30/04/2008 08:19
Crashkurs Fussball: Eine Einführung von A bis Z (Teil 2)
Wer im Juni während der Europameisterschaft mitreden will, muss die Grundbegriffe im Fussball kennen. Nur leider erklärt einem die niemand richtig. FACTS tut es. Ein Crashkurs für Anfänger und Fortgeschrittene.
Von David Bauer.
> Zu Teil 1
G
Griechenland ist der amtierende Europameister. Im Finale der letzten Europameisterschaft 2004 in Portugal bezwangen sie den Gastgeber mit 1-0. Vor dem Turnier waren die Griechen als krasse Aussenseiter gehandelt worden. Das müsste den Schweizern wenigstens ein bisschen Hoffnung machen. Davor wurde zuletzt 1992 mit Dänemark ein Aussenseiter Europameister.
> Bei Unklarheiten fragen Sie Otto Rehakles.
H
Ein Hattrick ist, wenn ein Spieler in einer Halbzeit drei Tore schiesst, ohne dass dazwischen ein weiteres Tor fällt. In einer weniger strengen Auslegung gelten auch drei Tore von einem Spieler in einem Spiel als Hattrick. In seiner strengsten Auslegung gilt als Hatttrick nur, wenn ein Spieler in einer Halbzeit drei aufeinanderfolgende Tore erzielt - eines mit dem rechten Fuss, eines mit dem linken und eines mit dem Kopf. An Europameisterschaften hat bisher erst ein einziger Spieler einen Hattrick erzielt: der jetzige UEFA-Präsident Michel Platini 1984 gegen Jugoslawien.
> Bei Unklarheiten fragen Sie sich mal, welcher Schweizer für einen Hattrick in Frage käme.
I
Ein indirekter Freistoss darf nicht direkt ins Tor geschossen werden. Mindestens ein Spieler, egal welcher Mannschaft, muss den Ball noch berühren, damit ein allfälliges Tor zählt. Ein indirekter Freistoss wird deshalb normalerweise als Flanke vors Tor gebracht, wo ein Angreifer versucht, den Ball zu verwerten. Im Gegensatz zum direkten Freistoss wird auf indirekten bei kleineren Vergehen entschieden. Zu erkennen an dem nach oben ausgestreckten Arm des Schiedsrichters.
> Bei Unklarheiten schlagen Sie im Regelwerk der FIFA nach
J
Ein Joker im Fussball ist anders als in einem Kartenspiel nicht vielseitig einsetzbar. Genau genommen ist er nur sehr einseitig einsetzbar. Er wird aber auch eingesetzt, wenn man sonst nicht mehr weiter weiss. Zu Beginn des Spiels nimmt der Joker auf der Ersatzbank Platz und wenn sich das Spiel zu Ungunsten seiner Mannschaft entwickelt, bringt ihn der Trainer so um die 60. Minute ins Spiel. Der Joker ist insgesamt ein mittelmässiger Spieler (darum sitzt er auf der Bank), er hat aber gewisse Eigenschaften, mit denen er ein Spiel entscheiden kann (besonders gross, besonders schnell oder ein guter Freistossschütze).
> Bei Unklarheiten fragen Sie Hakan Yakin.
K
Die KO-Runde beginnt an der Europameisterschaft mit dem Viertelfinale. In dieser Turnierphase gilt: Wer verliert, ist ausgeschieden. Steht es nach 90 Minuten unentschieden, wird eine 30 minütige Verlängerung angehängt. Bringt diese auch keine Entscheidung, kommt es zum > Elfmeterschiessen. Früher wurden unentschiedene Spiele wiederholt, per Münzwurf entschieden oder an den letzten drei Europameisterschaften mit den Regeln Golden Goal und Silver Goal veredelt.
> Bei Unklarheiten fragen Sie einen Holländer, was er von der KO-Runde hält.
Kick & Rush war ursprünglich die bevorzugte Taktik englischer Mannschaften. Der Ball wird aus der eigenen Verteidigung weit nach vorne geschlagen, meist ohne klares Ziel. Wer kann, rennt dann dem Ball nach und versucht ihn sinnvoll zu verwerten. Da die englische Nationalmannschaft an der Euro 08 nicht dabei ist, kann Kick & Rush nur jeweils in den Schlussminuten eines Spieles beobachtet werden, wenn die zurückliegende Mannschaft verzweifelt den Ausgleich sucht.
> Bei Unklarheiten fragen Sie Christian Gross.
Konter sind das, was die Schweiz besser können müsste, wollte sie Erfolg haben. Wird ein Angriff unterbunden und direkt ein Gegenangriff eingeleitet, spricht man von einem Konter. Wird er schnell genug ausgeführt, ist die Verteidigung der gegnerischen Mannschaft noch nicht wieder richtig organisiert und es kommt zu Situationen, in denen die Angreifer in der Überzahl sind. Für gute Konter sind schnelle Stürmer notwendig (erster Minuspunkt für die Schweiz) und Verteidiger, die diese Stürmer schnell und präzise anspielen können (zweiter Minuspunkt für die Schweiz). Zu Kontern kommt oft die führende Mannschaft, wenn der Gegner alles in den Angriff wirft.
> Bei Unklarheiten fragen Sie Philippe Senderos.
L
Der Libero ist eine weitgehend ausgestorbene Position im Fussball. Er spielt hinter der eigentlichen Abwehr als Absicherung, kann aber auch nach vorne Akzente setzen, weil er keinen direkten Gegenspieler hat. Heute nimmt der Torwart, wenn er denn gut ist, die Rolle des Liberos ein, indem er bei langen Bällen aus seinem Strafraum hinaus kommt und die Situation klärt. Griechenland ist allerdings vor vier Jahren mit einem echten Libero Europameister geworden.
> Bei Unklarheiten fragen Sie Franz Beckenbauer.
Dank la Ola (spanisch: die Welle, im Sportreporterdeutsch auch gerne Laola-Welle genannt) wird der Passivsportler zum Aktivsportler. Wenn ein Spiel begeisternd ist (oder wenn den Zuschauern derart langweilig ist, dass sie sich selber unterhalten müssen), geht die Welle durchs Stadion. Die Zuschauer reissen reihum die Arme hoch und rufen dazu “Ohhhh”. Erfunden wurde la Ola Anfangs der 80er Jahre, über den Erfinder streitet man sich (la Ola wurde aber wohl erstmals beim American Football zelebriert).
> Bei Unklarheiten üben Sie hier selber.
M
Die Manndeckung ist eine etwas aus der Mode gekommene Form der Verteidigung. Dabei kümmert sich der Verteidiger konsequent um denselben Angreifer, egal wo dieser sich gerade befindet. Moderne Spielsysteme sind in der Regel auf Raumdeckung ausgerichtet, wo der Verteidiger auf seiner Position bleibt und jeweils gegen denjenigen Spieler verteidigt, der in seiner Zone angreift. Da die Raumdeckung eine bessere Abstimmung innerhalb der Verteidigung bedingt, ist unter Umständen die Manndeckung die zuverlässigere Wahl. Griechenland ist mit Manndeckung und einem >Libero vor vier Jahren Europameister geworden. Die Extremform der Manndeckung, die auf komplette Defensive und lausige 1-0 Siege ausgerichtet ist, ist der Catenaccio, der nicht zufällig eine italienische Bezeichnung hat.
> Bei Unklarheiten fragen Sie Giovanni Trapattoni.
> Zu Teil 3







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