22/03/2012 19:07
Tennessee will Kreationismusverbot lockern
Lehrer sollen ihren Schülern "Stärken und Schwächen" der Evolutionslehre vermitteln dürfen, sagt ein neues Gesetz im US-Bundesstaat Tennessee. Naturwissenschaftler sind entsetzt. Sie fürchten, dass... »







Diskussion
Keine Schulbehörde oder Schulleitung dürfe einem Lehrer verbieten, "Schülern dabei zu helfen, die Widersprüche, haltlosen Behauptungen und Konflikte von bestehenden Religionen, die im Unterricht behandelt werden, zu verstehen, zu analysieren, zu kritisieren und objektiv zu beurteilen".
Aber da wird es in der Hölle schneien, bevor sowas in God's own country durchkommt.
Herzliches Beileid...
Denkverbote in jeglicher Richtung sollte einem freiheitsliebenden Zeitgenossen doch eigentlich fremd sein. Aber mir kommt das Ganze so vor, als wäre man halt immer und in allen "Lagern" mindestens auf einem Auge blind und verbietet sich, das andere Auge mit allen erdenklichen argumentatorischen Tricks auch nur ein bisschen zu öffnen.
Andererseits verstehe ich die Problematik des erschreckten Lemmings (sie fusst auf seiner biologischen Natur), der lieber in der warmen Höhle bleiben und dem Schattenspiel zusehen möchte - in Ahlehnung an Platons Höhlengleichnis, das du so gerne magst. Ich meine, seit etwa 300 Jahren haben denkende Menschen (nennen wir sie Naturwissenschaftler) die Höhle verlassen, sind ins Licht vorgestossen (Siècle des Lumières) und haben uns mit neuen Erkenntnissen beglückt. Die in der Höhle zurück gebliebenen haben verständlicherweise unmutig reagiert und das meiste als Hirngespinst abgetan. Zu gemütlich war es doch am heimeligen Feuer der Höhle.
Das ist aus biologischer Sicht auch nicht weiter verwunderlich. Der Zweifel ist ein unbequemes Gefühl und nährt sich aus dem präfrontalen Cortex - dem bewussten, kognitiven Areal unseres Gehirns. Aber die wirklichen Entscheidungen passieren in tieferen, älteren Hirnregionen, noch bevor das Bewusstsein davon Kenntnis hat. Und da ist der Zweifel kontraproduktiv. Da ist ein fester Glaube - auch evolutionär begründbar - erfolgreicher und führt eher zu Zufriedenheit und Glück. Das kann man quasi als Axiom so stehen lassen.
Das sind natürlich Interpretationen und argumentatorische Tricks von mir, lieber Tinu. Aber genau darum geht es ja, nicht wahr...;-)
Ach Frenk, dieser argumentatorische Trick ist jetzt aber all zu durchsichtig. Als Philosoph und Naturwissenschaftlicher komme ich nicht zum Staunen raus, wie du das Höhlengleichnis von Platon umgebogen, um nicht zu sagen, missbraucht hast. Willst du mit dieser Argumentation wirklich die Arroganz der Allwissenheit der Naturwissenschaft dokumentieren, indem die Naturwissenschaft auf das "Verlassen der Höhle" uminterpretiert wird? Nein, so geht das nicht - für mich viel eher ein Beweis mehr, wie das "andere Auge" mit aller Gewalt zugedrückt wird.
Nebenbei: Mit der "fundamental-christlichen Haltung der politischen USA" kann ich definitiv auch nichts anfangen und das hat mit unserem Christentum auch kaum etwas zu tun. Aber warum wird immer mit Extrembeispielen alles diffamiert? Das ist auch so ein argumentatorischer Trick, ebenfalls sehr durchsichtig.
Und jeder Priester interpretiert das Wort Gottes anders, sei es nun ein Katholik, ein Protestant, ein orthodoxer Jude, ein Wahabbit, ein Schiit, ein Sunnit, ein Hindu und haste nicht gesehen. Und die argumentatorischen Tricks, die dabei verwendet werden, sind ja alle legitim, denn mit Logik kommst du nicht weit. Alles klar.
Natürlich sind 200 Millionen Amis alles fundamentalistische Christen, auch wenn die an die 30 verschiedenen Sekten haben, aber wir Europäer doch nicht. Wir sind die lieben Christen, gell. Da hast du in der Tat das Hauptproblem der Religionen angesprochen.
Aber du kennst ja meine Einstellung als Atheist: da wir in den letzten 4000 Jahren hunderte von Göttern aus unserem fantastischen Repertoire als überflüssig angesehen und gestrichen haben bis auf einen einzigen - und der ist nicht mal für alle gleich -, können wir den letzten auch noch ersatzlos streichen...;-)
Dass "200 Millionen Amis alles fundamentalistische Christen" seien und "wir Europär doch nicht", habe ich so nicht gesagt und auch nicht gemeint. Und wo habe ich von den "lieben Christen" geschrieben?
Und von "den hunderten von Göttern" war eigentlich stand auch nichts. Aber dass es auch verschiedenen "Probleme" der Naturwissenschaft gibt, kommt da nicht vor, aber eben, wie gesagt: Das blinde Auge....
"Der Naturwissenschaftler sagt, dass Wasser aus zwei Atomen Wasserstoff und einem Atom Sauerstoff besteht. Der Gläubige sagt, Gott hat das Wasser vor den Sternen erschaffen. Deshalb gab es noch gar keine Kernfusion und Sauerstoff auch nicht."
Hier hört jede vernünftige Unterhaltung auf.
Das nehme ich aber nicht allein auf meine Kappe... ;-) Vor allem dann nicht, wenn ich merke, dass mir Dinge unterstellt werden, die ich weder geschrieben noch gemeint habe - auch dieses Thema lässt sich einfach nicht nur polar sehen (als Naturwissenschaftler und Philosoph ist mir Polarität und Dualismus in den wichtigen Fragen des Lebens sowieso suspekt). Mein Fazit: Ich werde wohl in Zukunft, wenn das Thema "Religion" hier wieder einmal auftaucht (was seltsamerweise gar nicht so selten ist), einfach schweigen.
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