Deutschland beschneidet Kinderrechte

Die Debatte über die religiöse Beschneidung von Säuglingen hat nach dem Kölner Urteil ein Strohfeuer an empörten Kommentaren entfacht. Nach dem Verstummen des Geschreis der üblichen Verdächtigen, schwelt der Brand unter der Bevölkerung weiter. Just in dieser trügerischen medialen Stille hat das Bundesjustizministerium einen Entwurf eines Gesetzestextes vorgelegt, der die religiös motivierte Verstümmelung legalisieren soll, angeblich zur Wahrung der Religionsfreiheit und nota bene ohne den Opfern ein Klagerecht einzuräumen.

Etwa zur gleichen Zeit fand eine Bundespressekonferenz statt, bei der verschiedene in der Sache kompetente Redner aus Sicht der Kinderschutzes zu verschiedenen Aspekten der Beschneidung Stellung nahmen. Da die deutschen Medien diesbezüglich eine gewisse Ladehemmung zeigen, muss sich der Leser auf anderen Kanälen informieren.

Im medialen Getöse der vergangenen Wochen wurde oft die Holocaustkeule benutzt und kritische Stimmen wurden mit dem Pseudoargument des Antisemitismus zum Schweigen gebracht. Darüber hinaus gab es religiös anbiedernde Kommentare von Journalisten, die nicht nur eines säkularen demokratischen Staates unwürdig sind, sondern auch die Pressefreiheit durch vorgelebtes Duckmäusertum unterwandern.

Gerade das Deutsche Volk hat nach den Schrecken der Naziherrschaft ein empfindliches Sensorium entwickelt, was die Menschenrechte betrifft. Die Erinnerung an die Greueltaten der "Engel des Todes" in den Konzentrationslagern nimmt die Deutsche Regierung in die moralische Pflicht, jedem Verstoss gegen Menschenrechte, insbesondere im eigenen Land, Einhalt zu gebieten. Dieser moralischen Pflicht können sich auch Religionen nicht entziehen, egal ob sie der Deutschen Leitkultur angehören oder nicht. Umso mehr, wenn es sich um die körperliche Unversertheit von Kleinkindern handelt.

Die Deutsche Regierung hat Angst in dieser Debatte den Unmut der Gläubigen auf sich zu ziehen und vor der Welt wieder als unbelehrbar antisemitisch zu gelten.

Die Deutsche Regierung sollte die Stimme des Volkes ernst nehmen und den Mut besitzen, der Welt ein Vorbild darin zu sein, die Menschenrechte zu achten und gegen tradierte, ideologische, menschenverachtende Verstümmelungsrituale zu verteidigen.
 
 
 
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