„Auf halben Weg ein anständiger Mensch“
Brötchen vor die Säue
Kahneman, der Schreck der Ökonomen
Der gespiegelte Mensch
Europa in der Krise: Die Schweizer Solidarität
"Gute Lügner sind sympathischer"
Diskussion
Die Argumente hier sind seit langem die selben. Immer heisst es - ich greife nur eines heraus - um das zu zeigen -, es stehe doch fest verankert, der Bund könne nur Musik und Kunst fördern.
Da muss die grosse Frage doch kommen: Warum? Warum legt man nicht auch 'fest verankert' fest, dass der Staat Literatur und Tanz födert? Sind wir ein Staat der Musik und Kunst, liebe CVP? Weil sich da am meisten verdienen lässt (als Kunstmarkt ist die Schweiz weltweit an dritter Stelle, dass Musik viel Geld macht, immer noch, ist evident...)? Oder wie?
Z.B. hier:
http://facts.ch/articles/760358-beschaft igt-und-befangen
Oder hier:
http://facts.ch/articles/693181-kulturma nagement-als-diskursfeld
Und über Autorenförderung:
http://facts.ch/articles/777729-literari sches-leben-autorenforderung-hungert-sie -aus
Und Jagoda Marinics Replik dazu:
http://facts.ch/articles/786627-hungert- selbst-bis-euch-die-worte-aus-der-feder- sprie
Wie Diana Porr bereits geschrieben hat, geht es ja nicht zum ersten Mal um das Thema Kulturpolitik. Diskussionen haben bereits stattgefunden. Nun sei die Frage erlaubt, welche Auswirkungen die hier oder an anderer Stelle geführten Diskussionen gehabt haben? Welche KulturpolitikerInnen sind darauf eingestiegen, welche Argumente konnten entkräftet werden?
Soweit ich das aus der Ferne beurteilen kann, ist von kulturpolitischer Seite niemand auf diese Diskussionen eingegangen. Vor diesem Hintergrund halte ich es für etwas zynisch, die Frage zu stellen, ob das "Problem der Kulturschaffenden" niemanden interessiere. Doch tut es, aber vielleicht fangen wir einfach mal mit der Professionalisierung der Kulturpolitik an und reden dann weiter?
Es ist ausserdem völlig unmöglich objektive Kriterien dafür zu finden, wie man das Geld den verteilen soll, wie der obige Artikel mit seinen vielen Gummiargumenten zeigt.
Logisch würde Kunst weiterhin entstehen, wenn niemand was bezahlt. Das ist kein Argument. Ich atme auch weiter, wenn's kein Sauerstoff mehr gibt. Ob ich allerdings überlebe, bezweifle ich. Wenn Sie auf diesem Niveau argumentieren, müsste zum Beispiel auch die Wissenschaft und die Forschung kein Geld mehr erhalten und die Bauern auch nicht. Und überhaupt sollte niemand mehr Geld vom Staat erhalten, denn es wäre immer ungerecht verteilt. Das ist irgendwie doof und führt in den 200 Jahre alten Morast zurück.
Eine Investition in Kulturelles ist immer auch eine Beitrag in die soziale Forschung und Entwicklung. Diese sollte man jetzt noch nicht beenden, den die Menschheit braucht noch die eine oder andere Entwicklungsstufe und damit auch die Selbstreflexion und Dokumentation darin. Und das "wie" wir diese Fragen diskutieren, zeigt bereits eine solche gesellschaftliche Entwicklungsstufe auf. Ob das nun gut oder schlecht ist, muss ungewertet zur Kenntnis genommen werden. Erst dann erkennen wir vielleicht eine Lösung daraus.
Und wenn dieses mitternächtliche Votum noch nicht erhellend war, dann stell ich die Frage: Was war zuerst? Der Kreis auf dem Papier oder im Kopf? (Ich koche Ihnen in der Zwischenzeit was zum Essen, damit Sie genug Zeit zum Denken haben...)
