16/05/2008 16:44
Das Ende der Berufsfotografie?
Der Du-Alleinredaktor Walter Keller stellt im Heft zur ewz.selection die Berufsfotografie in Frage. Aufgrund von Handybildern und Leserreportern sei die Unterscheidung von Amateur und Profi unscha... »







Diskussion
Dass heute jeder meint er sei ein Fotograf, bloss weil die Digi-Kameras von sich aus Blende, Tiefenschaerfe und Beleuchtungszeit einstellen und man 1000 Bilder zum Nullpreis schiessen kann, ist nur laecherlich.
Ihre Aussage ist typisch für einen Geisteswissenschafter (ich bin auch einer). Irgendwie muss man die langen Studienjahre rechtfertigen, wenn alles nur subjektiv sein soll, geht das natürlich nur schwer... Das Problem ist: die "objektiven" Kriterien sind im Moment des Entstehens eines Kunstwerks meist noch gar nicht definiert bzw. erkannt, die Wissenschaft (und auch die Kunstkritik) hinkt da hinterher, oft Jahrzehnte. Falls Sie, Herr Reichenstein, diese Kriterien schon kennen, dann müssten Sie nicht mühsam Websites programmieren, sondern wären längst als Kunsthändler reich geworden...
Ansonsten hat Sabine Gysi sehr recht, finde ich. Keiner, der nicht Lehrer ist, wird als Lehrer eingestellt. Vielleicht sollte es eine Art Künstlertest geben? Zumindest für geförderte Künstler...
Ich frage mich allerdings, ob ein solcher "Test" sinnvoll wäre, denn auch das Gegenteil ist denkbar: Dass jemand alle Techniken perfekt beherrscht, und trotzdem schafft er nichts, das über gutes Handwerk hinausgehen würde.
Zum Beitrag: Ich denke auch nicht das die Berufsfotografie am Ende ist, aber die Zeiten könnten härter geworden sein.
Ich bin mir nicht sicher, ob Subjektivitaet vs Objektivitaet die richtige Keule ist, um dem Kuenstler, dem Fotografen oder dem Geisteswissenschaftler das Genick zu brechen -- im Gegenteil! Niemand versteht die (subjektive) Konstruktion von Objektivitaet besser als der, der sich mit verschiedenen Sprachformen, ihren Problemen, Bedingungen und Ergebnissen beschaeftigt, als der Geisteswissenschaftler.
Da Kunst (und damit ein Teil der Fotografie), wie wir beide denken, eine "andere Sprache" ist, bedarf sie der Eloquenz, der Kenntnis der sie bestimmenden Konventionen und ihrer Anwendungen, der Kreativitaet -- des Koennens. (Etymologie ist -- fuer sich -- niemals ein sich genuegendes Argument, sie liefert aber oft Hinweise, oeffnet Tueren). Ein guter Fotograf weiss, was er tut.
Ja, es ist schwierig fuer den Nichtkenner, die Gekonntheit der Kunst zu sehen und zu verstehen, da sie sich ja in einer anderen Sprachebene bewegt, aber wer Fotografie versteht, kann sie -- wenn auch nicht vollstaendig, so hindeutend -- entschluesseln und uebersetzen, so wie der Musikkenner einem Musikbanausen wie mir Musik erklaeren kann. Beides eine durchaus faszinierende Erfahrung, die dem Herrn Keller hoffentlich nicht so fremd ist. Sonst Gute Nacht "Du"!
Perfekt formuliert:
"...aber wer Fotografie versteht, kann sie -- wenn auch nicht vollstaendig, so hindeutend -- entschluesseln und uebersetzen...etc...."
Seit etwa 10 Jahren interessere ich mich für Fotografie und kaufe auch ab und zu Arbeiten von Fotografen die ich mag. Das bringt mit sich, dass ich Ausstellungen besuche und auch immer wieder interessante Diskussionen mit Künstlern und anderen Interessierten führe. So lernet ich mit der Zeit die Sprache der Fotografie zu lesen.
Ein geübtes Auge sieht immer mehr.
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