21/10/2012 12:16
Schmerzmittel als Drogen
Der Missbrauch an Schmerzmitteln nimmt bei jungen Menschen drastisch zu, in den USA sterben mittlerweile mehr Menschen an einer Überdosis dieser Medikamente als von der Überdosis von Kokain und Her... »







Diskussion
Ich kann mir drei Gründe zusammenbasteln:
1. Die Menschen in den USA sind im Gebrauch von medizinischen Leistungen und Medikamenten viel pragmatischer als Europäer (sofern sie sich die Krankenkasse leisten können). Sie schlucken gerne und die Drugstores mit den 1-Kilo-Packungen food supplements zeigen dies eindrücklich. Zum Psychiater zu gehen ist keine Schande. Nachdem Grossmutter zum Beispiel mit Benzodiazepinen die Kinder grossgezogen hat, kann die Tochter mit modernen SSRI (Prozac) weitermachen. Schliesslich muss die Show weitergehen und der Ami ist sicher der Letzte, der Trübsal bläst.
2. Diese soziokulturelle Veränderung bezieht die heutigen Grosskinder mit ein. Das heisst, die Eltern leben es vor, die Kinder ahmen das Verhalten nach und die Hemmschwelle zur Verschreibung sinkt. Das ist à priori nicht negativ. Alle Eltern wollen das Beste für ihren Nachwuchs und sie sollen es einfacher haben. Darüber hinaus muss man festhalten, das während peripher wirkende Schmerzmittel (über die Cyclooxigenase I und II, wie Ibuprofen, Paracetamol, Acetylsalicylat) lediglich Schmerz, Fieber, Entzündung senken, diejenigen Schmerzmittel wie Vicodin aber auf Opioid-Rezeptoren im Gehirn wirken. Dafür ist die Wirkung angenehmer, der Husten verschwindet auch, aber das Suchtpotential ist gross. Dr. House stellt diese Problematik schön dar.
3. Wir haben eigentlich erst seit dem zweiten Weltkrieg eine gute Palette an wirksamen, fundamentalen Medikamenten. Die meisten sind erst in den 60-ern synthetisiert worden. Das heisst, wir haben erst drei Generationen an Erfahrung. Wir können also einerseits argumentieren: wenn wir schon einen riesigen Aufwand betreiben, um solche Medis zu entwickeln, sollten wir sie auch einsetzen. Zudem ist in den letzten zehn Jahren die Gesundheit, die Prävention und Risikominimierung in den gesellschaftspolitischen Vordergrund gerückt und hat ein penetrantes Sicherheitsdenken mit allerlei Ängsten hervorgebracht (Velohelm, Rauchverbot). Gleichzeitig muss aber gearbeitet, gesoffen, gespörtlet und Party gemacht sein, und das in schneller Folge. Da kommen solche Medis natürlich gerade recht.
Ich bin von dieser Entwicklung allerdings nicht sonderlich angetan. Wie du weisst, mag ich es lieber pure and simple, denn weniger ist mehr...;-)
dass in den USA Schmerzkrankheiten im Vormarsch sind,
dürfte es sich nicht um somatische Schmerzen handeln.
Geht es etwa darum, sich legal und für bestimmte Kreise sogar
profitfördernd, dem stets wahr oder vermeintlich wachsenden
Druck der Gesellschaft zu entziehen? Stempelt diese etwa
durch das permanente Hervorheben von Spitzenleistungen
indirekt immer mehr Menschen zum Versagern?
Eher könnte man sagen,daß die Pharma - Industrie uns wie Zombies am Leben hält
und durch ihren massiven Einfluß in Politik & Wirtschaft allerlei,auch schlecht getestete Psychopharmaka in den Handel bringen kann - sozusagen eine völlig realistische Versuchsreihe :-))
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