Wieso denn? Ich mache mir eben Gedanken, welche Aufgaben der Staat hat und welche nicht. Da gibt einige, wo wir uns praktisch alle einig sind (Polizei, Rechtssystem) und andere bei denen wir diskutieren müssen/können. Soziales Netz, Landesverteidigung, Bildung finde ich zum Beispiel wichtig, wenn auch nicht immer in der jetzigen Form. Kunstförderung, Staatsfernsehen, Landwirtschafts- und allerlei andere Subventionen finde ich dagegen nicht nötig.
Deshalb habe ich von "rechts/links" geredet, die beiden Seiten des politischen Spektrum unterscheiden sich ja auch dadurch welches sie als die Aufgaben eines Staates betrachen.
"Eine Gemeinschaft hat immer Kultur und definiert sich darin."
Vollkommen richtig, es gab ja auch schon eine reiche Kulturlandschaft z.b. in der Schweiz bevor der Staat begonnen hat, sie zu unterstützen.
"Ob ich allerdings überlebe, bezweifle ich."
Wenn man sich all die privaten Stiftungen und Museen in dem Land anschaut, ist wohl ohne Zweifel klar, das schweizer Kunst auch so überleben wird.
Natürlich gäbe es da 2 Nachteile:
1.Ist sie evt. nicht mehr für alle zugänglich
2.Ist sie von den privaten Geldgebern abhängig
ABER
1.Gilt auch schon jetzt bei staatlicher Finanzierung:
2.Stellt auch der Staat als Geldgeber Bedingungen. Diese sind wie schon angesprochen völlig unmöglich fair, objektiv oder mit der Kunst/Meinungsfreiheit vereinbar.
"Und überhaupt sollte niemand mehr Geld vom Staat erhalten, denn es wäre immer ungerecht verteilt."
Das widerum finde ich ein schlechtes Argument. Das ist eben eines dieser Gummiargumente: Es gibt durchaus Staatsausgaben deren Effekt oder eben "Fairness" man bis zu einem gewissen Grad messen kann. Natürlich sind diese Benchmarks nie perfekt, aber sicher um ein vielfaches besser als bei der Kunstförderung.
"[...]müsste zum Beispiel auch die Wissenschaft und die Forschung kein Geld mehr erhalten und die Bauern auch nicht."
-Bei den Bauern sind wir uns einig.
-Wissenschaft und Forschung bringen einen konkreten messbaren Nutzen für die Allgemeinhei. Ihre Lebenserwartung ist zum Beispiel nicht mehr 28, sondern über 60. Sie können mit einem "Auto" von A nach B fahren. Usw... Deshalb ist nicht mehr wert als Kunst, verstehen sie mich nicht falsch, nur macht es eben mehr Sinn sie zu untersützen, weil man irgendwie urteilen kann was unterstützenswert ist und was nicht.
"Eine Investition in Kulturelles ist immer auch eine Beitrag in die soziale Forschung und Entwicklung." Wie Demoscop gesagt hat, zum Teil ist es einfach nur ein Beitrag an eine Gruppe von Künstlern, die gut darin ist, Geld von Staat zu "erbetteln".
Ich hoffe mal das war nicht zu wirr. Es ist schliesslich früh morgens und ich bin müde.
Ganz schlecht finde ich die Idee der Wettbewerbe und Preisausschreibungen. Dies definiert ein Markt, bei dem sich alles um den Gewinn dreht. Das kann nicht funktionieren. Besser wäre es, eine Horde "Kulturscouts" nach draussen zu senden (eben ohne Bürotisch!), welche vor Ort Kultur und Kunst abtasten. Das grösste Problem ist ja, dass Kulturpolitik auf dem Reissbrett gemacht wird und der Bezug zum Alltag, zur Situation oder zu einem Kontext wegbleibt. Die meisten Kulturförderer kennen ausser die Bürowände nicht sehr viel vom kulturellen und künstlerlischen Alltag. Deswegen wird das Geld momentan wie Entschuldigungsgutscheine verteilt.
