert sind.
Wir bleiben dran.
1. FACTS ist ein enorm komplexes System.
2. Dass man das nicht sofort wahrnimmt, ist ein sehr gutes Zeichen.
3. Jedes System hat eine Lernkurve. FACTS ist am Anfang recht einfach, wird aber linear schwieriger bis man ein Plateau erreicht und dann ists easy.
4. 99% Eurer Anfragen fuer neue Features sind begruendet, jedes Feature aber macht das System noch komplexer und muss deshalb genau bedacht werden (Stichwort: "Features kill").
5. Wann habt ihr zum letzten Mal FAQ's gelesen?
6. Das System muss vereinfacht, nicht die Schwierigkeiten durch einen Frageantwortkatalog abgehakt werden.
7. FACTS hat viele viele Macken
8. Wir leben Feedback
9. Vergesst nie, dass das hier ein Zwergenprojekt mit sehr bescheidenen Mitteln ist.
10. Wenn ich das selber koennte, wuerde ich gleich sofort 10 Dinge aendern:
a) Der Zeilenumbruch, der ploetzlih bei Kommentaren verschwindet
b) Eine Feedbackseite
c) Kommentarbackgroundcolor heller
d) Einladung annehmen Text und System verbessern
e) User-Loeschsystem aufraeumen
f) Kommentar-Exportierfunktion
g) Slashdot-User-Hierarchie
h) User-Ignorier-Funtion
i) Komentarbewertungssystem wie bei Artikeln
j) Automatische FACTS-Avatar-Generierungsmaschine
k) Icons an Avatarsprache anpassen
l) User-Karma-System
m) oha das waren schon viel mehr als 10...
Einige Dinge sind schnell gemacht, andere sind fromme Wuensche mit enorm viel Aufwand verbunden. Gaman kudasai.
Gris-Gris - 25. Apr, 19:01
"Diese "dumpfe" Solidarität innerhalb der Blogosphere, diese Abwesenheit von Selbstkritik*, dieses Renegatentum, dieses Aufplustern (und sich genial fühlen) - es wird noch die letzten erwachsenen LeserInnen aus der Blogosphere spülen... das ist die effektive Wirkung der ominösen W-E-L-L-E, welche nachgesagtermassen nun durch die Restmasse der helvetischen Sphere donnert.[...]
Es wäre ja auch seltsam, wenn man Bäume an der Baumgrenze etwa nicht mehr als verkrüppelt bezeichnen dürfte. Also, nochmals: die Blogosphere ist arg im Rollstuhl - darüber müssen wir nicht diskutieren. [...]
Facts 2.0 ist meinem Gespür nach ok! Ich glaube, Thinkabout wurde zu Recht hinausgeworfen. [...]
Dazu machte ich hingegen auch einen Vorschlag, der mir kulturell nicht ohne Interesse zu sein scheint: Thinkabout & leu führen regelmässig - z.B. 1x wöchentlich - philosophische Gespräche, und diese werden live in die Blogosphere übertragen. Ein gute Idee, gell? Obwohl ich doch gar keinen Bachelor in Kulturmanagement habe. Nachträglich ist mir übrigens noch der Gedanke gekommen, ob nicht Thomas Benkö vom Blick die Gesprächsleitung übernehmen könnte".
Quelle: http://litart.twoday.net/stories/4886302 /
Und noch zum Schluss: Die Facts-Macher haben jetzt soo herzige Bildli erhalten: Das macht sie alle doch automatisch lieb und nett....
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