Ein weiteres Problem ist, ich habe im Januar darüber geschrieben (ensuite), dass in den Verwaltungsräten und in den Verteilgremien Menschen sitzen, die zuviel Macht über das Kulturgeld haben. Wenn die öffentliche Hand, zum Beispiel der Leiter vom Amt für Kultur vom Kanton, selber im Stadttheater und in jeder weiteren grösseren Institution im Verwaltungsrat sitzt. Er wird nie die Möglichkeit nutzen, diese Institutionen (auch finanziell) in Frage zu stellen, weil er selber zu befangen ist. Das gleiche gilt für Pro Helvetia, die Städte, Gemeinden etc... Hier besteht dringend Handlungsbedarf, sonst degradiert Kulturpolitik vollends zur mafiösen Machtstruktur. Leider sind wir an einigen Stellen bereits dort.
Das heisst aber nicht, Kulturpolitik abschaffen, sondern im Gegenteil, mitdiskutieren und Kulturpolitik formen. Es ist ein fortwährender Prozess - so wie wir Menschen darin wachsen.
Das Problem bei der Zentralisierung der Förderung ist, dass man dem Einzelnen - und gerade dem, der Neues wagt und aus dem Rahmen fällt, nicht gerecht werden kann.
Das Problem bei der Dezentralisierung ist, dass da oft Verwaltungsmenschen die Entscheidungen treffen müssen, die nur wenig Fachkompetenz haben, was z.B. das Marionettentheater, Poetry Slams oder byzantinische Ikonenmalerei betrifft.
Kultur ist kein verzichtbares Luxusgut wie ein Auto. Kultur ist die Grundlage für unser Weltverständnis!
Kultur lässt sich nicht danach beurteilen, ob sie sich finanziell rechnet.
Würde man ihnen die Subventionen streichen, müssten die meisten Universitäten, Opernhäuser, Theater, Museen und Bibliotheken sofort schließen.
Wenn das finanzielle Interesse zum bestimmenden Faktor wird, zählt allein die Quote: Was die Masse nicht interesseirt, verschwindet. Neues hat kaum eine Chance zu wachsen.
"Wissenschaft und Forschung bringen einen konkreten messbaren Nutzen für die Allgemeinheit. Ihre Lebenserwartung ist zum Beispiel nicht mehr 28, sondern über 60. Sie können mit einem "Auto" von A nach B fahren."
Ich lebe wunderbar ohne Auto. Viel schlimmer wäre es, wenn ich nicht mehr von A nach B GEHEN könnte, um dort einen Abend lang Kultur mitzuerleben.
Leider ist es aber eben so, dass es Tendenzen gibt, die beiden Sachen zu verschmelzen, also nur noch bereits Bekannte als Leuchttürme auszuwählen. Was ich für falsch halte. Und zumindest stimmt es umgekehrt nicht: Nicht jeder Bekannte wird ein Leuchtturm (eben: zum Glück!).
Ich komme aus Norddeutschland. Da ist der Leuchtturm das exponierteste Gebäude an der Küste, das sich am weitesten hinauswagt. Das den Menschen auf dem Wasser Orientierung gibt, damit ihre Schiffe bei Nacht und Sturm nicht in die Klippen und auf Grund laufen. Leuchtturmwärter ist mitunter ein einsames Geschäft.
" "Leuchtturm" als Begriff meint ja eigentlich nicht, "bekannt sein", sondern etwas wie "vom Staat auserwählt, als wichtig zu gelten"."
Ich verstehe den Begriff ganz anders. "Leuchtturm" bedeutet aus meiner Sicht etwas Grosses, Auffälliges, das weitherum leuchtet, sodass man es auch im Ausland wahrnimmt. Leuchttürme werden oft vom Staat unterstützt, weil er merkt, dass es sich lohnt, sie zu unterstützen. Sie können aber auch ganz ohne Hilfe des Staates so wichtig geworden sein.
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